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Der Krieg der Götter Buch Zwei: Sommersonne

Autor:in
Morrigan Rivers
Gelesen
19.0K
Kapitel
93
Autor:in
Morrigan Rivers
Gelesen
19.0K
Kapitel
93
🥵Erotik💪🏻Beschützer🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy⚓Wikinger💪🏻Alpha-Männchen💪Starke Frauen⚔️Action & Abenteuer👑Königshaus & Aristokraten🧑🏽‍🦳Altersunterschied👩🏻‍🍼Mütter🔮Hellseher

Freya hat genug vom Warten. Zehn Jahre voller Sehnsucht, Hoffnung und dem Glauben, das Schicksal würde es schon richten, haben sie an ihre Grenzen gebracht. Erik, der aufreizend edelmütige König, der beharrlich darauf besteht, dass jede Entscheidung bei ihr liegen sollte, kann dennoch nicht aufhören, ihr sein gesamtes Königreich zu Füßen zu legen. Sie will, dass er sich endlich für sie entscheidet; er will, dass sie sich zuerst für sich selbst entscheidet.

Unterdessen platzt der stetig wachsende Ivarsson-Clan aus allen Nähten – voller neuer Gesichter, alter Geheimnisse, unerwarteter Verwandter und genug Chaos, um selbst die Götter zum Seufzen zu bringen. Während Freya darüber entscheidet, wie ihre Zukunft aussehen soll, muss sie sich einer unmöglichen Frage stellen: Wird sie wirklich gehen … oder endlich zugeben, dass sie schon immer sein war?

