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Was bleibt: Die Geschichte von John Baker

Autor:in
Jeannie Sharpe
Gelesen
18,9K
Kapitel
41
Autor:in
Jeannie Sharpe
Gelesen
18,9K
Kapitel
41
🏈Sportgeschichten🏃🏿‍♂️Sportler😌Zweite Chancen🎭Drama💔Verbotene Romantik💘Erste Liebe🏙️Zeitgenössisch💪Starke Frauen👩🏻‍🍼Mütter🏡Kleinstadt🏈American-Football-Spieler

Savannah Baker hat ihr Leben auf Loyalität, Routine und dem stillen Glauben aufgebaut, dass Liebe – wahre Liebe – bedeutet, zu bleiben. In Nashville, wo jede Straße eine Erinnerung birgt, dreht sich Savannahs Welt um ihren Ehemann John Baker und ihre beiden Teenager Joseph und Sadie. John ist die Art von Mann, dem man fraglos vertraut: ein hingebungsvoller Vater, eine beständige Stütze, ein Leben, das von außen betrachtet unerschütterlich wirkt.

Doch der Schein trügt oft über das hinweg, was wirklich zählt. Als John nach einem Autounfall um sein Leben kämpft, beginnt das zerbrechliche Fundament ihrer Welt zu bröckeln. Während er um seine Genesung ringt, füllen sich die stillen Momente zwischen ihnen mit Fragen, auf die keiner von beiden eine Antwort weiß. Denn schon lange vor dem Unfall war etwas aus den Fugen geraten. Savannah spürt es an der Art, wie John ihrem Blick ausweicht. Und dann ist da noch Claire Whitmore: ein Name, der nicht in ihr Leben gehört, und es irgendwie doch tut.

Savannah tut das, was sie schon immer getan hat. Sie bleibt. Für Joseph und Sadie. Für die Familie, von der sie glaubt, dass sie es noch wert ist, gerettet zu werden. Doch sie muss erfahren, dass Liebe nicht dasselbe ist wie Vertrauen. John verbirgt etwas, und Savannah geht die Zeit aus, um so zu tun, als wüsste sie es nicht. Als die Vergangenheit sich weigert, begraben zu bleiben, muss sie sich der Frage stellen, der sie ihr ganzes Leben lang ausgewichen ist: Was tut man, wenn der Mensch, den man am meisten liebt, zu jemandem wird, den man nicht mehr wiederkennt?

