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Versprechen deines Gefährten

Kapitel 3.

ROSE

Ich sah in seine dunklen Augen und für einen Moment stockte mir der Atem. Er war so attraktiv, dass es fast unfair schien.
Sein verwuscheltes Haar sah unwiderstehlich aus. Seine dunklen Augen fesselten meinen Blick. Er hatte eine wohlgeformte Nase und ein markantes Kinn, das ihn noch anziehender machte. Und erst seine Lippen ...
Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck.
Er wirkte erst schockiert, dann glücklich, dann ungläubig und schließlich wütend. Wütend? Das überraschte mich.
„Nicht jetzt!“, rief er und stürmte davon.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Ich hatte meinen Gefährten gefunden. Davor hatte ich mich immer gefürchtet.
Seit dem Tod meiner Eltern hatte ich Angst, jemandem nahe zu kommen. Ich fürchtete, auch diese Person zu verlieren. Aber damit hatte ich nicht gerechnet. Ich fand meinen Gefährten und verlor ihn am selben Tag.
Mein menschlicher Teil konnte sein Verhalten nachvollziehen, aber mein Wolfs-Teil nicht. Ich spürte den Schmerz meiner Wölfin. Ich wusste, sie versuchte mich zu schützen, aber das wollte ich nicht.
Sie war immer für mich da gewesen, selbst als unsere Eltern starben. Ich wollte nicht, dass sie allein litt.
Alice' Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
„Was?“, fragte ich geistesabwesend.
„Was war das gerade? Kennst du ihn?“, wollte Alice wissen.
„Nein.“
„Warum ist er dann weggelaufen, als er dich sah?“
„Keine Ahnung.“
„Warum warst du so abgelenkt?“, fragte Alice misstrauisch.
„Ich habe mit meiner Wölfin gesprochen.“
„Worüber?“
„Wir haben überlegt, ob wir ihn schon mal gesehen haben.“ Ich war überrascht, wie normal meine Stimme klang.
„Alice, ich muss los.“
„Wieso? Was ist los?“
„Nichts. Ich habe wegen der Prüfungen schlecht geschlafen und bin müde. Ich glaube, etwas Schlaf wird mir gut tun.“ Ich schenkte ihr ein schwaches Lächeln und ging, bevor sie weitere Fragen stellen konnte.
***
Nachdem ich die ganze Nacht kein Auge zugetan hatte, blieb ich drei Tage lang dem Diner fern. Ich verließ mein Haus überhaupt nicht und erfand Ausreden, um niemanden zu sehen.
Meine Wölfin hörte am nächsten Tag auf, mich beschützen zu wollen, aber ich war sauer auf sie. Wie konnte sie denken, ich würde ihren Schmerz nicht teilen wollen? Wir waren eins.
Nach einer Weile akzeptierten wir beide, was passiert war. Ich konnte nicht ewig alle meiden. Noch wichtiger war, dass ich meine Träume nicht für jemanden aufgeben würde, den ich nicht einmal kannte, selbst wenn er mein Gefährte war.
Danach fühlte ich mich etwas besser.
Plötzlich klingelte es Sturm an der Tür. Ich wusste, dass es Alice war, und beeilte mich zu öffnen, bevor sie die Tür einschlug.
Alice stolperte fast herein, als ich öffnete. Ich wollte lachen, hielt aber inne, als ich ihr wütendes Gesicht sah.
„Tut mir leid.“
„Was zum Teufel, Rose? Du bist seit drei Tagen wie vom Erdboden verschluckt. Du gehst nicht ans Telefon. Nate sagt, du warst nicht an der Uni. Was ist los?“
„Mir ging's nicht gut.“ Ich wandte mich ab und mied ihren Blick.
Alice packte mich an den Schultern und drehte mich zu ihr um.
„Was ist passiert, Rosie?“, fragte sie noch einmal, diesmal sanfter.
