
Auf Umwegen Buch 2
Autor:in
Madelyn Jane
Gelesen
19,7K
Kapitel
20
In einer Welt, in der Liebe und Überleben untrennbar miteinander verbunden sind, wird die leidenschaftliche Beziehung von Ada und Cayden auf unerbittliche Weise geprüft. Von geheimnisvollen Ställen bis hin zur gefährlichen Reise nach Kilcoran wird ihre Bindung durch gesellschaftliche Verachtung, eine unerwartete Schwangerschaft und gewalttätige Bedrohungen auf die Probe gestellt. Während sie diese Herausforderungen meistern, werden Adas Stärke und Caydens unerschütterliche Treue auf die ultimative Probe gestellt. Wird ihre Liebe den Sturm überstehen oder werden die Schatten ihrer Vergangenheit sie auseinanderreißen?
Kapitel Eins
Buch 2
ADA
Etwa ein oder zwei Stunden später hörte ich jemanden näherkommen. Ich traute mich nicht, über den Rand des Holzbalkens zu schauen. Was, wenn es keiner der Männer war?
Ich sah mich nach etwas um, womit ich mich verteidigen könnte, und merkte, dass ich wieder mal nichts dabei hatte. Aus meinen früheren Fehlern hatte ich wohl nichts gelernt.
Die Schritte verstummten und für einen Moment herrschte Stille.
„Ausnahmsweise hast du mal auf mich gehört.“ Caydens Gesicht tauchte auf. Er stand auf einem der großen Futterbehälter. Überrascht beugte ich mich vor und küsste ihn.
Ich schmeckte Blut auf seinen Lippen und sah einen Schnitt in seinem Gesicht. Ich weiß nicht warum, aber in diesem Moment überkam mich plötzlich die Lust auf ihn.
Er kletterte auf den Balken und küsste mich weiter. „Was ist los?“, fragte er und hielt kurz inne.
„Ich saß hier ewig und malte mir die schlimmsten Dinge aus ... stellte mir vor, wie mein Leben jetzt ohne dich wäre ... wie es wäre, noch jemanden zu verlieren, der mir viel bedeutet.“
„Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen. Ich bin da.“
Aber das reichte mir nicht, oder wenn doch, glaubte ich es nicht. Wie zuvor zog ich ihn auf mich, schob mit meinen Füßen seine Hose herunter.
Er verstand, worauf ich hinaus wollte, und zog auch meine Hose herunter.
Wir waren gerade mitten dabei, als Caxton kam, um sein Pferd zu holen. Cayden verdrehte die Augen und bedeutete mir, leise zu sein. Zum dritten Mal heute wurden wir gestört.
Immer noch auf mir liegend, stützte er sich mit den Armen neben meinem Kopf ab und wartete, bis unser Freund verschwunden war. Er versuchte krampfhaft, leise zu atmen, und ich konnte nicht anders, als über ihn zu lachen.
Er grinste zurück und begann spielerisch, mein ganzes Gesicht mit Küssen zu bedecken. Endlich verließ Caxton den Stall. Er hatte uns nicht bemerkt, also konnte Cayden zu Ende bringen, was wir angefangen hatten.
Für einen Moment ließ er sich auf mich sinken, und ich schlang Arme und Beine um ihn, während ich ihn küsste.
Nachdem er wieder zu Atem gekommen war, zogen wir uns an, und er sah sich um, ob die Luft rein war. Er sprang zuerst auf den Boden und half mir dann herunter.
Hand in Hand schlenderten wir durch das Getreide zu den Feldern, im Wissen, dass unser Geheimnis sicher war.
***
Die nächsten Wochen verliefen sehr ähnlich. Wir aßen zusammen, kämpften zusammen und tranken zusammen.
Ich fragte mich, ob sich je etwas ändern würde, und hoffte insgeheim, dass es so bliebe. Ich konnte sehen, wie die anderen Männer mit der Zeit gelangweilt wurden. Sie hatten die Nase voll davon, immer das Gleiche zu tun.
Meine Kampffähigkeiten hatten sich stark verbessert, und ich gewann öfter Kämpfe, na ja, gewann auf eine Art. Ich konnte die Männer länger auf Abstand halten, sie zu Boden werfen und sogar überraschen.
Wie Cayden mir gesagt hatte, war Padriac der beste Kämpfer. Keiner der Männer, manchmal nicht einmal Cayden, konnte ihn je besiegen. Es lag nicht daran, dass er stärker war, sondern an seiner besseren Technik und Genauigkeit.
Das brachte er mir bei, und dadurch wurde ich selbstsicherer im Kampf. Padriac war großartig darin, die Grundlagen zu vermitteln, während Cayden mir beibrachte, mit dem Schwert umzugehen.
Wir stellten fest, dass Cayden sich beim Ringen mit mir nicht gut beherrschen konnte, was oft dazu führte, dass er Pausen einlegte, damit wir allein sein konnten.
Zumindest beim Schwertkampf kamen wir uns nicht so nahe.
Cayden und ich fanden immer Zeit, um unter uns zu sein. Der Ort, an dem wir uns zum ersten Mal getroffen hatten, der Balken im Stall, war der beste Platz für uns, um ungestört zu sein.
Es war nicht gerade romantisch, bequem oder warm, aber es war alles, was wir hatten. Seit jener ersten Nacht auf dem Feld war Cayden sehr beschützend mir gegenüber geworden.
