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Wie man einen CEO verführt

Kapitel vier

JENNY

Ich schloss die Tür hinter mir, als Kieran und ich uns auf den Weg zu unserem Date machten. Ich konnte nicht glauben, dass mir das gerade wirklich passierte.
Wenn ich wieder zuhause war, würde ich Ellis wirklich umbringen. Sie schickte mich mit einem praktisch Fremden auf ein Date und erwartete, dass er auf mich aufpasste.
"Und, wie geht es dir? Ich habe dich heute nicht im Spielzeugladen gesehen, ist alles in Ordnung?", fragte Kieran, als wir losgingen.
Ich beachtete ihn kaum, so oft sah ich mich um, um nach meinem Stiefbruder oder Stiefvater Ausschau zu halten.
Die Sonne war längst untergegangen, was bedeutete, dass es die perfekte Zeit für die Monster war, rauszukommen und zu spielen, wenn sie es nicht schon getan hatten. Am liebsten wäre ich einfach zurückgegangen. Ich wollte mich in meiner Wohnung verstecken und so tun, als ob die Monster tot wären.
Aber die traurige Wahrheit war, dass sie noch am Leben waren und ein besseres Leben führten als ich.
Um diese Zeit waren nicht so viele Leute unterwegs. Die meisten waren entweder bereits beim Abendessen oder hatten sich schon schlafen gelegt.
Aber ich konnte nicht verhindern, dass ich alles mitbekam. Meine Augen waren offen und meine Ohren gespitzt.
"Erdbeerchen."
"Hm, oh entschuldige, hast du etwas gesagt?" Ich errötete, verlegen.
Kieran blieb stehen und drehte sich zu mir um. "Ich habe dich gefragt, ob es dir gut geht, aber wie ich sehe, geht es dir nicht gut.
Sag mir, was los ist." Die Sorge in seiner Stimme ließ mich innehalten. Warum war er so besorgt um mich? Immerhin kannte er mich gar nicht?
"Es geht mir gut. Alles in Ordnung. Ich habe nur Angst in der Dunkelheit", log ich. Diesem Fremden würde ich auf keinen Fall erzählen, was mich bedrückte.
"Warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Ich bringe dich an einen Ort, an dem es viel Licht gibt. Es wird dir gefallen. Komm mit." Er kam ganz nah an mich heran und drang in meinen persönlichen Bereich ein, was in meinem Kopf die Alarmglocken läuten ließ.
"Kannst du ... etwas zurücktreten, etwa ... da hin." Ich zeigte auf die Stelle, an der er vorhin gestanden hatte.
Kieran runzelte die Stirn, ging aber trotzdem einen Schritt zurück. Im Licht Laterne konnte ich etwas in seinen Augen sehen. Etwas, das ich nicht kannte.
Aber es verursachte ein seltsames Kribbeln, das mir den Rücken hinunterkroch.
Ich wollte diesen Kerl durchschauen, wollte wissen, wer er wirklich war. Normalerweise sind Männer doch nicht so nett, zumindest nicht die, denen ich bisher in meinem Leben begegnet war. Warum sollte also ausgerechnet Kieran anders sein?
Er war ein Monster, das musste er sein, und ich musste ihn als das entlarven, was er wirklich war, bevor es zu spät war.
"Also, bist du bereit? Mein Auto steht gleich da drüben." Er zeigte auf ein silbernes Auto, das schon von weitem teuer aussah.
"Wohin fahren wir?", fragte ich, ging aber mit ihm in Richtung seines Autos.
"Ich habe da schon eine Idee, aber falls du lieber entscheiden möchtest, ist das auch okay, dann fahren wir da hin", antwortete er, bevor er die Autotüren aufschloss und mir die Beifahrertür öffnete.
"Danke." Ich lächelte und stieg ein. Mir hatte noch nie jemand die Tür geöffnet. Nachdem er meine Tür geschlossen hatte, umrundete Kieran das Auto und ließ sich auf den Fahrersitz fallen.
"Möchtest du denn irgendwo bestimmtest hin?", fragte Kieran, als er den Schlüssel in die Zündung steckte. Das Auto schnurrte wie eine Katze, die Kieran gerade gestreichelt hatte.
"Ich würde gerne zu dir nach Hause." Ich wusste nicht, was mich dazu gebracht hatte, so etwas zu sagen. Entweder war ich eine Idiotin oder ich vertraute dem Kerl mehr, als ich sollte.
Kieran warf mir einen verwirrten Blick zu. "Du willst mit zu mir?"
Ich nickte. "Wenn es für dich in Ordnung ist. Ich will natürlich keine Grenzen überschreiten." Ich wollte einfach nur an einen sicheren Ort.
