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Teufel vs Alpha

Das Festmahl

11. November 2017
Lumen

EVE

„Lass los!“, schrie Reyna. Ich sah zu den Mädchen und sah wie Reyna ihre schwarzen Fingernägel um den Griff eines Dolchs krallte.
„Du lass los!“, heulte Anya mit den Händen zwischen Reynas.
„Ich hatte ihn zuerst.“
„Ich bin jetzt dran!“
„MÄDCHEN!“ Ich schrie die Mädchen an, da ich es nicht mehr mitansehen konnte. „Das ist kein Spielzeug.“ Ich stieg die Treppe runter und ging auf die Schwestern zu, die beide immer noch meine Waffe umklammerten.
„Sag ihr, sie soll loslassen!“, forderte Reyna.
„Ich lasse nicht los“, schrie Anya.
„ALLE BEIDE. Lasst sofort los“, sagte ich mit fester Stimme. „Ihr sollt lernen, euch zu verteidigen, nicht, euch gegenseitig umzubringen.“
Reyna schnaubte. „Das möchte ich sehen.“
„Das kann ich dir gerne zeigen“, antwortete Anya und sah dabei aus wie eine verzogene Barbiepuppe.
Reyna auf der anderen Seite war ein wunderschöner Punk. Sie trug ihre dunklen Locken in einem Pferdeschwanz und hatte ihre Augen mit einem dicken, schwarzen Lidstrich umrandet.
„Gebt mir den Dolch“, verlangte ich. Aber keine der beiden machte irgendwelche Anstalten, mir die Waffe auszuhändigen.
„Muss ich mich wiederholen?“, fragte ich seufzend.
Reyna verdrehte die Augen und mit einem letzten Ruck entriss sie Anya den Dolch. Sie hielt in mir mit der Klinge voraus entgegen.
Ich fokussierte die Waffe und hob sie telekinetisch aus ihrer Hand, ließ sie höher schweben. Dann ließ ich den Griff des Dolchs in meiner Hand landen.
Jetzt hatte ich die Aufmerksamkeit der Mädchen.
„Man braucht keine Magie, um sich zu schützen“, sagte ich und ließ den Dolch in meiner Hand kreisen.
„Es hilft aber“, nuschelte Anya.
„Ja. Wir sind von Werwölfen umgeben“, fügte Reyna hinzu. „Wenn die uns etwas antun wollen, dann haben wir verloren.“
„Im Augenblick, ja. Sehr wahrscheinlich. Aber wenn ihr aufpasst, was ich euch beibringe und übt, was ich euch zeige, dann werdet ihr sie abwehren können.“
„Warum interessieren wir dich überhaupt?“, fragte Anya. Ihre Augen waren groß und unschuldig und in diesem Augenblick sah sie aus wie ein kleines Kind.
„Es interessiert mich, dass ihr die nächsten zwei Jahre überlebt. Bis Reyna alt genug ist, euer Erbe anzutreten.“
„Aber warum?“, hakte Reyna nach.
Ich seufzte. „Eure Mutter war eine von den Guten. Wie ich eurem Vater schon gesagt habe, ich will nicht, dass schlechte Dinge guten Familien passieren.“
„So ein Blödsinn“, unterbrach mich Reyna. „Du verschweigst uns doch etwas.“
Ich sah sie überrascht an. Sie war schlauer, als ich erwartet hatte. Hatte eine gute Beobachtungsgabe.
„Wie kommst du darauf?“, fragte ich sie.
„Du interessierst dich für niemanden. Du behauptest, du möchtest das Richtige tun, aber du hilfst nie im Haushalt mit. Du hast meinem Dad nie gesagt, dass es dir leidtut, dass seine Frau gestorben ist. Du bist kein guter Mensch. Irgendetwas musst du hiervon haben.“
„Genau, woher sollen wir wissen, dass du uns nicht jagst?“, fügte Anya hinzu.
„In Ordnung.“ Ich nickte. „Ihr habt recht. Ich habe eine engere Verbindung zu eurer Blutlinie, als ihr wisst. Mir ist es wichtig, dass eure Blutlinie sicher ist, und das bedeutet, dass ihr zwei in Sicherheit sein müsst. Aber mehr sage ich euch im Moment nicht.“
Ich beobachtete, wie Reyna diese Informationen verdaute. Dann sah sie mich wieder an. „In Ordnung.“
„Zurück auf eure Positionen. Ich zeige euch, was man tut, wenn man einem Vampir begegnet.“
***
Klopf, klopf, klopf
Ich war gerade dabei, mir in der Küche ein Sandwich zu machen, als ich das Klopfen hörte. Ich sah zu Reyna, die vor dem Fernseher im Wohnzimmer saß. „Kannst du aufmachen?“
Sie seufzte und ging zur Eingangstür. In der Sekunde, in der sie die Tür aufmachte, war mir, als ob ein Vulkan tief in mir explodierte.