Kapitel 1: Zeit ist ein Fluss

ENID

Die Türen knarrten beim Öffnen mit einem lauten Ächzen, das verriet, wie dick und alt ihr Holz war. Enid folgte den anderen nach drinnen; ihre Augen blinzelten nicht, als sie all die neuen Gesichter vor sich betrachtete und lächelte. Diese armen Leute.
Auch sie war einst wie sie gewesen – so voller Angst vor diesen Riesen, die nun bei ihr standen, so verängstigt von allem, was sie waren, und allem, was sie nicht waren. Und nun hatten sie auch vor ihr Angst.
Sie lachte leise, trommelte mit den Fingern auf den Kopf ihrer Axt und sah zu, wie all diese englischen Männer finster dreinblickten und die englischen Frauen wimmerten, doch niemand von ihnen sah so angespannt, entsetzt und empört aus wie der Mann, der auf dem Thron saß.
Auch Tyr lachte, während seine breiten Schultern auf und ab wippten und sein langes, dickes Bündel aus Zöpfen über seinen Rücken peitschte. „Warum tragt ihr alle Kleider?“, fragte er auf Englisch.
Viele rissen da die Augen auf, und ein paar laute Keucher hallten durch den Steinsaal, während der König die Armlehne seines Throns umklammerte. Enid lachte erneut, dieses Mal lauter und mit einer Hand an ihrer Seite, die sie sich vor Lachen hielt.
„Das ist König Alwyn“, sagte ein Mann in der Nähe des Throns. „Zeigt etwas Respekt.“
„König?“, fragte Tyr und trat ein paar Schritte aus ihrer Gruppe hervor. „Solltet ihr nicht Königin sagen, wenn er so gekleidet ist?“
Enid beobachtete, wie etliche Männer nach ihren Schwertern griffen, die Knäufe umklammerten und Tyr finster anstarrten, während dieser einen Fuß auf eine der Stufen setzte, die zum Thron hinaufführten. Tyr lehnte sich nach vorn, stützte seinen Ellbogen auf sein Knie und atmete kurz und schnell durch die Nase ein, fast so, als würde er schnüffeln.
„Wer von euch ist euer Anführer?“, fragte der König.
„Warum denkt Ihr, dass ich es nicht bin?“, antwortete Tyr.
Der König starrte ihn finster an, sein Gesicht verzog sich zu einem wütenden Ausdruck, und seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Mir wurde gesagt, sein Name sei Erik der Weise“, sprach er durch zusammengebissene Zähne.
„Unhöflich“, spottete Tyr. „Wollt Ihr damit sagen, dass ich nicht weise aussehe?“
Er stieg die Stufen hinauf und lachte über die Wachen, die ihre Schwerter zogen und auf ihn richteten. Er blieb vor einem alten Priester stehen; der arme Mann zitterte, als er von seinem Platz neben dem Thron zu Tyr hinaufsah.
„Steht auf“, sagte Tyr. „Damit die Könige sprechen können.“
Der Priester blickte mit weit aufgerissenen Augen und zitternden, knochigen Händen zu König Alwyn zurück. Er stand auf und huschte zur Seite hinter einige der Wachen, woraufhin Tyr breit lächelte und nach der Lehne des Stuhls griff.
Für einen Moment sah es aus, als würde er sich hineinsetzen, seine Augenbrauen schossen in überraschtem Entzücken in die Höhe, bevor er den Stuhl packte und ihn rumpelnd und kratzend die Stufen hinunterzog, wobei jeder Knall und jedes laute Quietschen die englischen Gesichter blasser werden ließ.
Ihre Gruppe teilte sich; Enid trat zur Seite und lehnte sich gegen den Stuhl, Ivar stand neben ihr, die Hand auf dem Kopf seiner großen Axt, und dann setzte sich Erik und starrte König Alwyn ohne zu blinzeln mit einem sanften Lächeln auf den Lippen an.
„Ihr habt hier einen schönen Ort, Alwyn“, sagte er auf Englisch. „Obwohl ich Stein nicht sonderlich mag: zu kalt.“ Er lächelte.
„Warum seid Ihr…“, fing König Alwyn an.
„Und es dauert zu lange, bis er sich aufwärmt“, unterbrach ihn Erik schulterzuckend. „Ich besitze eine Menge Land, wisst Ihr? Deshalb bleibe ich ungern zu lange an einem Ort.“
König Alwyn knirschte mit den Zähnen; seine Schultern hoben sich, als er Erik finster anstarrte. „Warum seid Ihr hier?“, fragte er.
„Kein wirklicher Grund.“ Erik lächelte, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und rutschte tiefer in seinen Stuhl. „Nur ein paar kleine Plünderungen. Obwohl.“ Er nickte. „Wir wären bereit, woanders zu plündern, wenn Ihr es uns schmackhaft macht.“
„Was wollt Ihr?“, fragte ein Mann neben dem Thron.
„Nichts Unangemessenes.“ Erik lächelte und legte den Kopf schief, während er den Mann musterte. „Fünfhundert Pfund in Gold und Silber.“
