
Vom Alpha entführt: Return of the Witch
Autor:in
Dzenisa Jas
Gelesen
157K
Kapitel
15
Freiheit
Rettacus
Wir flohen bei Nacht weit vom Schloss. Mein Herz raste und ließ meinen ganzen Körper beben.
Was habe ich nur angerichtet?
Wie in Trance schlich ich in den Kerker, nahm die Schlüssel und befreite einen Gefangenen.
Ich log Lazarus dreist an und behauptete: „Der König hat angeordnet, dem armen Kerl einen Tag Freigang zu gewähren!“
Auch missachtete ich den Befehl des Königs. Er hatte mir untersagt, ins Schloss zurückzukehren, nachdem er von meinem Gespräch mit Clarice erfahren hatte. Doch etwas in mir drängte mich zurück.
Es war, als ob all meine Gefühle für Clarice und mehr durch meinen Körper strömten und mein Herz zum Leben erweckten.
Als ich mich durchs Schloss schlich, empfand ich plötzlich nichts mehr für Clarice.
Ich wollte nur der Stimme folgen, die ich hörte, wenn ich die Augen schloss und versuchte, das Schloss zu verlassen, wie der König es befohlen hatte.
Ich stolperte und landete mit einem lauten Platsch auf Händen und Knien im Schlamm. Es regnete, und ich blickte zurück zum mächtigen Schloss.
Zu meiner Vergangenheit.
Durch die Fenster sah ich Kerzen im Ballsaal und tanzende Gestalten.
Kalter Regen prasselte auf meinen Kopf und ließ mir die Haare in die Augen fallen.
„Rettacus, Liebster, steh auf!“
Es war dieselbe Stimme, die mich in den Kerker gelockt hatte. Dieselbe Stimme, die meinen Verstand beherrschte.
Ich blickte auf und sah die gefährlichste Gefangene aller Zeiten.
Clio, die Hexenschwester von König Cerberus Thorne.
„Du hast mich gehört, nicht wahr, lieber Rettacus?“
Bei ihrer Stimme verflogen all meine Sorgen. Eine tiefe Ruhe erfasste mich, und selbst der kalte Regen störte mich nicht mehr.
Clio lächelte mich an, und ich schüttelte nur verwirrt den Kopf.
„Ja“, sagte ich schließlich und wandte den Blick von Clio ab, „ich habe dich gehört, aber ich verstehe nicht, warum deine Worte mich so berühren.“
Clios Lächeln wurde breiter, und ihr Anblick veränderte etwas in mir.
Aus irgendeinem Grund veränderte mich ihr Lächeln.
Sie war atemberaubend schön, schöner als jede Frau, die ich je gesehen hatte. Ihre dunkle Haut glänzte im Regen, und ihr dichtes schwarzes Haar war kurz geschnitten.
Sie trug enge Lederhosen und einen weiten weißen Kapuzenschal, der ihren Bauch frei ließ.
Wie sie auf der Klippe stand, mit geradem Rücken und erhobenem Haupt, zeigte deutlich, dass sie die Schwester des Königs war.
Clio kam näher und streckte ihre Hand aus.
„Es ist in Ordnung, Rettacus“, sagte sie, ihre Augen wechselten von Dunkelblau zu Hellblau wie ein Sommerozean.
Je näher sie kam, desto heller leuchteten ihre Augen.
Diese Veränderung ihrer wunderschönen Augen konnte nur eines bedeuten, aber ich war noch nicht bereit, es zu akzeptieren.
Trotzdem klang Clios Stimme süß und einnehmend.
„Du weißt bereits, wer ich bin, Liebster“, sagte Clio mit einem breiten Lächeln.
Jedes Wort ließ mein Herz schneller schlagen, und meine Hand bewegte sich wie von selbst zu ihrer.
„Benutzt du Magie bei mir?“, fragte ich mit rauer Stimme.
Einen Moment lang hörten wir nur den prasselnden Regen. In der Ferne waren die Feierlichkeiten im Schloss zu hören.
Oder vielleicht kommen die Wachen, um uns zu stellen!
Clio lächelte mich einfach an.
„Sag es mir!“, schrie ich und schlug mit der Faust in den Schlamm. „Ist das Magie, die du bei mir anwendest? Ist das der Grund, warum ich denke, du könntest meine...“
Clio schüttelte den Kopf. „Nimm meine Hand, und du wirst alles erfahren.“
Clio
Jahrelang hatte ich auf diesen Augenblick gewartet.
