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An Blut und Schicksal gebunden

Autor:in
Sofia Landeiro
Gelesen
19,2K
Kapitel
54
Autor:in
Sofia Landeiro
Gelesen
19,2K
Kapitel
54
💕Romantik🐺Werwölfe & Gestaltwandler💘Schicksalsgefährten👩‍❤️‍👨Wahrer Gefährte🏙️Zeitgenössisch💪🏻Alpha-Männchen🧛🏻Übernatürlich

Am Vorabend ihres achtzehnten Geburtstags überredet Ally ihren misstrauischen, geheimnisvollen Vater endlich zu einem beaufsichtigten Ausflug in die Stadt – nur um festzustellen, dass sie beobachtet werden. Als ihr Vater spurlos verschwindet und Fremde sie plötzlich mit einem anderen Namen ansprechen, ist Ally gezwungen, mit ihren zwei engsten Freunden zu fliehen. Gejagt von Wölfen, Schatten und einem mächtigen Rudelführer, der behauptet, dass sie ihm gehört. Um zu überleben, muss sie herausfinden, warum alle hinter ihr her sind – und was ihr Vater all die Jahre verborgen hat.

Kapitel 1: Im Versteck

ALLY

„Dad?“, rufe ich in Richtung des Häuschens.
Ich balanciere mit den Armen voller Brennholz über den krummen Pfad. Der Wald um mich herum ist dicht, bis ich auf die kleine Wiese vor dem Häuschen trete, das seit ein paar Jahren mein Zuhause ist. Dads roter Pickup steht direkt vor der kleinen Veranda.
„Dad?“, rufe ich noch einmal, als ich die Veranda betrete.
Die Tür des Häuschens fliegt auf, und Dad eilt herbei, um mir die Holzscheite abzunehmen. „Ally! Mein Gott, warum trägst du immer so viel auf einmal, anstatt einfach zweimal zu laufen?“ Sein Ton ist streng, aber sein Lächeln verrät den Scherz, der sich hinter den Worten versteckt.
Der Boden knarrt im Flur, als wir das Haus betreten. Aus dem grün gekachelten Ofen im Wohnzimmer dringt ein Knistern. Das Licht der letzten Sonnenstrahlen fällt durch das bunte Glas im Fenster der Haustür und zeichnet kleine Muster auf den Boden.
Ich streife meine Stiefel ab, bevor ich Dad folge, der die Scheite eines nach dem anderen neben dem Kachelofen ablegt. „Lief es gut in der Stadt?“, frage ich, während ich in die Küche gehe.
Seine Bewegungen stocken für einen kurzen Moment, als er meine Frage hört, und ich ziehe die Augenbrauen hoch. Lief es etwa nicht gut in der Stadt?
Als er das letzte Holzscheit ablegt, richtet er sich auf und schenkt mir ein breites Lächeln. „Alles bestens! Ich habe alles von deiner Liste besorgt, bis auf den Cayennepfeffer.“
Mein Blick fällt auf die Papiertüten, die auf der Küchentheke aufgereiht stehen. Wir packen die Einkäufe schweigend aus. Irgendetwas stimmt nicht mit Dads Stimmung. Er ist schon so, seit ich ihn gefragt habe, ob ich am Samstag mit in die Stadt kommen darf.
„Hast du noch mal über das nachgedacht, worüber wir vorher gesprochen haben?“, frage ich vorsichtig.
Er versteift sich, dann sacken seine Schultern herab. Ich beobachte schweigend, wie er einen Karton Milch in den Kühlschrank stellt. Er ist ein breitschultriger Mann, seine langen Locken fallen locker über seine Schultern. Ich fahre mir mit der Hand durch meine eigenen Haare, kastanienbraun, genau wie seine. Wir teilen dieselben Locken und dieselben braunen Augen.
„Ich weiß, dass du in die Stadt willst …“, beginnt er, seine Stimme zögerlich.
„Dad“, falle ich ihm schnell ins Wort. „Am Samstag werde ich achtzehn. Bitte! Ich war seit Jahren nicht mehr außerhalb der Grenzen, die du gesetzt hast! Ich verspreche, ich werde vorsichtig sein. Bitte, Dad?“
