
Der Boss meines Bruders
Autor:in
Heather Teston
Gelesen
1,1M
Kapitel
27
Kapitel 1.
Kurt küsste seine Frau zum Abschied, bevor er für den Tag aufbrach. Er musste vor der Arbeit noch bei seiner Schwester vorbeischauen. Seine Schwester Kat hatte es schwer, seit ihr Freund sie für eine andere verlassen hatte. Er klopfte an ihre Tür und wartete darauf, dass sie öffnete.
„Kat, ich bin's, Kurt. Machst du mir auf?“
Die Tür öffnete sich und sie ließ ihn herein. Er bemerkte, dass sie blass aussah und noch im Nachthemd war.
„Du siehst nicht gut aus. Hast du geschlafen?“
Sie fuhr sich mit den Fingern durch ihr zerzaustes Haar und schenkte sich Kaffee ein.
„Kein Auge zugetan. Die ganze Nacht wach gewesen. Willst du auch einen Kaffee?“
Sie standen sich als Geschwister sehr nahe. Vielleicht lag es daran, dass sie eine schwierige Kindheit hatten, wobei Kat es am schlimmsten getroffen hatte.
„Nein, ich kann nicht bleiben. Mein Chef ist ein echter Sklaventreiber. Wenn ich zu spät komme, setzt er mich vielleicht vor die Tür. Ich wollte nur sehen, wie es dir geht.“
„Mir geht's schon okay. Du solltest zur Arbeit gehen.“
Er legte seine Hände auf ihre Schultern.
„Es bricht mir das Herz, dich so leiden zu sehen. Dein Ex war ein Mistkerl und du bist besser dran ohne ihn. Meinst du nicht, du solltest dir einen richtigen Job suchen?“
„Ich habe einen Job.“
„Ich meine einen Job, der dich aus dieser kleinen Bude rausholt. Du hockst den ganzen Tag hier und korrigierst die Texte anderer Leute.“
„Es reicht zum Leben.“
„Aber willst du nicht mehr? Du bist sehr gut. Du könntest mehr Geld verdienen.“
„Kurt, wir haben das schon hundertmal besprochen. Ich will nicht unter Leute gehen. Geh jetzt zur Arbeit.“
„Ich mache mir Sorgen um dich.“
„Mir geht's gut.“
Er sah auf die Uhr und merkte, dass er spät dran war.
„Komm heute Abend zum Essen zu uns. Ich sage Clara Bescheid.“
„Sie mag mich nicht.“
„Das stimmt nicht. Sie versteht dich nur nicht und weiß nicht, was du durchgemacht hast. Kommst du?“
„Heute kann ich nicht. Ich muss diese Woche noch viel Arbeit erledigen.“
Er umarmte sie kurz, bevor er ging. Als er in sein Auto stieg, sah er wieder auf die Uhr und hoffte, dass er rechtzeitig zur Besprechung kommen würde. Wenn er auch nur eine Minute zu spät käme, wäre sein Chef stinksauer und würde ihn nicht mehr teilnehmen lassen.
„Kurt, beeil dich. Herr West geht gerade in den Besprechungsraum“, sagte Mary, die Empfangsdame. Er hatte sich gerade hingesetzt, als der Chef hereinkam.
„Ich freue mich zu sehen, dass alle pünktlich sind“, sagte er und blickte in die Runde.
Obwohl Kurt ihn nicht mochte, musste er ihn respektieren. Er war steinreich und besaß viele Firmen auf der ganzen Welt.
„Wie ihr wisst, suche ich einen neuen CEO als Nachfolger für Herrn Morris. Drei von euch kommen dafür in Frage.“
Alle warteten gespannt darauf, wer es sein könnte. Kurt hatte sich für diese Chance den Hintern aufgerissen. Als er seinen Namen hörte, wollte er am liebsten aufspringen und Luftsprünge machen.
„Ich werde mich in ein paar Monaten entscheiden, vielleicht auch früher. Ihr drei müsst mir zeigen, dass ihr den Job verdient. Ich werde euch genau auf die Finger schauen und jeder Fehltritt könnte euch die Stelle kosten.“
Nach der Besprechung ging Kurt in sein Büro und rief seine Frau an, um ihr die Neuigkeiten zu erzählen.
