
Wilde Flammen Serie Buch 1: Skandalös
Autor:in
Amber Kuhlman
Gelesen
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Kapitel
41
Kapitel 1
RENEE
Die Musik war ohrenbetäubend, aber die Demütigung war noch lauter. Die Stimmung auf der Party war überwältigend. Der Bass dröhnte bis in mein Trommelfell und drohte es zum Platzen zu bringen, während der Gestank nach Alkohol in meiner Nase und meinen Lungen brannte. Mein Herz sehnte sich danach, dem Chaos zu entfliehen, aber meine Loyalität hielt mich fest. Ich war für ihn hier, obwohl es schmerzte.
Ich quetschte mich in die überfüllte Küche, wobei meine Schultern die Wand streiften, während ich den Raum nach seinem Gesicht absuchte. Er hatte versprochen, dass er hier sein würde, um auf mich zu warten.
Ein betrunkenes Mädchen stieß mit mir zusammen und schüttete ihr Bier über mein Oberteil. Anstatt sich zu entschuldigen, kicherte sie nur, während ihre glasigen Augen nichts als Gleichgültigkeit widerspiegelten.
„Schon gut“, murmelte ich, aber sie taumelte bereits davon. Ich sah an meinem nassen Shirt herab und seufzte. Das hier war jetzt schon eine Katastrophe. Als ich mich umdrehte, um die Toilette zu suchen und mich wieder zu sammeln, hallte mein Name in meinen Ohren wider.
„Renee!“, rief eine männliche Stimme über die Menge hinweg. Ich drehte mich um und hoffte, dass es die Person war, wegen der ich hier war. Während ich in der Menschenmenge nach der Quelle der Stimme suchte, kam ein Teenager auf mich zu.
„Oh, hi“, sagte ich und täuschte Gleichgültigkeit vor, als er näher kam. „Aaron, richtig?“ Ich wusste bereits, wer er war, aber ich dachte, cool zu bleiben, wäre im Moment der beste Ansatz.
„Richtig.“
„Ich suche Matt. Er hat mich heute Abend hierher eingeladen.“
In Aarons Gesichtsausdruck lag etwas, das ich nicht deuten konnte. Er nickte und zuckte mit den Schultern, wobei er verlegen aussah. „Ja, Matt wartet oben auf dich.“
„Oben? Wirklich?“ Ein Funke der Aufregung entzündete sich in meinem Bauch. Das war es. „Danke, Aaron.“ Ich grinste jetzt, begeistert, dass ich gekommen war, während ich mich durch die Menge schlängelte und nach oben ging. Ich merkte nicht, dass Aaron mir folgte, bis ich vor einer geschlossenen Tür stehen blieb und zu ihm hinübersah. Er nickte einmal, und ich drückte die Klinke herunter und öffnete die Tür.
Matt lag völlig nackt auf dem Bett, während sich ein dunkelhaariges Mädchen um seine Mitte schlang. Beide sahen zu mir auf, als sich die Tür öffnete, und das Mädchen fauchte etwas, das meine Ohren nicht einmal erreichte. Matt sah mich über ihren Kopf hinweg an und lächelte. Mein Magen krampfte sich zusammen, und Übelkeit stieg in mir auf.
Ich wollte kotzen.
„Schön, dass du kommen konntest, Renee“, sagte Matt mit einem lockeren Lachen. „Willst du mitmachen? Zu dritt ist es immer besser als zu zweit.“
Ich wich aus dem Schlafzimmer zurück und stolperte blindlings gegen Aaron, der die Hände ausstreckte, um mich festzuhalten. Mir stieg die Kotze in meiner Kehle auf, aber ich schluckte sie hinunter und konzentrierte mich stattdessen auf die Tränen.
„Sorry, Ren“, sagte Aaron. Das Schlimmste daran war, dass er wirklich bedauernd aussah, was alles nur noch schlimmer machte.
„Oh, hey, Renee“, sagte eine zweite Stimme, und Jake Denny, der Sportler der Schule und einer von Matts besten Freunden, trat hinter Aaron auf. „Matt hat schon auf dich gewartet. Willst du nicht reingehen?“ Er lachte spöttisch, und ich war kurz davor mich zu übergeben, sodass ich es schon schmecken konnte. Tränen brannten hinter meinen Augenlidern und drohten überzulaufen.
„Ich muss gehen“, murmelte ich und senkte das Kinn, damit sie die Tränen nicht sahen. Ich machte auf dem Absatz kehrt und eilte an Aaron und Jake vorbei. Jake lachte immer noch, und sogar Aaron lächelte jetzt. Ich verachtete sie dafür.
Hör auf, so eine Besserwisserin zu sein, Renee.
Wie geht es der Jungfrau von Lyon heute?
Hey, Brillenschlange, hast du schon mal was von Kontaktlinsen gehört?
Ich hasste sie alle. Ich hasste mich selbst dafür, dass ich jemals geglaubt hatte, Typen wie Matt, Aaron und Jake könnten etwas anderes als erbärmlich sein.