Kapitel 1: Nach dem Segen

Die Auflaufform war noch warm, als Claire Whitmore über den Parkplatz der Kirche ging und dabei aussah wie eine Frau, die eine Bombe trug.
Menschen strömten in fröhlichen Gruppen aus dem Gemeindesaal; das frühe Bibelstudium am Dienstagmorgen löste sich in Händeschütteln, Abschiede und Pläne für die Chorprobe am Mittwoch auf. Autotüren wurden geöffnet, Kinder flitzten zwischen Stoßstangen umher, und jemand lachte zu laut.
Alles wirkte normal, bis Claire direkt auf sie zukam.
Savannah schob den Auflauf höher gegen ihre Hüfte, während die Hitze durch das gefaltete Küchentuch und die Alufolie drückte. Sie hatte eigentlich nur auf dem Weg zur Schule vorbeischauen wollen, um das Baked Ziti für den Besuchsdienst abzugeben und wieder zu verschwinden, bevor die erste Glocke läutete.
Claire wurde nicht langsamer. Sie warf einen kurzen Blick zur hinteren Parkreihe, wo eine Tür ins Schloss fiel und Schritte einen Moment zu lange verweilten. Dann sah sie wieder zu Savannah und kam weiter auf sie zu.
Normalerweise bewegte sich Claire mit einer einstudierten Herzlichkeit durch die Kirchengemeinde: ein Lächeln stets parat, Komplimente griffbereit, die Stimme leise genug, um eine persönliche Note zu vermitteln. Heute gab es kein Lächeln. Kein Winken. Keine Herzlichkeit. Nur Entschlossenheit.
„Savannah“, sagte Claire, als sie sie erreichte. Ihre Stimme war tief und ruhig. „Hast du kurz Zeit?“
Savannah bewahrte eine höfliche Miene. „Ich liefere das hier gerade bei der Seniorengruppe ab.“
„Es dauert nicht lange.“
Etwas in ihrem Tonfall – vorsichtig, einstudiert, frei von jeglichem Smalltalk – sandte ein leises Warnsignal durch Savannahs Magen. Claire trat näher.
Sie traten ein paar Schritte beiseite, in die schmale Lücke zwischen zwei geparkten SUVs. Nah genug, um den weißen Kirchturm über der Dachlinie zu sehen. Nah genug, um sich schutzlos zu fühlen.
Am anderen Ende des Parkplatzes stand Mrs. Talbert, die Schlüssel um einen Finger geschlungen, und tat so, als würde sie nicht starren.
„Ich wollte nicht, dass du es von jemand anderem erfährst“, sagte Claire.
Savannah blinzelte einmal. „Was erfahren?“
Claire sah ihr in die Augen. „John und ich haben eine Affäre.“
Die Worte explodierten nicht. Sie schlugen ein. Schwer. Präzise. Endgültig.
Eine Autotür in der Reihe daneben verharrte halb geschlossen.
Einen fassungslosen Moment lang glaubte Savannah, sich verhört zu haben. „Wie bitte?“, fragte sie in einem Tonfall, der ruhig genug war, um als bloße Verwirrung durchzugehen. Es war dieselbe Stimme, mit der sie ein Kind auf dem Flur zurechtwies.
„Wir sehen uns schon länger“, sagte Claire. „Seit Monaten.“
Monate.
Der Parkplatz wurde plötzlich brutal hell, Sonnenlicht blitzte auf jeder Windschutzscheibe auf.
Die Hitze drückte stärker durch die Folie. Für eine wilde, lebhafte Sekunde stellte Savannah sich vor, wie sie die Form anhob und sie Claire direkt gegen die gebügelte weiße Bluse schleuderte. Keramik, die zersplitterte. Käse und Soße, die an ihren Perlen herabliefen. Das Schnappen nach Luft von der halben Gemeinde. Das Bild war so scharf, dass es sie fast zum Lächeln brachte.
Stattdessen trat Savannah so nah in Claires persönlichen Bereich, bis keine von beiden mehr so tun konnte, als gäbe es noch Distanz.
„Du hast in meiner Küche gebetet“, sagte Savannah.
Claire schluckte. „Ich weiß.“
Hinter ihnen quiekte ein Kleinkind vor Lachen. Jemand rief nach seinem Sohn. Ein Lkw-Radio krächzte zum Leben. Die Welt besaß die Frechheit, einfach weiterzumachen.
Savannah wartete auf Reue. Eine Entschuldigung. Irgendetwas. Nichts kam.
„Eigentlich sollte ich dir diesen Auflauf an den Kopf werfen“, sagte Savannah.
Der erste Riss erschien in Claires Miene. „Aber das bist du nicht wert.“
Claire starrte sie an.
Savannah trat zurück.
Einen Moment lang sah es so aus, als wollte Claire noch etwas sagen. Stattdessen straffte sie die Schultern. „Ich dachte, er hätte es dir inzwischen gesagt.“ Dann drehte sie sich um und ging davon.
Sie beeilte sich nicht. Sie blickte nicht zurück. Claire überquerte den Parkplatz mit derselben ungerührten Ruhe, mit der sie gekommen war, als hätte sie auch den Abgang einstudiert.
Savannah stand so lange wie erstarrt da, bis sie ihren Puls im Zahnfleisch spüren konnte.
Ehrlichkeit.
Das war das Wort, in das Claire das Ganze einzuhüllen versucht hatte. Als würde Verrat edel werden, wenn man ihn auf einem Kirchenparkplatz laut aussprach.
Savannah ging zu ihrem Auto, ohne sich umzusehen. Der Auflauf war jetzt doppelt so schwer. Sie stellte ihn vorsichtig auf den Beifahrersitz und schloss die Tür.
Dann kam die Übelkeit. Nicht dramatisch. Nicht wie im Film. Eine scharfe, demütigende Welle, die die Welt zur Seite bog. Sie krallte sich am Lenkrad fest und atmete tief durch die Nase.
John wusste nicht, dass sie es wusste. Dieser Gedanke traf sie härter als das Geständnis.
Seit Monaten.
Sie sah ihr gemeinsames Bett vor sich. Die Kücheninsel, an der er jeden Morgen seinen Kaffee trank. Den Abendtisch, an dem er das Haupt beugte und Gott für das Essen dankte, das sie gekocht hatte.
Hatte er in letzter Zeit anders gewirkt? Hatte sie Zeichen übersehen, die alle anderen sahen? Hatten die Leute Mitleid mit ihr gehabt?
Die Übelkeit stieg erneut auf.
Anstatt auszuparken, fuhr sie schief auf den Gemeindesaal zu und hielt nahe dem Seiteneingang. Herbert Long kam gerade mit einem Klapptisch aus der Tür.
„Herbert“, rief sie durch das offene Fenster.
Er rückte seine Brille zurecht. „Guten Morgen, Savannah.“
„Könntest du das hier bitte für die Seniorengruppe mit reinnehmen? Mir ist nicht gut.“
Besorgnis trat in sein Gesicht. „Alles in Ordnung mit dir?“
„Ja“, sagte sie automatisch.
Er hob die Form vom Beifahrersitz. Die Folie knisterte. Der Duft von warmer Pasta erfüllte die Luft, als hätte sich auf der Welt rein gar nichts verändert.
„Sag Mrs. Henderson, dass ich sie später anrufe.“
„Wird gemacht.“
Savannah kurbelte das Fenster hoch, bevor er noch etwas fragen konnte. Dann fuhr sie auf die Straße. Ihre Hände blieben ruhig am Steuer, trotz des Zitterns, das sich in ihrer Brust ausbreitete.
Sie würde ihn anrufen. Sie würde ihn zwingen, Rede und Antwort zu stehen.
Während sie durch die Stadt fuhr, spielten Claires Worte in perfektem Rhythmus immer wieder ab. Kein Schuldgefühl. Kein Schmerz. Einstudiert.
Ihr Handy klingelte. Das Geräusch schnitt wie Glas durch das Auto. Sie erstarrte, als sie seinen Namen sah.
John.
Sein Name leuchtete auf dem Display ihres SUV auf. Sie ließ es klingeln. Stille füllte den Wagen. Dann klingelte es erneut.

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