Und auch wenn es keine Garantie dafür gab, dass es bei Kieran sicher war, war es doch besser als irgendwo draußen.
"Nein, du überschreitest überhaupt keine Grenzen. Wenn du mein Haus sehen willst, werde ich dich dorthin bringen." Lächelnd setzte Kieran den Wagen in Bewegung und raste auf die Straße hinaus.
Die nächsten Minuten verbrachten wir schweigend. Ich war zu sehr damit beschäftigt, aus dem Fenster zu schauen und zu versuchen, meinen Stiefbruder zu suchen.
Vielleicht war er ja schon nach Hause gegangen. Ich fragte mich, wo er wohl wohnte. Vermutlich in einem riesigen Haus, denn mein Stiefvater und mein Stiefbruder lebten schon immer gerne verschwenderisch.
"Dein Auto riecht gut", bemerkte ich. Das tat es wirklich. Es roch nach Männerparfüm und nicht nach diesen Lufterfrischern.
"Danke", erwiderte Kieran.
"Und ... du siehst in diesem Anzug wirklich gut aus", fuhr ich fort.
"Danke, Erdbeerchen." Kieran grinste und mein Herz blieb für eine Sekunde stehen. Oh Gott, er war so schön, wenn er grinste. Für einen Moment vergaß ich völlig, wo ich war.
Vergaß meine Sorgen, vergaß alles.
"Dein Lächeln ist schön." Ich biss mir auf die Lippe, während mir die Hitze in den Wangen brannte. Oh Gott, ich machte mich lächerlich.
Ich wusste nicht, wie ich mit Männern reden sollte. Ich wusste nicht, was ich zu ihnen sagen sollte. "Es tut mir leid, das hätte ich vermutlich nicht sagen sollen."
Kieran legte eine Hand auf meine und ich erstarrte, bevor ich mich kurz darauf wieder entspannte. Es ist alles okay. Er hat nur deine Hand berührt, nicht dein Handgelenk. Keine Panik. "Du musst dich nicht entschuldigen. Du kannst mir alles sagen, absolut alles."
"Wo wohnst du?", fragte ich.
"Mayfair", antwortete er.
Oh wow. Er musste wirklich reich sein, wenn er es sich leisten kann, dort zu wohnen.
Vielleicht wohnten Mitchell und sein Vater auch in Mayfair. Sie würden sicher nicht in einem anderen Teil Londons leben. Nein, sie gönnten sich immer das Allerbeste.
"Warst du schon mal da?", fragte mich Kieran.
Ich schüttelte den Kopf. "Nein, aber ich wollte schon immer mal hin", erwiderte ich. Allerdings hatte ich weder die Zeit noch das Geld, um nach Mayfair zu fahren, also war es in gewisser Weise gut, dass Kieran dort lebte. Durch ihn würde ich es endlich sehen können.
"Na, dann ist heute wohl dein Glückstag." Kieran schenkte mir ein weiteres Lächeln.
"Du lächelst viel. Das ist wirklich schön", sagte ich. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit Männern reden sollte. Ich hoffte einfach nur, dass ich mein allererstes Date nach so langer Zeit nicht vermasseln würde.
"Und du hast eine Menge Geheimnisse", erwiderte Kieran und bog scharf nach rechts ab.
Plötzlich begann mein Herz wie wild zu klopfen. Woher wusste er, dass ich etwas verheimlichte? War ich etwa so leicht zu durchschauen? Ich hatte doch versucht, meine Gefühle für mich zu behalten, wie kam Kieran also darauf?
"W-wie meinst du das?", fragte ich unsicher.
"Ich meine es genauso, wie ich es gesagt habe. Deine blauen Augen verbergen ein ganzes Meer an Geheimnissen", sagte Kieran und warf mir einen Blick zu.
"Jeder hat Geheimnisse", antwortete ich.
"Ja, aber nicht so wie du", bemerkte er.
"Nun, wir alle leben unterschiedliche Leben", argumentierte ich.
"Das tun wir", stimmte er zu.
"Du solltest froh sein, dass dein Leben so einfach ist", blaffte ich.
"Oh, jetzt unterstellst du mir etwas. Wie kommst du darauf, dass mein Leben einfach ist?", erkundigte sich Kieran und bog erneut nach rechts ab.
Ich war zu sehr auf ihn konzentriert, um zu merken, wohin wir fuhren. Das war dumm, aber ich konnte nicht anders.
Kieran Maslow war die Art von Mensch, die deine ganze Aufmerksamkeit verlangte, und man hatte keine andere Wahl, als sie ihm zu schenken.
