
Bad Boy Xavier: Teil 1
Autor:in
Jen Cooper
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Kapitel
40
Kapitel 1
KATIE
Splitterndes Glas riss Katie aus dem Halbschlaf. Mit hämmerndem Herzen schoss sie im Bett hoch. Sie starrte auf ihre Tür, während weiteres Krachen aus dem Flur widerhallte.
Sie stöhnte auf. In Gedanken sah sie schon, wie ihr Dad wieder die Möbel kurz und klein schlug. Genau die Möbel, die sie gerade erst abbezahlt hatte. Sie ließ sich auf ihr Kissen zurückfallen und drückte es sich aufs Gesicht, als könnte sie so das Chaos in ihrem Leben ausblenden.
„Es tut mir leid! Ich besorge euer Geld!“, rief ihr Dad. Seine Stimme klang verzweifelt und zittrig.
Sie runzelte die Stirn und warf einen Blick zur Tür. Sie schwang ihre Beine aus dem Bett, schnappte sich einen Pullover und zog ihn über ihr Unterhemd.
„Ja, klar“, murmelte sie. „Versprich ruhig noch mehr Drogendealern, dass ich unser Mietgeld hergebe. Natürlich mache ich gern Extraschichten. Ist ja nicht so, als hätte ich Hausaufgaben, College-Bewerbungen oder sonst was zu tun.“
Ein kalter Luftzug strich über ihre nackten Beine. Sie sah hinüber und bemerkte, dass ihr Fenster sperrangelweit offen stand. Sie war sich sicher gewesen, dass sie es vor dem Schlafengehen verriegelt hatte. Aber vielleicht verlor sie langsam einfach den Verstand.
Mit verdrehten Socken tapste sie über den eiskalten Boden und spähte nach draußen.
Die Straße war so dunkel und leer wie immer. Zitternd schloss sie das Fenster. Dabei lauschte sie dem ständigen Geschrei und Krachen.
Sie fuhr sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar. Sie lehnte sich an die Schlafzimmertür und horchte.
Normalerweise ließ sie ihren Dad seinen Mist selbst auslöffeln. Aber heute Nacht klangen die Stimmen rauer und gefährlicher. Ihre Nachbarn hassten sie sowieso schon. Der Typ von der Nachbarschaftswache wartete nur auf einen Grund, um sie rauszuschmeißen.
Noch eine Beschwerde, und sie würden auf der Straße stehen. Katie musste es nur noch sechs Monate in diesem Drecksloch aushalten. Auf gar keinen Fall würde sie obdachlos werden, nachdem sie sich jahrelang den Arsch aufgerissen hatte, um sie beide über Wasser zu halten.
„Bitte. Ich flehe euch an. Tut das nicht. Ich kann das Geld besorgen“, flehte ihr Dad.
Stirnrunzelnd drückte sie ihr Ohr an die Tür. Seine Stimme klang anders. Er hörte sich tatsächlich verängstigt an.
Ihr Dad war vieles – ein Arschloch, ein Feigling, ein Dieb, ein Lügner, ein Junkie –, aber er hatte nie Angst. Nicht auf diese Art. Er hatte immer eine schlaue Antwort parat und wusste sich aus jedem Schlamassel herauszureden. Er flehte nie.
Dann hörte sie es. Das Klicken einer Waffe, die gespannt wurde. Ihre Augen weiteten sich.
„Bring ihn um“, befahl eine tiefe, raue Stimme.
Sie keuchte auf und hechtete zu ihrem Nachttisch. Sie schob Bücher beiseite und griff nach der 45er, die sie darunter versteckt hielt. Ihre Finger streiften kaum das kalte Metall, als sich eine tätowierte Hand um ihre schloss. Auf dem Handrücken war eine Rose tätowiert.
Seine Haut war warm, und die Hitze seines Körpers drückte sich gegen sie. Ihr Herz fing an zu rasen. Er war groß, und sein Schatten verschluckte den ganzen Raum.
Ihre Hand krampfte sich fester um die Waffe. Sie weigerte sich loszulassen, selbst als er ihre Hand drückte. Er roch nach Zigaretten und teurem Cologne – eine seltsame Mischung, die ihren Hals ganz trocken werden ließ.
Wenn ich schon in meinem eigenen Schlafzimmer bedroht werde, riecht der Typ wenigstens gut. Man muss sich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen.
„An deiner Stelle würde ich das lassen“, sagte er mit leiser, gefährlicher Stimme.
Sie sah zu ihm hoch.
Er hatte grüne Augen und schwarzes Haar, das zu einem unordentlichen Dutt zurückgebunden war. Der Kragen seiner Lederjacke verbarg die Tattoos, von denen sie wusste, dass sie seinen Hals hinaufliefen.
Xavier Clarke. Der ultimative Bad Boy. Er gehörte zu der Familie, vor der alle in Frederick, Colorado, furchtbare Angst hatten.
Die Clarkes kontrollierten alles. Niemand legte sich mit ihnen an.
