
Die Alpha-Reihe: Buch 4
Autor:in
C. Qualls
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Kapitel
43
Kapitel 1
COLE
Buch 4: Alpha Resolved
Ein weiterer enttäuschender Ball. Das ist lächerlich. Sogar mein Beta hat seine Gefährtin.
Ich muss die Lachnummer der Werwolf-Welt sein. Hier bin ich, ein Prinz, und nach fünfundzwanzig Jahren immer noch ohne Gefährtin. Ich war überall, wirklich überall. In jedem verdammten Rudel auf dieser von der Göttin verlassenen Erde. Aber immer noch nichts.
Ich glaube, die Göttin will mich zum Narren halten. Ehrlich gesagt, sollte ich gar nicht existieren.
Meine Mutter ist das Orakel und mein Vater ist der Alpha-König. Das Orakel und der Alpha-König sind als Gefährten füreinander bestimmt. Und es gibt da diese Sache, dass die ersten beiden Generationen alle weiblich sind. Bla, bla.
Und wo lässt mich das stehen?
Die Zwillingsschwester meiner Mutter hat nur Töchter. Fünf, um genau zu sein. Meine achtzehnjährige Cousine Rhianna steht neben mir. Sie blickt über die Menge der Leute in ihrer festlichen Kleidung. Das ist erst ihr zweiter Ball.
Der Gefährten-Ball ist für jeden Werwolf ab achtzehn Jahren offen. Den Ball gibt es schon seit Jahrzehnten. Er findet alle drei Monate bei Vollmond statt.
Meine Schwestern mussten nicht einmal auf diesen verdammten Ball gehen. Beide waren schon mit ihren Gefährten zusammen, bevor sie überhaupt wussten, dass sie Gefährten sind. Beide fanden es an unserem achtzehnten Geburtstag heraus.
Meine Schwester Angie ist die Gefährtin von Alpha Derrick Ramirez. Meine Schwester Ellie ist die Gefährtin von Alpha Conall Redd. Es ist nur logisch, dass Prinzessinnen mit Alphas verbunden sind.
Ich bin ein verdammter Alpha. Wo ist meine Gefährtin? Ich trinke meinen Schnaps auf ex und greife nach Rhiannas Hand.
„Lass uns wenigstens tanzen, solange wir hier sind.“
„Es tut mir leid, Cole. Du wirst sie eines Tages finden“, sagt Rhianna zu mir. Ihre unschuldigen Augen sind voller Hoffnung.
„Danke, Rhi.“ Ich wirble sie herum und sie lacht, als sie wieder zu mir kommt.
„Hast du Emily Ramirez gesehen? Sie hat heute Abend ihren Gefährten gefunden.“
„Ja, habe ich gesehen. Sie geht zum Castleton-Rudel in South Carolina. Ihr Gefährte ist der Beta. Ich frage mich, warum sie ihn erst jetzt gefunden hat.“
„Wahrscheinlich, weil er vorher nie auf diesen Bällen war. Beim letzten Gefährten-Ball hat sie einem anderen Rudel geholfen, also hat sie ihn verpasst.“
„Ihre Sache mit dem Wasser ist so cool. Kannst du dir vorstellen, die Enkelin einer Starlight Sister zu sein?“
„Du bist die Tochter des Orakel-Zwillings. Ich bin der Sohn des Orakels und der Alpha-Erbe. Die Starlight Sister ist unsere Tante.“
„Du weißt, was ich meine, Cole. Kräfte zu haben. Heilen und Wasser kontrollieren zu können.“
Ich zucke mit den Schultern. Es ist cool und sehr hilfreich. Aber sie tun auch sehr viel für andere Rudel.
„Mein Onkel Dave hilft anderen Rudeln ständig bei ihren Pflanzen. Es ist cool, aber er wird so müde. Er hat fast die Geburt seines letzten Welpen verpasst. Er, Lacy und Emily waren nämlich in Oklahoma, um nach einer Überschwemmung aufzuräumen.“
„Ich erinnere mich, davon gehört zu haben. Ich schätze, es ist gar nicht so schlecht, normal zu sein.“
„Rhi, du und ich sind nicht normal. Wir sind nicht nur Werwölfe, wir sehen auch beide unglaublich gut aus“, scherze ich mit ihr, und sie lacht.
Sie ist wirklich hübsch mit ihren taillenlangen blonden Haaren und den atemberaubenden haselnussbraunen Augen. Außerdem ist sie extrem klug und interessant. Von all meinen Cousinen ist sie meine Favoritin.
