
The Barbarian Band 4
Autor:in
G. M. Marks
Gelesen
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Kapitel
27
Kapitel 1
Buch 4: The Darkness
Die Kinder der Mutter
BULL
**~**
Black Bull stemmte sich mit der Brust gegen das Joch, zog mit aller Kraft. Seine Zehen gruben sich in die ausgedörrte Erde, während der Pflug sich widerwillig durch den harten Boden fraß.
Der Regen der letzten Tage hatte den Acker zu einer knochentrockenen Kruste werden lassen. Doch er gab nicht auf. Er *durfte* nicht aufgeben.
Die Sklavenaufseher standen in einer Reihe, die Arme verschränkt. Einer von ihnen spielte lässig mit der Peitsche in seiner Hand, ein spöttisches Grinsen im Gesicht.
Auf den Königsfeldern arbeiteten Pferde und Ochsen – stark, effizient, *wertvoll*. Doch hier? Hier setzte man Sklaven ein. Nicht, weil sie besser waren. Sondern weil man sie *brechen* wollte.
Trotzdem zog Bull diese Arbeit dem Bergwerk vor. Alles war besser als die Minen. Er hatte die Geschichten gehört – von den eingestürzten Stollen, von den zwanzig Sklaven, die unter tonnenschwerem Gestein begraben worden waren. Von denen, die noch *lebend* darunter lagen, bis ihr letzter Atemzug in der Dunkelheit verhallte.
Er blieb stehen, stützte das Joch mit beiden Händen ab. Die Last verteilte sich, gab seinen gequälten Muskeln eine kurze Atempause. Jede Hilfe war willkommen.
*Zieh. Zieh, verdammt noch mal. ZIEH!*
Seine Schultern brannten, die Oberschenkel zitterten vor Anstrengung, sein Bauch krampfte. Doch langsam – *qualvoll* langsam – gab die Erde nach. Der Pflug ruckte vorwärts.
Schweiß rann ihm in Strömen über den nackten Körper, vermischte sich mit dem Staub, der an seiner Haut klebte. Seine Kleidung lag in einem schmutzigen Haufen zwischen den anderen Sklaven. Er arbeitete. Er schwitzte. Er *stank*.
Seine Lunge brannte bei jedem Atemzug, sein Herz hämmerte gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel. Dreck und Mist krallten sich an seine Beine, verkrusteten hinter seinen Knien.
Der Schweiß machte alles nass. Sein Mund war ausgedörrt, die Kehle wie mit Sandpapier ausgekratzt. Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel, als wolle sie ihn *verbrennen*.
Er hatte Glück. Seine dunkle Haut rötete sich nur, während die hellhäutigen Sklaven neben ihm bereits blutige Brandblasen trugen.
Vielleicht wurden die anderen manchmal besser behandelt – aber *er* überlebte. Das war alles, was zählte.
*Black Bull.* Wenn er doch nur *wirklich* Hörner hätte. Wenn er sich wehren könnte. Wenn er *frei* wäre.
So vertieft war er in seine Qual, dass er das Geräusch erst bemerkte, als der Aufseher mit der Peitsche auf sein Pferd stieg. Die anderen Sklaven erstarrten. Ihre Werkzeuge fielen zu Boden. Sie starrten.
Ihre Augen waren weit aufgerissen. Einer deutete mit zitternder Hand auf etwas hinter ihm.
Bull drehte sich um.
*Rauch.* Schwarzer, dichter Rauch, der sich wie ein Leichentuch über die weiße Hauptstadt legte. Er schirmte die grelle Sonne mit der Hand ab, blinzelte.
Flammenzungen leckten an den Türmen der Großen Kathedrale empor, sprangen gierig von Dach zu Dach. Dann – ein Geräusch. Ein *Donnern* aus Schreien, Hufgetrappel, panischen Rufen.
Hunderte strömten durch die Tore Fairmonts – Adlige und Bettler, Sklaven und Toths, Männer, Frauen, *Kinder*. Die Aufseher rannten, drängten sich durch die Menge, versuchten, gegen den Strom zurückzugelangen. Vergeblich. Die Menschenflut riss sie mit, verschluckte sie.
Zwei von ihnen stürzten von ihren Pferden, wurden unter den Füßen der Menge zertreten.
Ein Sklave hinter Bull lachte – ein kurzes, hysterisches Keuchen. Bulls Mundwinkel zuckten.