Ich blickte zu Boden und flüsterte: „Ich habe meinen Gefährten gefunden.“
„Was? Das ist ja toll, Rosie. Ich freu mich so für dich.“ Sie hielt inne. „Aber warum siehst du nicht glücklich aus?“ Sie klang verwirrt.
„Er will mich anscheinend nicht.“ Meine Stimme war kaum zu hören.
Sie schwieg einen Moment, bevor sie mich fest umarmte. Als sie mich umarmte, begann ich zu weinen.
Sie streichelte meinen Kopf, während ich an ihrer Schulter schluchzte. Sie führte mich zur Couch, und wir saßen eine Weile dort und umarmten uns.
„Wer ist er?“, fragte Alice wütend.
„Niemand, den du kennst.“ Ich wollte ihr nicht sagen, wer er war. Wenn ich darüber hinwegkommen wollte, wollte ich nicht, dass jemand anderes ihn kannte.
„Wo hast du ihn getroffen? Wann?“, fragte sie.
Ich antwortete nicht sofort. Ich konnte weder das Diner noch die Uni erwähnen; sie würde es herausfinden.
„Ich hab ihn auf dem Heimweg vom Diner gesehen. Er hat sofort klargemacht, dass er mich nicht will. Ich hab's kapiert und bin gegangen. Aber es tut weh.“ Meine Stimme brach am Ende.
„Hey ...“ Sie nahm meine Hände.
„Ich hab nicht viele Freunde. Das weißt du. Es sind nur du und Diana, und es hat gedauert, bis ich euch mochte. Aber, weißt du, insgeheim hab ich immer auf meinen Gefährten gehofft.
„Ich dachte, er würde mir helfen, keine Angst mehr vor Menschen zu haben, wie jemand, der mich rettet. Aber wie er sofort nein sagte, als wir uns trafen ... das tut weh.
„Auch wenn ich sage, dass ich niemanden an mich ranlassen will, wünsche ich mir tief drinnen jemanden, der zu mir gehört, jemanden, den ich stolz meine Familie nennen kann.“
Ich sagte all das sehr leise und spielte mit ihrem Shirt. Alice umarmte mich fest.
„Er hat dich nicht verdient. Aber du wirst jemanden finden, der dich sehr lieben wird, jemanden, der erkennt, wie besonders du bist.“
Ich sagte nichts, aber ich hörte auf ihre Worte, auch wenn ich sie nicht glaubte.
Plötzlich stand Alice auf und zog mich mit sich.
„Was?“
„Schluss mit Trübsal blasen. Steh auf. Lass uns ins Diner gehen. Diana macht sich Sorgen um dich. Verschwende deine Zeit nicht an jemanden, der dich nicht mag. Wir sind für dich da.“
Ich lächelte zurück. Ihre Worte gaben mir neue Kraft.
Der Rest des Tages verlief gut. Wie Alice gesagt hatte, war Diana besorgt um mich, und ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht mit ihnen gesprochen hatte.
Nachdem Diana sich ein wenig um mich gekümmert hatte, ging ich zurück an die Theke, um zu arbeiten. Es kamen viele Kunden, was mir half, nicht an meine Probleme zu denken. Aber ich konnte den Schmerz in mir nicht ignorieren.
Ich spürte ihn, bevor ich ihn sah. Ich konnte ihn stärker fühlen, wenn er in der Nähe war. Spürte er es nicht auch? Oder war er einfach besser darin, es zu ignorieren?
Ich schüttelte den Kopf und versuchte, mich nicht so elend zu fühlen, als er sich hinsetzte und mich ansah. Sein Blick machte es mir schwer zu arbeiten.
Ich war erleichtert, als er endlich ging. Meine Hände zitterten noch leicht. Ich bat Alice, mich zu vertreten, und ging in den Personalraum.
Ich atmete ein paar Mal tief durch und versuchte, mich zu beruhigen. Der Rest des Tages verlief normal. Wie üblich unterhielten Diana, Alice und ich uns am Ende des Tages.
„Geht's dir gut, Schätzchen?“, fragte Diana mich erneut.
