
Wenn sich der Spieß umdreht: Sequel - His Fate
Autor:in
Ivana Vanessa Jameson
Gelesen
177K
Kapitel
47
Kapitel 1.
Buch 5: His Fate
ASTRID
Ich saß in der Bibliothek, ganz versunken in mein Buch. Die Geschichte zog mich in ihren Bann und ich fühlte mich, als wäre ich in einer anderen Welt. Der Duft der alten Bücher um mich herum war angenehm und gab mir ein Gefühl von Geborgenheit.
„Astrid“, rief meine Mutter Lucy. Sie klang genervt. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du diese Bücher weglegen und dich auf dein Training konzentrieren sollst?“
Ich seufzte, ohne von meinem Buch aufzublicken. „Mama, du weißt doch, wie sehr ich das Lesen liebe. Außerdem habe ich nie darum gebeten, eine Prinzessin zu sein.“
Lucys Stimme wurde strenger. „Astrid, du bist eine Prinzessin und halb Mensch, halb Werwolf. Bald musst du dich und das Rudel deines Vaters beschützen können. Das ist keine Wahl, sondern deine Aufgabe.“
Ich hörte ihrer üblichen Predigt kaum zu. Ich hatte sie schon so oft gehört. „Ja, ja, Aufgabe, Verantwortung, blablabla“, murmelte ich leise.
Lucy musste mich gehört haben, denn sie riss mir das Buch aus der Hand. Verärgert funkelte ich sie an. Sie verstand einfach nicht – ich hasste es, eine Prinzessin zu sein, und mein Dasein als Halb-Mensch, Halb-Werwolf machte es nur noch schlimmer.
Ich fühlte mich wie ein Vogel im goldenen Käfig und das machte mich wütend. Doch meine Mutter erinnerte mich jeden Tag daran, wie unglücklich mein Leben war.
„Junge Dame, das ist kein Kinderspiel“, sagte sie ernst. „Du wirst bald achtzehn und dein Wolfsanteil wird erwachsen. Es wird Zeit, dass du aufhörst, dich wie ein Backfisch zu benehmen.“
Ich wollte etwas Gemeines erwidern. Lucy konnte als Mensch nicht verstehen, wie viel mir diese Bücher bedeuteten. Sie konnte nicht begreifen, wie sie mir halfen, all meine Pflichten zu vergessen.
Stattdessen atmete ich tief durch und kämpfte mit meinen Gefühlen. Ich liebte meine Mutter und wollte ihr nicht wehtun. Als Halb-Werwolf war ich zwar stärker als sie, aber ich wollte nicht diese Art von Tochter sein.
Außerdem würde sie mich wahrscheinlich mit dem Buch einen Kopf kürzer machen.
Ich versuchte, ruhig zu bleiben und sagte: „Okay, Mama. Ich gehe zum Training.“ Meine Stimme klang kurz angebunden und man konnte meine Verärgerung heraushören. Es war schon komisch, wie sie mich wie niemand sonst auf die Palme bringen konnte, obwohl sie es nur gut meinte.
Lucys Gesichtsausdruck wurde weicher und sie sah stolz und zufrieden aus. „Astrid, es ist sehr wichtig, dass du akzeptierst, wer du bist und welche Verantwortung damit einhergeht.“
Ich nickte, obwohl ich am liebsten bei meinen Büchern geblieben wäre und meine Ruhe gehabt hätte. Ich musste meine Pflicht erfüllen und konnte ihr nicht länger ausweichen. Als ich von meinem Stuhl aufstand, konnte ich mir einen letzten Kommentar nicht verkneifen: „Aber warum muss es so öde sein?“
Lucy lachte leise und legte ihre Hand auf meine Schulter. „Weil, meine Liebe, manchmal die besten Abenteuer dort passieren, wo man sie am wenigsten erwartet.“
Dann verließ ich die Bibliothek und dachte an den Trainingsplatz, wo meine Zukunft auf mich wartete – ein Weg, den ich gehen musste, auch wenn es bedeutete, die Welten in meinen Büchern zurückzulassen.