Er ließ das Joch fallen. Zum ersten Mal seit Stunden *ruhte* er. Lehnt sich gegen den Pflug, spürte, wie sein Körper unter der plötzlichen Lastlosigkeit zitterte.
Für einen kurzen Moment blickte er zurück – auf die weiten Felder, den schmalen Pfad, der sich zwischen den Hügeln schlängelte, die fernen Berge, blau und unberührt am Horizont.
Dort könnte er fliehen. Dort könnte er *atmen*.
Doch nur in seinen Träumen. In der Realität würden sie ihn jagen. Wie immer. Und sie würden ihn *finden*.
Er spürte schon die Peitsche, die ihm das Fleisch vom Rücken riss. Die Ketten, die ihm die Knochen zermalmten. Seine Finger krallten sich in sein nasses Haar.
Und *das andere*. Die Dunkelheit. Die Stille. Die Hände, die ihn festhielten, während—
*„Lass uns mal sehen, was für ein Mann in dir steckt, Black Bull.“*
Er presste die Lippen zusammen, verschränkte Arme und Beine, als könnte er sich so vor den Erinnerungen schützen.
Der Rauch wurde dichter, kroch wie ein lebendiges Wesen über die Felder. Bull hustete, spuckte einen Klumpen aus Speichel und Staub aus.
Immer mehr Menschen drängten durch die Tore. Sein Herz schlug schneller – nicht aus Angst. Sondern aus *Erwartung*.
Etwas geschah. Etwas, das den endlosen Kreislauf aus Arbeit und Schmerz *unterbrechen* konnte.
Er empfand kein Mitleid. Keine Trauer. Tief in ihm hoffte er, sie würden *alle* sterben – die schreienden Frauen, die weinenden Kinder, die Säuglinge in den Armen ihrer Mütter.
Sein Blick wanderte von einem verzerrten Gesicht zum nächsten. Alle sahen aus, als stünden sie kurz vor dem Wahnsinn. Alle – *bis auf eine*.
Seine Augen blieben an ihr hängen. Ein Mädchen. Eine Sklavin, dachte er zunächst.
Doch ihr Äußeres verriet mehr: glatte, honigfarbene Haut, langes, schwarzes Haar, das ihr im Wind um das Gesicht peitschte. Hohe Wangenknochen, eine breite Stirn. Groß. Schlank. Mit Armen und Beinen, die *kraftvoll* wirkten – nicht zerbrechlich. Und sie trug kein zerschlissenes Sklavengewand, sondern ein Kleid der Toths. Fein, aber nicht prunkvoll. Als gehöre sie *dazwischen*.
Eine Bettgenossin für einen reichen Herrn? Eine Dienerin mit besonderen *Pflichten*?
Der Gedanke verflog, als er das Blut an ihr sah. An ihren Händen. An ihrem Kleid. Und ihr Gesicht – der Kiefer angespannt, die Augen *hellwach*, fast *kalt*. Keine Spur von Panik.
Niemand sonst bemerkte sie. Alle waren zu sehr mit ihrer eigenen Flucht beschäftigt. Doch Bull beobachtete, wie sie sich aus der Menge löste, den Hügel hinaufrannte und zwischen den Bäumen verschwand.
Wer auch immer sie war – sie war *dumm*. Die Aufseher würden sie finden. Und die Strafe würde *grausam* sein.
Schade. Sie war *schön*.
Die Sklaven saßen oder lagen regungslos da, während der Tag langsam in Dämmerung überging. Der Rauch über den Dächern lichtete sich allmählich. Weniger Menschen flohen durch die Tore.
Einige Sklaven kehrten sogar zur Arbeit zurück, getrieben von der Angst vor den Peitschen der Aufseher, falls ihre Aufgaben unerledigt blieben.
Bull gehörte zu denen, die *blieben*. Er hatte noch nie die Chance gehabt, einfach *stillzusitzen* – nicht in seinen einundzwanzig Jahren. Und jetzt, da er es konnte, war er zu *müde*, um sich zu bewegen. Die Erschöpfung saß in seinen Knochen, in jedem einzelnen Muskel.
Er setzte sich auf den harten Boden, zog die Knie an die Brust und starrte in den verqualmten Himmel.