Die Männer hatten früher Kommentare über mein Aussehen gemacht, aber jetzt wussten sie, dass sie das besser bleiben ließen. Er sorgte sogar dafür, dass keiner von ihnen Witze darüber machte, dass wir zusammen waren.
Ich dachte, das wäre seine Art zu zeigen, dass ich ihm wichtig war, und fragte mich, ob es aus Stolz oder Liebe geschah. In dieser Zeit kamen mir Zweifel an unserer Beziehung.
Ich fand es schwer zu verstehen, warum er so liebevoll zu mir war, wenn wir allein waren, sich aber anders verhielt, wenn wir bei den anderen Männern waren.
Oft verdrängte ich meine Gefühle und redete mir ein, er wolle unsere Beziehung einfach privat halten.
Diese Sorge kam schließlich auf, als wir eines Tages durch die Felder schlenderten. Wir waren ziemlich weit vom Haus entfernt, fast an der Stelle, wo wir zum ersten Mal miteinander geschlafen hatten.
Normalerweise gingen wir schweigend, sprachen nur hier und da über Kleinigkeiten. Zusammen zu sein war alles, was für uns zählte.
Ich wollte ihn gerade umarmen, als wir einen der Sklaven sahen. Er sah uns wütend an und spuckte in unsere Nähe auf den Boden. Ich blickte zu Cayden und fühlte mich elend.
Für die Sklaven, Menschen, die ich mein ganzes Leben lang gekannt hatte, war ich eine Verräterin. Ich hatte mich in unseren Feind verliebt, einen Mann, dessen Volk unser Dorf eingenommen, unsere Lieben getötet und sie nun zu Sklaven gemacht hatte.
In den letzten Monaten hatte ich in meiner eigenen heilen Welt gelebt, ohne darüber nachzudenken, was wirklich in Kilcoran vor sich ging. Ich schämte mich in Grund und Boden.
Cayden schrie dem Mann ein Schimpfwort auf Dänisch zu und zog mich weiter ins Feld. Wir setzten uns auf einen großen Felsen mit Blick über das Getreide.
„Ich habe die Nase voll davon, mich zu verstecken. Ich will zurück in mein Land ... in mein Haus ... und mein Bett. Wo wir unsere Ruhe hätten“, sagte er genervt.
„Du würdest mich mitnehmen?“, fragte ich ihn und wollte Kilcoran am liebsten auf der Stelle verlassen und vergessen. Wir schliefen jetzt seit fast drei Monaten miteinander, und er hatte nie über unsere Zukunft gesprochen.
Bis jetzt hatte ich nur an unser tägliches Leben zusammen gedacht, mir nie vorgestellt, dass wir woanders hingehen würden. Ich fragte mich, ob Heirat etwas war, das die Dänen überhaupt praktizierten.
Ich nahm an, dass er mich überhaupt heiraten wollte. Technisch gesehen war ich immer noch seine Sklavin – er konnte mir einfach befehlen, überallhin mit ihm zu gehen.
Aber wenn er mich liebte, was würde ihn bei mir halten? Meine Frage ließ ihn innehalten und mich ernst ansehen.
„Cailín, ich will nie von dir getrennt sein.“ Er sah mich weiter an, als suche er nach einer Antwort. „Fühlst du nicht genauso?“
„Doch.“
„Dann würde ich dich natürlich mitnehmen. Ich würde dich sogar mitnehmen, wenn du nein sagtest“, versuchte er zu scherzen, etwas, das wir beide zu tun schienen, wenn es ernst wurde.
„Cayden, wer bin ich für dich?“, fragte ich schließlich nach einem Moment der Stille. Ich zog meinen Umhang eng um mich, als könnte er mich vor einer Antwort schützen, die ich nicht hören wollte.
„Was für eine Frage ist das? Du bist meine Frau.“
„Bin ich nur eine Frau aus diesem Dorf, mit der du ins Bett gehen kannst, wann immer du willst?“
„Denkst du wirklich so von mir? Nach der Zeit, die wir in den letzten Monaten zusammen verbracht haben?“
„Was soll ich denken? Es fällt mir schwer, dich zu verstehen, wenn es um etwas anderes als Kämpfen oder Sex geht.“
„Na ja, das stimmt nicht, im Kampf verstehst du mich auch nicht“, sagte er scherzend in der Hoffnung, unser Gespräch zu beenden. Seufzend machte ich mich bereit, vom Felsen zu klettern.
Er hielt mich auf, legte seine Hand auf mein Bein. Wenn er versuchte, mich zu verführen, würde er auf Granit beißen. Ich sah zu ihm auf, bereit, ihn anzufahren.
„Ada, ich liebe dich“, sagte er, und plötzlich verschlug es mir die Sprache. Damit hatte ich nicht gerechnet.
„Wirklich?“
„Ist das nicht offensichtlich?“
„Nein.“
„Wie meinst du das? Ich verbringe meine ganze Freizeit mit dir. Ich habe alles getan, um dich zu beschützen.“
„Woher soll ich wissen, dass du nicht alle deine Frauen so behandelst?“
„All meine Frauen? Was soll das überhaupt heißen?“, fragte er sichtlich verärgert. Ich war gerade dabei, mit diesen Fragen alles kaputt zu machen, was er mir gesagt hatte.
Das war nicht ich, die sich davor schützte, verletzt zu werden; es war meine Unsicherheit, die sich zeigte. Ich saß einen Moment still da und dachte darüber nach, was ich wirklich wissen wollte.
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