Meine Schwestern sind toll, aber sie sind nicht mehr oft hier.
„Lass uns von hier verschwinden und eine Runde rennen. Ich muss meinen Wolf rauslassen. Ich komme nicht mehr zum Ball zurück.“
„Du lässt mich ganz allein zurückkommen?“, scherzt sie. Aber ich habe das Gefühl, dass sie auch nicht zurückkommen muss.
Ich bin kein Orakel wie meine Mutter. Aber ich habe einen sehr guten sechsten Sinn, könnte man sagen. Ich bin auch ein verdammt guter Kämpfer. Ich habe sogar den früheren Alpha Redd besiegt, als ich ein Teenager war. Er war damals noch der Alpha.
Es war keine echte Herausforderung, also habe ich ihm sein Rudel nicht weggenommen. Das würde ich ohnehin nicht wollen. Tief in mir drinnen möchte ich eigentlich gar kein Alpha sein.
Die Musik endet. Rhi und ich gehen hinaus in den Hauptflur. Sie bleibt abrupt stehen und sieht sich um.
Fuck! Sogar Rhi hat ihren Gefährten gefunden. Ich lasse sie los. Sie folgt ihrer Nase den Flur entlang. Ein dunkelhaariger, dunkelhäutiger Typ lacht gerade mit seinen Kumpels. Dann dreht er sich um und sieht Rhi direkt in die Augen. Er schenkt ihr ein ehrliches Lächeln und reicht ihr seine Hand.
„Ich bin Tevin Walker.“
Rhi lächelt sanft und nimmt seine Hand. „Rhianna.“
Tevin küsst ihren Handrücken. „Rhianna, darf ich dir ein Getränk holen?“
„Sie ist achtzehn. Kein Alkohol“, warne ich ihn.
Sie grinst und rollt mit den Augen. Sie weiß verdammt gut, dass ich ihn auf die Probe stelle. Ich habe sie schon ein paar Mal zum Trinken mitgenommen.
„Alpha James.“ Tevin nickt mir zu. Es ist schwer, nicht zu wissen, wer ich bin. Ich bin einer der ältesten Männer hier. Aber ich strahle auch eine Alpha-Energie aus, die stark genug ist, um andere Alphas ins Schwitzen zu bringen.
„Deine Gefährtin ist meine Cousine. Meine Lieblingscousine, um genau zu sein“, warne ich ihn.
Tevin mustert Rhi von Kopf bis Fuß. „Sie ist absolut fantastisch. Natürlich kein Alkohol.“
„Fährst du sie heute Nacht nach Hause?“, frage ich und trete einen Schritt näher.
Tevin sieht Rhi an. „Wenn die schöne Dame es wünscht, würde ich das sehr gerne tun.“
Ich starre Tevin an und er duckt sich leicht. „Für dich gibt es auch keinen Alkohol mehr. Also, aus welchem Rudel kommst du?“
„Aus dem Blackburn-Rudel“, antwortet er, und ich lächle.
„Gut. Meine Tante ist eure Luna. Ich werde es erfahren, wenn ihr etwas zustößt.“ Ich ziehe Rhi zu mir und umarme sie.
„Glückwunsch, Rhi. Sei heute Abend vorsichtig. Und tu nichts, bis du dazu bereit bist. Du hast meine ausdrückliche Erlaubnis, ihm in den Arsch zu treten, wenn er eine Grenze überschreitet.“
Sie kichert, während sie mich umarmt. Ich behalte Tevin im Auge und er schluckt schwer. „Ich bin mir sicher, dass meine Mom Tante Anna schon informiert hat, dass du ihrem Rudel beitreten wirst.“
Mom. Hast du Tante Anna schon über ihr neues Rudelmitglied informiert? Ich funke sie über unsere Gedankenverbindung an, nur um sicherzugehen.
Natürlich habe ich das. Mach dir keine Sorgen, er ist ein Guter. Er könnte ein besserer Kämpfer sein, aber er hat ein gutes Herz.
Ich nicke und mache Tevin noch ein bisschen mehr die Hölle heiß, einfach aus Spaß. „Lern besser zu kämpfen, damit du meine Cousine beschützen kannst.“
Sie knurrt und ich grinse. „Nicht, dass sie es nötig hätte. Sie trainiert die ganze Zeit mit mir.“ Was wahr ist.
Rhi ist eine verdammt gute Kämpferin. Sie hat sogar Luna Freya besiegt, die härteste und krasseste Schlampe, die es gibt. Ich küsse ihre Stirn.
