Die Millennium Wölfe - Buchumschlag

Die Millennium Wölfe

Sapir Englard

Das Date 🌶️🌶️

SIENNA

„Ich dachte, du hattest gesagt, es wäre ein Notfall“, blaffte ich meine Mutter an. Wenn Blicke töten könnten.

„Und die Überraschung verderben? Ich habe Herrn Norwood nur einige deiner Babyfotos gezeigt. War sie nicht bezaubernd?“

„Ja. Schon damals war zu sehen, dass sie eine starke, schöne Frau werden würde“, erwiderte er mit einem bezaubernden Seitenblick zu mir. Die goldig-grünen Augen funkelten. „Der Tee ist köstlich, Frau Mercer.“

„Nicht doch. Einfach nur Melissa“, antwortete sie mit einem Kichern.

Ich könnte kotzen. Meine eigene Mutter war mehr in meinen Partner verknallt als ich. Ich wette, sie dachte, dass ich mich diese Saison mit Aiden paaren würde.

Aber ich hatte ihm jetzt schon so oft direkt in die Augen geschaut und nie hatte ich dabei das Gefühl, dass er der Richtige für mich sei.

Er benutzte mich nur für seine Zwecke. Das war klar.

„Wie war es in der Stadt?“, fragte er und warf mir ein teuflisch charmantes Grinsen zu.

Was ging ihn das an? Wusste er von Jocelyn?

„Normal“, erwiderte ich und versuchte, mich nicht von seinem Aussehen beeindrucken zu lassen. Das war gar nicht so einfach, denn sein Hemd schmiegte sich eng an seine breite Brust und umspannte die muskulösen Arme. Seine perfekt sitzende Jeans unterstrich die wohlgeformten, kräftigen Beine.

An seinem schelmischen Lächeln sah ich, dass er genau wusste, wie ich mich anstrengte, um die Hitze in mir zu unterdrücken. „Ich glaub, ich hab dich noch nie mit offenem Haar gesehen. Steht dir gut. Besonders mit der Markierung, die du da hast.“

Ich hatte völlig vergessen, dass ich meine Haare zu einem losen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, als ich aus der Galerie kam. Der Wind hatte sie zerzaust und das Gesicht glänzte verschwitzt.

Ich sah unordentlich und abscheulich aus und er wusste es. Während er, der arrogante Mistkerl, sich in seiner Schönheit sonnte.

„Was machst du hier?“, fragte ich, ohne mich um Formalitäten zu scheren. Nach den Geschehnissen an diesem Nachmittag machte es wenig Sinn, sich mit Höflichkeiten aufzuhalten.

„Ich hab eine Aufgabe“, sagte er amüsiert. „Ich möchte mehr über dich und deine Familie erfahren. Heute Nachmittag wurde mir klar, dass wir uns kaum kennen.“

Natürlich nicht. Du hast mich aus einer Laune heraus markiert. Trotzdem machte es mir Hoffnung, dass er die Taktik änderte. Vielleicht hatte Jocelyn meine Botschaft weitergegeben und er würde sich wirklich bessern. ~Ziemlich schnell~, dachte ich.

Ich verschränkte die Arme und sah ihn genervt an. „Und was ist diese ‚Aufgabe‘?“

Erstaunt verfolgte ich, wie er aufstand und meine Hand nahm. „Sienna, möchtest du heute Abend mit mir essen gehen?“

Das Arschloch schmeichelte sich bei mir ein und sein Trick hatte auch noch Erfolg. Die Höflichkeit in Person. Wahrscheinlich, weil meine Mutter dabei war. Sie sah aus, als wäre der Traum ihres Lebens gerade in Erfüllung gegangen.

Ich lief rot an und mein Herz schlug so laut, dass er es ganz sicher hörte.

Ich war entzückt. Geradezu verzaubert. Vielleicht hatte Jocelyn ja doch recht, was ihn anging.

Vielleicht verdiente Aiden Norwood eine zweite Chance.

„Ich bin gar nicht angezogen, um auszugehen“, sagte ich leise protestierend.

„Ich auch nicht“, sagte er grinsend. „Aber das lässt sich doch ändern?“

Ja klar, dachte ich, ließ mir mit der Antwort aber Zeit. Ich wollte nicht so leicht nachgeben. Schließlich nickte ich. „Ja.“ Und um auf der sicheren Seite zu sein, fügte ich hinzu: „Diesmal schon.“

Aiden lachte und schüttelte den Kopf. Meine Zurückhaltung amüsierte ihn. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, führte er mich zu seinem Auto und wir fuhren los.

Mir war bewusst, dass ich mich nicht so einfach vom Alpha einfangen lassen sollte. Aber bis jetzt war er höflich und ruhig, fast wie ein richtiger Gentleman.

Warum also fliehen, wenn dich niemand verfolgt?

Wir fuhren schnell und ohne zu sprechen. Aiden hielt vor einer Boutique und wir gingen hinein. Ich war immer noch auf der Hut, fand es jetzt aber leichter, in seiner Nähe zu sein.