Dem Menschen nahe zu sein, nach dem ich mich mein Leben lang gesehnt hatte, den ich begehrte, aber nicht haben konnte.
Alles nur, weil mein Bruder mich ins Unglück stürzen wollte.
Doch jetzt stand er vor mir - derjenige, für den ich so hart gekämpft hatte.
Ein Mann mit kräftigen Muskeln und dunklem Haar. Seine Stimme war sanft und er wirkte wie jemand, der stets das Richtige tat.
Seine sonst so dunklen Augen wurden heller und strahlender, als ich mich näherte.
Dieser Mann ist mein Partner.
Unsere Finger berührten sich fast. Schon da spürte ich die Energie, wie kleine Blitze, die meinen Arm hinaufzuckten.
Die Haare in meinem Nacken stellten sich auf.
„Ich weiß nicht warum“, sagte Rettacus, „aber ich möchte dir vertrauen.“
Ich lächelte breit. „Du weißt es sehr wohl, mein Lieber.“
Zögernd legte Rettacus seine Hand in meine.
Vor Glück warf ich den Kopf in den Nacken, meine Knie wurden weich.
„Kann es wirklich sein“, flüsterte Rettacus, nun ebenfalls lächelnd, „dass du mein Partner bist?“
Ich zog Rettacus hoch, und er schloss mich in seine starken Arme.
„Lass dich nicht von meinen Worten überzeugen“, sagte ich und legte einen Finger auf seine Brust, „höre stattdessen auf dein Herz.“
Rettacus berührte mein Gesicht und sah mich an, als könne er kaum glauben, dass ich echt war. Mein Herz raste, und ich wollte ihm noch näher sein.
In diesem Moment wollte ich ihn ganz und gar.
Aber wir waren dem Schloss noch zu nahe.
„Ja“, sagte Rettacus überzeugt, seine strahlenden Augen fesselnd, „du bist mein Partner. Ich spüre es. So habe ich noch nie gefühlt, und unsere leuchtenden Augen zeigen die Wahrheit.“
Rettacus nahm beide meine Hände in seine.
„Ich bin so froh, dass du mich gefunden hast“, sagte er und legte sein Kinn auf meinen Kopf, während er mich umarmte.
Bei seiner Berührung schmolz ich dahin, fühlte mich aber gleichzeitig stärker.
Jetzt, da mein Partner bei mir ist, kann ich meine volle Kraft entfalten!
Endlich konnte ich meinen schrecklichen Bruder besiegen und das Schloss für immer einnehmen.
„Wir waren füreinander bestimmt“, erklärte ich Rettacus, „denn ich spürte, wie du das Schloss verließest. Ein gutes Gefühl in meinem Herzen wurde schwächer, also nutzte ich meine Magie, um nach dir zu rufen.“
Rettacus hob mein Kinn mit seiner Hand.
„Ich bin so dankbar, dass du das getan hast“, sagte er mit Tränen in den Augen. „Ich hatte schon begonnen zu glauben, du wärst nicht real und ich hätte keinen Partner.“
Sein Herz ist so gut, das spüre ich. Das wird es einfacher machen, ihn zu lenken!
„Ich bin real und ich bin hier!“, rief ich und schmiegte meinen Kopf an seine starke Brust.
Plötzlich weiteten sich Rettacus' Augen. „Der König wird uns beide umbringen, wenn er uns findet! Wir müssen fliehen. Ich habe dich gerade erst getroffen. Ich will dich jetzt nicht verlieren.“
Das läuft wie am Schnürchen. Vielleicht muss ich nicht einmal Magie einsetzen, um ihn dazu zu bringen, mir zu helfen.
Ich drückte seine Hand und rannte mit ihm los.
„Dann lass uns eilen, Liebster! Wir müssen einen Plan schmieden, um das Schloss anzugreifen.“
Rettacus hielt inne und zog eine Augenbraue hoch. „Angreifen?“
Ich grinste breit. „Oh ja. Wir werden erst sicher sein, wenn Cerberus weg vom Fenster ist.“
















