„Ich hab dich lieb. Ich hoffe, wir sehen uns bald.“
„Tschüss, Cole. Danke, dass du mit mir gekommen bist. Ich weiß, du wolltest eigentlich gar nicht hier sein. Ich hoffe, du findest deine Gefährtin bald. Ich werde mich so oft wie möglich melden.“
Ich nicke und lasse meine Cousine bei ihrem Gefährten zurück.
In der Lounge trinke ich noch einen letzten Schnaps. Dann mache ich mich auf den Weg zu meinem GMC Sierra Denali.
Ich fahre los in Richtung Heimat, überlege es mir dann aber anders. Kurz vor dem Niemandsland fahre ich von der Hauptstraße ab. Ich parke meinen Truck im Schutz einiger Bäume.
Die Wälder sind hier wirklich schön. Also ziehe ich meinen Anzug aus und lasse meinen Wolf heraus.
Aus Frust und Enttäuschung heule ich die Mondgöttin an. Dann renne ich etwa eine Stunde lang in eine zufällige Richtung. Bis ich das Redd-Territorium rieche.
Ich folge der Grenze, bis ich die Aufmerksamkeit ihrer Wachen auf mich ziehe.
Ich bin heute Abend nicht in der Stimmung für einen Übungskampf. Aber ich könnte genauso gut mit meiner Schwester plaudern.
Die Wachen erkennen mich. Sie beobachten mich einfach, während ich weiterrenne.
Cole? Ist alles in Ordnung bei dir? funkt Ellie mich an.
Wir hatten schon immer diese Gedankenverbindung.
Ich schätze, das liegt daran, dass wir Drillinge sind und uns denselben Mutterleib geteilt haben. Normalerweise haben nur Eltern eine Verbindung zu ihren Welpen. Aber Mom ist mit Tante Glory verbunden, und sie sind Zwillinge.
Ich musste einfach rennen. Ich hatte nicht vor, vorbeizukommen. Der Gefährten-Ball war wieder ein Reinfall. Aber Rhi hat ihren Gefährten gefunden. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe.
Du hast mich nicht geweckt. Ich habe ohnehin gerade gestillt. Cole, ich mache mir Sorgen um dich.
Das musst du nicht. Du hast mit deinem kleinen Mädchen genug um die Ohren. Ich werde das schon irgendwann hinbekommen.
Willst du heute Nacht hier bleiben?
Nein, schon gut. Ich will nur rennen. Sag Cannoli schöne Grüße von mir. Hab dich lieb, Schwesterherz.
In Ordnung. Pass auf dich auf.
Ich antworte nicht. Ich renne mit voller Geschwindigkeit zwischen den Wachen hindurch. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, mich zu verfolgen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich einfach so an ihrer Grenze auftauche.
Als Alpha-Prinz habe ich quasi freien Eintritt in jedes Territorium. Aber ich treibe mich nur in den Gebieten meiner Familie herum.
Ich renne etwa drei Meilen weit und springe dann in den Fluss.
Das Wasser ist kalt und sehr erfrischend.
Ich schwimme nur ein kurzes Stück und hüpfe dann auf das Ufer.
Ich schüttle mein Fell aus und trinke noch ein paar Schlucke. Dann mache ich mich auf den Weg zurück zu meinem Truck.
Mir ist immer noch nicht danach, nach Hause zu fahren. Also verwandle ich mich zurück. Dann liege ich nackt auf der Ladefläche meines Trucks und starre durch die Bäume hinauf in den Himmel.
Sie existiert nicht.
Ich hätte sie inzwischen gefunden.
Ich bin dazu bestimmt, allein zu sein. Verlassen von der Göttin persönlich.
Meine Gefährtin existiert nicht, weil ich nicht existieren sollte.
Ich war ein Fehler.
Das Orakel soll keinen Sohn haben. Der nächste Alpha-König ist dazu bestimmt, das nächste Orakel als Gefährtin zu haben.
Damit falle ich eindeutig raus.
Meine Schwestern haben beide ihre Gefährten an unserem achtzehnten Geburtstag gefunden.
Beide durften mit der anderen Hälfte ihrer Seele in den Sonnenuntergang reiten. Und ich habe nur ein Stück Kuchen bekommen.
Das nenne ich mal eine Enttäuschung.
Aber das ist noch nicht einmal das Schlimmste.
Ich war bei jedem einzelnen Rudel auf dieser Erde.
Bei den meisten sogar zweimal, wenn nicht noch öfter.
Wie kann es sein, dass ich sie immer noch nicht gefunden habe? Es sei denn, sie existiert nicht, weil ich nicht existieren sollte.