Die Verkäuferin lächelte verknallt. „Womit kann ich Ihnen helfen, Herr Norwood?“, zwitscherte sie. Aiden und ich sahen uns an und ihr Lächeln verfinsterte sich.

Da war wohl jemand interessiert daran, Herrn Norwood für sich zu haben.

Vor zwanzig Minuten hätte ich ihn ihr überlassen, aber plötzlich wurde ich seltsam besitzergreifend. Ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, kräuselten sich meine Lippen zu einem Knurren.

Die Verkäuferin drehte sich schnell weg. Ich blinzelte verwirrt. Was war los mit mir? Der Alpha war die Aufregung nicht wert.

Reiß dich zusammen, Sienna!

„Helfen Sie mir, etwas zu finden?“, fragte ich sie und versuchte damit, ihr ein Friedensangebot zu machen.

Sie nickte knapp und führte mich zu einer Stange mit Seidenkollektion. Ich wählte ein Kleid im Marinestil und ging in die Umkleidekabine. Das Kleid war eng anliegend, betonte alle meine Vorzüge und passte hervorragend zu meiner elfenbeinfarbenen Haut.

Die Verkäuferin schob zwei weiße Pumps unter dem Vorhang durch. Sie passten perfekt. Ich ließ mein Haar herunter und glättete es mit den Fingern.

Ich warf einen letzten Blick auf mein Spiegelbild, bevor ich heraustrat. Ich sah verdammt gut aus.

Aidens Augen schienen sich nicht zu bewegen. Sein hitziger Blick streichelte meinen Körper von Kopf bis Fuß und verweilte eine Sekunde zu lange an meinen Hüften und der Brust.

„Du siehst ... atemberaubend aus“, sagte er mit funkelnden Augen.

Meine Hitze war, Gott sei Dank, dieses eine Mal unter Kontrolle. Ich verstand nicht wirklich warum. Wir hatten noch nie einen ähnlich persönlichen Moment zusammen erlebt.

Es hätte lodern sollen. Aber stattdessen wurde ich rot und sah weg. Kein Feuer. Es war auf merkwürdige Art ... schön. Fast süß.

Da bemerkte ich, dass auch Aiden sich umgezogen hatte. Er trug enge, blaue Hosen und ein weißes Hemd mit Kragen, das perfekt zu ihm passte. Der Mann war zum Sterben schön.

Nachdem er das Kleid und die Schuhe bezahlt hatte, saßen wir wieder im Auto und fuhren in Richtung Innenstadt. Wir parkten vor dem angesagtesten Restaurant der Stadt.

Nachdem er die Tür für mich geöffnet hatte, führte er mich hinein. Die Hand lang dabei locker auf meinem Rücken.

Als wir hereinkamen, drehten sich alle zu uns um. Einige sahen schockiert aus, andere neidisch, aber das war mir ziemlich egal. Ich genoss den Abend so sehr, dass mich nichts aus der Ruhe bringen konnte.

Die Kellnerin führte uns zu einem intimen Tisch in der hintersten Ecke, geschützt vor den neugierigen Blicken der anderen Gäste. Wir saßen uns gegenüber. Ich verspannte mich, als Aiden sich zu mir beugte.

„Und, schlimm?“, fragte er.

„Kommt darauf an“, sagte ich und zog eine Augenbraue hoch, „wie gut das Essen ist.“

Wir lachten beide. Und mir wurde klar, wie viel ich noch über den Alpha zu lernen hatte. Ich hätte nie gedacht, dass er zu so viel Wärme und so einer ungezwungenen Art fähig wäre. Immerhin war er ein Anführer. Ein Mann, den man fürchten muss. Und nicht ... das hier.

In dem Moment griff Aiden nach meiner Hand. Ich zuckte zusammen. Aber dann ließ ich ihn. Wir handelten beide aus dem Gefühl heraus. Ohne Worte, ohne Zwang, ohne zu definieren, was als nächstes geschehen sollte.

Aiden hob meine Hand an die weichen Lippen und küsste sie.

Ich rang nach Atem, als sein Kuss die Hitze im mir zum Aufflammen brachte. Sie breitete sich in meinem Körper aus. Meine Haut vibrierte mit Vorfreude, mein Geschlecht schwoll an und das Höschen wurde feucht.

Er richtete seinen Blick auf mich, seine Augen glitzerten vor Überraschung und ich sah seinen verborgenen Hunger in ihnen. Die Funken seiner Hitze verschmolzen mit meiner eigenen.

Das war so nicht geplant gewesen, weder von mir noch von ihm. Aber es geschah. Und ich wusste nicht, ob wir es jemals wieder aufhalten konnten.