Nach einer Weile legte er sich hin. Schloss die Augen. Träumte von dem seltsamen Mädchen mit dem blutverschmierten Kleid, den langen, glatten Gliedmaßen und den dunklen, *harten* Augen.
---
*„AUFSTEHEN!“*
Bulls Augen rissen auf, als ein stechender Schmerz ihn durchfuhr. Er keuchte, krümmte sich zusammen, die Hände zwischen die Beine gepresst. Sein Körper zuckte. Tränen schossen ihm in die Augen.
*„Ich sagte, AUF!“*
Der Aufseher zog seinen Stiefel zurück, doch Bull rollte zur Seite, bevor der nächste Tritt ihn treffen konnte.
Über dem Rauch funkelten die ersten Sterne. Ein Halbmond warf bleiches Licht auf die verwüsteten Felder.
Die Aufseher waren zurück. Ihre Gesichter waren aschfahl, ihre Bewegungen schwerfällig. Manche hinkten. Andere trugen blutige Schrammen und Prellungen von der Menge. Sie rochen nach Rauch, Schweiß – und *Niederlage*.
Und sie waren *wütend*. *Rasend* vor Wut.
*„AUF! AUF!“*, brüllte der Aufseher, die Adern an seinem Hals traten hervor. Ein anderer ließ die Peitsche knallen. Der scharfe Knall ließ Bull zusammenzucken. Noch immer hielt er sich die Eier, als könnte er den Schmerz so *festhalten*.
Er kannte die Stimmungen der Aufseher: wütend, gelangweilt, sadistisch vergnügt. Doch *so* hatte er sie noch nie erlebt. Als hätten sie etwas *persönlich* verloren.
Bull warf einem anderen Sklaven einen schnellen Blick zu, während sie sich hastig in Reihe aufstellten. Die Aufseher warfen ihnen ihre zerschlissenen Kleidungsstücke zu. Sie zogen sie an – *schnell*.
Dann trieben die berittenen Wächter sie mit Peitschenhieben und Tritten zurück in die Stadt.
Bull blickte sich um, während er lief. In der Ferne sah er die schwarzen, zerborstenen Dächer – verzerrt im Mondlicht, wie die Ruinen einer längst vergessenen Welt.
Die Hauptstraße war verschont geblieben – keine abgebrannten Häuser hier. Doch die Spuren des Chaos waren überall: zerfetzte Kleidung, umgestürzte Körbe mit Obst, das nun im Dreck verrottete, Gegenstände, deren Zweck er nicht einmal erriet.
Die Menschen hatten sie im Lauf fallen lassen. Zerbrochene Wagenräder, zerschlagene Kisten, Abfall bedeckten die Straßen.
Sein Blick blieb an den Leichen hängen. Zwei waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, der Gestank ließ ihn würgen. Die anderen mussten auf eine Weise gestorben sein, die er im Dunkeln nicht erkennen *wollte*.
Überall waren Soldaten. Manche saßen mit gesenkten Köpfen am Straßenrand, die Hände im Gesicht vergraben. Andere irrten wie Betrunkene umher. Einer rannte zur Burg, eine schreiende Frau in den Armen.
Natürlich war das Verlies, in dem sie gefangen gehalten wurden, *unversehrt* geblieben.
*Natürlich.*
Die innere Stahltür knallte zu. Als sich die äußere schloss und das letzte Mondlicht verschwand, wurde es *stockfinster*. Der Geruch von altem Rauch und Moder hing schwer in der Luft.
Bull blinzelte in die Dunkelheit, wartete, bis sich seine Augen anpassten. Normalerweise würde er sich jetzt in seine stinkenden Decken rollen und versuchen zu schlafen. Doch nicht heute Nacht.
*Nicht heute Nacht.*
Er hörte das Geflüster der anderen Sklaven. Manche klangen ängstlich. Die meisten jedoch – *aufgeregt*.
*„Kannst du das glauben?“*
*„Was zum Teufel ist hier passiert?“*
*„War das ein Angriff der Eurobaner?“*
*„Halt’s Maul, du Idiot. Die hätten die Stadt nicht so *leicht* nehmen können.“*
Sie flüsterten, rätselten, spekulierten – doch niemand wusste *wirklich*, was geschehen war.
Bull saß regungslos im Dunkeln. Er dachte an das Mädchen mit dem blutigen Kleid. An die Wut der Aufseher.
Und irgendwie *wusste* er: Es war noch nicht vorbei.