Der Raum explodierte förmlich; lautes Keuchen und empörtes Stöhnen prallten von den Steinwänden und Böden ab, während Erik lächelnd dasaß. Enid lachte erneut, und ihr eigenes Lächeln war nun gefährlich nah daran, sich in ein Grinsen zu verwandeln.
„Ihr könnt nicht erwarten, dass wir…“, fing König Alwyn an.
„Natürlich bin ich bereit zu verhandeln“, fiel Erik ihm ins Wort. „Es muss kein Gold und Silber sein. Als Geste und Symbol unserer Freundschaft würde ich auch Land akzeptieren.“ Er nickte. „Tatsächlich gibt es da ein Dorf ein Stück südlich von hier. Ich habe gehört, es hat gutes Ackerland. Wir wären bereit, woanders zu plündern, vielleicht sogar bei einem Eurer Feinde, wenn Ihr uns dieses Dorf überlasst. York, glaube ich, wird es genannt.“
„York?“, fragte König Alwyn. „Warum wollt Ihr York?“
„Wegen ihr, Sire“, sagte da ein Mann, der aus der Menge ein paar Schritte vortrat und in Enids Richtung nickte. „Sie ist aus York.“
Daraufhin erhob sich lautes Geflüster, so mancher keuchte und schrie auf, doch Enid beobachtete nur den Mann mit schiefgelegtem Kopf und ohne zu blinzeln; dann brach sie in ein schallendes Lachen aus, trat vor ihn und grinste.
„Ah, da bist du ja, Cormac“, seufzte Erik, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und starrte an die Decke. „Sieh Enid nicht so an. Du hast ja keine Ahnung, wie sehr sie dich am Anfang vermisst hat.“
Enid lachte erneut – ein sanftes, helles Lachen –, während sie eine Hand in die Hüfte stemmte. „Du bist weit weg von zu Hause“, sagte sie.
„Warte, Cormac?!“, fragte Freya, sprang herüber und lehnte sich an Enids Schulter. „Ist das dein Schmied, Enid? Ich hätte immer gedacht, er wäre sehr viel … mehr“, fügte sie hinzu und kniff die Augen zusammen, als sie Cormac musterte.
Cormac biss die Zähne zusammen und funkelte Freya vor sich böse an.
„Was hat das zu bedeuten, Cormac? Woher kennst du diese Leute?“, fragte der Mann neben dem König.
„Enid und ich sollten heiraten, mein Herr.“ Cormac verbeugte sich. „Obwohl das nun schon lange her ist, vielleicht zehn Jahre oder mehr. Sie wurde zusammen mit vielen anderen Frauen aus unserem Dorf von diesen… Heiden mitgenommen. Wir dachten, sie wären alle tot.“
„Das sind sie wahrscheinlich auch.“ Erik nickte. „Aber Enid ist jetzt eine von uns, versteht Ihr?“
„Enid“, sagte Cormac mit ganz leiser und sanfter Stimme. „Bleib hier bei uns. Wir werden dir helfen. Wir werden dich beschützen und deine Seele retten. Du könntest dein Leben Christus widmen und…“
„Warum sollte sie das tun?“, fragte Freya, beugte sich näher heran und funkelte Cormac böse an. „Enid hat euren Christus-Gott und seine dummen Regeln nie vergessen. Sie macht immer noch diese alberne Geste mit ihren Händen, wenn sie mit Ihm spricht.“ Freya ließ Enid los und faltete die Hände zum Gebet, um es ihm zu zeigen.
Enid schob sie lachend beiseite und trat mit weitem Schwung ihres Stiefels nach ihrem Bein. „Wenigstens hat mein Gott nicht solche Augen!“, rief Enid, riss ihre Augen weit auf und hielt ihre flachen Hände daneben.
„Wenigstens sind meine Götter echt!“, entgegnete Freya, legte ihren Arm um Enids Taille und versuchte, sie über ihre Hüfte zu rollen.
Doch Enid packte Freya an den Schultern, klemmte sie unter ihren Arm und lachte auf, als Freya grunzte.
Enid hörte auch Erik sanft lachen, bevor er sagte: „Nein, das würde ich nicht tun, Cormac. Berührst du eine dieser beiden Frauen vor dir, wird dir niemand von uns hier einen leichten Tod bescheren.“
Enid wandte sich Cormac zu, während sie, noch leicht vorgebeugt, Freya festhielt, ließ das Mädchen dann los, trat einen Schritt auf Cormac zu und fragte: „Was willst du mit mir machen, Cormac?“
Er brauchte einen Moment, um zu antworten; seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und seine Hände ballten sich an seinen Seiten zu Fäusten. „Ich versuche, dir zu helfen, Enid. Du bist vom Weg abgekommen.“
„Vom Weg abgekommen?“, fragte Enid und stemmte die Hand in die Hüfte. „Ich verspreche dir, das bin ich nicht, aber sag mir…“ Sie streckte eine Hand aus, richtete die Bänder seines Hemdes und strich den Stoff glatt. „Was willst du mit mir machen?“
