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Daddys schmutziges kleines Geheimnis

Autor:in
Michelle Torlot
Gelesen
151K
Kapitel
21
Autor:in
Michelle Torlot
Gelesen
151K
Kapitel
21
🖤Dunkel🔒Erzwungene Nähe🎭Drama🏙️Zeitgenössisch💪🏻Alpha-Männchen😊Sauber🔫Mafia

Kat hat gelernt, auf der Straße zu überleben, fernab von ihrem mächtigen Vater und der Welt, die sie hinter sich gelassen hat. Doch als sie entführt wird und ihre Entführer sich an den einen Mann wenden, den sie geschworen hatte, nie wiederzusehen, steht ihre Welt plötzlich kopf. Ihre Rettung kommt von der gefährlichsten aller Seiten – von einem Mann mit Feuer in den Adern und Geheimnissen, die alles zerstören könnten. Luca ist die letzte Person, der sie vertrauen sollte, und doch der Einzige, der zwischen ihr und dem absoluten Chaos steht. Während die Gefahr immer näher rückt und die Funken heißer sprühen, als beide erwartet hätten, muss Kat entscheiden, ob sie aus einem Käfig entflieht … oder geradewegs in den nächsten tritt.

Kapitel 1

KAT

Ich starre auf die großen Türen der Bank in der Innenstadt. Drinnen ist es warm, nicht so verdammt kalt wie hier draußen. Wenn ich Glück habe, kann ich mich unter die normalen Kunden mischen. Gerade lange genug, um mich aufzuwärmen, bevor mich einer der Kassierer böse ansieht.
Meistens gehe ich dann. Denn das bedeutet, dass der Sicherheitsdienst auf dem Weg ist. Oder noch schlimmer, der Filialleiter, der ein Gesicht zieht, als hätte ihm jemand einen Stock in den Arsch geschoben.
Ich ziehe mir die Kapuze über den Kopf. Das Letzte, was ich brauchen kann, ist, dass die Überwachungskamera mein Gesicht scannt. Ich versuche, unter dem Radar zu bleiben. Ich will kein helles, rotes Blinklicht über meinem Kopf haben, das auf mich zeigt und sagt: „Seht mal, hier ist Kat Heaton.“
Als ich die schwere Tür der Bank aufdrücke, trifft mich ein Schwall warmer Luft. Ich seufze fast vor lauter Wohltat, aber ich reiße mich zusammen. Ich darf nicht auffallen. Stattdessen gehe ich auf den Ständer mit den Broschüren zu. Sie erklären, wie man einen Kredit bekommt oder wie man investieren kann. Keine Chance, dass das jemals passieren wird.
Ich bin kaum auf halbem Weg zu meinem Ziel, als eine der Seitentüren aufschlägt. Mr. „Stock im Arsch“ stürmt mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter auf mich zu. „Sie schon wieder“, zischt er. „Ich sollte die Polizei rufen. Wahrscheinlich wollen Sie den Laden hier ausspionieren. Aber der ganze Papierkram ist mir zu blöd.“ Er packt mich hinten an meiner Kapuze.
Tja, das war wohl ein kurzes Vergnügen. Ich werde mir einen anderen Ort suchen müssen, um mich aufzuwärmen.
Er will mich gerade zur Vordertür bugsieren, als diese plötzlich aufgerissen wird. Mehrere Kunden schreien auf. Drei Männer in Skimasken stürmen herein und fuchteln mit Waffen herum.
Der Erste hält eine abgesägte Schrotflinte in den Händen. „Alle. Auf den verdammten Boden!“, brüllt er.
Mein ach so mutiger Begleiter schubst mich nach vorne. Ich stolpere und falle auf den Boden. Dann rennt er los, direkt auf die Tür zu, aus der er gekommen ist.
Ich höre einen lauten Knall, als ein Schuss aus der Schrotflinte bricht. Ich blicke über meine Schulter zu dem Wichtigtuer und wünschte, ich hätte es nicht getan. Er bewegt sich nicht mehr. Eine große Blutlache beginnt sich unter seinem Körper zu sammeln.