Heiße, kochende Lava strömte durch meine Venen, entzündete mein Verlangen, meine Sehnsucht nach ihm.
„Hallo?“, hörte ich sie sagen.
„Du musst Reyna sein“, antwortete seine raue Stimme.
Ich wusste nicht, ob ich mich hinter der Küchenanrichte verstecken oder in seine Arme laufen sollte.
Ich war ihm letzte Woche im Rudelhaus nur knapp entkommen. Ich war mir nicht sicher, ob mein Körper ein zweites Mal kooperieren würde.
Es war nun mal so, … wenn es um ihn ging, verlor ich jede Kontrolle. All meine Macht, all meine Stärke, bedeutete nichts, wenn er in der Nähe war.
Aber ich durfte ihn nicht an mich ranlassen. Denn ich wusste zu viel über ihn.
„Eve?“ Ich hörte ihn meinen Namen rufen und sah schnell zur Tür. Ich war so gedankenverloren gewesen, dass ich nicht bemerkt hatte, wie er und Reyna ins Wohnzimmer gekommen waren.
Die Überraschung musste ihm aufgefallen sein, denn er musste grinsen. „Wie, freust du dich nicht mich zu sehen, Liebling?“
„Ich habe es dir schon einmal gesagt. Ich bin nicht dein Liebling“, zischte ich ihn an.
„Kein Grund die Krallen auszufahren, Babe. Ich bin nur hier, um die Morgans zum Dinner heute Abend im Rudelhaus einzuladen. Auf Befehl von Gabriel. Ich bin nur der Bote.“
Er trat einen Schritt auf mich zu.
„Und weil du der neuste Familienzuwachs der Morgans bist, gilt die Einladung auch für dich.“
Ich versuchte, meine Atmung unter Kontrolle zu bringen, die Erregung zu unterdrücken, die langsam jeden Millimeter von mir durchzog.
Ich spürte, wie der Slip zwischen meinen Beinen feucht wurde. Und der Mistkerl berührte mich nicht einmal.
„Das ist aber etwas kurzfristig“, antwortete ich.
„Ich bin mir sicher, dass ihr keine anderen Pläne habt.“ Er grinste wieder.
Dann wandte er sich wieder an Reyna, und mir fiel jetzt erst wieder ein, dass sie sich die ganze Zeit mit uns im Raum befunden hatte.
„Sieben Uhr. Gib deinem Vater Bescheid, in Ordnung?“
„In Ordnung“, antwortete sie und blickte von ihm zu mir. Als ob sie nicht verstand, was gerade zwischen uns passiert war. Aber dann verließ Raphael das Haus und schloss die Türe wieder. Als ob er gar nicht hier gewesen war.
„Was war …“ Reyna versuchte etwas zu fragen, aber ich war schon an ihr vorbei die Treppe hinauf. Ich hatte mein Sandwich vollkommen vergessen, aber das war egal.
Denn nun musste ich mich auf ein Abendessen vorbereiten, mit dem einzigen Mann, der mich … ohnmächtig machte.
***
Ein Bediensteter führte uns durch die Eingangshalle des Rudelhause zu dem, wie ich vermutete, bestem Speisesaal des Anwesens. Ich ging hinter den Morgans und registrierte alles um mich herum.
Um im Fall eine schnelle Fluchtroute zu haben.
Als uns der Bedienstete die schweren Eichtüren zum Speisesaal öffnete, hörte ich, wie Anya nach Luft schnappte.
Der Raum war makellos. Er war riesig und in der Mitte stand ein großer, runder Esstisch. Alles war mit Blumen und schlanken, antikanmutenden Leuchtern geschmückt.
Ich war seit Jahrhunderten am Leben und das Konzept von Antiquitäten brachte mich immer zum Schmunzeln. Es war eine so sterbliche Erfindung.
Aber diese Leuchter trugen tatsächlich zur Stimmung bei. Sie erinnerten mich an eine andere Zeit, eine einfachere Zeit. Eine Zeit bevor ich ihn kannte.
„Die Gesellschaft wird in Kürze zu Ihnen stoßen“, informierte uns der rundliche Bedienstete.