Es war nie vorgesehen, dass es mich gibt.
Wie kann ich einen Teil meiner Seele teilen …
Habe ich überhaupt eine Seele?
Zweiunddreißig Gefährten-Bälle.
Ich war auf zweiunddreißig verdammten Bällen.
Ich werde sechsundzwanzig sein, bevor der nächste Gefährten-Ball stattfindet.
Das ist hoffnungslos.
Ich bin dazu bestimmt, für immer allein zu sein.
Ich könnte genauso gut ein Rogue werden. Es hat keinen Sinn zu leben, wenn man niemanden hat, für den man lebt.
Der Mond starrt ungerührt auf mich herab.
Ich schnaube und schaue zu den Starlight Sisters.
Dara leuchtet heute Nacht hell und wunderschön.
Die Starlight Sisters zwinkern mir zu, während ich unter ihrer wachsamen Fürsorge einschlafe.
Mein Truck neigt sich unter einem neuen Gewicht nach unten, und ich öffne die Augen.
Es ist noch dunkel, aber ich kann die Schönheit der Starlight Sister sehen. Sie sitzt im Schneidersitz in einem weißen Sommerkleid neben mir.
„Dara. Was kann ich für dich tun, My Lady?“
Sie beugt sich herab und küsst meine Lippen.
Meine Finger greifen in ihr dichtes, flammendes Haar, als ich sie intensiver küsse.
Ihre weichen Lippen öffnen sich. Meine Zunge streichelt ihre Lippen und ihre Zunge.
Sie summt und zieht sich dann zurück.
„Danke dafür, Colton. Ich war neugierig, wie sich das anfühlt. Ich wollte es schon seit einiger Zeit ausprobieren. Ich werde dich nicht noch einmal überfallen. Ich weiß, dass du deine Gefährtin suchst.“
„Ist schon in Ordnung, Dara. Ich habe wahrscheinlich nicht einmal eine Gefährtin.“
Sie legt den Kopf schief, als sie mein Gesicht ansieht.
„Natürlich hast du eine. Alle Kinder von Mutter Erde haben einen Gefährten.“
„Warum kann ich sie dann nicht finden? Ich habe überall gesucht.“
„Du hast überall unter den Wölfen gesucht.“
Sie lässt ihren Blick über meinen Körper wandern. Ihre Anerkennung reicht aus, um mich hart werden zu lassen.
„Darf ich dich berühren?“, fragt sie, während sie auf meinen steifen Schwanz sieht.
„Tut mir leid, den hebe ich mir für meine Gefährtin auf. Bist du dir sicher, dass ich eine habe?“
„Ich bin mir sicher. Sie ist alt genug, also musst du dir keine Sorgen machen, dass sie noch zu jung ist.“
„Dara, ich war allmählich entmutigt. Wo kann ich sie finden?“
„Ich darf nicht mehr sagen. Vertraue deinen Instinkten. Sie wird nicht offensichtlich sein, aber du wirst sie finden.“
„Warum war ich dein erster Kuss?“, frage ich beiläufig.
„Weil ich darauf vertraut habe, dass du eine gute Wahl wärst. Ich weiß, dass du andere geküsst hast, aber du bist auch ein ehrlicher Mann. Wenn es deine Gefährtin nicht gäbe, würde ich mich dir hingeben.“
Starlight Sisters sind im Allgemeinen ehrlich und direkt. Sie haben wirklich nichts zu verbergen.
„Ich fühle mich geehrt. Gibt es niemanden, der deine Bedürfnisse befriedigen könnte?“
„Im Moment nicht, aber ich habe auch nicht danach gesucht.“
Ich drehe mich zu ihr und stütze mich auf meinen Ellbogen.
„Bist du meine Gefährtin?“
Ihre Augen werden weich, als sie mich ansieht.
„Das bin ich nicht.“
„Das ist schade. Danke, dass du mir geholfen hast.“
Ich ziehe ihr Gesicht zu mir für einen weiteren, viel heißeren Kuss.
Sie ist außer Atem, als sie sich zurückzieht. Ein Schmunzeln liegt auf ihren weichen Lippen.
„Auf Wiedersehen, Colton.“
„Auf Wiedersehen, My Lady.“
Ich schließe meine Augen. Ihr weißes Licht leuchtet für einen kurzen Moment auf. Dann lässt sie mich allein zurück. Nackt und hart auf der Ladefläche meines Trucks.











