Sein Kiefer spannt sich an, als sich unsere Blicke treffen. Wir leben seit fast drei Jahren in diesem Häuschen, nur wir zwei, so wie es immer war. Mein Vater und ich sind von Ort zu Ort gezogen, solange ich denken kann, von einer Stadt zur nächsten, von einer Schule zur anderen, quer durch ganz Amerika.
Erst als wir hierherkamen, entschied mein Vater, dass ich die Schule online abschließen sollte. Es war nicht leicht, Freunde zu finden, mit einem so überfürsorglichen Dad wie meinem, aber es ist mir gelungen, mich mit zwei Leuten anzufreunden, die ebenfalls online lernen.
Wir hängen jeden Abend in unserem Gruppenchat ab, und in letzter Zeit haben wir darüber geredet, uns persönlich zu treffen. Als ich es meinem Dad zum ersten Mal erzählt habe, wurde er wütend, richtig wütend. Aber ich hoffe, dass ich ihn diesmal überzeugen kann … wenn ich nur den richtigen Kompromiss finde.
„Ally“, beginnt er flehend.
„Du kannst mitkommen, Dad!“, sage ich, als mir die Idee einfällt. „Bitte, es ist nur ein Kinobesuch mit zwei Freunden. Ich kann mich nicht mal erinnern, wann ich zuletzt Freunde hatte … bitte. Manchmal fühlt sich dieses Haus an wie ein Gefängnis.“
Sein Blick verdunkelt sich. „Ich halte dich hier nicht gefangen. Du weißt, dass wir vorsichtig sein müssen … besonders nach dem, was letztes Mal passiert ist. Erinnerst du dich? Unser Aufenthaltsort wurde entdeckt, und deshalb mussten wir hierher ziehen.“
Ich senke den Blick auf den Boden. Es war meine Schuld, dass wir wieder umziehen mussten. Ich hatte mich in der Nacht vor meinem fünfzehnten Geburtstag rausgeschlichen, um mich mit Freunden aus der Schule zu treffen. Als Dad mich in einem Jugendcafé fand, war er außer sich vor Wut.
Er zerrte mich zu seinem Auto, fuhr weit über dem Tempolimit nach Hause und packte dann in Panik unsere Sachen. Innerhalb einer Stunde waren wir weg. Schon wieder.
Wir stritten die ganze Fahrt über. Ich war noch nie so aufgelöst und wütend gewesen wie in dem Moment, als wir Manson Creek hinter uns ließen. Während dieser Autofahrt erzählte mir mein Vater endlich die Wahrheit – dass wir auf der Flucht waren. Das Geständnis ließ mich erstarren.
Ich saß schweigend da, die Hände fest ineinander verschränkt auf meinem Schoß, während er sagte, dass Leute hinter uns her waren. Warum?, hatte ich gefragt.
Aber er konnte mir nichts weiter sagen, nur dass es dieselben Leute waren, die meine Mutter ermordet hatten. Meine Mutter … ich kann mich nicht so deutlich an sie erinnern, wie ich es mir wünsche. Dad sagt immer, er sieht sie in meinem Lächeln.
Wir fuhren tagelang, bis wir endlich das Häuschen erreichten, in dem wir jetzt leben. Er hatte ein paar Anrufe gemacht, und einfach so fingen wir wieder von vorn an. Schon wieder.
Ich weiß, dass alles, was er tut, zu meinem Schutz ist, aber ich bin es so leid, vor Gespenstern davonzulaufen. „Ich bin bald achtzehn, Dad. Das heißt, ich bin bald erwachsen, und ich sollte selbst entscheiden dürfen, was ich mit meinem Leben mache.“ Ich kämpfe darum, meine Stimme ruhig zu halten, während ich mich auf seine Antwort gefasst mache.
Sein dunkler Blick durchbohrt mich, und ich bin gerade dabei aufzugeben, als er seufzt. „Okay, Allisa … wir fahren am Wochenende in die Stadt. Aber zuerst müssen wir uns auf ein paar Regeln einigen. Verstanden?“