Während ich mich durch die Menge der Partygäste drängte, um meine Jacke zu suchen, war der Bass der Musik überwältigend, und für einen Moment blieb ich mitten im Raum stehen und versuchte, mich zu sammeln. Ich schloss die Augen, um durch den Schmerz zu atmen. Den Herzschmerz. Den Verrat.
„Gehst du schon so bald, Ren?“, rief eine männliche Stimme durch den Raum, und eine Welle aus Panik gemischt mit Ekel überrollte mich.
Ich drehte mich auf der Stelle um, den Blick auf Matt gerichtet, der gerade die Treppe herunterkam. Das Mädchen war nicht mehr bei ihm, aber er zog sich immer noch den Reißverschluss seiner Jeans hoch, während er mich anvisierte und durch den Raum auf mich zukam.
Ich wartete unter Schock, als mir klar wurde, dass ich den Jungs und der restlichen Party einfach nur beweisen würde, dass ich wirklich so lahm und erbärmlich war, wie alle immer dachten, wenn ich jetzt versuchte abzuhauen.
„Hey“, sagte Matt und fuhr sich mit den Fingern durch das dunkle Haar.
Er lächelte, als hätte er einem Freund nur einen harmlosen Streich gespielt. Er lächelte, als hätte er mir nicht gerade das verdammte Herz aus der Brust gerissen und darauf herumgetrampelt.
„Tut mir leid deswegen. Verstehst du keinen Spaß oder was?“ Er streckte die Hand aus, um meinen Arm zu berühren, aber ich fuhr herum und sah ihn wütend an. In einem wilden Moment der Verzweiflung brach die Wut aus meiner Brust, und ich riss meine Hand zurück, während ich einen Schritt von ihm wegmachte.
„Es tut dir nicht leid“, flüsterte ich. „Das war Absicht. Das alles war Absicht. Es tut mir nur leid, dass ich jemals dachte, auch nur einer von euch dreien könnte ein halbwegs anständiger Mensch sein.“
Über Matts Kopf hinweg beobachteten Jake und Aaron unseren Wortwechsel vom oberen Ende der Treppe aus. Ich kniff die Augen zusammen, als ich meinen Blick wieder auf Matt richtete.
„Hör gut zu!“, sagte ich in der Hoffnung, dass meine Stimme nicht zitterte. „Wenn du jemals wieder versuchst, mit mir zu reden, mich anzusehen oder mich zu verarschen, werde ich den Rest meines Lebens damit verbringen, dafür zu sorgen, dir das Leben zur Hölle zu machen.“
„Whoa, Ren –“ Matt hob abwehrend die Hände, überrascht von meiner untypischen Reaktion.
„Halt deine verdammte Fresse“, zischte ich. Jahrelange Qualen, Wut, Herzschmerz und Angst vor diesen drei Männern brachen aus mir heraus, eine heiße und blinde Wut, die ich in mir selbst kaum wiedererkannte, als ich ihn musterte. „Du bist ein Arschloch.“
Trotz des Chaos und des Lärms im Raum wusste ich, dass er mich hören konnte, und ich war froh darüber.
„Du bist ein Fießling, ein Player und ein beschissener Mensch.“
Ich löste meinen Blick kurz von Matts Gesicht in Richtung Aaron und Jake am oberen Ende der Treppe. Jake grinste nicht mehr, denn er sah, dass Matt nicht mehr die Oberhand hatte. Ich genoss es. Mein Blick glitt zurück zu Matts Gesicht, während Stolz meine Brust erfüllte. Seine Augen waren kalt. Dunkel. Voller Hass.
Das war mir scheißegal. Nicht in diesem Moment. Dieser Moment gehörte mir.
„Ihr alle drei seid Monster. Das wart ihr schon immer. Also, das ist meine letzte Warnung.“
Ich trat nach vorne, bis ich nur noch wenige Zentimeter von Matts Gesicht entfernt war. Er wich nicht zurück, und unsere Körper drückten sich aneinander, als ich mich vorbeugte, während meine Lippen sein Ohr streiften. Sein Geruch war berauschend, und ich hasste ihn dafür.
„Vergiss meinen Namen, Matt, und sag deinen verdammten Freunden, dass sie das Gleiche tun sollen.“
Matt blieb still und tat nicht einmal so, als würde er mich ernst nehmen. Stattdessen streckte er die Hand aus und berührte meine Wange. Schwelende Glut entzündete sich in mir und entfachte ein Feuer tief in meinem Bauch.
Sein Lächeln war so siegessicher – dieses gefährliche, verdammte Grinsen war das Letzte, was ich sah, bevor ich meinen Arm zurückzog und ihm mit der Kraft eines Güterzuges auf die Nase schlug.
Blut spritzte aus Matts Gesicht, als er rückwärts taumelte, über einen Riss im Teppich stolperte und hinfiel. Die entsetzten Schüler um mich herum ignorierend, ließ ich mich vor ihm auf ein Knie nieder, mein Gesicht nur wenige Zentimeter von seinem entfernt.
„Merk dir eins, Matt. Ich werde dir die Hölle heißmachen, wenn ich jemals wieder mit dir zu tun habe.“
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