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Wette auf dich

Autor:in
S. September
Gelesen
15,7K
Kapitel
32
Autor:in
S. September
Gelesen
15,7K
Kapitel
32
🏍️Bad Boys🕯️Slow Burn🎭Drama☯️Gegensätze ziehen sich an🏙️Zeitgenössisch💪Starke Frauen🤨Fake-Dating

Max lebt für den Nervenkitzel der Jagd – voller Charme, Selbstbewusstsein und mit einem Grinsen, das ihm normalerweise genau das einbringt, was er will. Als ihn also eine waghalsige Wette herausfordert, das Herz eines Mädchens zu erobern, stürzt er sich ohne zu zögern darauf. Ein Kinderspiel, oder? Bis er ihr begegnet. Sie ist bodenständig, scharfsinnig und von seinen üblichen Tricks völlig unbeeindruckt. Plötzlich fühlt sich das Spiel anders an. Was als spielerische Verfolgungsjagd beginnt, verwandelt sich in gestohlene Momente, echtes Lachen und Gefühle, mit denen Max nicht so recht umzugehen weiß. Die Grenzen verschwimmen schnell, und die Einsätze steigen noch schneller. Denn dieses Mal geht es nicht nur ums Gewinnen. Es geht darum, was passiert, wenn die Wahrheit im denkbar ungünstigsten Moment anklopft.

