
I Love You, My Neighbor (Deutsch)
Autor:in
Elle Fielding
Gelesen
1,1M
Kapitel
46
Kapitel 1: Er hält mich für einen Idioten.
Buch 1:I Love You, My Neighbor
KRISTY
Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Wer auch immer das gesagt hat, hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.
„Cricket! Cricket, komm sofort zurück!“, rufe ich, während ich den Hügel hinaufhetze, meinem Hund hinterher, der gerade über den Kamm verschwunden ist.
Als ich fragte, ob ich den reinrassigen Hund Cricket von der Tante und dem Onkel meiner Freundin kaufen könnte, lehnten sie ab. Das hätte mich stutzig machen sollen. Aber ich war so vernarrt in seine großen braunen Augen und das weiche weiß-braune Fell, dass ich dachte, er wäre ein tolles Geschenk.
Was für ein Schuss in den Ofen!, denke ich bei mir.
Cricket mag mich nicht besonders, und langsam geht er mir auch auf die Nerven. Er hört nicht auf mich und jagt allem hinterher. Wirklich allem!
Gerade ist er hinter einer weißen Plastiktüte vom Supermarkt her. Ich wollte zwar einen Hund, um mehr Bewegung zu bekommen, aber ihm ständig hinterherzurennen, wenn er ausbüxt, hatte ich mir anders vorgestellt.
Ich halte mir die schmerzende Seite und schirme mit der anderen Hand meine Augen ab, um mein Haus am Fuße des Hügels zu erspähen. Hoffentlich hat Cricket aufgehört zu rennen und wartet auf mich.
Meine Nachbarschaft südlich von Melbourne ist nicht gerade die hügeligste, aber der fast eineinhalb Kilometer lange Sprint hinter dem Hund her hat mich völlig geschafft.
Erleichtert sehe ich, wie Cricket fröhlich einen Fremden vor meinem Haus abschleckt.
Wenigstens hat seine Vorliebe fürs Fremde-Ablecken mich heute vor einem Besuch im Tierheim bewahrt. Obwohl ich Cricket nicht kaufen musste, kostet es mich jedes Mal ein Vermögen, ihn aus dem Carrington Bay Lost Dog's Home zurückzuholen, wenn er wieder stiften geht.
Ich zwinge meine müden Beine weiterzugehen und mache mich auf den Weg zu Cricket. Ich bin bereit, den Fremden von meinem aufgedrehten Hund zu befreien und nach Hause zu gehen, um ein heißes Bad zu nehmen.
„Na, wo ist denn dein Herrchen, Kleiner?“, dringt die freundliche Stimme des Fremden zu mir, als er sich hinkniet und Crickets Ohren krault.
Ich kann sein Gesicht nicht sehen, aber ich erkenne, dass er deutlich fitter ist als ich. Er trägt braune Arbeitsschuhe, Shorts und ein Tanktop. Seine Bein-, Rücken-, Schulter- und Armmuskeln sind beeindruckend definiert.
Ich versuche, seinen nackten Armen keine Beachtung zu schenken, während er Cricket streichelt. Es ist eine Weile her, dass ich mit einem Mann zusammen war, und ich bin gerade nicht auf der Suche. Also sollte ich aufhören, seine beeindruckenden Muskeln anzustarren. Mein Herz rast wegen des Hügels. Und meines ausgebüxten Hundes. Nicht wegen des Typen vor mir.
Richtig?
Richtig.
Mein Blick fällt auf den leuchtend grünen Pickup, der nebenan parkt. Ich tippe auf einen Handwerker - vielleicht Schreiner oder Elektriker.
Wer auch immer er ist, er packt ordentlich an. Das ist gut, falls er an dem heruntergekommenen Haus nebenan werkelt. Jemand hat das Haus vor etwa einem Monat gekauft, und der neue Besitzer hat alle Hände voll zu tun, um es bewohnbar zu machen.
Der marode Zaun, die wuchernden Pflanzen, die bröckelnden Ziegel und die kaputten Rohre machen es eher zu einer Gefahrenquelle als zu einem lohnenswerten Renovierungsobjekt. Ich hoffe, sie bringen es schnell und leise in Schuss, denn ich bin ein Frühaufsteher und gehe kurz nach Sonnenuntergang ins Bett.
Als ich näher komme, bellt Cricket laut, erschreckt mich und lässt den Fremden herumfahren. Als er mich sieht, steht der Mann auf.
Er muss mindestens einen Meter neunzig groß sein, und sein Gesicht ist genauso attraktiv wie der Rest von ihm. Seine grauen Augen stechen gegen seine hohen Wangenknochen hervor, und sein mittellange dunkelblonde Haar fällt ihm in die Stirn. Er sieht etwa so alt aus wie ich, Ende zwanzig. Der leichte Bartschatten an seinem markanten Kiefer macht ihn noch attraktiver.
