
Vom Alpha entführt
Autor:in
Annie Whipple
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Kapitel
304
Kapitel 1
BELLE
Ich atmete tief durch, als ich mit meinem Gepäck durch den Flughafen lief. Ich konnte mich einfach nicht beruhigen, so sehr ich es auch versuchte.
Ich hasste fliegen so sehr.
Ein elfstündiger Flug nach Paris war das Letzte, was ich am Tag vor Heiligabend wollte, aber meine Mutter hatte mich angefleht, die Feiertage mit ihr und ihrem Mann zu verbringen.
Ich wusste, dass sie mich nur aus Schuldgefühlen eingeladen hatte.
Ich hatte meine Mutter seit über fünf Jahren nicht mehr gesehen und sie schien kein Problem damit zu haben, mich zurückzulassen, nachdem mein Vater krank geworden war.
Es hatte nur ein Jahr gedauert, bis sie wieder heiratete und ein weiteres Kind bekam. Sie hatte mit meinem Vater und mir komplett abgeschlossen und so getan, als hätten wir nie existiert.
Die Tatsache, dass sie mich jetzt zu ihr nach Paris einlud, machte mich wirklich wütend.
Aber ich hatte sonst niemanden. Paris war meine einzige Option, wenn ich Weihnachten nicht allein verbringen wollte.
Durch die Sicherheitskontrolle zu kommen, war einfacher, als ich gedacht hatte und ich fand mein Gate ohne große Probleme. Trotzdem fühlte ich mich unwohl.
Ich war nur zwei Mal zuvor in meinem Leben geflogen und beide aus Gründen, die ich lieber vermieden hätte.
Das erste Mal war wegen der Beerdigung meiner Großmutter in Florida. Das zweite Mal war wegen der Hochzeit meiner Mutter in Paris mit einem Mann, den ich nie zuvor getroffen hatte - ein Mann, der nicht mein Vater war.
Fliegen war also nicht nur absolut angsteinflößend, sondern brachte mich auch immer in eine ungewollte Situation. Ich wusste, dass dieser Flug nicht anders sein würde.
Ich wartete etwa eine halbe Stunde auf das Boarding. Ich wollte früh dran sein, nur um den Flug nicht zu verpassen. Ich wollte nicht für einen anderen Flug bezahlen müssen.
Im Flugzeug angekommen, konnte ich nicht verhindern, dass meine Hände zitterten. Eine Flugbegleiterin lächelte mich an, als ich an ihr vorbeiging und als sie meine Nervosität bemerkte, nickte sie mir beruhigend zu.
Ich versuchte mein Bestes das Lächeln zu erwidern.
Als ich es endlich zu meinem Sitzplatz, weit hinten im Flugzeug, geschafft hatte, schaute ich den Mann an, neben dem ich die nächsten elf Stunden sitzen würde.
Sein Blick wanderte an meinem Körper auf und ab und blieb eine Weile an meiner Brust hängen, bevor er mir in die Augen sah.
Er grinste. "Na, hallo."
Großartig. Einfach perfekt.
Ich darf die nächsten elf Stunden damit verbringen, von einem Widerling angeglotzt zu werden.
"Hi", murmelte ich.
Ich ignorierte Herrn Widerling, nahm mein Handgepäck und hob es über mich, um es in das Gepäckfach zu legen.
Als ich bemerkte, dass das Arschloch – das mir jetzt zusah wie ich mich abmühte – seinen Koffer in die Mitte des Abteils gestellt hatte, schnaufte ich und versuchte, ihn mit einer Hand zu bewegen, während ich versuchte, meinen daneben zu schieben.
Ich hatte es fast geschafft mein Gepäck unterzubringen, als ich spürte, wie sich Hände um meine Taille legten und die nackte Haut meines Bauches berührten, da mein Oberteil hochgerutscht war.
Ich dachte, es sei Herr Widerling und wollte wegspringen, hielt aber inne, als sich die Hände um mich schlossen und Funken durch meinen Körper sprühten.
Ich drehte meinen Kopf herum, um zu sehen, wem diese Hände gehörten. Ich spürte, wie sich meine Augen weiteten, als ich ihn ansah.
Er war atemberaubend... So groß, dass er in dem kleinen Flugzeug fast schon komisch aussah.
