Vom Alpha entführt - Buchumschlag

Vom Alpha entführt

Annie Whipple

Kapitel 9

BELLE

Ich würde auf keinen Fall eine Dusche nehmen, wie er wollte.

Wer konnte wissen, wie viel Zeit ich hatte, bevor er zurückkam, um nach mir zu sehen?

Ich ließ die Decke fallen, die ich um mich gewickelt hatte, ging schnell dorthin, wo meine Leggings und mein BH lagen und schnappte sie mir.

Ich ging ins Badezimmer. Zuerst stellte ich die Dusche an.

Wenn er dachte, ich tue, was er will, würde ich mehr Zeit haben.

Dann benutzte ich die Toilette – ich war schon lange nicht mehr auf der Toilette gewesen – und zog meinen BH und meine Leggings an.

Ich sah zur Badezimmertür. Okay, Zeit, hier rauszukommen.

Ich ließ die Dusche laufen, ging aus dem Badezimmer und ging zum Fenster hinüber.

Ich hatte es zuvor nicht bemerkt, aber das Zimmer hatte einen Balkon. Praktisch.

Bevor ich nach draußen ging, starrte ich sehnsüchtig zu meinem Gepäck. Ich wollte es gerne mitnehmen, aber ich konnte mich nicht davon verlangsamen lassen.

Ich würde die Polizei später schicken müssen, um es zu holen, nachdem ich entkommen war.

Ich trat nach draußen auf den Balkon. Wow. Das war echt hoch. Unter mir hatte das Hotel mehrere Stockwerke. Ich sah nach oben. Über mir waren keine anderen Stockwerke.

Wir waren ganz oben. Wir waren im verdammten Dachgeschoss.

Gab es einen anderen Weg hier raus?

Die Eingangstür war neben der Küche und ich würde nicht dorthin kommen, ohne Grayson zu begegnen, der Frühstück machte. Das war also keine Option. Und ich hatte keine anderen Türen gesehen.

Ich sah nach links. Im Nachbarzimmer gab es eine Treppe außerhalb des Zimmers. Ich nahm an, das war eine Feuerleiter.

Das würde klappen!

Ich rannte aus dem Zimmer und schlich mich durch die nächste Tür. Das Zimmer sah genau so aus wie das, in dem Grayson und ich die Nacht verbracht hatten.

Ich ging zum Fenster und öffnete es. Ich kletterte nach draußen und bewegte mich auf die Feuerleiter zu.

Oh mein Gott, das könnte funktionieren.

So leise ich konnte, rannte ich die Treppe hinunter.

Mir war bewusst, dass das nächste Fenster, an dem ich vorbeikommen würde, auf dem Stock lag, in dem Grayson gerade war. Ich musste vorsichtig, schnell und leise sein.

Als ich gerade an dem Fenster vorbeigehen wollte, hielt ich inne. Es war offen. Das verdammte Fenster war offen. Das würde meine Flucht deutlich erschweren.

Ich schaffe das. Ich muss das schaffen.

Ich kroch schnell an dem Fenster vorbei, ohne auch nur einen Blick hineinzuwerfen.

Gerade, als ich fast die Stufen erreichte, die mich zum nächsten Stockwerk bringen würden, ergriff eine Hand mein Handgelenk und zog mich nach hinten.

Ich schrie lauthals, als ich durch das Fenster gezogen und über eine Schulter geworfen wurde.

Ich versuchte gegen den Rücken der Person zu schlagen, die mich festhielt, aber er ließ nicht los.

„Nein! Lass mich runter!”, schrie ich. „Lass mich los!”

Zuerst dachte ich, es wäre Grayson, der mich festhielt. Aber es flogen keine Funken und bei der Berührung dieser Person bekam ich eine Gänsehaut.

Und dann sprach Grayson: „Bring sie hier rüber, Kyle.”

Ich wurde in die Küche getragen und auf der Küchentheke abgesetzt. Grayson stand neben mir und rührte die Eier in einer Pfanne auf dem Herd um.

„Hallo”, sagte er lässig und sah zu mir auf.

Ich schluckte. War er wütend? Er wusste, dass ich versucht habe, zu entkommen.

„Hi”, hauchte ich.

Er wendete sich wieder seinen Rühreiern zu. „Würdest du hochgehen und die Dusche abstellen?”

Kyle nickte. „Natürlich, Alpha.” Er sah mich noch einmal an und biss sich auf die Lippe, um ein Lächeln zu verbergen. Ich starrte ihn wütend an.

Er kicherte und ging weg, wobei er den Kopf schüttelte.

