Vom Alpha entführt - Buchumschlag

Vom Alpha entführt

Annie Whipple

Kapitel 14

BELLE

„Okay, du bist also ein Werwolf.”

Grayson zog eine Augenbraue hoch. „Das hast du bemerkt?”

Ich starrte ihn wütend an. „Wie?”, fragte ich.

„Was, wie?”

„Wie kannst du ein Werwolf sein?”

Er lehnte sich zurück und dachte einen Moment lang darüber nach.

„Nun, das ist kompliziert. Wir sind uns nicht sicher. Ich wurde so geboren. Ich habe meinen Wolf bekommen, als ich in die Pubertät kam. Man wird nicht zu einem Werwolf oder so.

Wir wissen, dass unsere Vorfahren etwas mit Wölfen zu tun gehabt haben müssen, aber wir wissen nicht genau, was das war oder woher unsere Spezies kommt.

Wir nehmen aber an, dass es etwas mit Magie zu tun hat.”

„Magie?”, fragte ich.

Er nickte. „Ja, eine Art Ritual, um unsere Vorfahren stärker zu machen oder so.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Gibt es also auch … andere Dinge?”

Er sah mich fragend an. „Andere Dinge?”

„Ja, so etwas wie Hexen und Zauberer, Feen oder Vampire?”

Seine Augen verdunkelten sich ein wenig.

„Ja, das gibt es alles. Aber wir bleiben unter uns. Unsere Spezies … verstehen sich nicht gerade gut miteinander. Vampire und Werwölfe befinden sich seit Jahrhunderten im Krieg.”

Ich zögerte kurz. „Was ist mit dem Osterhasen?”

Grayson starrte mich einen Moment lang an. Er versuchte, es zurückzuhalten, aber schlussendlich brach er in schallendes Gelächter aus.

„Ich erzähle dir von einem Krieg zwischen Werwölfen und Vampiren und du machst dir Sorgen um den Osterhasen?”

Ich blickte auf meine Hände hinab. Er hatte recht. Ich hörte mich wahrscheinlich wie ein kleines Kind an.

Ich spürte Finger, die sich unter mein Kinn legten und meinen Kopf anhoben. Mein Blick traf den von Grayson.

„Tut mir leid”, flüsterte er.

„Ich habe es nicht so gemeint. Das ist eine berechtigte Frage, nach allem, was du in den letzten Tagen durchgemacht hast. Nein, den Osterhasen gibt es nicht. Genauso wenig wie die Zahnfee und den Weihnachtsmann.”

Er lächelte. „Tut mir leid, wenn das deine Kindheit ruiniert.”

Ich war ein bisschen enttäuscht, versuchte aber, es mir nicht anmerken zu lassen.

Ich griff nach seiner Hand, die immer noch unter meinem Kinn ruhte, und bewegte sie weg. Ich zeigte zu seinem Platz.

„Deine Seite”, erinnerte ich ihn.

Er knurrte leise etwas, folgte aber meinem Befehl, obwohl er nicht glücklich darüber zu sein schien.

Ich atmete tief durch und bereitete mich auf die nächste Frage vor, die ich ihm stellen wollte.

„Warum bin ich hier? Was willst du von mir?”

Er seufzte. „Belle …”

Er lehnte sich vor und ich konnte sehen, dass er mich unbedingt berühren wollte. Er starrte wütend auf die Kissen, bevor er mich wieder ansah.

„Du bist meine Gefährtin.”

„Ja, das hast du erwähnt. Aber was bedeutet das?”

Er schien Bedenken zu haben, mir das zu erklären, während er dasaß und herumzappelte.

„Es bedeutet, dass wir dazu bestimmt sind, zusammen zu sein. Wir sind dazu bestimmt, ein Paar zu sein und einander zu lieben. Wir sind Seelenverwandte.”

Ich starrte ihn ein paar Sekunden lang an. Ich dachte, ich hätte nicht richtig verstanden, was er da gesagt hatte. „Wie bitte?”

Grayson starrte mir tief in die Augen. Ich hatte das Gefühl, dass er direkt in meine Seele blicken konnte. „Wir sind Seelenverwandte.”

„Was meinst du damit? Das ergibt keinen Sinn.”

„Ich weiß, aber lass mich versuchen, das zu erklären. Wölfe binden sich normalerweise für ihr ganzes Leben aneinander. Die Bindung fürs ganze Leben ist besonders für Werwölfe wahr.

Jeder Werwolf hat einen sogenannten ‘Gefährten’, also jemanden, für den sie ein Leben lang bestimmt sind.”