Kapitel 1: Prolog

DIANE

Achtzehn Jahre alt
Oh. Mein. Gott.
Ich flippe komplett aus.
Ich starre auf die zwei rosa Linien auf dem Schwangerschaftstest. Ich habe ihn auf dem Nachhauseweg in der Apotheke gekauft. Das darf einfach nicht wahr sein.
Es muss ein Scherz sein. Ein Streich. Diese Schwangerschaft wird alles ruinieren. Die Eltern meines Freundes halten mich ohnehin schon für asozial. Und ich bin erst achtzehn Jahre alt.
Mein Freund Eric ist zwanzig. Wir haben uns kennengelernt, als er das erste Mal seine Tante und seinen Onkel in Newlands besuchte. Da war er fünfzehn und ich dreizehn. Es war wohl für uns beide Liebe auf den ersten Blick. Wir waren unzertrennlich, wann immer er zu Besuch kam.
Er hat mich gefragt, ob ich seine Freundin sein will, als ich fünfzehn wurde. Der Rest ist Geschichte.
Seine Eltern hassen mich, weil ich angeblich Erics strahlende Zukunft ruinieren werde. Das ist lächerlich. Eric ist der zielstrebigste Mensch, den ich kenne. Ich habe keine Ahnung, wie ich Eric davon erzählen soll. Oder meinen Großeltern. Oder seinen Eltern.
„Hey, Süße“, meldet sich Eric, als ich ihn anrufe.
Ich muss es ihm zuerst sagen. Er ist der Vater.
„Eric, können wir uns heute treffen? Oder morgen? So bald wie möglich. Wir müssen über etwas reden.“
„Was gibt es? Schatz, du machst mir Angst.“ Seine Stimme klingt panisch, und ich muss ihn beruhigen.
„Nein, es ist nichts Schlimmes.“ Nun ja, ist es doch, falls er keine Kinder will.
„Okay. Können wir uns dann ein andermal treffen? Ich bin heute wirklich sehr beschäftigt. Mein Dad lässt mich bis über beide Ohren in Verträgen stecken, die ich durcharbeiten muss.“
Ein Teil von mir will es ihm am Telefon sagen. Aber dann höre ich die Stimme seiner Mutter in meinem Kopf. Sie hat mir gesagt, ich würde ihren Sohn nur ablenken. Ich will ihr nicht recht geben. Also beschließe ich, es ihm persönlich zu sagen. Wann auch immer das sein wird.
„Okay“, sage ich.
„Ich liebe dich“, sagt er.
„Ich dich auch.“ Ich seufze, nachdem ich aufgelegt habe. Das lief ja super.
***
In der nächsten Woche parkt auf meinem Schulweg ein schwarzer SUV direkt vor mir. Ich will gerade die Straße überqueren. Ein Mann in einem schwarzen Anzug öffnet die Hintertür, und Erics Mom – Mrs. McKenzie – steigt aus.
„Diane, Liebes, wie geht es dir? Nun, wie es aussieht, nicht besonders gut.“ Sie mustert mich von oben bis unten.
Ich fühle mich plötzlich unwohl. Sie meint wahrscheinlich mein unordentliches Aussehen. Ich habe Augenringe, weil ich die ganze Woche nicht geschlafen habe.
„Hallo, Mrs. McKenzie. Mir geht es gut“, sage ich.
„Schätzchen, steig doch mal für eine Minute ins Auto. Ich möchte kurz mit dir reden.“ Sie wartet nicht einmal auf meine Antwort, bevor sie wieder einsteigt.
Der Fahrer begleitet mich zur anderen Seite und öffnet mir die Tür.
„Ähm … aber wir müssen uns beeilen. Ich muss in dreißig Minuten woanders sein.“
„Kein Problem, Liebes“, sagt sie mit einem falschen Lächeln. Plötzlich breitet sich ein furchtbares Gefühl der Angst in meinem Bauch aus.
„Also, ich habe dir ein Angebot zu machen“, sagt sie.
Jetzt bin ich wirklich verwirrt.
„Was für ein Angebot, Ma'am?“
„Nun, Liebes, ich weiß von deinem kleinen Problem.“ Sie blickt kurz auf meinen Bauch.
Ja, dieses furchtbare Gefühl der Angst ist jetzt voll da.
Ich versuche, mich dumm zu stellen. „Was für ein Problem?“
„Oh, hör auf mit dem Mist, kleines Mädchen. Das ist mein Angebot: Du nimmst diese ... diese Brut von dir und verlässt diese Stadt. Ich gebe dir die Chance auf einen Neuanfang, damit die Leute nicht über dich urteilen. Du weißt, wie es in dieser Stadt läuft. Jeder kennt die Angelegenheiten der anderen.“
Was? Woher weiß sie von der Schwangerschaft? Und warum macht sie mir dieses Angebot?
„Aber warum wollen Sie, dass ich die Stadt verlasse? Wohin soll ich gehen? Meine Familie zurücklassen? Ich ... ich ...“
„Sieh mal, du wirst Eric nur noch mehr ablenken, wenn du ein Baby hast. Ich möchte, dass er sich zuerst auf seine Karriere konzentriert. Dann wird er zu dir zurückkommen, Süße.“
„Zu mir zurückkommen? Was?“ Ich bin immer noch verwirrt.
„Ja, ich habe mit Eric gesprochen. Wir haben entschieden, dass dies die beste Lösung ist. Schätzchen, Eric hat gesagt, dass er in seinem jungen Alter von zwanzig Jahren nicht die Bürde einer Familie tragen möchte.“
Was? Er weiß von dem Baby? Deshalb hat er mich wahrscheinlich seit einer Woche nicht mehr besucht. Normalerweise sehen wir uns jeden zweiten Tag.
„Eric weiß von dem Baby?“, frage ich.
„Natürlich weiß er das, Süße. Ich sehe, dass du mir nicht glaubst, also schau dir das an.“
Sie holt ihr Handy heraus und zeigt mir eine Reihe von Nachrichten zwischen Erics Nummer und ihrer.
Eric
Was! Sie ist schwanger? Ich will das nicht, Mom. Ich will diese Bürde nicht tragen. Sag ihr, sie soll es abtreiben.
Mrs. McKenzie
Nein, mein Sohn, das meinst du nicht ernst.
Eric
Doch, Mom. Ich habe mein ganzes Leben noch vor mir. Ich brauche diesen Stress nicht in meinem Leben.
Mrs. McKenzie
Na gut. Wie wäre es, wenn wir sie bitten, die Stadt für ein paar Jahre zu verlassen? Vielleicht bis du fest im Berufsleben stehst. Dann kann sie zurückkommen. Denn mein Schatz, ich weiß, dass du sie liebst.
Eric
Okay cool, Mom. Das werden wir ihr sagen. Ich hoffe, sie hört zu. Sie kann ein bisschen stur sein. Bitte sag du es ihr, denn sonst werde ich nachgeben und sie wahrscheinlich heiraten. Nur um sie dann in ein paar Jahren dafür zu hassen.
Mrs. McKenzie
Kein Problem, mein Sohn.
Ich kann nicht glauben, was ich da sehe. Das kann nicht Eric sein. Der Mann, den ich liebe. Der Mann, der mich genauso sehr liebt, wenn nicht sogar noch mehr.
Ich versuche, ihn anzurufen. Er soll mir das ins Gesicht sagen. Leider geht nur die Mailbox ran. Das sagt mir alles, was ich wissen muss.
Ich beschließe auf der Stelle, dass ich Eric von seinen Pflichten als Vater befreien werde. Wo es doch so eine große Bürde für ihn wäre. Außerdem will ich nicht, dass er mich hasst.
Am nächsten Tag verlasse ich Newlands. Ich will keine Schande für meine Eltern sein. Und ich will nicht, dass Eric mich hasst.