"Na, ist es nicht so?" In meinen Augen hatte er das einfachste Leben von uns allen.
"Du hast gesagt, dass wir alle Geheimnisse haben, Erdbeerchen. Also habe ich auch viele Geheimnisse, genau wie du. Du kannst also nicht davon ausgehen, dass mein Leben perfekt ist", antwortete er.
"Du hast recht, es tut mir leid. Ich habe kein Recht, Vermutungen über dich anzustellen, obwohl ich dich gar nicht kenne."
Ja, ich hatte dieses Date definitiv vermasselt. Es würde mich nicht wundern, wenn Kieran den Wagen wenden und mich sofort nach Hause bringen würde.
Ich war überrascht, dass er nicht schon genug von mir hatte. Wenn er nur wüsste, wie lange es her war, dass ich mit einem Mann ausgegangen war ...
"Ist schon gut, du wirst mich noch früh genug kennen lernen", sagte Kieran.
Ich musste innerlich lachen. Ich war mir sicher, dass er am Ende dieses Abends nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Dass er es bereits so lange mit mir ausgehalten hatte, überraschte mich.
"Wie weit ist es noch bis zu deinem Zuhause?", fragte ich.
"Noch ungefähr fünfzehn Minuten." Kieran hielt ein paar Sekunden inne. "Warum wolltest du dich nicht mit mir verabreden?"
Seine Frage überrumpelte mich.
Was kümmerte es ihn, ob ich mit ihm ausgehen wollte oder nicht, ich tat es doch gerade. Entweder war dieser Mann einzigartig oder ich hatte unter einem Stein gelebt und die Regeln für Dates hatten sich geändert.
"Macht das einen Unterschied? Ich meine, ich bin doch hier, oder nicht?", wollte ich wissen.
"Ja, aber selbst vorhin hast du versucht eine Ausrede zu finden, um nicht mit mir auszugehen. Also sag mir, warum? Bin ich nicht dein Typ?", fragte er.
Mein Typ? Ich hatte keinen Typ. Ich hatte nie die Gelegenheit gehabt, einen Typ zu haben. Aber das konnte ich ihm nicht sagen. Es war nicht nötig, dass er meine dunkle Seite und all die Schrecken darin kennenlernte.
"Ich habe keinen Typ. Es ist nur schon lange her, dass ich mit jemandem ausgegangen bin", antwortete ich.
"Oh, ich verstehe. Aber, Erdbeerchen, du musst dem Leben eine Chance geben. Na klar, es ist nicht immer angenehm, aber das Leben kann auch schön sein. Du musst Risiken eingehen", riet er mir.
"Du hast Recht." Nur hatte ich nie die Chance gehabt, das Leben zu erkunden.
Mein Leben wurde viel zu lange von meinem Stiefvater und meinem Stiefbruder bestimmt. Sie entschieden, wann sie mich verletzen durften. Sie entschieden, wann sie mich duschen ließen. Bis vor sechs Jahren war ich nichts weiter als ein Objekt.
Ich spürte, dass wir langsamer fuhren und kurz darauf anhielten. "Wir sind da", verkündete Kieran, bevor er aus dem Auto stieg und zu mir kam, um meine Tür zu öffnen.
"Danke, aber das musst du nicht tun. Ich kann meine Tür auch alleine öffnen", sagte ich. Ich zog meinen Mantel fester um mich, während der Wind an meinen Haaren zerrte.
"Komm, lass uns reingehen. Du wirst dich noch erkälten." Kieran nahm meine Hand und führte mich hinein. "Willkommen in meinem Loft", sagte er, bevor er die Tür aufschloss und hineintrat.
Es war atemberaubend. Das Wohnzimmer war riesig, das größte, das ich je gesehen hatte. Eine schwarze Marmortreppe führte in die erste Etage und die riesigen Fenster boten einen wunderschönen Blick auf London.
"Es ist wunderschön, Kieran", sagte ich staunend und betrachtete den Küchentresen am Ende des Wohnzimmers.
"Danke. Bitte, setz dich und mach es dir bequem. Möchtest du etwas essen oder vielleicht etwas trinken?", fragte Kieran und ging zur Küchentheke hinüber.
"Nein, nein, danke. Ich brauche nichts." Ich war hungrig, aber ich wollte ihn nicht damit belästigen.
"Wir wissen beide, dass du heute noch nicht zu Abend gegessen hast. Also, sag mir, was möchtest du essen?", wollte Kieran wissen.
"Was immer du im Kühlschrank hast. Ich bin nicht wählerisch", antwortete ich.
"Ich habe rohes Gemüse und rohes Fleisch. Also werde ich kochen müssen", erwiderte er.