Ich schlage mir die Hand vor den Mund, um einen Schrei zu ersticken. Es wird nur ein Wimmern daraus. Ich kneife die Augen zusammen, unfähig hinzusehen. Ich weiß genau, wenn ich jetzt schreie, bin ich vielleicht die Nächste.
Das hält die anderen Kunden nicht davon ab, weiterzuschreien, bis ein weiterer Schuss fällt. Dieses Mal in die Luft.
Meine Augen reißen sich auf. Ich sehe, wie Putz von der Decke rieselt. Einer der anderen Bewaffneten zielt noch immer auf die Decke. „Der nächste Wichser, der schreit, wird genauso enden wie der Idiot da drüben. Also haltet verdammt noch mal die Fresse!“
Ich höre ein Wimmern und ein paar Schluchzer. Dann eine andere männliche Stimme.
„Füllt die Taschen schnell. Und versucht bloß keine Dummheiten, oder wir bringen jemanden um“, knurrt er.
Ich riskiere einen schnellen Blick und sehe, dass der Kassierer etwas, das wie ein Kopfkissenbezug aussieht, mit Geldscheinen füllt.
Da höre ich sie. Sirenen. Irgendjemand muss den Alarm ausgelöst haben. Fuck, wir sind alle geliefert. Sie haben bereits einen Menschen getötet. Ich spüre, wie mein Herz gegen meine Rippen hämmert. Ich war noch nie ein ängstlicher Typ, aber Scheiße. Mein Leben war bisher nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber ich würde gerne lange genug leben, um herauszufinden, ob es das noch werden könnte.
Ich dachte, der Anführer wäre vielleicht der Typ mit der Schrotflinte. Aber es wurde schnell klar, dass er einfach nur einen lockeren Abzugsfinger hat. „Los geht’s“, ruft der Typ, der in die Decke geschossen hat. Er muss der Anführer sein.
„Was? Wir haben doch noch fast gar nichts.“
„Wir haben bald überhaupt nichts mehr, wenn die Bullen hier sind, bevor wir verschwinden.“ Der Boss blickt sich um und zeigt dann auf mich. „Versicherung“, knurrt er.
Der Typ mit der Schrotflinte stürmt zu mir herüber, wo ich auf dem Boden liege. Bevor ich überhaupt nachdenken kann, schlägt er mir den Kolben der Waffe hart gegen die Wange.
Schmerz schießt meinen Kiefer hinauf und explodiert in meinem Kopf. Und kurz bevor die Dunkelheit mich umfängt, höre ich seinen Boss.
„Ich sagte, nimm sie als Versicherung mit und bring sie nicht verdammt noch mal um.“
***
Alles, was ich hören kann, ist ein nerviges Tropfen. Tropf, tropf, tropf. Es ist wie eine schlimme Folter. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er gleich explodieren. Ich schmecke immer noch Blut in meinem Mund. Ich zwinge meine Augen auf und bin dankbar für das Halbdunkel. Das einzige Licht kommt von einem kaputten Fenster im hinteren Teil einer offenen Toilettenkabine.
Meine Handgelenke sind mit Handschellen an ein Rohr gekettet, das zu einem Waschbecken führt. Von dort kommt auch das ständige Tropfen. Das hier ist eine Art Waschraum. Schmutzige, rissige Fliesen bedecken den Boden, und an der gegenüberliegenden Wand hängen ein paar Pissoirs.
Ich bin in einer Herrentoilette. Wahrscheinlich in einem Café oder einer Bar irgendwo.
Meine Dankbarkeit ist schnell verflogen, als eine grelle Leuchtstoffröhre eingeschaltet wird. Ich blinzle gegen das helle Licht. Ein Mann steht in der Türöffnung. Er trägt keine Waffe, also hat er wohl nicht vor, mich zu erschießen. Zumindest noch nicht. Er trägt immer noch eine Skimaske, wahrscheinlich wegen mir. Es ist schwer zu sagen, welcher der Männer er ist. Ich nehme an, das spielt auch keine große Rolle. Es ist ja nicht so, als würde einer von ihnen mein bester Freund werden wollen.
Sie denken bestimmt, ich würde sofort zur nächsten Polizeiwache rennen, wenn ich hier rauskomme. Und dass ich dann versuche, meine Entführer zu beschreiben. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Das Letzte, was ich will, ist, dass mein Vater herausfindet, wo ich bin.