Die Flucht war also gescheitert. Jetzt war es Zeit für Plan B: Mich süß und lieb zu verhalten, bis Grayson mir vertraute, und dann irgendwie hier rauszukommen.

Grayson drehte sich der Kücheninsel hinter sich zu und begann, Erdbeeren zu schneiden.

„Du wolltest also keine Dusche nehmen, hm?”

Wie soll ich darauf antworten? „Ähm … nein.”

„Aha …” Grayson öffnete den Schrank neben mir und holte eine Schüssel heraus, dann drehte er sich wieder den Erdbeeren zu, die er gerade geschnitten hatte, und legte sie hinein.

„Was hast du da draußen gemacht?”

„Ähm … I-ich …”, stotterte ich. „Ich wollte etwas frische Luft schnappen!”

Das ist glaubwürdig, oder?

„Auf der Feuerleiter?”, fragte er und stellte die Schüssel neben mir auf die Küchentheke.

„Warum bist du nicht einfach auf den Balkon in unserem Zimmer gegangen?“ Er drehte sich den Rühreiern zu und stellte die Herdplatte aus.

Ja, warum bin ich nicht einfach auf den Balkon gegangen? Das war eine gute Frage. Ich sah auf meinen Schoß hinab.

„Ich … Äh, naja, ich …”

Graysons Hand war plötzlich auf meinem Knie.

„Hier, probier das.” Er steckte seinen Finger in meinen Mund. Was auch immer da auf seinem Finger war, schmeckte unglaublich. Es war süß und zitronig.

Mit seinem Finger noch immer in meinem Mund, sah ich Grayson in die Augen. Sie waren pechschwarz. Ich bewegte meinen Kopf zurück, bis sein Finger mit einem befriedigenden Knall aus meinem Mund schoss.

„Schmeckt es dir?”, fragte er in einer tiefen und belegten Stimme.

Ich nickte.

„Das ist für den Zitronenbraten”, erklärte er. Sein Blick löste sich nie von meinen Lippen. „Du hast da etwas.”

Er trat zwischen meine Beine und legte seine Hand um meinen Nacken, um mein Gesicht näher an das seine zu ziehen.

Ich dachte ernsthaft darüber nach, ihn wegzudrücken, aber dann wäre mein Versuch, mich süß zu verhalten, schon vorüber.

Er nahm meine Unterlippe in seinen Mund und leckte sie sauber.

Ich lehnte mich stärker gegen ihn, konnte mich nicht kontrollieren und wollte meine Lippen auf seine drücken, aber er löste sich plötzlich von mir.

„Oh, tut mir leid”, sagte er. „Ich habe vergessen, dass du nicht willst, dass ich dich anfasse.”

Ehrlich gesagt hatte ich das auch vergessen.

Ich starrte ihn wütend an. Ich wusste, was er da machte. Er konnte mich nicht einfach heiß machen und dann einfach aufhören. Das war unfair.

Er hob eine Augenbraue, als würde er mich herausfordern, meine Worte zurückzunehmen.

Nein, das würde ich sicherlich nicht machen.

Er legte seine Hand auf meine Wange.

„Das nächste Mal küsse ich dich erst, wenn du mich darum bittest.”

Nun, das hörte sich für mich gut an. Das bedeutete, dass ich ihn nie wieder küssen würde. Und das will ich auch nicht!,~ sagte ich zu mir selbst.

Er trat von mir zurück, nachdem ich nickte.

Als ich bemerkte, wie dunkel seine Augen geworden waren, versuchte ich, das Thema zu wechseln.

„Warum werden deine Augen schwarz?”

Als sich seine Augen zum ersten Mal schwarz verfärbt hatten, hat mir das wirklich Angst gemacht. Ich meine, das ist nicht normal. Aber jetzt, da ich es mehrmals gesehen hatte, war ich es gewohnt.

Ehrlich gesagt war ich es nicht nur gewohnt, ich fand es fast beruhigend. Da war etwas an Graysons schwarzen Augen, das mich anzog und mir das Gefühl gab, beschützt und sicher zu sein.

Seine Augen schossen zu den meinen. Sie waren noch immer schwarz. „Das ist eine sehr lange Geschichte.“

„Ich habe Zeit.” Besonders jetzt, da es so aussah, als würde ich hier nicht so schnell rauskommen.

Er nahm einen Teller aus dem Schrank und füllte ihn mit den Rühreiern, die er gemacht hatte.

Dann ging er hinüber zu dem extravaganten Esstisch in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers. Ich hatte es zuvor nicht bemerkt, aber der Tisch war mit Frückstückssachen bedeckt.

