
Alles nur Show
Autor:in
J.B.
Gelesen
2,6M
Kapitel
40
Das Date
ANNA
Ich starrte in die strahlend blauen Augen und bemerkte die makellos weißen Zähne des Mannes mir gegenüber.
Das ist es also, dachte ich. So fühlt sich ein richtiges Date mit einem erwachsenen Mann an.
Adam war ein Blind Date, das meine Freundin eingefädelt hatte. Wir hatten uns auf einen schnellen Kaffee nach meiner Yogastunde verabredet.
Er war charmant und gut aussehend, erschien pünktlich und trug einen makellos gebügelten Anzug.
Er hielt mir die Tür auf und bezahlte mein Getränk, ohne großes Aufhebens darum zu machen.
Adam war ein paar Jahre älter als ich.
Ehrlich gesagt hatte ich die Nase voll von den Spielchen der Jungs in meinem Alter, die nur auf das Eine aus waren.Als er sagte, er wolle sich endlich niederlassen, klang es aufrichtig.
Was machte es schon, dass er ab und zu aufs Handy schaute? Es war schließlich mitten unter der Woche.
Ich malte mir unsere mögliche Zukunft aus, während Adam begeistert von einem Angelausflug mit seinen Kumpels erzählte.
Was soll's, dass er nicht merkte, wie wenig mich das interessierte? Er öffnete sich mir. Darum ging es doch bei einem ersten Date – sich gegenseitig kennenlernen.
Er redet nur von sich, flüsterte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf.
„Anna, hörst du zu?“
„Was?“ Ich blinzelte, als er mit der Hand vor meinem Gesicht hin- und herwedelte.
„Es klingelt in deiner Tasche, Schätzchen.“
Ich versuchte, bei dem Kosenamen nicht die Stirn zu runzeln.
Mach dir keinen Kopf wegen Kleinigkeiten, Anna. Ihr kennt euch doch kaum.
„Oh, stimmt, ja.“
Auf dem Display leuchtete ein einfaches G auf. Stirnrunzelnd drückte ich den Anruf weg.
„Alles in Ordnung?“, fragte Adam mit einem breiten, entspannten Lächeln.
„Ja klar“, erwiderte ich betont locker, obwohl ich etwas beunruhigt war. „Nur die Arbeit, aber das kann warten.“
Prompt vibrierte mein Handy erneut. Als ich es erneut auf lautlos stellte, erschien eine Nachricht.
Gavin
Geh ran. Sofort.
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Tut mir leid, ich muss nur kurz eine Nachricht schicken.“
„Kein Problem! Was machst du nochmal beruflich?“
Ich hielt inne, die Finger über dem Display schwebend.
Ich hatte Adam gesagt, ich arbeite als persönliche Assistentin, was stimmte.
Was ich verschwiegen hatte, war, wo genau ich arbeitete und wessen Assistentin ich war.
„Ich bin eine pers-“
„Persönliche Assistentin“, vollendete er den Satz, als fiele es ihm gerade wieder ein. „Stimmt ja. Für jemand Wichtiges, nehme ich an, wenn sie dich schon um sieben Uhr morgens anrufen.“
Er versuchte, mehr zu erfahren. Auf nette Art, aber dennoch.
Er wird es ohnehin herausfinden, redete ich mir ein. Dann kann ich es ihm auch gleich sagen.
„Powell Incorporated.“
Adams Augenbrauen schossen in die Höhe.
„Ich arbeite für Gavin Powell.“
Er verschluckte sich an seinem Kaffee.
„Den Gavin Powell?“
Ich nickte, mein Herz pochte bereits schneller, als ahnte es das Unheil, das nahte.
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ich glaube, es gibt nur einen.“
„Wie ist das so?“ Er beugte sich vor, und ich hoffte, der Ausdruck in seinen Augen war Interesse.
„Es geht so.“ Ich zuckte mit den Schultern, als wäre es keine große Sache.
„Es geht so? Du arbeitest für den mächtigsten Mann in New York, vielleicht im ganzen Land, und du sagst “es geht so”?“
„Ich denke, das ist ein Job wie jeder andere. Ich schätze – keine Ahnung – ich mache mir nicht viele Gedanken darüber.“
Bitte lass es gut sein. Bitte sei kein Idiot. Bitte…
„Wie ist er denn so?“, bohrte er weiter. „Worüber unterhaltet ihr euch?“
„Über die Arbeit.“ Ich hoffte, er würde den Wink verstehen.
„Na ja, was für Arbeit?“
Er verstand es nicht.
„Darüber darf ich nicht sprechen“, erklärte ich schließlich.
Verwirrt legte er den Kopf schief, als würde er mir nicht glauben.
„Ich habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben“, erklärte ich. „Ich darf über meine Arbeit oder Mr. Powell nicht reden.“
Er lachte: „Was für eine Sekretärin muss denn bitte eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben?“
Langsam wurde ich sauer.
„Ich bin keine Sekretärin“, sagte ich mit eisiger Stimme. „Ich bin seine Assistentin. Ich organisiere buchstäblich den kompletten Tagesablauf dieses Mannes – von dem Moment, in dem er aufsteht, bis zu dem, in dem er schlafen geht.“
„Ach ja? Holst du ihm dann auch seine gereinigte Kleidung von der Wäscherei ab, wenn du auf dem Weg zur Arbeit bist?“, fragte er spöttisch.
