
Victory Formation (Deutsch)
Kapitel 3
WHITLEY
„Nachdem du mich nun genug aufgezogen hast, kannst du mir zeigen, wo ich schlafen soll? Ich muss dringend duschen.“
„Klar, Whit. Du wohnst neben Gabriel. Sein Mietvertrag ist ausgelaufen und er renoviert gerade sein neues Haus. Bis es fertig ist, wohnt er bei mir.“
„Prima, solange eure Wände nicht zu dünn sind.“
Kendrick lacht und schüttelt den Kopf, während wir nach oben gehen.
„Nein, ich glaube, er hat ein Auge auf jemand Besonderen geworfen. Ich warte nur darauf, dass er endlich mit der Sprache rausrückt.“
„Ach wirklich? Wer ist sie denn?“
Er grinst.
„Das erfährst du, wenn ich es weiß, Whit. Hier, das ist dein Zimmer.“
Ich trete ein und sehe meine Taschen neben der Tür stehen. In der Mitte des Raumes steht ein großes Bett mit einer Tagesdecke. Es hat hellblaue Laken und Decken. Es gibt einen kleinen Tisch und einen großen Spiegel mit Blumen darauf. Ich drehe mich zu Kendrick um. Er kommt auf mich zu und umarmt mich fest.
„Ich bin echt froh, dass du dich entschieden hast zu kommen, Whit. Ich hab meine Familie vermisst.“
„Ich bin auch froh, dass ich hier bin. Aber erinnere mich beim nächsten Mal daran, das Flugzeug zu nehmen.“
***
Nach der Dusche ziehe ich ein Sommerkleid und Sandalen an. Ich lasse meine Haare an der Luft trocknen, damit sie sich locken. Ich schminke mich dezent. Als ich wieder nach unten gehe, steigt mir der Duft von Gegrilltem in die Nase. Jemand brutzelt draußen und es riecht köstlich.
„Entschuldigung.“
Ich blicke auf und sehe wieder eine Blondine.
„Ja?“
„Sind Sie neu hier? Ich kann mich nicht erinnern, Sie schon mal gesehen zu haben.“
Ich hebe die Hände.
Ach du meine Güte, wirklich? Muss ich mich den ganzen Sommer damit rumschlagen?
Ich sehe, wie Kendrick den Kopf schüttelt und lacht. Er packt Gabriel und zeigt auf mich.
Na gut, ich kann dieses Spiel auch spielen.
„Nein, ich wohne schon seit Jahren in diesem Haus. Kendrick und ich sind seit drei Jahren verheiratet. Wer sind Sie und was machen Sie in meinem Haus?“
„Nein. Das kann nicht stimmen!“, sagt sie verwirrt.
„Oh doch! Deshalb rate ich Ihnen: Erstens, benutzen Sie weniger Haarfärbemittel. Und zweitens: Verschwinden Sie aus meinem Haus!“
„Es tut mir so leid! Ich wusste das nicht!“
Sie dreht sich um und stürmt zur Haustür hinaus. Ich wende mich Kendrick und Gabriel zu, die sich vor Lachen biegen.
„Sagt bloß, ihr habt nicht mit ihr geschlafen!“
Kendrick hebt abwehrend die Hände.
„Auf keinen Fall! Das nennen wir einen Cleat Chaser. An so was würde ich mich nie ranmachen!“
„Ein was?“, frage ich.
„Ein Cleat Chaser“, erklärt Gabriel. „Das ist eine Frau, die mit jedem Spieler ins Bett hüpft, um seine Freundin oder Frau zu werden.“
„Du meinst, so etwas gibt's wirklich?“
„Oh ja“, sagen sie wie aus einem Mund.
„Dieses Mädel hat sich nicht mal daran erinnert, dass sie vorhin schon mit mir gequatscht hat oder dass du noch nicht lange hier wohnst. Sie hat mir vorhin an den Kopf geworfen, ich würde nicht hierher gehören. Meinte, die Countrybar sei die Straße runter.“
Jetzt lachen beide Männer schallend und halten sich gegenseitig fest.
Ja, okay. Lacht nur.
„Was soll's, ich würde einen Cowboy nehmen“, sage ich, während ich dem Essensduft folge. „Solange er gut im Bett ist und mich auf Trab hält, bin ich mit einem Cowboy zufrieden. Ich hab gehört, die haben Ausdauer. Wo ist der Grill? Ich brauch was Deftiges!“
Ich lasse sie hinter mir stehen. Sie lachen nicht mehr.
„Moment mal, was?“, fragt Gabriel.
„Whitley!“
***
Ich sitze am Pool mit einem riesigen Burger in der Hand, als Gabriel sich neben mich setzt.
„Ähm, du hast hier Essen und hier. Also, Whit, du trägst den ganzen Burger.“
„Ich hatte Kohldampf“, sage ich mit vollem Mund.
„Das sehe ich. Warte, ich hole dir ein feuchtes Tuch.“
Im Gegensatz zu einigen dieser superdünnen Blondinen habe ich keine Berührungsängste mit Essen. Das war schon immer so. Ich schätze, deshalb habe ich Kurven. Dieser Burger? Ja, er wird meinen Hintern wahrscheinlich noch üppiger machen, wie alles andere auch. Aber ich habe noch keine Beschwerden über meinen Hintern gehört. Die meisten Männer stehen drauf. Ich gehe fast jeden Tag ins Fitnessstudio und jogge, um den Kopf frei zu bekommen.