„Du … Du meinst” — Ich zögerte über meine nächsten Worte — “Du meinst, romantisch?”

Er lächelte. „Du bist niedlich.”

Ich wurde tiefrot und er kicherte.

„Ja, ich meine romantisch. So wie Ehemann und Ehefrau unter den Menschen. Aber es ist eher Ehemann und Ehefrau auf den ersten Blick, weil wir sofort wissen, dass wir füreinander bestimmt sind.”

„I-ich …” Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. „Und du glaubst, ich bin deine Gefährtin?”

Sein Ausdruck wurde härter. „Ich glaube nicht, dass du meine Gefährtin bist, ich weiß es.”

Ich rutschte von ihm weg und seine Augen verengten sich. Ich war hin- und hergerissen.

Eine Hälfte von mir wollte ihm in die Arme springen und ihn nie verlassen, die andere Hälfte wollte die Flucht ergreifen.

Konnte es sein, dass er sich das alles ausgedacht hatte?

„Woher weißt du das?”, fragte ich.

„Nun, es beginnt bei deinem Geruch. Man riecht seinen Gefährten, wenn man ihm zum ersten Mal begegnet. Das soll der beste Geruch sein, den man in seinem ganzen Leben riecht.”

Er lehnte sich vor und atmete tief ein.

„Ich habe dich gerochen, als ich ins Flugzeug gestiegen bin, und ich wusste sofort, dass du mir gehörst.”

Daher wusstest du es?”, fragte ich skeptisch. „Weil ich gut gerochen habe?”

Er nickte. „Es gibt noch andere Anzeichen. Zum Beispiel, wenn wir uns berühren. Dann fliegen Funken.”

Ich wendete meinen Blick ab. Er sprach von dem kleinen Feuerwerk, das immer durch meinen Körper ging, wenn er mich berührte. Ich hatte es gespürt.

Und das machte mir Angst, weil das bedeutete, dass wenigstens eins der Dinge, die er sagte, wahr war.

„Belle”, sagte Grayson, „ich weiß, dass du weißt, wovon ich rede. Du hast die Funken auch gespürt, oder?”

Ich saugte meine Lippen ein. „Ähm … Ich … Ich weiß nicht…”

Er hob seine Hand. „Fass mich an.”

Ich sah ihn skeptisch an. „Ich habe dir schon gesagt, ich bin nicht—”

„Ich werde nichts tun, Belle”, unterbrach Grayson mich. „Berühre einfach meine Hand.”

Seine Stimme ließ keine Widerrede zu, also hob ich langsam meine Hand und legte sie an seine.

Meine Hand kribbelte sofort, und das Gefühl breitete sich meine Arme hinauf und dann hinab zu den Zehen aus. Ich keuchte.

„Kannst du sie spüren?”, fragte er, während er seine Finger mit meinen verschränkte.

Ich nickte und war beeindruckt davon, wie gut sich die Funken anfühlten. So verrückt sich das auch anhören mag, da war definitiv etwas Magisches an seiner Berührung, und was er da erzählte, ergab irgendwie Sinn.

Sein Lächeln wurde breiter, als er auf unsere verschränkten Finger blickte. Sein Lächeln raubte mir den Atem.

„Das ist die Verbindung, die sich zwischen uns bildet. Ich kann sehen, dass unsere Verbindung stark ist, weil die Funken so intensiv sind. Und deine Reaktion, wenn ich dich berühre, beweist das auch.”

Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen.

Ich ließ sofort meine Hand fallen. „Meine Reaktion auf deine Berührung? Ich reagiere nicht auf deine Berührung!”

Er zog eine Augenbraue hoch. „Hast du nicht gerade erst vor wenigen Minuten gesagt, dass du keinen klaren Gedanken fassen kannst, wenn ich dich berühre?”

Meine Wangen glühten rot. Das habe ich wirklich gesagt, oder?

Grayson lachte. „Das ist okay, Schönheit. Wenn du mich berührst, geht es mir genauso.”

Meine Augen schossen zu den seinen. „Echt?”

Sein Blick wurde weicher.

„Natürlich. Ehrlich gesagt weiß ich, dass meine Gefühle für dich stärker sind als deine für mich. Ich bin ein Alpha, deshalb habe ich den Instinkt, dich zu beschützen, zu lieben und für dich zu sorgen.”

Ich blinzelte ihn an. „Ein Alpha?”

„Du weißt, dass Wölfe in Rudeln leben?”

Ich nickte.

„Nun, es gibt auch einen Anführer des Rudels. Es ist immer der stärkste Wolf, der das Rudel anführt – der ‘Alpha‘. Ich bin der Alpha meines Rudels.”