JESSICA

11 Jahre alt
„Geh mir aus dem Weg, Streberin!“ Ivy schubst mich auf dem Sofa weiter von sich weg und schnappt sich die Fernbedienung.
Meine Mom ist die leitende Hausangestellte auf dem Anwesen von Ivys Familie. Sie beaufsichtigt fünf Zimmermädchen, drei Gärtner und zwei Hausmeister. Ja, das Anwesen der Cromptons ist wirklich so riesig. Aus diesem Grund hat meine Mom hier ihre eigenen Räumlichkeiten.
Ich liebe meine Mom. Seit ich denken kann, gibt es nur sie und mich.
Ich weiß, dass mein Vater irgendwo da draußen in der Welt ist. Aber sonst weiß ich nur wenig über ihn. Ich weiß nur, dass er und meine Mom sich getrennt haben. Danach fand sie heraus, dass sie mit mir schwanger war, aber sie konnte ihn nie wiederfinden. Ich merke, dass diese Geschichte meine Mom traurig macht. Also frage ich nie nach ihm. Ich mag es nicht, wenn meine Mom traurig ist.
Mr. Crompton, Ivys Vater, ist ziemlich nett. Aber der Rest der Familie? Eher nicht. Wobei wahrscheinlich keine Frau nett wäre, wenn sie wüsste, dass ihr Ehemann alles vögelt, was einen Rock trägt. Das ist jedoch keine Ausrede dafür, meine Mutter und mich wie Dreck zu behandeln.
Ich habe das große Glück und gleichzeitig das Pech, auf dieselbe Schule wie Ivy Crompton zu gehen. Ihre Eltern – na ja, ihr Vater – bezahlen meine Schulbildung, seit ich acht Jahre alt bin. Damals fing meine Mutter an, für sie zu arbeiten.
Ich nenne es Glück, weil ich auf eine Eliteschule gehen darf. Es ist allerdings Pech, weil Ivy fast immer keine Gelegenheit auslässt, um mich in der Schule zu schikanieren.
Ich bin jetzt in der sechsten Klasse. Und ich muss mich immer noch mit Ivy und ihren fiesen Freundinnen herumschlagen. Ich meine, im Ernst. Sollte ich nicht langsam mal meine Ruhe haben? Wir sind schließlich keine kleinen Kinder mehr.
„Uff!“ Ich ducke mich zu spät. Ivy trifft mich mit einem Kissen.
„Warum hast du das getan?“, platzt es sofort aus mir heraus.
Erst nachdem ich das gesagt habe, erkenne ich das Böse in ihren Augen. Ich habe nur Öl ins Feuer gegossen. Sie liebt es, wenn ich ihr Widerworte gebe. Das bedeutet nämlich, dass sie noch gemeiner zu mir sein kann. Ich sehe das Böse in ihren Augen aufblitzen, bevor sie brüllt: „Mom, Jessica hat mich gerade mit einem Kissen geschlagen! Und sie lässt mich nicht fernsehen!“
Ihre Mutter stürmt den Flur hinunter ins Wohnzimmer und verpasst mir einen Schlag auf den Kopf.
„Woher nimmst du die Frechheit, mein kleines Mädchen zu schlagen, hm?“, fragt sie mich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Also schweige ich einfach und schaue nach unten.
„Kleine Göre, du siehst mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede! Du und deine Mutter, ihr seid so undankbar“, schnauzt sie und belohnt mich mit einem weiteren Schlag auf den Hinterkopf. „Diese Familie hat alles für euch getan. Und trotzdem seid ihr respektlos und nehmt keine Rücksicht auf uns. Du wirst diesen Monat kein Taschengeld bekommen, junge Dame.“
Das Taschengeld ist mir egal. Ivy nimmt es mir ohnehin immer ab.
Später in dieser Nacht bete ich zu Gott. Ich bete, dass er mir und meiner Mom hilft, diese Schikanen durchzustehen. Ich bete auch darum, dass ich später einen guten Job finde. Dann kann ich für meine Mom sorgen, und wir müssen nicht mehr von den Cromptons abhängig sein.
Ich bete, dass Gott meiner Mutter ein wenig Freude im Leben schenkt. Ich sehe, wie das Leuchten in ihren Augen jeden Tag mehr erlischt. Und wo ich schon dabei bin, verfluche ich auch gleich noch meinen Samenspender.

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