Sie würden *zurückkommen*.
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Sie kamen mitten in der Nacht, als das Verlies in tiefem Schlaf lag – erschöpft von der Arbeit, vom Chaos, von der *Angst*.
Bull wachte nicht auf, als die erste Tür geöffnet wurde. Doch als die zweite knarrte, riss ihn das quietschende Metall aus dem Schlaf. Das schwere Schloss. Die scharrenden Stiefel auf dem strohbedeckten Boden.
Er kniff die Augen zusammen, als grelles Laternenlicht die Zelle flutete. Einige Sklaven fuhren hoch, blinzelten, hoben die Hände gegen das Licht. Bull rührte sich nicht. Er hielt die Lider fast geschlossen, atmete gleichmäßig.
*Unsichtbar sein. Das war die einzige Chance.*
Sechs Aufseher. *Sechs.* Eine eiskalte Hand krallte sich um sein Herz. Sie trugen Peitschen, Eisenstangen. Ihre Gesichter waren wie aus Stein gemeißelt, die Augen glänzten *fieberhaft*. Die Luft war geladen – wie vor einem Gewitter.
*Gott helfe uns.*
Es wurde die längste Nacht, die Bull je erlebt hatte. Und er hatte *viele* lange Nächte durchstanden. Jeder Zentimeter seines Körpers schmerzte – von den eisigen Eisenstangen, die ihm die Haut aufrissen, von den Peitschen, die sein Fleisch *brandmarkten*.
Doch er stöhnte nicht. Nicht wie einige der anderen. Er war *Black Bull*. Und die Aufseher *liebten* es, ihn leiden zu sehen.
Zerschunden. Blutend. Geschlagen. Das Keuchen der Gepeinigten, das unterdrückte Schluchzen. Bull regte sich nicht. Die Angst vor dem Schmerz war groß – doch die Angst, ihre *Aufmerksamkeit* zu erregen, war *größer*.
Die Aufseher waren nicht zufrieden. Sie waren es *nie*. Nicht mit bloßen Schlägen.
Schläge konnte er ertragen. Es waren die *anderen* Arten der Folter, die ihn *brach*.
Und noch nie hatte er sich so sehr gefürchtet wie in dieser Nacht.
Sie hielten ihn fest, während sie ihn *nahmen*. Jeder Arm, jedes Bein wurde von einem anderen Wächter fixiert. Er biss sich auf die Lippe, bis er Blut schmeckte. Der Schmerz ließ alles *schwarz* werden.
Keuchen. Lachen. Das Stöhnen der anderen Gefangenen.
*„Gefällt dir das, Black Bull? Gefällt dir das, du dreckiges Tier?“*
*„Fester. *Gib’s ihm.* Fester. *FESTER—“*
*„—genau wie das Vieh, das er ist.“*
Bull stöhnte. Trotz des Schmerzes. Trotz der *Scham*. Sein Körper reagierte. *Verräterisch.*
Der Aufseher packte ihn, rieb mit rauer Hand über seinen harten Schwanz, auf und ab, *gnadenlos*. Gleichzeitig stieß er in ihn hinein – hart, *brutal*, als wolle er ihn von innen *zerreißen*.
*„Was für ein *Bulle*,“* flüsterte der Mann hinter ihm, sein Atem heiß an Bulls Ohr. Er hielt ihn umklammert, während Bull stöhnte, den Kopf hängen ließ. Sein Samen spritzte unfreiwillig auf den Boden. *„Was für ein *verdammter* Bulle.“*
Gelächter. *Immer* dieses verdammte Gelächter.
Er hasste sich. Der kalte Steinboden schürfte seinen Rücken auf. Er war so *wund* innen, dass er nicht mehr atmen konnte. Er wollte zum Himmel schreien, zu *irgendjemandem*, dass er ihn erlösen möge.
Doch er blieb stumm. Es hatte keinen Sinn. Die Aufseher würden nicht hören. Und Gott? Gott hatte ihn *längst vergessen*.
Als sie endlich fertig waren, rollte sich Bull zusammen, zog die Knie an die Brust wie ein *verprügelter* Hund. Sein Hintern brannte. Sein Schwanz pochte. Tränen brannten in seinen Augen.
*Black Bull.*
Ja.
*Genau.*














