„Danke schön“, antwortete Martin, wurde aber von schweren Schritten hinter uns unterbrochen.
„Ah, willkommen!“, rief Gabriel aus, der Zavier im Schlepptau hatte. „Kommen Sie nur. Nehmen wir doch Platz, oder nicht?“
Gabriel ging zum Tisch und ich ließ den Morgans den Vortritt, bevor ich ihnen folgte. Ich spähte in die Eingangshalle, aber da war niemand sonst. Also nahm ich Platz.
Umgehend erschien ein Kellner aus einem Nebenzimmer - vermutlich der Küche - und begann die Weingläser zu füllen.
„Rot oder weiß?“, fragte er, als er neben mir stand.
„Rot.“ Ich spürte die Wirkung von Alkohol nicht so, wie andere es taten. Aber manchmal genügte der Geschmack, um mich zu beruhigen.
Wahrscheinlich ein Placeboeffekt. Aber das machte nichts. Denn heute Abend brauchte ich jede Beruhigung, die ich kriegen konnte.
Als ich gerade einen Schluck nehmen wollte, spürte ich ihn.
Und dann sah ich ihn.
Er betrat den Raum, hinter sich seine Millenniumwölfe. Alle sieben wirkten so, als ob sie aus einem Hochglanzmagazin direkt ins Rudelhaus gestiegen waren. So unglaublich gut sahen sie alle aus.
Die Millenniumwölfe waren die Anführer aller Werwölfe weltweit. Es lag in ihrer Verantwortung, für Frieden unter den Rudeln zu sorgen, was hieß, dass sie ununterbrochen auf Reisen waren. Wie ich hatten sie kein wirkliches Zuhause.
Raphael durchschritt beschwingt den Raum und das jagte einen Schauer über jeden Zentimeter meiner Haut.
„Morgans, schön, dass Sie bei uns sind“, begrüßte er die Familie. Dann wandte er sich zu mir. „Eve, stets eine Freude.“
Ein Schwall der Begierde strömte über mich, aber ich schaffte ein freundliches Lächeln.
Bis er um den Tisch ging und sich direkt neben mich setzte.
„Ist das wirklich notwendig“, fragte ich mit zusammengekniffenem Kiefer.
Er legte mir eine Hand auf die Schulter und beugte sich nah zu mir. „Es ist mehr als notwendig.“
Ich konnte seinen Atem auf meiner Wange spüren und musste sofort meine Beine überschlagen. Ich musste mein Verlangen im Zaum halten. Er durfte nicht erfahren, was ich fühlte.
„Und woher kennen Sie beide sich?“, hörte ich Reyna von der anderen Seite des Tischs fragen, während sie uns beide ansah.
Alle Blicke richteten sich auf uns. Ich verabscheute das. Ich verabscheute es, im Mittelpunkt zu stehen, besonders, wenn es um mein Privatleben ging.
„Wir kennen uns schon seit langer Zeit“, antwortete Raphael und seine Stimme war voller Schalk. „Eve war –“
„Durch meine Arbeit haben wir zwangsläufig immer mal wieder miteinander zu tun“, unterbrach ich ihn.
„Und worin besteht Ihre Arbeit genau?“, fragte Gabriel.
Obwohl wir uns in der Vergangenheit schon ein paar Mal begegnet waren, überraschte es mich nicht, dass er mich nicht erkannte.
Es gehörte zu meinem Job, nicht aufzufallen, hinter der Kulisse zu stehen und sicherzustellen, dass alles in geregelten Bahnen verlief.
Meine Aufträge beinhalteten nicht, dass man mich erkannte.
Es ging darum, den Auftrag zu erledigen.
„Ich sorge für Ordnung“, sagte ich und wiederholte damit, was ein Kollege zu mir gesagt hatte, als wir uns kennenlernten. Der Satz war bei mir hängengeblieben.
„Das klingt kryptisch“, antwortete der Beta der Millenniumswölfe, Zachary.
Ich verengte meine Augen, aber bevor ich ihm antworten konnte, sprach Raphael erneut.
„Na gut, genug Fragen für heute. Lasst uns essen“, nahm er das Zepter wieder in die Hand und bedeutete den Kellnern aufzutragen. Aber das verärgerte mich nur noch mehr.
Ich brauchte ihn nicht, um mich zu verteidigen, und ich brauchte ihn garantiert nicht, um mich zu beschützen.
„Ich kann mich selbst um mich kümmern“, sagte ich zu ihm und ballte die Fäuste unter dem Tisch.