Seine Muskeln spannten sich gegen sein schwarzes Hemd und die blauen Jeans und verrieten mir, dass er wohl ziemlich viel Zeit im Fitnessstudio verbracht haben muss.
Er hatte schokoladenbraunes Haar, hypnotisierende dunkelgrüne Augen und einen Kiefer, der Papier hätte durchschneiden können.
Seine Lippen waren saftig und voll, und ich beugte mich unbewusst vor und stellte mir vor, wie es sich anfühlen würde, meine Lippen gegen sie zu drücken.
Ein plötzliches tiefes Knurren riss mich zurück in eine aufrechte Position, und meine Augen trafen seine, um festzustellen, dass er mich dabei beobachtete, wie ich ihn musterte. Meine Wangen wurden sofort rot, aber bevor ich mich zu sehr schämen konnte, sagte er:
"Meine Gefährtin." Seine tiefe, heisere Stimme klang in meinen Ohren. Er drückte sanft meine Taille, als seine Stirn auf meine traf, und atmete tief ein.
Wahrscheinlich hätte ich ihn ohrfeigen sollen, aber stattdessen schloss ich meine Augen und genoss das Gefühl seiner Arme um mich, während herrliche Funken durch meinen Körper sprühten. Ich wusste nicht einmal, dass es möglich war, sich so gut zu fühlen.
Ich spürte, wie sich sein Kopf von meinem entfernte, als er sich beugte, um meinen Hals zu küssen. Ich neigte meinen Kopf, um ihm besseren Zugang zu gewähren, und er stieß ein dankbares Seufzen aus.
Und dann spürte ich, wie er mich sanft küsste, genau dort, wo sich mein Hals und meine Schulter trafen. Erst wurden meine Knie schwach, dann wurde mein ganzer Körper taub, als ein gehauchter Seufzer meinen Mund verließ.
Er lächelte auf meinen Nacken, kicherte und nahm mein ganzes Gewicht in seine Arme, während ich mich ganz an ihn lehnte, um mich vor dem Fallen zu bewahren.
Ich war absolut im Himmel.
Ein Räuspern riss mich aus meiner Trance. Ich quiekte und versuchte, mich loszureißen, um mich zu erinnern, wo ich war.
Leider vergaß ich bei dem Versuch, den mysteriösen und unglaublich gut aussehenden Mann von mir wegzuschieben, die Hand, die noch immer mein Gepäck im Gepäckfach hielt.
Ich hörte, wie mein Koffer auf mich zukam, und ich duckte mich schnell, in der Erwartung, seine harte Kante würde auf meinen Kopf prallen.
Aber es passierte nichts. Stattdessen hörte ich: "Vorsicht, meine Hübsche".
Ich schaute zu dem Mann vor mir auf, der immer noch eine Hand besitzergreifend unter meinem Oberteil auf meinem Rücken liegen hatte. Seine andere Hand hielt nun meinen Koffer über meinen Kopf.
Er lächelte mich an und zwinkerte mir zu, bevor er meinen Koffer in das Gepäckfach schob und es zuschnappte.
Immer noch seine Hand auf meinem Rücken haltend, drehte er sich zu der Frau hinter ihm um, die während unseres intensiven Moments versucht hatte, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Frau sah schockiert aus und räusperte sich noch einmal zögerlich.
"Entschuldigung, ich muss nur zu meinem Platz und ihr blockiert den Gang. Ich wollte eure Wiedervereinigung nicht stören. Ihr zwei habt euch offensichtlich schon eine Weile nicht mehr gesehen." Sie lächelte zuckersüß.
Ich wollte sie korrigieren und öffnete den Mund, um zu sagen, dass wir uns noch nie zuvor getroffen hatten, aber der Mann, der mich festhielt, kam mir zuvor.
"Wir waren gerade dabei, unsere Plätze zu finden. Wir sind gleich wieder weg." Seine Stimme war sanft und beruhigend.
Die Frau nickte dankbar.
Ich wollte mich wegbewegen und freute mich darauf, der unangenehmen Situation zu entkommen, aber der Mann hielt mich nur noch fester in seinem Griff.
Er beugte sich herunter und flüsterte mir ins Ohr: "Nicht so schnell... So leicht kommst du nicht davon."
Dann sah er den Widerling an, der während des Fluges neben mir sitzen würde. "Beweg dich", sagte er zu ihm.