„Oh mein Gott, Kurt, das ist ja der Hammer! Weißt du, was das bedeutet? Wir könnten reisen, ein größeres Haus kaufen ...“
„Clara, wir haben schon ein schönes Haus. Fang nicht an, Geld auszugeben, das wir noch nicht haben. Ich habe den Job noch nicht und zwei andere kommen auch in Frage.“
„Na ja, dann müssen wir eben dafür sorgen, dass Herr West dich auswählt.“
Nachdem er aufgelegt hatte, lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und gönnte sich eine Verschnaufpause vor seinem nächsten Meeting. Er liebte seine Frau, aber er wusste, dass sie wollte, dass er einen besseren Job bekam. Ihre Ehe war gut, abgesehen davon, dass Clara es nicht mochte, wenn er seiner Schwester finanziell unter die Arme griff.
***
An diesem Abend kam er nach Hause zu einem besonderen Essen und seinem Lieblingswein.
„Schatz, du hast das schon ewig nicht mehr gekocht.“
„Ich wollte feiern. Ich bin so stolz auf dich. Stell dir vor, wie sich unser Leben verändern wird, wenn du die Beförderung bekommst.“
„Ich habe sie noch nicht und vielleicht bekomme ich sie auch nicht.“
„Du wirst sie bekommen. Ich weiß es einfach. Ich habe mir schon ein paar Häuser angesehen. Dieses hier wäre perfekt“, sagte sie und zeigte ihm das Bild eines riesigen Hauses.
„Clara, das ist ja ein Palast. Wir brauchen so etwas nicht. Unser Haus ist perfekt. Es ist groß und hat alles, was wir brauchen.“
„Aber warum nicht das Beste haben? Lass die Leute sehen, wie erfolgreich du bist. Meine Eltern haben immer gesagt, du würdest es zu nichts bringen. Das wird ihnen das Gegenteil beweisen.“
„Wann haben sie das gesagt?“
„Als wir uns verlobt haben. Ich habe ihnen gesagt, du würdest ihnen das Gegenteil beweisen. Denkst du wenigstens darüber nach?“
Als sie sich auf seinen Schoß setzte, sein Hemd aufknöpfte und seine Brust streichelte, fiel es ihm schwer, nein zu sagen.
„Ich denke darüber nach. Aber lass uns abwarten, ob ich den Job bekomme. Hey, willst du nach oben gehen und Sex haben?“
„Oh ja“, sagte sie, nahm seine Hand und führte ihn die Treppe hinauf.
***
Die nächsten Tage war er bis über beide Ohren in Arbeit eingedeckt und hatte keine Zeit, nach Kat zu sehen. Schließlich nahm er sich die Zeit, sie zu besuchen und ihr von den guten Neuigkeiten zu erzählen.
Als sie die Tür öffnete und ihn mit Blumen dastehen sah, ließ sie ihn herein.
„Tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. Die Arbeit war der reinste Wahnsinn. Aber ich habe aufregende Neuigkeiten.“
Sie stellte die Blumen in eine Vase und drehte sich zu ihm um.
„Danke für die Blumen. Sie sind wunderschön. Also, was gibt's Neues?“
„Drei von uns bei der Arbeit kommen für eine Beförderung zum CEO in Frage. Ich glaube, ich habe gute Chancen.“
„Das ist toll. Du hast so hart gearbeitet. Du verdienst es.“ Sie umarmte ihn und sah sehr glücklich aus. „Clara freut sich bestimmt.“
Er lachte. „Oh ja. Und sie plant schon, wie sie das Geld ausgeben will. Sie möchte sogar, dass wir ein größeres Haus kaufen.“
„Aber euer jetziges Haus ist doch so groß und schön.“
„Ich weiß, aber wenn es sie glücklich macht, ist es das nicht wert? Ich könnte dir helfen, in eine bessere Wohnung zu ziehen.“
„Kurt, hör auf. Ich will nicht, dass du das tust. Mir geht's hier gut und es würde Clara nur aufregen. Ich hoffe, du arbeitest nicht zu hart und riskierst deine Gesundheit oder deine Ehe.“
„Du weißt, dass ich gerne hart arbeite. Also, wie geht es dir? Gehst du überhaupt mal raus?“
„Ich war heute einkaufen.“
„Warst du in letzter Zeit bei deinem Arzt? Wie lief das?“
„Es ist schon eine Weile her, ehrlich gesagt.“
„Kat, nach der Trennung von Tony solltest du wirklich mit Dr. Nora sprechen.“
„Ich muss sie nicht sehen, mir geht's gut.“
„Nein, tut es nicht. Du bist traurig und musst mit ihr reden. Ich will nicht, dass es dir wieder so schlecht geht wie beim letzten Mal.“
Sie sah ihn an und erkannte, wie besorgt er war. Ihr Bruder war die einzige Familie, die sie noch hatte, und sie wollte ihn nicht beunruhigt sehen.