***
Ich stand vor meinem großen Spiegel, gekleidet in die speziellen Gewänder einer halb menschlichen, halb werwölfischen Prinzessin. Mein Outfit war sowohl elegant als auch robust, perfekt abgestimmt auf meine helle Haut, silbernes Haar und besonderen Augen.
Mein Vater Alexander sagte einmal, es ließe mich wie den Mond aussehen, aber ich fühlte mich in diesen königlichen Kampfklamotten immer noch wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Mein Kleid war schneeweiß und umhüllte mich wie ein Geist. Der Stoff schien zu schimmern und fing das Licht so ein, dass er zu leuchten schien. Kleine silberne Muster waren entlang des Saums und Ausschnitts eingestickt und glänzten wie Mondlicht auf Wasser.
Unter dem fließenden Kleid trug ich eng anliegende weiße Hosen, die fürs Kämpfen gemacht waren. Sie erlaubten mir volle Bewegungsfreiheit und waren äußerst robust – ein Zeichen dafür, dass ich auch eine Kriegerin war. Mein langes, mondscheinfarbendes Haar fiel in lockeren Wellen meinen Rücken hinab und bildete einen starken Kontrast zu den weißen Kleidern.
Meine mondhelle Haut wirkte fast durchscheinend gegen das Weiß. Doch meine Augen waren das Besonderste. Sie hatten eine wunderschöne, schimmernde Silberfarbe, wie flüssiges Metall, das das Licht einfing.
Die hatte ich definitiv von meinem Vater geerbt – ein Zeichen unserer halb menschlichen, halb werwölfischen Natur.
Ich begab mich zum Trainingsplatz, um meinen Lehrer und vertrauten Helfer meines Vaters, Lewis, zu treffen. Seit ich klein war, nannte ich ihn immer „Onkel“, weil ich ihn so gern mochte. Unser Training war eine Mischung aus Anmut und Kraft, die die Geschwindigkeit und Gewandtheit der Werwölfe zur Schau stellte.
Wir bewegten uns mit atemberaubender Geschwindigkeit und zeigten deutlich unsere werwölfischen Fähigkeiten. Meine Doppelnatur als Halb-Mensch, Halb-Werwolf erlaubte es mir, sowohl menschliche als auch werwölfische Eigenschaften zu nutzen, was mich mit jedem Tag schneller und stärker machte. Lewis forderte mich heraus, an meine Grenzen zu gehen, und ich genoss die Herausforderung.
Heute testete er meine Geschwindigkeit, was diese Trainingseinheit für mich ein Kinderspiel machte. Ich liebte es, so schnell zu sein. Ich liebte es auch, durch den Wald zu rennen, aber das war ein Geheimnis. Wenn mein Vater je davon erführe, würde er sehr wütend werden und mir für sehr lange Zeit – eigentlich für immer – verbieten, das Gelände zu verlassen.
Unser Kampf glich einer stillen Unterhaltung, einer besonderen Verbindung zwischen Lehrer und Schülerin. Wir wichen aus, blockten ab und griffen an, fließend wie in einem Tanz. Worte waren nicht nötig; wir kommunizierten durch unsere Handlungen.
Als die Sonne unterging und lange Schatten warf, fühlte ich mich stolz. Lewis, sein altes Gesicht in einem zufriedenen Lächeln, nickte anerkennend. In diesen Momenten waren wir nicht nur Prinzessin und Beta; wir waren Krieger, verbunden durch Schicksal und ein starkes Band.
„Du wirst jeden Tag besser, kleiner Wolf“, sagte er und zwinkerte mir zu.
Ich grinste zurück. „Bald werde ich dich im Handumdrehen besiegen können, Onkel. Du solltest Angst haben“, sagte ich und verschränkte die Arme. Ich konnte es kaum erwarten, bis dieser Tag kam. Vielleicht würde meine Mutter mich dann endlich in Ruhe lassen.















