"Du willst kochen? Nein, das musst du wirklich nicht. Ich werde einfach etwas essen, wenn ich nach Hause komme. Wir können gerne etwas anderes machen", sagte ich.
Es war so warm in seinem Loft, dass ich meinen Mantel ausziehen wollte. Ich stand auf und ging dorthin, wo Kieran stand und Gemüse und Hühnchen aus dem Kühlschrank holte.
Kieran warf mir einen fragenden Blick zu, bevor er die Tür des Kühlschranks schloss. "Wie lange ist es her, dass du mit jemandem ausgegangen bist?"
"Äh, warum fragst du?" Hatte ich etwas Falsches gesagt?
"Ich werde etwas für uns kochen, okay? Meine Haushälterin ist schon weg, es macht also keinen Sinn, sie jetzt anzurufen", sagte Kieran und nahm ein Messer aus dem Messerblock, der auf dem Tresen stand.
"Du brauchst nicht zu kochen. Wirklich, du musst das nicht für mich tun", antwortete ich.
"Warum nicht?" Kieran zog eine Augenbraue hoch und verlangte offensichtlich eine Erklärung.
Wie sollte ich ihm sagen, dass noch nie jemand so etwas für mich getan hatte? Ich war das nicht gewöhnt. Kein Mann hat mir jemals das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Kieran sollte nicht hier stehen und für mich kochen, das war nicht richtig.
Ich seufzte. "Wenn du schon kochst, dann will ich auch helfen", sagte ich und kam um den Tresen herum, um ihm zu helfen. "Sag mir, was ich tun soll."
"Nein, auf keinen Fall. Du wirst nicht kochen. Das werde ich nicht zulassen", sagte er.
"Du hast keine andere Wahl, ich werde dir helfen", erwiderte ich. Ich wollte nicht, dass er mir einen Gefallen tat.
"Wer sagt das?", fragte Kieran.
"Ich", sagte ich.
"Erdbeerchen. Setz dich hin, ich werde dich nicht kochen lassen", antwortete er.
"Wenn du mich dir nicht helfen lässt, werde ich nicht essen", behauptete ich.
"Wie bitte?" Kieran warf mir einen überraschten Blick zu.
"Du hast mich schon richtig verstanden." Ich verschränkte die Arme vor der Brust und war selbst überrascht über mein selbstbewusstes Auftreten. "Wenn ich dir nicht helfe, dann esse ich nicht. Dann kannst du alleine essen."
"Sei nicht albern, Erdbeerchen. Das ist dein erstes Date mit mir. Lass mich das für dich tun", antwortete Kieran.
Ich schüttelte den Kopf. Ich würde ihm niemals die Chance geben, ihm etwas schuldig zu sein. Kieran würde meine Hilfe annehmen, ob es ihm gefiel oder nicht.
"Das ist auch dein erstes Date mit mir, und ich werde dich nicht die ganze Arbeit alleine machen lassen. Außerdem wäre es langweilig, dir nur beim Kochen zuzusehen."
Wenn er sich immer noch weigerte, würde ich von hier verschwinden, verdammt noch mal.
Kieran seufzte. Es war ein Seufzer, der eine Niederlage bedeutete. "Na gut. Oh Gott, bist du stur. Dagegen werde ich wohl noch etwas tun müssen. Du kannst die Paprika schneiden."
Ich lächelte über meinen kleinen Sieg. Noch nie hatte ein Mann vor mir aufgegeben. Kieran war der erste Mann, der mich meinen Willen durchsetzen ließ.
Und dafür bewunderte ich ihn so sehr. Er hatte nicht versucht, mir seine Entscheidung aufzuzwingen. Er hatte mir zugehört und zugestimmt, mich helfen zu lassen.
"Danke. Ich bin gut ziemlich im Gemüseschneiden", sagte ich, bevor ich ein Messer in die Hand nahm.
"Nein, nicht das. Nimm ein kleineres Messer, ich will nicht, dass du dich verletzt", befahl Kieran.
Mitchell hätte es genossen, wenn ich mich verletzt hätte. Der Anblick meines Blutes hätte ihn auf eine kranke Art und Weise erregt.
Dass Kieran mir sagte, ich solle mich nicht selbst verletzen, hatte ich noch nie gehört. Trotzdem tat ich, was er sagte, und nahm ein kleineres Messer heraus.
"Sei bitte vorsichtig. Ich will wirklich nicht, dass du dich schneidest", wies Kieran mich an.
Ich nickte und begann, die Paprika zu schneiden, wobei mein Herz von einem seltsamen Glücksgefühl durchströmt wurde.
Vielleicht würde dieses Date doch nicht so schlecht werden.
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