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Die Gefährtin meines Stiefvaters

Autor:in
Daphne Anders
Gelesen
18,4K
Kapitel
41
Autor:in
Daphne Anders
Gelesen
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Kapitel
41
🐺Übernatürlich🐺Werwölfe & Gestaltwandler💘Schicksalsgefährten👩‍❤️‍👨Wahrer Gefährte🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy💪🏻Alpha-Männchen💪Starke Frauen🧑🏽‍🦳Altersunterschied

Ava, eine zwanzigjährige Studentin und halb Mensch, halb Werwolf, hat seit Jahren nicht mehr mit ihrer Mutter gesprochen. Doch eines Tages erhält sie einen beunruhigenden Anruf von Lucas Blackthorn, dem Alpha des Blackthorn-Rudels und neuestem Ehemann ihrer Mutter: Ihre Mutter ist tot. Doch nichts bereitet Ava auf die Wahrheit vor, die ans Licht kommt, als sie Lucas persönlich gegenübersteht. Er ist ihr Gefährte.

Kapitel 1

AVA

„Das ist Lucas Blackthorn.“ Die Stimme war weich, rau, angespannt, aber sie weckte etwas in mir, nur als ich sie hörte. Ich blieb wie angewurzelt stehen, meine Hand zitterte, als ich das Telefon ans Ohr hielt.
Ich kannte den Namen. Nicht sehr gut, aber gut genug. Der neue Ehemann meiner Mutter. Der Mann, den sie geheiratet hatte, nachdem sie, wieder einmal, aus meinem Leben verschwunden war. Ich hatte noch nie mit ihm gesprochen und ihn nie persönlich getroffen, aber im wahrsten Sinne des Wortes war er mein Stiefvater.
Am anderen Ende der Leitung hörte ich ein Atmen. Dann sagte er leise, aber bestimmt: „Ich rufe wegen ... schwerer Nachrichten an. Deine Mutter ist letzte Nacht gestorben.“
Ich verstand die Worte zuerst nicht. Sie standen einfach im Raum, schockierend und still. „Sie – was?“
„Sie ist friedlich im Schlaf gestorben.“ Seine Stimme zitterte nicht. Sie brach nicht. „Es tut mir leid, dass ich dir das sagen muss.“
Ich starrte leer aus dem Fenster des Cafés. Die Bäume draußen bewegten sich sanft im Wind, und Studenten gingen in Gruppen lachend vorbei. Aber ich fühlte mich wie unter Wasser.
Schwebend. Nein: ertrinkend.
Ich hatte meine Mutter seit Jahren nicht gesehen. Als ich letztes Jahr zwanzig wurde, rief sie nicht einmal an. Und jetzt würde sie es nie wieder tun.
„Ich dachte, du solltest es wissen“, sprach Lucas weiter. „Die Beerdigung ist morgen Abend im Blackthorn-Rudelhaus im Norden von Oregon. Sie hätte gewollt, dass du kommst.“
Rudelhaus. Die Worte hallten irgendwo in meinem Hinterkopf wider und weckten halb begrabene Erinnerungen: an scharfe Zähne und leises Heulen, daran, wie meine Mutter manchmal den Mond anstarrte, als spräche er nur zu ihr, an das Leben, das sie einem Leben mit mir vorzog.
Meine Stimme klang steif und unberührt, auch wenn ich innerlich von Gefühlen zerstört war, die ich nicht einmal begreifen konnte. „Okay.“
„Ich kann jemanden nach dir schicken oder dir die Adresse geben, wenn du lieber alleine kommen möchtest.“
„Ich fahre selbst“, sagte ich.
„Sehr gut. Ich schicke dir die Koordinaten aufs Handy.“
Es gab eine lange Pause. Ich wollte schon auflegen, aber ich tat es nicht.
„Sie hat am Ende nach dir gefragt“, sagte er. „Sie hat gehofft, dass du kommst.“
Ich antwortete nichts darauf.
„Ich halte dich nicht weiter auf“, sagte er schließlich. „Gute Reise, Ava.“
Er legte auf, bevor ich mir eine Antwort überlegen konnte. Ich starrte danach lange auf mein Handy.
***
Ich weinte nicht: nicht im Auto, nicht beim Packen, nicht einmal, als ich das alte Foto anstarrte, das ich ganz unten in meiner Sockenschublade aufbewahrte, das, auf dem sie mich als Baby hielt, ihr Gesicht müde, aber strahlend, ihr wildes blondes Haar im Wind zerzaust.
Sie war schon so lange weg. Sie sagte immer, der Wolf in ihr sei immer lauter als die Welt um sie herum. Dass er sie vom Gewöhnlichen wegzog. Deshalb hatte sie meinen Vater verlassen, deshalb hatte sie mich verlassen.