Plötzlich steigt mir Galle in den Hals. Scheiße. Mein Ausweis. Er war in meiner Hosentasche. Ich hätte ihn wegwerfen sollen. Das war's dann wohl mit unter dem Radar bleiben. Wobei sie mein Gesicht wahrscheinlich sowieso erkannt haben.
Mein Vater musste sich einen Grund einfallen lassen, warum ich verschwunden bin. Also waren die Zeitungen voll von der Geschichte, dass Katrina Heaton in eine Entzugsklinik geschickt wurde. Das Trauma, ihre Mutter zu verlieren, habe sie in den Wahnsinn getrieben. Mein Foto war auf der Titelseite aller Klatschblätter abgedruckt.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Drogen genommen. Aber der Tod meiner Mutter hat mich definitiv traumatisiert – nur nicht auf die Art, wie alle denken. Mein Vater brauchte eine Ausrede, warum ich verschwunden bin. Ich schätze, das war die beste Lösung für ihn, als sein ursprünglicher Plan gescheitert ist.
Ich blinzle, als der Blitz einer Kamera aufleuchtet.
„Mal sehen, ob der liebe Papa das Geld für seine missratene Tochter locker macht“, spottet er.
Dann geht das Licht wieder aus, und ich werde in der Dunkelheit zurückgelassen.
Verdammt, ich darf mich nicht von ihm finden lassen. Wenn doch, war die ganze Flucht und das Leben auf der Straße in den letzten zwei Wochen völlig umsonst.
Ich ziehe an dem Rohr, in der Hoffnung, mich irgendwie befreien zu können. Der Waschraum sieht ziemlich baufällig aus. Typisch, dass dieses Rohr das Einzige ist, was nicht auseinanderfällt.
Ich war vielleicht dankbar, dass sie mich in der Bank nicht erschossen haben. Aber diese Erleichterung verfliegt schnell, wenn ich daran denke, welche Folgen es hätte, wenn mein Vater mich findet.
Mein Vater will mich loswerden. Was wäre da besser, als ein paar Entführer die Drecksarbeit machen zu lassen? Das wäre ein leichter Ausweg für ihn. Dann muss er sich nicht selbst mit mir herumschlagen. Ich weiß zu viel. Wenn die Wahrheit jemals herauskäme, wären seine politischen Ziele am Ende. Man kann schlecht der nächste Senator werden, wenn man eine Strafe im Gefängnis absitzt oder in der Todeszelle wartet.
Ich lehne meinen Kopf an die kühlen Fliesen. Das lindert das Pochen in meinem Kopf ein wenig. Und dann warte ich. Ich bin mir nicht sicher, worauf. Wahrscheinlich darauf, dass die wütenden Entführer ihren Zorn an mir auslassen. Vor allem, wenn sie merken, dass es kein Geld geben wird.
Ich muss nicht lange warten. Naja, es kommt mir zumindest nicht so vor, aber wer weiß das schon? Es ist schwer, das Zeitgefühl zu behalten, wenn man in einer Herrentoilette an ein Rohr gekettet ist.
Als das Licht wieder angeht, stehen mir zwei von ihnen gegenüber. Das sieht nicht so aus, als würde es gut enden.
„Es scheint, als würde Daddy nicht mitspielen. Oder vielleicht braucht er einfach noch ein bisschen mehr Beweise.“
Einer von ihnen tritt von hinten an mich heran und nimmt mich in den Schwitzkasten. Ich wehre mich, aber es ist sinnlos. Sein Griff wird nur noch fester, sodass ich kaum noch atmen kann.
Der andere löst eine der Handschellen, sodass ich nicht mehr an das Rohr gefesselt bin. Aber bevor ich versuchen kann, ihn zu schlagen, werde ich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt.
Die Selbstverteidigungskurse, die ich auf Drängen meiner Mutter gemacht habe, bringen mir hier nicht viel. Zwei gegen eine auf diese Art und Weise. Ich habe wirklich keine Chance.