Natürlich musste ihr Dad sich ausgerechnet mit ihnen einlassen. Sie dachte, er würde sich weiterhin nur von kleinen Verlierern verprügeln lassen. Aber anscheinend war er jetzt in die erste Liga aufgestiegen. Scheißidiot. Aber sie würde sich von ihnen ganz sicher nicht einschüchtern lassen.
Xavier mochte der gefährlichste Typ der Stadt sein. Aber Katie würde für den Bullshit ihres Dads nicht den Kopf hinhalten.
„Oder was?“, fuhr sie ihn an.
Sie glaubte zu sehen, wie Xaviers Mundwinkel zuckte. Doch seine Lippen wurden sofort wieder hart, als er ihre Hand auf der Waffe zusammendrückte.
„Probier es aus, dann weißt du es“, sagte er mit kratziger Stimme.
Sie riss ihre Hand weg, trat einen Schritt zurück und kreuzte die Arme. Xavier steckte sich die Waffe hinten in den Hosenbund seiner Jeans.
„Was willst du?“, forderte sie zu wissen.
Katie war gut darin, Bluffs zu durchschauen. Aber jeder wusste, dass die Clarkes nicht blufften. Sie machten immer Ernst. Also starrte sie ihn einfach wütend an. Sie hoffte, dass sie dabei taffer aussah, als sie sich fühlte.
Er antwortete nicht sofort. Stattdessen trat er näher.
Sie schluckte und wich zurück, bis ihre Beine gegen das Bett stießen. Sie stolperte, aber er fing sie auf und zog sie dicht an sich. Sie erstarrte.
Xavier Clarke war eine Legende – ein absoluter Player. Er schlief mit Mädchen und verschwendete danach keinen Gedanken mehr an sie. Katie war in Frederick aufgewachsen und hatte ihn noch nie zweimal mit demselben Mädchen gesehen.
Seine starken Arme lagen um sie. Die Tattoos blitzten unter seinem Kragen hervor. Wenn sie in diese dunkelgrünen Augen sah, verstand sie, warum Mädchen ihn in ihre Betten ließen. Er strahlte einfach diese pure Gefahr aus.
Nur eine Nacht mit ihm, und ich würde wahrscheinlich seinen Namen schreien, bis ich heiser bin. Reiß dich zusammen, Katie.
Er hielt sie fester. Seine Hand wanderte zu ihrem Gesicht hinauf. Sie biss sich auf die Lippe und verkniff sich ein Seufzen. Er beugte sich vor, und seine Lippen streiften ihr Ohr.
„Ein Druckmittel“, flüsterte er.
Sie keuchte auf und versuchte, sich loszureißen. Verdammt sei er und sein blöder Charme.
Er hielt sie nur noch fester und zerrte sie zur Tür. Sie trat um sich und wehrte sich, aber Xavier war stark. Er presste sie weiter fest an sich und ignorierte ihre Nägel, die sich in seinen Arm bohrten.
„Lass mich los!“, schrie sie, als er sie ins Wohnzimmer schleifte und in den alten Sessel fallen ließ.
Er zog die Waffe aus seinem Hosenbund und zielte auf sie. Sie starrte ihn wütend an, aber er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Sein Gesicht war glatt und unleserlich. Und, was wirklich nervte, absolut hinreißend.
Warum hasst mein Körper mich? Er ist nicht heiß. Er ist ein dealendes Arschloch, das ich fertigmachen muss. Oder ficken. Hör auf damit, Katie.
Er musste etwas in ihren Augen gesehen haben. Etwas, das sie ihm gar nicht hatte zeigen wollen. Denn sein Blick glitt – nur für eine Sekunde – zu ihrem Mund hinab. Dann grinste er und sah sich das absolute Chaos in ihrem Wohnzimmer an.
Zwei massige Kerle hielten ihren Dad an den Armen fest. Ein weiterer Mann stand vor ihm. Er hatte eine Waffe direkt auf seine Brust gerichtet. Darauf war ein Schalldämpfer geschraubt. Das bedeutete, dass sie nicht hier waren, um ihm Angst zu machen – sie waren hier, um ihn zu töten.
Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Sie sah ihren Dad an. Tränen strömten über sein fleckiges, rotes Gesicht. Er schluchzte, und sein Bauch quoll unter seinem zerrissenen Hemd hervor.
Sein Flanellhemd hing ihm halb vom Arm. Seine Hose war blutbefleckt. Ein Teil des Blutes stammte aus seiner Nase, ein anderer Teil von dem Schnitt auf seiner Wange. Tränen brannten in ihren Augen. Ihr Hals schnürte sich zu.
Er war ein furchtbarer Vater. Aber sie wollte nicht, dass er starb.
„Das ist deine Tochter?“, fragte der Mann mit der Waffe.
Er sah Xavier so ähnlich, dass sie sofort wusste, wer das war. Es war sein Vater, Julian Clarke. Der Boss. Der große Boss.
Das Arschloch, das nicht einmal mit der Wimper zucken würde, bevor es abdrückte. Ihr Dad sah zu ihr herüber und nickte.