Ich hatte mir jahrelang eingeredet, dass es in Ordnung war, dass ich sie nicht brauchte. Aber jetzt, als ich auf die Wildnis Oregons starrte, die sich vor meiner Windschutzscheibe entfaltete, wurde mir klar, dass ich das nicht geglaubt hatte. Nicht wirklich. Sie war meine Mom.
Ich fuhr stundenlang nach Norden, weiter in die Wildnis und weiter weg von meinem alten Leben. Raus aus der Stadt, weg von allem Bekannten. Die Kiefern wurden dichter, höher, als sie es eigentlich sein durften.
Das Gebiet der Blackthorns stand auf keinem Navi. Ich musste die Koordinaten nutzen, die Lucas mir geschrieben hatte, und sie manuell eintippen.
Die Straße verengte sich zu Schotter, dann zu Erde. Nebel kroch durch die Bäume. Moos hing von den Ästen.
Als ich an den hoch aufragenden Toren ankam, stieß ich einen schweren Atemzug aus. Ich stieg aus dem Auto, Schotter knirschte unter meinen schwarzen Lederstiefeln.
Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte. Vielleicht einen Wächter am Tor. Vielleicht sogar Lucas selbst. Aber da war niemand.
Die Tore knarrten auf, als reagierten sie auf meine Anwesenheit. Automatisch. Lautlos.
Dahinter erstreckte sich die Straße nach oben durch Bäume, die älter waren als die Zeit selbst. Der Wald ragte auf beiden Seiten empor, riesig und dicht. Die Luft war schärfer hier und dünner. Ich konnte die Kiefern in der Brise riechen.
Ich folgte dem kurvigen Weg, bis zu einer großen Lichtung. Und da stand es. Das Blackthorn-Rudelhaus.
Es war mehr Festung als Zuhause. Es ragte aus der Erde empor, als wäre es aus ihr gewachsen: Holz und Stein, massive Holzbalken, geschwungene Dächer mit dickem First.
Ich parkte am Rand der Auffahrt und saß eine ganze Minute lang im Auto, das Herz hämmerte, der Atem unruhig. Ich war halb Wolf, halb Mensch, und in diesem Moment fühlte ich mich, als gehörte ich zu keiner von beiden Seiten.
Niemand kam heraus, um mich zu begrüßen. Niemand schaute auch nur aus einem Fenster. Ich kam mir vor wie ein Störenfried auf der Beerdigung meiner eigenen Mutter.
Meine Finger zitterten, als ich meine Reisetasche packte und in die dunkle Nacht trat.
Die große Haustür lag direkt vor mir. Sie war mit Symbolen verziert, die ich nicht verstand. Spiralen. Krallen. Halbmonde. Wölfe.
Ich hob die Hand und klopfte so laut ich konnte. Nichts.
Ich wartete und klopfte noch einmal. Immer noch keine Antwort.
Dann knarrte die Tür auf und öffnete sich einen Spaltbreit, und gab das Innere des Rudelhauses preis: warm, still und abweisend.
Ich zögerte einen Moment. Dann ging ich hinein.
Der Geruch traf mich zuerst. Kiefernholz, Asche, Fell. Alter Rauch. Nasse Erde. Der Geruch meiner Mutter lag noch in der Luft.
Der Eingangsbereich war leer. Dahinter kam ein langer Flur in Sicht: dunkle Holzböden, Tierfelle an den Wänden und alte Stammesrelikte.
Ich klammerte mich fester an den Gurt meiner Reisetasche und rief leise: „Hallo?“
Keine Antwort. Die Stille war zu vollkommen. Ich wusste nicht, ob ich hier willkommen war.
Auf dem Holztisch an der langen Treppe lag ein einziger Zettel. Mein Name war mit schwarzer Tinte darauf geschrieben.
Ava, dein Zimmer ist am Ende des Flurs. Die Beerdigung ist morgen bei Sonnenuntergang. Schlaf gut.
Es gab keine Unterschrift. Aber ich wusste, von wem die Nachricht war. Von Lucas. Meinem Stiefvater. Dem Ehemann meiner Mutter.
Es standen keine Fotos meiner Mutter auf Kaminsimsen oder Tischen. Es lugten keine Gesichter aus Türöffnungen. Da war nur das Geräusch des Windes an den Fenstern und die Dunkelheit draußen, die gegen das Licht drinnen drängte.
Ich ging den Flur entlang bis zur letzten Tür. Meine Stiefel hallten auf dem harten Holzboden.
Mein Zimmer war einfach: warm genug, ausgestattet mit einem Bett, einer Holzkommode und einem kleinen Fenster, das auf die endlose Baumgrenze blickte. Mondlicht fiel auf die Bettdecke.