Ich bin zwar nicht mehr im Würgegriff, aber er dreht mir einen Arm in einem unnatürlichen Winkel auf den Rücken. Der andere Typ zieht meinen freien Arm nach vorne, sodass meine Hand flach auf dem Fliesenboden liegt. „Mal sehen, ob Daddy mitspielt, wenn er einen deiner Finger hat.“
Ich schreie, als er ein Messer aus seinem Gürtel zieht. Ich kämpfe, um zu entkommen, aber es nützt nichts. Mein anderer Arm wird noch stärker verdreht. Das lässt mich wimmern und ich gebe jeden Versuch auf, mich zu befreien.
Bevor er zur Tat schreiten kann, gibt es draußen vor dem Waschraum ein lautes Geräusch.
Es klingt, als würde eine Tür eingetreten werden.
Mein Herz hämmert gegen meine Rippen. Ich bin mir nicht sicher, vor wem ich mehr Angst habe. Vor den Männern hier drin, die versuchen, mir einen Finger abzuschneiden, oder vor demjenigen, der gerade eingebrochen ist.
Wenn es jemand ist, den mein Vater geschickt hat, bin ich in größerer Gefahr, als nur einen Finger zu verlieren.
Der Typ mit dem Messer lässt meine Hand los. „Fuck, es ist Romano. Bleib hier, während ich versuche, die Wogen zu glätten.“
Ich erkenne seine Stimme. Er ist der Boss von den dreien.
Er lässt das Messer fallen und krabbelt auf die Tür zu. Dabei hält er die Hände in die Luft, als wollte er sich ergeben. „Mr. Romano … ich kann das erklären.“
Ich höre einen lauten Knall, als ein Schuss fällt. Fuck. Ich muss hier raus.
Ich weiß nicht, wer dieser Romano ist. Aber er klingt nach genau der Art von Person, die mein Vater für seine schmutzige Arbeit anheuern würde. Ein kaltblütiger Mörder, der gerade jemanden erschossen hat, ohne sich überhaupt anzuhören, was der zu sagen hat.
Ich sehe das Messer und weiß, was ich tun muss. Ich greife schnell danach. Bevor das Arschloch hinter mir begreift, was passiert, habe ich es ihm hart in den Oberschenkel gerammt. Ich ziehe es heraus und ramme es ihm gleich noch einmal hinein.
Er schreit auf und lässt meinen Arm los.
Er wälzt sich auf dem Boden und versucht, den Blutfluss zu stoppen, der sich unter seinem Bein sammelt. Ich krabble hastig davon. Auf keinen Fall werde ich dieses Messer jetzt fallen lassen. Ich habe es einmal benutzt, und wenn ich muss, werde ich es wieder tun.
Durch die Tür kann ich nicht fliehen, nicht mit diesem Romano da draußen. Also gehe ich auf das kleine Fenster in der Kabine zu.
Ich versuche, es zu öffnen, aber es scheint festzuklemmen. Also tue ich das Einzige, was ich tun kann. Ich schlage das Glas mit der herabhängenden Handschelle ein. Es zerspringt, und Scherben fliegen überall hin. Blut tropft von meiner Hand. Ich ziehe den Ärmel meines Hoodies herunter, um den Blutfluss zu stoppen. Das schützt meine Hand ein wenig, während ich die restlichen Glassplitter aus dem Fensterrahmen drücke.
Das Fenster ist klein, aber ich war schon immer ziemlich zierlich. Dazu kommt, dass ich in den letzten zwei Wochen kaum etwas gegessen habe. Ich bin dünn genug, um durch die Öffnung zu passen.
Der Sprung auf den Betonboden unten ist tiefer als ich dachte. Als ich auf dem Boden aufkomme, zische ich vor Schmerz, weil mein Knöchel umknickt. Darum kann ich mich jetzt nicht kümmern. Ich muss hier weg.
Ich schaue nach links und rechts und sehe eine Gasse. Das ist meine beste Option. Es ist der schnellste Weg weg von dem Gebäude, in dem ich festgehalten wurde. Es ist meine beste Chance zur Flucht.
Ich hinke die Gasse hinunter und zucke jedes Mal zusammen, wenn mein Fuß den Boden berührt. Ich bin zu sehr darauf konzentriert zu fliehen. Deshalb bemerke ich die Spur aus blutigen Fußabdrücken nicht, die ich hinter mir lasse.

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