Ich verlagerte mein Gewicht.

„Du bist der stärkste Wolf in deinem Rudel?”

„Ja. Und mein Rudel ist wahrscheinlich das stärkste der Welt. Ich wurde Alpha, als ich 16 war, nachdem ich den vorherigen Alpha herausgefordert und besiegt habe.

Aber ich und die Leute in meinem sozialen Umfeld wussten schon früh, dass ich wahrscheinlich jung Alpha werden würde, basierend auf der Größe meines Wolfs und meiner Fähigkeiten als Kämpfer und Anführer.”

Ich war ein wenig eingeschüchtert von seiner Macht und seiner Stärke. Ich hatte schon das Gefühl gehabt, dass er mich wie einen Käfer zerdrücken konnte, aber jetzt, da ich wusste, dass er übermenschlich stark war, hatte ich noch mehr Angst vor ihm.

Grayson seufzte. „Du musst dir keine Sorgen machen, Schönheit. Ich würde dir nie wehtun. Mein Wolf würde das nie erlauben.”

Ich war mir noch immer nicht sicher, ob ich ihm vertraute. „Darum nennt Kyle dich also immer ‘Alpha’?”

Grayson nickte. „Ja. Das ist eine respektvolle Anrede.”

„Und warum hat er mich ‘Luna’ genannt?”

„Weil du die Gefährtin des Alphas bist, und diese Person nennt man Luna. Er würde dich nie anders nennen.”

„Das ist also so, als würde man jemanden ‘König’ oder ‘Königin’ nennen? Das ist dazu da, die Hierarchie aufzuzeigen?”, fragte ich.

Er lächelte und nickte.

„Ja, genau so ist es. Du bist meine Königin.”

Ich versuchte, den intensiven Blick zu ignorieren, der in seinen Augen lag, und meine Instinkte, die mir sagten, dass ich ihn berühren soll, aber das wurde immer schwieriger.

Die Bisswunde an meinem Hals tat weh.

Das erinnerte mich an eine andere Frage, die ich hatte: „Warum hast du mich gebissen?”

Er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Ja, ich wusste, dass die Frage kommen würde.” Er seufzte.

„Ein männlicher Wolf beißt eine weibliche Wölfin, um allen anderen Wölfen zu zeigen, dass sie ihm gehört. Je größer das Mal, desto höher der Rang des Gefährten des Weibchens. Dein Mal ist groß”, sagte er stolz und sah auf das Mal an meinem Hals.

Ich rollte mit den Augen.

„Eingebildet oder so?”, flüsterte ich.

Als ich zurückblickte, war Graysons Gesicht direkt vor meinem. Ich konnte seinen Atem auf meinen Wangen fühlen. Ich keuchte.

„Was war das, Gefährtin?”

Ich schüttelte den Kopf. “N-nichts”, stotterte ich.

„Hmm … Da gibt es noch etwas, das du über Werwölfe wissen solltest, Schatz …“ Graysons graue Augen blickten in meine. „Wir haben ein ausgezeichnetes Gehör.”

Seine Lippen waren meinen sehr nahe. Wenn ich mich nach vorne bewegen würden, würden meine Lippen die seinen treffen.

Ich lehnte mich zu ihm und suchte instinktiv die Wärme seines Mundes auf meinem. Doch gerade, bevor ich ihn küssen konnte, bewegte sich Grayson weg.

Selbstgefällig sah er mich an.

„Tut mir leid, ich habe vergessen, auf meiner Bettseite zu bleiben.“ Er lehnte sich auf seinen Armen zurück. „Außerdem küsse ich dich nicht, bis du mich darum bittest, weißt du noch?”

Ich starrte ihn wütend an. Ich mochte dieses Spiel nicht, das zu spielen er mich zwang.

Er lachte über meinen Versuch, wütend auszusehen. „Sag mir, dass ich dich küssen soll, und dein Problem ist gelöst.”

Ich spottete. Als würde ich das jemals machen. „Auf keinen Fall!”

Er zuckte mit den Schultern. „Selber schuld, Liebling.”

Ich bewegte mich unbehaglich und verhärtete meinen Blick. „Du hast mich also gebissen, um dein Eigentum zu beanspruchen?”

Sein Blick wanderte langsam an meinem Körper auf und ab und dann grinste er.

„Ja. Du hast schon mir gehört, aber das Mal unterstreicht die Tatsache und lässt es alle um uns herum wissen.”

Ich schluckte hart. Ich atmete tief durch und bereitete mich auf meine nächste Frage vor.

„Wirst du mich jemals gehen lassen?”

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