Ich stellte meine Tasche ab, setzte mich aber nicht. Ich stand lange da, die Arme um mich geschlungen, und starrte ins Leere.
Dieser Ort war kein Zuhause. Es war nicht Trauer, nicht wirklich, die mich erfüllte. Es war der hohle Schmerz von etwas Ungelöstem. Eine Wunde, die nie wirklich verheilt war.
Ich wusste nicht, wer meine Mutter in ihren letzten Jahren gewesen war. Ich wusste nicht, warum sie ferngeblieben war, warum sie nicht angerufen hatte, warum sie ein Leben ohne mich aufgebaut hatte.
Aber ich war jetzt hier. Und morgen würde ich sie an einem Ort beerdigen, an dem ich noch nie gewesen war, unter Wölfen, die ich nie gekannt hatte.
Ich hatte Lucas noch nicht gesehen. Es schien mir seltsam, wenn man bedenkt, dass er mich hierher eingeladen hatte und mein Stiefvater sein sollte, aber meine Mutter hatte erwähnt, dass er der Anführer des Blackthorn-Rudels war, und ich war mir sicher, dass er eigene Pflichten zu erledigen hatte.
Es war sieben Uhr abends. Ich lag im Bett und fühlte mich durch und durch wie das Halbblut, das ich war.
Ich wusste nicht, wie man ein Wolf war. Ich war nicht an ein Rudelhaus gewöhnt, und die wenigen Male, die ich versucht hatte, mich zu verwandeln, war ich hilflos gewesen. Ich konnte meinen Wolf nicht einmal vollständig hervorholen. Ich war mehr Mensch als alles andere, auch wenn mein Wolf sich in mir rührte.
Jedes Knarren des alten Rudelhauses schien im Dunkeln verstärkt. Der Wind kratzte an den Holzwänden, als hätte er Krallen, und das ferne Heulen von Wölfen – echten Wölfen, keinen Halbblütern wie mir – durchdrang die Nacht.
Ich lag mit weit geöffneten Augen auf dem fremden Bett, während sich die Steppdecke um meine Beine wickelte.
Ein Teil von mir wollte glauben, dass ich nur müde war, nur desorientiert. Aber unter meiner Haut summte etwas rastlos. Es war ein tiefes Pochen in meinem Blut, das nichts mit Koffein zu tun hatte, sondern vielleicht mit etwas anderem.
Es war das Land. Die Luft. Die Stille. Alles fühlte sich an, als würde es auf etwas ... warten.
Ich drehte mich auf die Seite, presste ein Kissen an meine Brust und versuchte, nicht an den Geruch zu denken, der noch im Zimmer hing. Ihren Geruch. Den meiner Mutter. Elle.
Allein schon an ihren Namen zu denken, fühlte sich nach tiefem Bedauern an.
Sie verschwand immer wieder und kam immer dünner und ruhiger zurück, mit Augen, die ein wenig distanzierter waren. Sie war nie für Normalität gemacht, und schon gar nicht für das Muttersein.
Mein Vater sagte einmal, sie habe einen Sturm in ihrer Seele: dass sie nie an einem Ort blieb, weil sie nicht dafür bestimmt war. Er sagte es sanft, als wäre es eine Freundlichkeit. Aber es fühlte sich nicht freundlich an. Es fühlte sich an, als würde man im Stich gelassen.
Mein Magen knurrte laut, als ich mich auf die Seite drehte. Ich hatte seit dem Morgen, vor dem Anruf, nichts mehr gegessen.
Bevor meine Welt auf den Kopf gestellt wurde.
Ich setzte mich auf und rieb mir die Augen, in der Hoffnung, dass der Schmerz nachlassen würde. Das tat er nicht.
Es klopfte leise an der Tür, und ich zuckte vor Schreck zusammen. Die Tür knarrte einen Spaltbreit auf, und ich erhaschte das Glänzen eines Tabletts.
Dann brach eine tiefe, samtene Stimme die Stille. Er war es. „Darf ich hereinkommen?“ Dann wehte derselbe Geruch von vorhin ins Zimmer, scharf und berauschend, und ließ meinen Puls in die Höhe schnellen.
Kiefernholz. Asche. Tierfell. Alter Rauch. Nasse Erde.
Mein Gesicht verzog sich vor Verwirrung, als ich die Nase in die Luft hob und auf Lucas' ruhigen Blick traf. Und da wusste ich es. Der Geruch gehörte ihm.
Der Ehemann meiner Mutter. Mein Stiefvater.
Lucas.

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