„Hier. Lass uns dich saubermachen“, sagt Gabriel, als er mit einem Tuch zurückkommt.
Gabriel beginnt, mein Gesicht und meine Arme abzuwischen, wo Fett vom Burger heruntergetropft ist.
„Ich bin kein Kleinkind, Gabriel. Ich kann mich selbst saubermachen.“
Er lacht.
„Ich helfe nur, Whit. Wäre doch schade, wenn du den Burger weglegen müsstest.“
Ich lache, als etwas Ketchup auf mein Bein tropft. Saftige Burger sind die besten Burger. Gabriel beugt sich hinunter, um es abzuwischen, und berührt dabei die Narbe, wo die Ärzte Metallstifte in mein Schienbein eingesetzt haben.
„Gabriel.“
„Ist es komplett verheilt?“, fragt er.
„Willst du wirklich darüber reden?“
Er schaut mit seinen dunkelbraunen Augen zu mir auf. Sie haben die Farbe von dunkler Schokolade mit goldenen Sprenkeln darin.
„Whitley.“
„Es ist nicht deine Schuld, Gabriel. Niemand wusste, dass sie mir auflauerte.“
„Aber sie wollte dich von mir fernhalten.“
„Nur weil sie dachte, wir wären zusammen. Sie hat die Beziehung, die du zu meinem Bruder und unserer Familie hast, nicht kapiert.“
„Whitley, sie wollte deine Cheerleader-Karriere ruinieren, um uns auseinanderzubringen, in der Hoffnung, dass sie dadurch näher an mich rankäme.“
„Sie hat meine Cheerleader-Karriere ruiniert, aber ich glaube nicht, dass sie darüber nachgedacht hat, wie sie im Knast landen würde, wenn sie mich mit einem Metallrohr verprügelt und mir das Bein bricht.“
„Und ich bin einfach abgehauen.“
„Du wurdest für Football gedraftet, Gabriel.“
„Hast du immer noch Albträume?“, fragt er.
„Manchmal, wenn ich an einem fremden Ort bin.“
Er starrt mich an. Ich weiß, dass er sich entschuldigen möchte.
„Whitley—„
Ich hebe die Hand, um ihn vom Sprechen abzuhalten.
„Es ist nicht deine Schuld, Gabriel. Entschuldige dich nicht für etwas, wofür du nichts kannst.“
Er nickt nur. Ich weiß, dass er sich immer noch mies fühlt, aber es gibt wirklich nichts, wofür er sich schuldig fühlen müsste.
Ich war früher Cheerleaderin an der University of Alabama, wo Kendrick und Gabriel Football spielten. Keiner von uns wusste, dass eines der Mädels im Cheerleader-Team total auf Gabriel stand und nicht damit klarkam, wie viel Zeit er mit mir verbrachte. Sie dachte, wir würden zusammen ausgehen. Egal wie oft ich ihr sagte, dass er nur der beste Kumpel meines Bruders war, sie drehte trotzdem am Rad.
In der Nacht, als Gabriel und Kendrick für den NFL-Draft antraten, sah sie, wie ich Gabriel umarmte. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Als ich nach dem Spiel in dieser Nacht zu meinem Auto ging, fiel sie mit einem Metallrohr über mich her. Wenn nicht andere Leute in der Nähe gewesen wären, die mich schreien hörten, wer weiß, was passiert wäre.
Sie erzählte dem Richter, sie hätte es getan, weil ich mit ihrem Mann geschlafen hätte. Da sie einen psychischen Gesundheitstest bestand, kam sie in den Knast statt in eine Klapse, wo sie meiner Meinung nach hingehört. Danach beendete ich mein Studium und ging für ein weiteres Studium an die NYU.
„Gabriel, Schatz. Lass uns zu Ende bringen, was wir vorhin angefangen haben“, sagt eine andere Blondine, die auf uns zukommt.
Er schaut zu der Blondine auf und seine Augen werden groß. Es ist der Ich-kann-mich-nicht-mal-erinnern-wer-du-bist Blick. Ich habe ihn schon oft bei Kendrick und Gabriel gesehen. Er schaut mich hilfesuchend an.
„Oh, mach dir keine Gedanken um mich, Gabriel. Ich hatte eine lange Reise. Ich werde mich jetzt ausruhen. Nimm dein Mädel hier und bring zu Ende, was ihr angefangen habt.“
Ich stehe auf und werfe meinen Teller in den Mülleimer. Ich finde Kendrick und sage ihm, dass ich für heute die Segel streiche.
„Bist du sicher, Schwesterherz? Normalerweise bist du diejenige, die die Party aufmischt.“
„Lange Fahrt. Außerdem ändern sich Menschen.“
„Okay. Dann sehen wir uns morgen.“
Als ich oben an der Treppe ankomme, schaue ich nach unten und sehe Gabriel am Fuß der Treppe stehen, der zu mir aufblickt. Die Art, wie er mich ansieht, lässt mich erschaudern. Ich frage mich, wer das besondere Mädchen ist, in das Gabriel laut Kendrick verschossen ist.
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