Der Widerling saß einfach nur da und starrte uns eine Sekunde lang an. Wahrscheinlich verarbeitete er immer noch die Begegnung, die gerade stattgefunden hatte. Der Gedanke, dass er uns beobachtet hatte, war mir sehr unangenehm.
"Was?", fragte er.
"Beweg dich", wiederholte der gut aussehende Mann. "Ich sitze da."
"Wie bitte? Ich rühre mich nicht vom Fleck. Das ist mein Platz."
Der Mann, der mich festhielt, knurrte leise. "Hier, nimm meins." Er reichte dem Widerling sein Ticket. "Das ist erste Klasse", sagte er und beobachtete den Mann, der das Ticket mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete.
"Jetzt bewege dich", sagte er langsam – fast drohend – als wolle er den Mann herausfordern, seine Befehle wieder in Frage zu stellen.
Der Widerling sah uns noch einmal an, bevor er aufstand, schnell seine Tasche packte und eilig an uns vorbeiging, ohne Blickkontakt aufzunehmen. Ich sah verblüfft zu.
Was zum Teufel ist gerade passiert? Das wurde ein seltsamer Tag.
"Geh schon, meine Hübsche", sagte mein neuer, geheimnisvoller Nebensitzer und schob mich sanft zur Fensterbank, während er dicht hinter mir folgte.
Ich setzte mich und sah zu, wie er sich neben mich setzte. Ich war mir nicht sicher, was ich sagen sollte, immer noch ein wenig schockiert und verlegen über das, was gerade passiert war.
"Ähm, tut mir leid wegen vorhin", murmelte ich, steckte mir eine Haarsträhne hinters Ohr und ließ den Blick sinken. Ich wollte, dass der Kerl mich mochte. "Ich fasse selten Fremde so an, das verspreche ich."
Ich lachte nervös. Als er nicht antwortete, räusperte ich mich.
"Okay... also warum hast du dein Erste-Klasse-Ticket aufgegeben, um hier ganz hinten zu sitzen?"
Plötzlich griff eine Hand nach meinem Kinn und drehte meinen Kopf. Meine Augen trafen seine, und seine Hand bewegte sich, um meine Wange zu umfassen.
"Weil ich bei dir sein wollte", sagte er heiser.
Er fuhr mit dem Daumen über meinen Wangenknochen, während er jeden Zentimeter meines Gesichts untersuchte.
"Wow, wie konnte ich nur so viel Glück haben?"
Ich lehnte mich von ihm weg, unsicher, wie ich reagieren sollte. Ich muss ihn falsch verstanden haben.
"Entschuldigung, was hast du gesagt?"
Er lächelte nur und schüttelte den Kopf. "Nichts. Mach dir keine Gedanken darüber, meine Hübsche." Er lehnte sich über die Armlehne zu mir. Für zwei Fremde waren uns sehr nahe.
"Ich bin Grayson. Wie ist dein Name?"
Fast wie in einem Rausch hörte ich mich sagen: "Belle".
Sein Lächeln wurde breiter. "Belle", sagte er zu sich selbst. "Meine Belle."
Seine Augen waren so schön. Ich konnte nicht anders, als in sie hineinzustarren. "Aha...", sagte ich abwesend.
Er stieß ein herzhaftes Lachen aus. Habe ich etwas Lustiges gesagt? "Unsere Bindung ist stark, das merke ich."
Geht es nur mir so, oder ergibt nichts von dem, was er sagt, einen Sinn?
"Was? Unsere Bindung?", fragte ich.
Er strich mir eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. "Zerbreche dir nicht deinen kleinen Kopf darüber."
Ich wurde wieder einmal aus der Benommenheit gerissen, in die er mich zu versetzen schien, als ein Baby hinter uns einen lauten Schrei ausstieß. Als ich realisierte, wie nah ich an dem Mann – Grayson – war, schreckte ich zurück.
Ich konnte seinen Atem auf meinem Gesicht spüren.
Wieder lachte ich nervös, legte ich meine Hände in den Schoß und versuchte, nicht so unbeholfen auszusehen, wie ich mich fühlte.
Der Kerl hält mich wahrscheinlich für eine Verrückte.
"Also geschäftlich oder aus Vergnügen?", fragte Grayson.






