„Mir geht's gut, Diana. Ich bin nur etwas müde vom Lernen für die Prüfungen. Jetzt geht's mir besser.“
Diana sah nicht überzeugt aus, fragte aber nicht weiter nach, was mich erleichterte.
„Wusstest du, dass Aubreys Ex-Freund jeden Tag hierher kommt? Er sitzt immer am gleichen Platz und geht nach einer Weile wieder.“
„Hat er keinen Namen?“, fragte ich genervt, weil Alice ihn ständig Aubreys Freund nannte.
„Ich weiß nicht. Er hat Clarke seinen Namen nie gesagt, als er ihn fragte. Eigentlich sagt er nie was außer seiner Bestellung. Aber warum stört dich das?“ Alice sah mich fragend an.
„Ich ... Es stört mich nicht. Ich denke nur, ihn Aubreys Freund zu nennen, könnte verwirrend sein“, erwiderte ich.
„Ex, Rosie. Ex-Freund.“
„Können wir über was anderes reden?“, fragte ich, es leid, ihn als Aubreys Freund bezeichnet zu hören.
Alice zuckte mit den Schultern und ließ das Thema fallen. Diana sah mich mit einem wissenden Lächeln an. Ich wurde nervös. Selbst wenn sie etwas vermutete, sagte sie nie was.
Ich verabschiedete mich von beiden und verließ das Diner.
***
Sobald ich draußen war, spürte ich seine Anwesenheit. Ich sah mich um und entdeckte ihn auf der anderen Straßenseite, an einen Laternenpfahl gelehnt, die Arme verschränkt. Als er mich sah, richtete er sich auf.
Ich ging schneller und hoffte, ihm aus dem Weg gehen zu können. Ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich kein Auto hatte. Es hätte mir die Flucht erleichtert.
„Du kannst nicht vor mir weglaufen. Du kannst genauso gut stehen bleiben und mit mir reden.“ Seine tiefe Stimme ließ mich innehalten, und ich spürte ein Kribbeln meinen Rücken hinunter.
Ich drehte mich um, und er stand direkt hinter mir. Wie konnte er sich so schnell bewegen?
„Du hast an dem Tag deutlich gemacht, wie du fühlst. Ich glaube nicht, dass es noch was zu besprechen gibt.“ Ich war stolz darauf, dass meine Stimme nicht zitterte, obwohl ich innerlich bebte.
Er schloss die Augen und seufzte.
„Es tut mir leid wegen diesem Tag, aber das war nicht meine Absicht.“
„Was war dann deine Absicht?“
Er blickte sich auf der Straße um. „Können wir irgendwo hingehen und reden?“
Konnte ich das? Ja. Wollte ich das? Ich war mir nicht sicher. Aber ich beschloss, dass es besser war, mich jetzt damit auseinanderzusetzen, um den Schmerz schneller zu überwinden. Ich nickte ihm zu.
„Willst du zurück ins Diner gehen?“, fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein, ich möchte das lieber von meinen Freunden fernhalten. Diana weiß nicht, dass ich meinen Gefährten gefunden und am selben Tag verloren habe. Für sie gibt's nichts Wichtigeres als eine Verbindung.“
„Hast du einen Ort im Sinn?“
„Es gibt ein Café im nächsten Block. Es ist klein, aber nett.“
„Wenn's dir recht ist. Kannst du mir den Weg zeigen?“
Ich nickte und drehte mich um, um zum Café zu gehen. Als ich einen Schritt machte, ergriff er mein Handgelenk. Ich keuchte auf, als ich einen elektrischen Schlag von seiner Berührung durch meinen Arm fahren spürte.
„Du hast mich nicht verloren“, sagte er leise. Ich starrte ihn an, unfähig zu sprechen. Er ließ meine Hand los und forderte mich auf weiterzugehen.
„Ich ... ich ... Ja ...“ Ich hatte Mühe zu sprechen und wandte mich wieder in Richtung des Cafés.
Was meinte er damit?
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