„Sienna, du bist ...“

„Ich weiß“, hauchte ich und leckte mir über die Lippen. „Sie sind auch ... Herr Norwood.“

„Aiden“, knurrte er ungeduldig, „einfach Aiden.“

„Aiden.“ Ich ließ seinen Namen auf meiner Zunge zergehen, schloss die Augen und schnappte nach Luft. „O Gott, Aiden. Mir ist so heiß.“

Diesmal knurrte er lauter. „Mach weiter so und wir schaffen es nicht mal bis zum zweiten Gang.“

Das war mir gerade recht. Aber dann war da auch wieder diese andere Stimme in meinem Kopf. Sie nagte, stocherte und versuchte mich aus meinem Rausch zu befreien.

Das hier war kein normaler Rausch. Nein, ich erkannte mich selbst kaum wieder. Mit einem Kuss auf die Hand hatte Aiden alles infrage gestellt, was mich ausmachte.

Meine Vergangenheit. Meine Wünsche. Meine Ängste.

Alles war weg. Ich war wie hypnotisiert.

Tief in meinem Inneren wusste ich, dass es falsch war, aber ich wollte nicht, dass es aufhörte. Ich wollte nicht, dass dieser aufregende Moment mit diesem köstlichen Mann jemals aufhörte.

Den Kellner, der unsere Bestellung aufnahm, beachteten wir nur am Rande. Aiden suchte etwas Ausgefallenes aus, aber der einzige Gang, an dem ich interessiert war, stand nicht auf der Speisekarte. Er saß mir gegenüber.

Halt! Da war Emilys Stimme wieder. ~Hör auf, Sienna! Warte bis du~

„Zum Teufel noch mal, halt die Klappe!“, sagte ich laut, ohne es zu wollen.

Aiden sah mich fragend an. „Drehst du gerade durch?“

„Du bringst mich zum Durchdrehen“, antwortete ich verführerisch. Dabei öffnete ich die Lippen, während sich andere zusammenkrampften.

„Ach ja?“, sagte er mit leuchtenden Augen. „Ich dachte, du wolltest gejagt werden.“

Was, er dachte, ich wollte gejagt werden? So hat er unser Gespräch interpretiert? Bevor ich mich wehren konnte, nahm er mein Handgelenk und hob die Hand an sein Gesicht. Meine Gedanken setzten aus. Als hätte der Wind sie weggefegt.

„Deine Haut ist so weich“, murmelte er und küsste meine Handfläche. „So seidig und weich. Ich möchte jeden Zentimeter deines Körpers mit Küssen bedecken.“

Mein Gesicht lief rot an und ich stöhnte, als er einen meiner Finger in den Mund nahm.

Irgendwas stimmt hier nicht! Stopp!

Aber warum sollte etwas nicht stimmen?

„Sienna.“ Der Klang meines Namens ließ mich zusammenzucken. „Ich kann kaum noch warten. Ich will dich. Jetzt.“

Ich sah ihm in die Augen und wollte ihn auch. Es war mir egal, wo oder wie. Ich wollte jeden Zentimeter von ihm. „Ich auch."

Ohne Vorwarnung riss er mich von meinem Platz. Ich stolperte hinter ihm her in ein schlecht beleuchtetes Hinterzimmer. Seine starken Hände fuhren mir über die Schenkel, spreizten meine Beine und drückten mich gegen die Wand. Sein Mund saugte an der Markierung.

Ich war noch nie in meinem Leben auf die Lippen geküsst worden. Aber in den letzten Tagen hatte mein Nacken mehr als genug Aufmerksamkeit bekommen.

Ich stöhnte vor Lust, als eine von Aidens Händen zwischen meine Beine glitt und seine Fingerspitzen die Innenschenkel streichelten.

Er kam langsam immer näher, bis ich so weit war, zu schreien. „Worauf wartest du noch?“, stöhnte ich und die Beine zitterten.

Seine Finger drückten sich gegen mein feuchtes Höschen und ein glühendes Lustgefühl vernebelte mir den Blick. Ich hatte mich an diesem Ort unzählige Male selbst berührt. Aber das war nichts im Vergleich dazu, die Hände eines Mannes zu spüren, Aidens Hände zu fühlen.

Es war der stärkste Rausch, den ich je erlebt hatte. Aber plötzlich kam die Stimme zurück und flehte:

Erinner dich an dein Gelübde!

Auf einen Schlag ernüchterte ich, so als käme ich aus einer Trance heraus. Die Lust, die ich empfunden hatte, verwandelte sich in Entsetzen, als ich Aiden von mir stieß und durch die Tür hinausstürmte.

Es war, als würde ich von der Stadt in den Wald fliegen, während ich mich in einen Wolf verwandelte und dabei das wunderschöne Kleid zerriss, das Aiden mir gekauft hatte.

Sobald ich auf vier Beinen stand, war alles nur noch Instinkt. Und diese sagten mir, dass ich rennen sollte.

Ich erreichte den Wald und lief immer tiefer hinein, kilometerweit. An einer Lichtung blieb ich stehen, um mich auszuruhen. Aber die Pause war nur kurz. Ein Windstoß wehte einen vertrauten Geruch zu mir herüber.

Es war Aiden, und er kam direkt auf mich zu.

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