Verdammt.
„Nein. Ich beauftrage denjenigen, der das erledigt.“
Erwirkte kurz überrascht.
„Ich kenne sämtliche Unternehmensinterna – ebenso wie Details aus seinem Privatleben“, erklärte ich. „Jeder will etwas von ihm, und er bemüht sich, allen gerecht zu werden. Ich sorge dafür, dass alles reibungslos läuft.“
„Was? Reist du etwa auch mit ihm herum?“, spottete er.
Das ist mal was Neues, dachte ich.
„Manchmal.“ Ich sah ihn über den Rand meiner Tasse hinweg.
Ich konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete, und ich holte tief Luft, um mich auf das vorzubereiten, was als Nächstes kommen würde.
„Du verbringst also deine ganze Zeit mit Amerikas begehrtestem Junggesellen?“, fragte er mit einem süffisanten Grinsen.
„Na los, frag schon.“
„Was meinst du?“ Seine gespielte Unschuld ließ mein Blut kochen.
„Es ist immer die gleiche Frage.“ Ich zuckte mit den Schultern.
Als er mich weiter anstarrte, beugte ich mich vor und senkte meine Stimme, um ihn nachzuäffen. „Also, Anna, wie ist denn der Boss im Bett?“
Er lachte. „Na ja, ich meine, warum sonst-“
„Sollte er mich einstellen?“ Ich verdrehte die Augen. „Leck mich. Ich habe sehr hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin.“
Er hob beschwichtigend die Hände. „Hey, du kannst es einem Mann nicht verübeln, dass er fragt, oder? Welcher Typ stellt schon eine bildhübsche Zwanzigjährige als seine Assistentin ein, wenn da nicht noch was anderes läuft?“
Sein Lachen schnürte mir die Kehle zu.
„Du bist widerlich.“
Ich schob meinen Stuhl zurück und stürmte wütend davon, den dämlichen Kaffee ließ ich stehen.
„Ach, übrigens“, rief ich über meine Schulter, „ich bin vierundzwanzig, und nein, du gehst nicht als zweiunddreißig durch.“
Tränen stiegen mir in die Augen, aber ich blinzelte sie wütend weg. Ich sollte längst daran gewöhnt sein.
Es war die gleiche Leier, an der die meisten meiner Beziehungen – wenn man sie überhaupt so nennen konnte – scheiterten.
Wenn es nicht schon beim ersten Date scheiterte, dann spätestens, wenn sie meine Wohnung sahen und anfingen, Fragen zu meinem Job zu stellen.
Ich stieß die Tür des Cafés auf und atmete tief die kalte New Yorker Luft ein.
Bevor ich auch nur einen Schritt machen konnte, klingelte mein Handy erneut.
Seufzend nahm ich ab. „Guten Morgen, Mr. Powell.“
„Annalise“, kam es trocken zurück. „Verschlafen?“
Ich zog meine Jacke enger um mich.
„Nein, ich habe mir nur einen Kaffee nach dem Yoga geholt“, erklärte ich, während ich eilig aufmein Gebäude direkt mir gegenüber zuging.
Ich hörte, wie mein Date draußen nach mir rief, doch der Portier untersagte ihm den Zutritt. Ich zeigte ihm nur den Mittelfinger , kurz bevor sich die Aufzugtüren schlossen.
„Dein Yogakurs endete vor einer Stunde.“ Bevor ich fragen konnte, woher mein Boss das wusste, fuhr Gavin fort: „Mark wird in dreißig Minuten da sein, um dich abzuholen. Ich muss in einer Stunde mit Shanghai telefonieren.“
Ich unterdrückte ein Stöhnen. Wieder ein Tag, an dem ich mich abhetzen musste, nur um direkt in ein Meeting geworfen zu werden.
„Natürlich, Mr. Powell“, antwortete ich.
„Ich habe da noch dieses Mittagessen-“
„Um zwölf“, beendete ich für ihn. „Ich war es, die es in Ihren Kalender eingetragen und den Tisch reserviert hat.“
„Richtig“, erwiderte er, und klang dabei fast amüsiert. „Bis gleich.“
Dann legte er auf. Ich hämmerte wiederholt auf den Knopf für mein Stockwerk.
Als ich meine Wohnungstür aufstieß, warf ich meine Yogamatte hin und kickte meine Turnschuhe weg, bevor ich ins Badezimmer rannte, um zu duschen.
Wird wohl wieder ein Trockenshampoo-Tag…
Ich konnte nur hoffen, dass mein Arbeitstag besser enden würde.
Angesichts der aktuellen Stimmung meines Chefs schien das jedoch eher unwahrscheinlich.
Ich war gerade dabei, unter die Dusche zu steigen, als mein Handy auf der Ablage aufleuchtete.
Gavin
Kaffeetrinken gehört nicht zur Arbeitszeit,Annalise.















