Früher wäre ich in Gegenwart eines so gutaussehenden Mannes schüchtern geworden, aber ich habe gelernt, mich nicht von gutem Aussehen blenden zu lassen. Meiner Erfahrung nach sind Männer wie er bestenfalls eitel und oberflächlich. Und im schlimmsten Fall merken sie, dass sie jemand Besseren finden können, und lassen einen für jemanden sitzen, der mehr wie sie ist.
Zumindest haben das meine Ex-Freunde getan - sie haben mich für meine beste Freundin Jess verlassen.
Also ignoriere ich, wie attraktiv er ist, schenke ihm ein höfliches Lächeln - das er übrigens nicht erwidert - und wende mich wieder Cricket zu.
„Ist das Ihr Hund?“, fragt der Fremde, bevor ich Cricket rufen kann.
„Ja“, sage ich außer Atem. „Danke, dass Sie ihn hier festgehalten haben, bis ich aufgeholt habe. Ich versuche, Crickets Leine festzuhalten, aber er ist viel stärker als ich.“
Er sieht verwirrt aus. „Cricket?“
„So haben ihn seine früheren Besitzer genannt. Sie meinten, er liebte es, Cricketbällen in einem örtlichen Cricketclub hinterherzujagen, also wollte ich ihn nicht mit einem neuen Namen verwirren.“
„Ach so.“
Ich lächle ihn erneut an und hoffe, er findet die Situation amüsant. Aber als er weiter die Stirn runzelt, verschwindet mein Lächeln. Ich kann nicht anders, als zu denken, dass er zurücklächeln würde, wenn ich wie Jess aussähe - mit einem perfekten Körper und Gesicht. Sie lächeln Jess immer an.
„Wie lange haben Sie ... Cricket schon?“, fragt er nach einem Moment unangenehmen Schweigens. Er spricht den Namen aus, als würde es ihm wehtun, ihn zu benutzen - als wäre es schlecht für den Hund, ihn laut auszusprechen.
„Ach, ich habe ihn seit etwa drei Wochen.“
Fast hätte ich ihm erzählt, dass Cricket und ich uns beide noch aneinander gewöhnen, aber ich behalte das für mich. Das muss er nicht wissen.
Er starrt mich weiterhin an - und runzelt die Stirn.
„Seine früheren Besitzer zogen in eine kleinere Wohnung und hatten in ihrem neuen Zuhause nicht genug Platz für ihn“, füge ich hinzu, als er nichts sagt.
Er antwortet immer noch nicht. Ich war noch nie gut mit Stille, also rede ich weiter.
„Als sie hörten, dass ich einen Hund wollte, boten sie ihn mir an.“
„Verstehe“, sagt er endlich.
Er steht da und runzelt die Stirn, die Füße auseinander, die Arme verschränkt, sodass sein T-Shirt über der Brust spannt, während seine Arme noch größer wirken.
Er mustert mein verschwitztes Erscheinungsbild. Ich sehe wahrscheinlich so schlimm und untrainiert aus, wie ich mich fühle, und ich bin sicher, er denkt, ich sollte mehr laufen, um die überflüssigen Kilos loszuwerden. Der kurze zehnminütige Weg zur und von der Arbeit hilft nicht, all die Kalorien zu verbrennen, die ich beim Testen meiner Backwaren zu mir nehme.
In solchen Momenten wünschte ich, Jess wäre hier, um die Aufmerksamkeit von mir abzulenken. Sie könnte wahrscheinlich denselben Lauf machen, den ich gerade gemacht habe, und immer noch wunderschön aussehen. Sie würde mit diesem Mann flirten, etwas Witziges sagen und die ganze Situation mühelos abtun.
Ich seufze frustriert. Ich bin nicht Jess, also muss ich einen anderen Weg finden, um aus diesem unangenehmen Moment herauszukommen.
„Nun, ich sollte Cricket nach Hause bringen. Komm, Cricket.“
Glücklicherweise fühlen sich meine Lungen nicht mehr so klein an, sodass ich etwas selbstsicherer klingen kann als zuvor. Aber Cricket legt sich ins Gras, legt seinen Kopf auf die Pfoten und sieht mich gelangweilt an.
„Cricket, komm schon“, bettele ich und weiß, dass es mir nicht gelingt, diesem ernsten muskulösen Mann zu zeigen, dass ich irgendeine Kontrolle über meinen Hund habe.
Nicht dass es mich interessiert, was er denkt, aber ich hasse es, dass der Hund nicht auf mich hört. Ich würde mich unwohl fühlen, egal wer zusieht - es wäre einfacher, wenn der Fremde einen Witz machen oder amüsiert wirken würde, aber er ist so ernst.