Es gab Croissants, Pfannkuchen, Obst, Gebäck, Kartoffelpuffer, Eier, Speck, Würste und noch viel mehr – ganz zu schweigen von Kaffee und Saft in Kristallglaskrügen.

Ich gaffte auf die riesige Auswahl.

Grayson hielt inne, als er mein überraschtes Gesicht sah.

„Ich wusste nicht, was du magst, also habe ich einfach alles besorgt, was mir eingefallen ist. Manches habe ich selbst gemacht und manches vom Zimmerservice bestellt.”

„Das ist eine Menge Essen”, sagte ich.

Lächelnd kam er auf mich zu. „Iss einfach, was du willst, Schatz.”

Er stand vor mir und hob mich hoch, wobei er meine Beine um sich schlang, als wäre ich ein Kind.

Ich wollte gerade protestieren und verlangen, dass er mich absetzen soll, aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich mich jetzt nett verhalten wollte.

Grayson musste mir vertrauen.

Also schlang ich meine Arme um seinen Hals und lehnte meinen Kopf gegen seine Schulter.

Ein tiefes Knurren erklang aus seiner Brust, als sich seine Arme fester um mich legten.

Er setzte sich auf einen der Stühle am Esstisch und behielt mich auf seinem Schoß. Er stellte zwei Teller vor uns ab. Es war mir unangenehm, auf seinem Schoß zu sitzen. Ich windete mich ein bisschen.

„Ich kann auf meinem eigenen Stuhl sitzen”, sagte ich.

„Nein. Je näher du mir bist, umso einfacher wird der Übergang für dich.”

Er lud ein paar Eier auf meinen Teller. Und ein paar Pfannkuchen. Und etwas Speck. Und einen Muffin. Und alles andere in Greifweite.

„Ist das alles für mich?“, fragte ich. Er konnte unmöglich von mir erwarten, dass ich das alles essen würde.

„Iss einfach, was du willst, Baby. Ich weiß, dass du seit dem Flug gestern nichts gegessen hast. Ich will nur ein paar Kalorien in dich bekommen.”

Naja, das ist irgendwie süß. Er will sich um mich kümmern. Sofern man das von Entführern sagen konnte, war er einer der Guten.

Aber ich beäugte das Essen trotzdem misstrauisch. Was, wenn er etwas damit gemacht hat? Was, wenn es vergiftet ist?

Ich spürte seinen Atem an meinem Ohr. „Auch wenn ich froh bin, dass du vorsichtig bist, wenn du unbekanntes Essen isst, musst du trotzdem essen. Ich verspreche dir, dass mit dem Essen alles in Ordnung ist, Belle.”

Er nahm einen Bissen von meinem Muffin, um es mir zu beweisen, und legte ihn dann wieder auf meinen Teller.

„Und jetzt iss.”

Ich ergriff zitternd meine Gabel und schob mir ein paar Eier in den Mund.

Er nickte zustimmend und begann, seinen eigenen Teller zu füllen.

Wir saßen ein paar Minuten lang schweigend zusammen, während ich mir Essen in den Mund schaufelte. Mir war nicht bewusst gewesen, wie hungrig ich war. Außerdem brauche ich meine Kraft, wenn ich von hier entkommen will.

Ich würde so viel essen, wie ich konnte.

Und das Essen war auch wirklich lecker.

Als ich anfing, langsamer zu essen, bemerkte ich, dass Grayson mein Bein streichelte, während er mir zusah, wobei er gleichzeitig seinen eigenen Teller leer aß.

Ich windete mich nervös, entschied mich aber, seine Hand nicht zu entfernen.

Ich konnte es aushalten, dass er mich berührte, solange es nicht zu intim wurde.

„Iss mehr”, sagte Grayson.

Ich lehnte mich zurück und schüttelte den Kopf, wobei ich meinen Teller von mir wegschob. „Wenn ich noch mehr esse, platze ich vielleicht.”

„Stimmt. Ich habe vergessen, dass du nicht so viel essen kannst wie wir.”

Ich sah ihn wieder an. „Wir? Wer ist Wir?”

Grayson nickte und seufzte. „Jetzt, da du dich ausgeruht und etwas gegessen hast, schätze ich, dass ich anfangen kann, deine Fragen zu beantworten.”

Er fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht und drehte dann langsam meinen Körper um, sodass ich rittlings auf ihm saß.

„Hab bitte keine Angst.”

„Okay …” Ich hatte nicht erwartet, was als nächstes passieren würde.

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