„Okay, ich mache einen Termin. Du solltest nach Hause zu deiner Frau gehen.“
„Klar, aber bevor ich gehe – brauchst du noch was? Ich kann es dir auf dem Heimweg besorgen.“
„Ich habe alles, was ich brauche. Geh jetzt.“
„Ich liebe dich, Schwesterherz.“
„Ich dich auch.“
Sie sah ihm nach, als er ging, und war dankbar, ihn in ihrem Leben zu haben. Er hatte wegen ihr schon mehrere Freundinnen verloren, aber er gab ihr nie die Schuld dafür. Als er Clara kennenlernte und sich verliebte, versuchte sie, weniger auf ihn angewiesen zu sein.
Clara war nett zu ihr, aber sie wurden nie dicke Freundinnen. Kat konnte nicht anders, als ein bisschen eifersüchtig auf Claras enge Beziehung zu Kurt zu sein.
***
Eine Woche später berief Xander überraschend eine Besprechung ein. Alle mussten sich beeilen, ihre Arbeit zu beenden.
„Wir haben in den nächsten Tagen wichtige Kunden zu Besuch. Ich habe für Samstagabend eine Party im Plaza Hotel geplant. Ich erwarte, dass alle anwesend sind und sie sehr zuvorkommend behandeln. Es ist eine elegante Veranstaltung und jeder muss eine Begleitung mitbringen.“
„Aber das ist so kurzfristig. Was, wenn wir keine Begleitung finden?“
Er sah die Frau an, die gesprochen hatte. „Dann kommen Sie eben nicht. Wer alleine erscheint, wird gefeuert. Haben Sie das verstanden?“
Niemand wagte es zu widersprechen und alle nickten zustimmend.
Kurt holte sich gerade etwas zu trinken, als Ricky zu ihm kam.
„Hey Kurt. Was meinst du, was ich tun soll?“
„Wobei?“
„Du weißt doch, dass ich schwul bin, oder? Soll ich meinen Freund mitbringen oder eine Frau als Begleitung suchen?“
„Jeder weiß, dass du schwul bist, auch der Chef. Es sollte keine Rolle spielen, wen du mitbringst. Ich kann ihn fragen, wenn du willst.“
„Das wäre echt hilfreich, danke.“
Kurt erwischte seinen Chef gerade, als er das Büro verließ. „Haben Sie einen Moment?“
„Ich bin auf dem Weg nach draußen, aber Sie können mich bis zum Erdgeschoss begleiten. Sie können reden, bis wir unten sind.“
„Es geht um Ricky.“
„Was ist mit ihm?“
„Er ist schwul und macht sich Sorgen, die falsche Begleitung zur Party mitzubringen.“
„Also will er wissen, ob er eine Frau mitbringen soll? Ich weiß, dass er schwul ist und habe kein Problem damit. Einige meiner Kunden sind schwul. Sagen Sie ihm, er soll seinen Partner mitbringen. Alles andere wäre beleidigend für mich.“
Die Aufzugtüren öffneten sich und er ging hinaus, Kurt allein zurücklassend. Obwohl Kurt seinen Chef respektierte, konnte er nicht anders, als ihn für einen ungehobelten Menschen zu halten.
„Hast du mit ihm gesprochen?“, fragte Ricky, sobald er Kurt aus dem Aufzug kommen sah.
„Ja, es ist in Ordnung, deinen Partner mitzubringen. Ich habe ihn schon mal getroffen und schlage vor, dass du ihn bittest, sich für die Party dezent zu kleiden. Es ist eine elegante Veranstaltung, also keine knalligen Jeans oder Hemden.“
„Okay, danke. Ich gehe mit ihm einen Anzug kaufen. Er wird es nicht mögen, aber er kann ihn für ein paar Stunden tragen.“
















