„J-ja“, stotterte er.
Julians Lippen verzogen sich zu einem fiesen Grinsen. Sein Goldzahn blitzte auf. „Und du liebst sie?“ Julians Stimme klang tief und gefährlich.
Ihr Dad nickte verzweifelt. „Tut ihr nicht weh. Ich besorge dir dein Geld“, flehte er.
Julian lachte, und Katie grub ihre Finger in die Lehnen des Sessels.
Wenn ich wegen eines schiefgegangenen Drogendeals sterbe, werde ich echt extrem angepisst sein.
Julian kam zu ihr rüber und drückte ihr die Waffe gegen die Stirn.
Der kalte Lauf bohrte sich in ihre Haut. Sie kniff die Augen zusammen, und eine Träne entkam ihr. Sie wollte die Waffe wegschlagen. Sie wollte sich wehren. Aber das war nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Vielleicht hätte sie es getan, wenn da nur ein Typ mit einer Waffe wäre. Aber Xavier war nicht ihr Freund. Er würde schießen, bevor sie sich überhaupt bewegen konnte. Und Julian war riesig.
Seine Brust war breit. Goldene Ringe glänzten an seinen dicken Fingern. Sein Anzug war maßgeschneidert, um jeden Zentimeter seiner Muskeln und Macht zu betonen. Es funktionierte. Sie hatte eine scheiß Angst.
„Nein! Bitte!“, schluchzte ihr Dad.
Julian entsicherte die Waffe. Katie hielt den Atem an.
„Und meine Drogen, die du verbraucht hast? Was soll ich damit machen? Dafür schuldest du mir fünfzig Riesen. Ich habe dir eine Chance gegeben, Walker. Das mache ich nicht oft“, knurrte er.
Seine Schläger rissen die Arme ihres Dads hoch. Sie drehten einen davon auf seinen Rücken und drückten ihn über den Couchtisch. Sie knallten sein Gesicht auf das Holz und zwangen ihn, Katie anzusehen. Ein anderer Schläger zog ein Messer und streckte die Hand ihres Dads flach aus.
Ihr Dad wehrte sich weinend. Er versuchte, seine Hand wegzuziehen.
„Nein! Hört auf!“, schrie Katie und griff nach ihm. Aber Julian warf ihr einen wütenden Blick zu und drückte die Waffe härter an ihren Kopf.
„Spiel nicht die Heldin, kleines Mädchen. Sonst geht dein geliebter Daddy hier für eine sehr lange Zeit schlafen“, spottete er.
Sie biss sich auf die Lippe und sank im Sessel zusammen. Das würde sie ihrem Dad niemals verzeihen. Er war zu weit gegangen, als er sich mit den Clarkes angelegt hatte.
„Ich habe es verbockt. Ich weiß! Es tut mir leid, okay? Bitte, ich kann dir dein Geld zurückbesorgen. Ich habe Käufer, ich schwöre es!“, platzte es aus ihrem Dad heraus.
Julian kniff die Augen zusammen. Er sah zwischen ihrem Dad und ihr hin und her. Dann nickte er einem der Schläger zu. „Tony. Hol das Paket“, bellte er.
Einer der großen Kerle ging zur Tür und holte eine Sporttasche. Er ließ sie auf den Tisch fallen. Julian ging hinüber und klopfte oben darauf.
„Ich mag dich, Walker. Du wusstest, dass ich komme. Du wusstest, dass du es versaut hast. Die meisten Leute rennen weg. Dann muss ich sie jagen. Aber nicht du. Du hast mich direkt hierher zurückgebracht, in dein Zuhause, zu meinem Druckmittel. Das respektiere ich“, sagte Julian. Es klang fast so, als wäre er geduldig.
Katie starrte ihren Dad böse an. Sie wünschte, sie könnte sich in Luft auflösen.
„Deshalb werde ich dir einen Gefallen tun.“ Er grinste. „Ich gebe dir die Chance, das hier wieder in Ordnung zu bringen.“
Katie spannte sich an. Sie wartete auf den Haken an der Sache oder auf die Kugel.
„Alles! Ich werde alles tun!“, rief ihr Dad. Er war einfach ein kompletter Idiot.
Natürlich sagte er das. Als ob es jemals gut ausging, wenn man einem Drogenboss etwas versprach.
„Ich weiß. Du wirst das hier für das Doppelte von dem verkaufen, was ich dir letztes Mal gegeben habe. Und ich will, dass das in drei Wochen erledigt ist“, befahl Julian.
Die Augen ihres Dads wurden riesig. Aber Julian hob einen Finger, um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Uh-uh, ich bin noch nicht fertig. In diesen drei Wochen werden wir dich beobachten.“ Julian grinste. Dann wandte er sich an Katie mit einem Blick, der ihr ein flaues Gefühl im Magen verpasste. „Und damit du keine Dummheiten machst, werden wir unser Druckmittel mitnehmen.“















