Es ist überraschend, dass sein Gesicht nicht zerbricht, als er eine Augenbraue hebt. Selbst sein verurteilender und genervter Blick macht ihn nicht weniger attraktiv. Es ist ärgerlich.
Und anziehend. Aber auch ärgerlich.
Bevor ich Cricket körperlich wegziehen kann, was laut allen Hundetraining-Tipps, die ich gelesen habe, nicht empfohlen wird, fragt der Mann: „Wann hatten Sie zuletzt einen Hund?“
Ich richte mich auf und sehe ihm in die Augen. „Dies ist tatsächlich mein erster Hund.“
„Sie sollten vielleicht darüber nachdenken, ihn zu einem Hundetraining zu bringen. Ein nachlässiger Hundebesitzer kann sich selbst verletzen, seinen Hund verletzen oder sogar jemand anderen verletzen. Es ist ein Glück, dass Cricket nicht auf die Straße gelaufen ist und einen Unfall verursacht hat.“
Ich spüre, wie mein ohnehin schon rotes Gesicht noch heißer wird. Hat er gerade angedeutet, dass ich eine schlechte Hundebesitzerin bin? Ich weiß, wie gefährlich es ist, wenn Cricket wegläuft, aber ich gebe mein Bestes, ihn festzuhalten.
Und es ist nicht so, als hätte ich nicht darüber nachgedacht, ihn zu einem Training zu bringen, aber ich möchte erst eine bessere Beziehung zu ihm aufbauen, bevor wir zusammen in die Öffentlichkeit gehen. Es ist peinlich, wenn andere sehen können, dass er mich überhaupt nicht mag. Ich möchte nicht dumm aussehen, wenn ich ihm Befehle gebe, denen er nicht folgt.
Außerdem kann ich es nicht riskieren, zum örtlichen Hundepark zu gehen, weil ich befürchte, dass Cricket etwas ... oder jemandem hinterherjagt. Es scheint, als möge er jeden anderen mehr als mich.
„Danke für Ihre Meinung“, sage ich und zwinge mich zu einem steifen Lächeln. „Ich werde darüber nachdenken.“
„Sie wissen schon, dass es nicht reicht, ihn jeden Tag spazieren zu führen, oder?“
Wow. Er hält mich wirklich für dumm. Nun, das bin ich nicht. Ja, ich lerne noch über Hunde, aber ich bin nicht blöd. Und wer glaubt dieser Typ eigentlich, dass er ist, so herrisch und neugierig zu sein? Die Hundepolizei?
Mit zusammengebissenen Zähnen gehe ich zu Cricket und greife nach seiner Leine. „Ich weiß, dass es mehr braucht, um einen Hund zu versorgen, als ihn nur spazieren zu führen.“ Ich ziehe sanft an der Leine. „Zeit, nach Hause zu gehen, Cricket.“
Natürlich bewegt sich der Hund nicht. Warum kann er es mir nicht einmal leicht machen? Ich füttere ihn; ich bin nett zu ihm.
„Ich kenne ein paar Leute, die ein Hundetrainingsprogramm in einem Park hier in der Nähe anbieten“, bietet der Fremde an und blickt zwischen dem Hund und mir hin und her. „Ich habe ihre Nummer, wenn Sie sie möchten.“
„Danke, vielleicht hole ich sie mir ein andermal von Ihnen.“
Auf keinen Fall werde ich das tun. Dieser Typ mag der attraktivste Mann sein, den ich je gesehen habe, aber selbst wenn ich Hilfe beim Training meines Hundes bräuchte, mag ich diesen Mann nicht. Und ich mag ihn noch weniger, als er mit den Schultern zuckt und mich dabei immer noch genervt ansieht.
„Wie Sie meinen.“ Er beugt sich hinunter, um Cricket noch einmal zu streicheln. „Wir sehen uns, Cricket.“
Ich bin mir sicher, dass ich ihn „Viel Glück mit ihr“ flüstern höre, bevor er zum Nachbarhaus geht.
Sobald der Fremde die Haustür öffnet und hineingeht, winselt Cricket, steht auf und schenkt mir endlich Aufmerksamkeit.
„Jetzt entscheidest du dich aufzustehen“, schimpfe ich mit ihm. „Konntest du das nicht früher machen?“
Mit einem letzten Blick auf das Nachbarhaus hoffe ich, dass die Renovierungen bald abgeschlossen sein werden - oder besser noch, dass die neuen Besitzer einen anderen Arbeiter engagieren. Ich möchte diesen Mann nicht so bald wiedersehen.















