Tyr stieß ein tiefes, lautes Lachen aus, das viele englische Gesichter in der Halle aufschrecken ließ. „Was versuchst du da, Enid? Willst du ihn ins Bett schrecken?“, fragte er.
Enid wandte sich Tyr zu und legte den Kopf schief. „Ich habe ihm nur eine Frage gestellt.“
„Götter!“, keuchte Tyr, schüttelte den Kopf und lachte wieder. „Du musst weniger Zeit mit Hilda verbringen.“
„Genug!“, blaffte König Alwyn. „Genug. Ich werde nicht so viel Gold und Silber bezahlen, und ich werde euch Heiden nichts von meinem Land überlassen. Dies ist ein christliches Land, und nur diejenigen, die von Gott gesalbt sind, dürfen es regieren.“
„Oh, das weiß ich.“ Erik nickte, und ein Lächeln huschte über seine Lippen, während er den König anstarrte. „Deshalb werdet Ihr das Land auch Enid geben. Freya hatte recht. Enid hat euren Gott nie vergessen, und sie wird an meiner Stelle regieren.“
Enid spürte, wie alle Blicke auf sie fielen; das Lächeln auf ihrem Gesicht war nun ein Grinsen, als sie zurückstarrte. Sie wollte gerade auflachen und fragen, warum sie alle so entsetzt und blass aussahen, als sie jenes plötzliche Brennen spürte, jenen Feuerblitz, der aus ihrer Magengrube aufstieg und ihr im Rachen stecken blieb.
Sie stemmte eine Hand in die Hüfte und drückte ihren Bauch, in dem Versuch, es zu verbergen und die Galle hinunterzuschlucken, die in ihrer Kehle brannte.
Erik erhob sich flink und leichtfüßig; er lachte sanft, als er sie zum Stuhl führte und sich hinter sie stellte, um ihre Schultern zu reiben. Enid holte tief Luft, behielt das Lächeln auf ihren Lippen und versuchte, das Zittern ihrer Hände zu unterdrücken.
„Ihr wollt, dass wir Eurer Frau Land überlassen?“, fragte König Alwyn mit einer Stimme, die so leise war, dass sie kaum über ein Flüstern hinausging.
„Oh Götter!“, keuchte Erik. „Enid ist nicht meine Frau! Nein, nein…“ Er schüttelte den Kopf und beugte sich hinab, bis sein Kinn auf dem Zopfbündel auf ihrem Kopf ruhte. „Nein, ich glaube nicht, dass ich mit Enid jemals fertig werden könnte. Sie ist zu stark, seht Ihr? Zu klug.“ Er tippte gegen ihre Schläfe. „Nein, Enid wird hier bleiben und York mit ihrem Ehemann regieren, Ivar dem Unsterblichen.“
Dann trat er einen Schritt zurück, legte Ivar eine Hand auf die Schulter und lächelte König Alwyn an.
„Der Unsterbliche?“, fragte König Alwyn; seine Schultern hoben sich und seine Hände umklammerten die Lehnen seines Throns. „Mein Land wurde vor ein paar Jahren von einem Mann namens Ivar der Unsterbliche geplündert.“
„Wirklich?“, fragte Erik und sah Ivar an. „Warst du hier, Ivar?“
Ivar zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Es ist schwer, nach dem Weg zu fragen. Alle schreien zu laut, wenn sie die Boote sehen.“
Da brachte Enid doch ein Lachen zustande; das Brennen ließ ein wenig nach, als sie Ivar sprechen hörte und seine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sein Griff war weich und warm, doch gerade stark genug, um sie zu warnen.
Sie mussten das hier bald beenden. Nur ein kleines bisschen mehr und Ivar würde ausrasten. Sie konnte es an dem Zittern seiner Hand spüren und daran, dass die Hitze hinter ihr fast zu stark war, als hätte er plötzlich Feuer gefangen.
„Also.“ Erik lächelte. „Ihr seht, es gibt kein Problem. Ihr könnt entweder das Gold und Silber bezahlen oder das Land Enid übergeben, und wagt nicht zu glauben, dass Ihr ihr wehtun könnt“, sagte er, und plötzlich griff jeder aus ihrer Gruppe nach seiner Axt oder seinem Schwert.
„Sie ist jetzt eine von uns, eine von meinen Leuten. Wenn Ihr Euch entscheidet, ihr das Land zu geben, was ich Euch vorschlage, werdet Ihr sie und ihre Familie ehren und respektieren. Sie alle sprechen für mich“, sagte er dann mit eiskalter, scharfer Stimme. „Und ich werde erfahren, wenn Ihr auch nur einem von ihnen respektlos gegenübergetreten seid.“
„Das werden wir nicht zulassen“, sagte König Alwyn, sein Gesicht finster verzogen, während er Erik wütend anstarrte. „Ihr könnt nicht einfach kommen und…“
„Denkt darüber nach“, mischte sich Erik ein. „Ich will Eure Antwort jetzt nicht, Alwyn. Nehmt Euch den Abend Zeit. Wir kommen morgen früh wieder und dann könnt Ihr uns Eure Antwort mitteilen. Hmm?“

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