„Ich weiß, dass du das kannst. Das macht dich ja so verflucht sexy“, antwortete er und sah mir dabei tief in die Augen.
Fuck.
Ich spürte, wie meine Nippel hart wurden, gegen die Seide meines BHs pressten.
„Hör auf damit, solche Dinge zu sagen. Ich meine es ernst, Raphael. Wir sind beim Essen.“
„Was für eine Schande. Wenn es nach mir ginge, wärst du das Einzige, was auf meinem Speiseplan stünde.“
Mein Mund klappte auf und ich merkte, dass ich rot wurde. Mir war heiß, so heiß. Ich musste ihn spüren, ihn berühren, er sollte mich –
„Geht es dir gut?“, fragte er mit einem neckischen Grinsen.
Sicher“, zischte ich ihn an. Ich nahm einen Schluck Rotwein und versuchte, mich von ihm zu distanzieren.
„Ich bin aus beruflichen Gründen hier. Ich lasse mich nicht von dir ablenken, Raphael. Es interessiert mich nicht, was du zu sagen hast.“
„Ach, Liebling. Ich habe gar nicht vor, so viel zu sagen…“
Ich meine es ernst. Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, wirst du es bereuen“, drohte ich ihm.
Aber sein Grinsen wurde nur noch breiter. „Dich so zornig zu sehen, erregt mich noch viel mehr.“
„Unmöglich. In deiner Nähe.“ Ich verdrehte die Augen und er griff unter dem Tisch nach meiner Hand.
„Die Paarungszeit beginnt bald, Eve. Du weißt das. Ich weiß das. Und ich werde nicht noch eine weitere Hitze ohne dich durchmachen.“
Ich atmete scharf ein.
Bei all der Konzentration auf die Morgans hatte ich die Paarungszeit vollkommen vergessen.
Diese Phase kam zwei, vielleicht dreimal im Jahr. In dieser Zeit wurden alle Werwölfe über sechzehn von ungebändigter Lust überkommen, waren so in Hitze, dass sie die Kontrolle über sich verloren.
Das einzige, was sie dagegen tun konnten, war zu ficken.
Aber diese Phase beschränkte sich nicht nur auf Werwölfe. Jede Spezies nahm die Hitze auf unterschiedliche Weise wahr.
Manche waren in jenen Wochen stärker. Andere fühlten sich euphorischer als ein Teenager auf Ecstasy. Und ich? Ich war eine Kombination von all dem.
Die Saison machte mich stärker, glücklicher und geiler, als ich es je zuvor gewesen war. Jedes Jahr wurde es intensiver. Und jedes Jahr kostete es mich größere Anstrengung, es zu kontrollieren.
Raphael war der einzige Mann, der mich erregen konnte, der mich dazu bringen konnte, mich der Lust, die mich zu überwältigen drohte, hingeben zu wollen.
Aber ich hatte mir selbst vor langer Zeit ein Versprechen gegeben. Das Versprechen, ihm niemals zu erliegen. Nicht noch einmal.
Also überkam mich bei jeder Paarungszeit ein Verlangen, dem ich mich nicht hingeben konnte. Ein verzehrender Hunger, den ich nicht stillen konnte.
Und nun kam die Saison wieder auf uns zu. Und nicht nur das, Raphael und ich waren noch dazu in derselben Stadt.
Das war noch nie geschehen.
„Hörst du mir zu?“, fragte Raphael und holte mich aus meinen Gedanken.
„Nein“, antwortete ich und drehte mich von ihm weg, um in ein Stück Brot zu beißen.
„Eve“, sagte er nachdrücklich und legte eine Hand auf meinen Schenkel.
„Ich brauche dich. Ich muss dich haben. Die anderen Frauen, ich will keine von ihnen. Ich kann nichts mit ihnen anfangen. Es gibt nur dich.“
„Ich will dich aber nicht“, sagte ich mit fester Stimme und versuchte seine Hand zu ignorieren. Die Art, wie sie sich auf meinem Schenkel anfühlte.
„Ich glaube dir nicht.“
„Ich. Will. Dich. Nicht.“ Ich wiederholte es und sah ihm dabei direkt in die Augen. Ich war eine gute Lügnerin. Ich hatte mehrere Jahrhunderte Übung darin.
Daraufhin knurrte Raphael, ein dominantes Geräusch tief aus seiner Kehle. Und dann packte er mich, hob mich aus meinem Sitz und zerrte mich aus dem Speisesaal.
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