Ich strahle sofort. Ein breites Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich mich in seine Arme werfe. Er stöhnt bei der plötzlichen Umarmung, aber ein leises Lachen entweicht ihm.
„Alles, Dad!“, sage ich und drücke ihn fest.
Er legt seine Hände auf meine Schultern und schiebt mich sanft auf Armeslänge zurück, damit er mich ansehen kann. „Regel Nummer eins“, beginnt er. „Du lässt mich nicht aus den Augen.“
„Okay“, sage ich schnell und nicke.
„Regel Nummer zwei“, fährt er fort. „Wenn ich sage, wir müssen nach Hause, dann diskutierst du nicht.“
„In Ordnung … geht klar.“
Er hebt eine Augenbraue, wenig beeindruckt, und macht weiter. „Regel Nummer drei“, sagt er, seine Stimme wird leiser. „Du darfst nicht mit Fremden reden. Egal, wie nett sie wirken.“
Ich seufze leise, nicke aber. „Okay, Dad. Versprochen.“
Er lässt meine Schultern los, aber sein Blick bleibt auf mir haften. Da ist etwas in seinen Augen, das mir einen Schauer über den Rücken jagt – keine Wut, sondern eine Sorge, die so tief sitzt, dass sie beinahe uralt wirkt.
„Du verstehst nicht, was auf dem Spiel steht, Ally“, sagt er leise. „Aber ich möchte, dass du dich normal fühlst … wenn auch nur für einen Tag.“
Ich versuche zu lächeln, aber die Worte bleiben mir im Hals stecken. „Danke, Dad.“
Er nickt einmal und sagt nichts weiter. Dann dreht er sich zum Spülbecken um und beginnt, eine Tasse auszuspülen. Ich weiß, dass ich ihn jetzt besser nicht weiter dränge, besonders nachdem er Ja gesagt hat.
Also schleiche ich mich aus der Küche, die schmale Treppe hinauf ins Obergeschoss. In meinem Zimmer schließe ich die Tür hinter mir und setze mich an den Schreibtisch. Mein Laptop summt zum Leben, und das Leuchten des Bildschirms erhellt die Dunkelheit.
Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als unser Gruppenchat auf dem Bildschirm erscheint.
Ally
Er hat JA gesagt!!
Marco
ENDLICH!
Nia
Hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe!
Marco
Also … sehen wir uns am Samstag? 😍
Ally
Ja. Aber er kommt mit. Da gab es kein Entkommen.
Nia
Kein Problem. Wir freuen uns einfach riesig, dass wir uns endlich treffen können, auch wenn dein Alter dabei ist. 😊
Mein Herz rast. Zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich einen Funken Freiheit. Ich liebe meinen Dad, und ich weiß, dass alles, was er tut, zu meinem Schutz ist, nach dem, was mit Mom passiert ist. Aber ich kann nicht mehr eingesperrt in diesem Haus leben.
Ich will Freunde. Ich will normal sein. Marco, Nia und ich haben uns im Matheunterricht kennengelernt. Gemeinsames Fluchen über Gruppenarbeit und unsere geteilte Abneigung gegen das Fach haben uns zusammengeschweißt.
Seit zwei Jahren chatten wir, schicken uns Bilder und spielen zusammen Online-Spiele. Die beiden haben mich ständig gedrängt, uns zu treffen, und ich habe Ausreden erfunden – ich wohne zu weit von der Stadt entfernt, Dads Truck ist kaputt, der Hund ist weggelaufen. Wir haben nicht mal einen Hund.
Aber jetzt ist Schluss mit den Lügen, und ich habe meinen Dad endlich überzeugt, mich in die Stadt zu lassen. Ich klappe meinen Laptop zu, ziehe mich um und putze mir die Zähne im Badezimmer neben meinem Zimmer.
Ich höre Dad unten herumgehen, als ich ins Bett krieche. Die Sicherheitskette rasselt, als er die Haustür abschließt.
Noch ein paar Tage, dann treffe ich endlich meine Freunde.

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