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Die Wilden von Blackwood 3: Beau

Autor:in
Amber Kuhlman
Gelesen
22,0K
Kapitel
28
Autor:in
Amber Kuhlman
Gelesen
22,0K
Kapitel
28
🕵️‍♂️Mystery & Thriller👯‍♂️Umgekehrter Harem😱Thriller👩🏽‍🎓Studierende💪🏻Beschützer🔺Dreier

Nach dem Feuer zerbrechen die Rogues unter der Last von Geheimnissen, die Blackwood nicht begraben will. Keanes Visionen werden gefährlich scharf, Teagues Temperament gerät außer Kontrolle und Beaus Zwänge verschlimmern sich, während sie aufdecken, was unter der Akademie wirklich geschieht – illegale Therapiesitzungen, versteckte Patienten und der Beweis, dass Grants Einfluss niemals endete. Während Eve gegen ihre eigene Angst und die Lügen kämpft, mit denen Sodder sie füttert, schließen die drei Jungen die Reihen um sie herum, verbunden durch Besessenheit, Liebe und das gemeinsame Versprechen, das zu schützen, was sie zusammen sind. Doch je tiefer sie in Blackwoods Keller graben, desto deutlicher wird es: Jemand beobachtet sie noch immer… und man will Eve zurück.

Kapitel 1

BEAU

Die Klippe roch noch immer nach Rauch. Drei Wochen waren vergangen, und es schien, als weigere sich die Erde, zu vergessen. Der Wind vom Wasser schmeckte nach Salz und Asche, und wenn ich ihn einatmete, war es, als würde ich Erinnerungen in mich aufsaugen: verbranntes Haar, versengte Farbe, den Klang ihrer Stimme, wenn sie meinen Namen schrie.
Der Ozean tief unter mir schlug gegen die Felsen, grau und endlos, und irgendwo unter all diesem Lärm hätte ich schwören können, immer noch die Sirenen zu hören. Ohne es zu wollen, zählte ich die Wellen. Eins. Zwei. Drei. Sobald der Rhythmus brach, fing ich wieder von vorne an.
Mein Kiefer spannte sich an, wenn ich mich verzählte, beim falschen Wellenschlag, bei der falschen Stille zwischen den Geräuschen. Ich versuchte, es zu ignorieren, aber der Rhythmus bohrte sich unter meine Haut und verlangte nach Ordnung, wo keine war.
Grant Warrick sollte tot sein. Das Feuer hätte ihn auslöschen sollen. Das redete ich mir immer wieder ein, während ich meinen Weg über den geschwärzten Boden suchte. Meine Stiefel knirschten über Glassplitter, die wie sterbende Sterne glitzerten.
Jedes Teil des alten Gebäudes glich nun einem Grabstein: verkohlte Ziegel, verdrehtes Metall, die Überreste dessen, was einst Sicherheit bedeutet hatte.
Eve dachte, ich käme hierher, um Frieden zu finden. In Wahrheit suchte ich nach Beweisen. Nach dem Beweis, dass Grant Warrick nicht mehr da war. Nach dem Beweis, dass die Welt ihr keine Gründe mehr gab, zusammenzuzucken. Nach dem Beweis, dass das Monster, das sich in ihr Leben gebrannt hatte, endlich mit allem anderen zu Asche zerfallen war.
Ich ging dort in die Hocke, wo das Fundament zur Klippe abfiel. Der Geruch von Öl hing schwer, dicht und klebrig in der Luft, als würde der Geist des Feuers noch immer aus den Rissen sickern. Ich streckte die Hand aus und drückte zwei Finger auf den rußigen Felsen. Nicht die ganze Handfläche. Nur zwei. Immer zwei.
Ich redete mir ein, es läge daran, dass der Rest meiner Hand kalt war, aber die Wahrheit war viel hässlicher. Sie war tief in meinen Knochen verankert und starr.
Der Stein war eiskalt. Es war diese Art von Kälte, die einem direkt ins Mark fuhr. Ich zog meine Hand zurück und drückte dann, ohne nachzudenken, genau dieselben zwei Finger wieder auf dieselbe Stelle. Diesmal fester. Um den Druck anzugleichen. Um es auszugleichen.
Mein Puls raste, als sich der Winkel falsch anfühlte, also korrigierte ich ihn und drückte erneut zu. Und noch einmal. Noch ein weiteres Mal. Ein letztes Mal. Drei. Immer drei. Erst dann ließ ich meine Hand sinken.
Ein Hauch von Bewegung huschte hinter mir vorbei.
„Beau.“ Teagues Stimme klang leise und rau von zu vielen schlaflosen Nächten. Er kam nicht näher. Das tat keiner von uns mehr. Seit dem Feuer schlichen wir umeinander herum wie Geister, die sich noch daran erinnerten, am Leben zu sein. „Du solltest nicht hier draußen sein.“
„Mir geht es gut.“ Eine Lüge. Meine Kehle schnürte sich zu, sobald die Worte heraus waren. Ich schluckte zweimal, dann einmal, und dann noch einmal, um es auszugleichen, und die Anspannung in meinem Kiefer löste sich gerade genug, damit ich atmen konnte.
Teague widersprach nicht. Daran erkannte ich, dass es ihm auch nicht gut ging. Ich ließ meinen Blick auf dem Stein vor mir ruhen und folgte der gezackten Kante der Klippe, bis der Nebel sie verschluckte.
Die Flut schlug so heftig gegen die Felsen, dass mir die Gischt ins Gesicht spritzte. Das kalte Wasser schnitt durch den Rauch, der noch immer in der Luft hing. Für einen Moment stellte ich mir einen Schatten im Nebel vor: groß, reglos, beobachtend. Dann war er verschwunden.
Vielleicht hatte ich den Verstand verloren. Vielleicht hatten wir das alle. Die Akademie war seit dem Feuer halb geschlossen. Dr. Sodders „Untersuchung“ war nur ein weiteres Theaterstück. Wir wussten, dass sie genauso viel Angst hatte wie wir anderen auch. Das Personal flüsterte hinter unserem Rücken, als hätten wir das Streichholz angezündet.
Die anderen Patienten hielten Abstand und bekreuzigten sich, wenn wir an ihnen vorbeigingen.
Keane genoss das sogar. Er mochte es schon immer, das Monster in ihren Geschichten zu sein. Aber selbst er war jetzt ruhiger. Schärfer. Als würde er sich seine Stimme für etwas Schlimmeres aufsparen. Und Eve… Gott, Eve. Sie lächelte zwar, aber es erreichte nie ihre Augen. Wenn sie träumte, schrie sie im selben Atemzug.
In manchen Nächten rollte sie sich an mich und zitterte bis zum Morgengrauen. In anderen Nächten kam sie zu keinem von uns.
Wir drei umkreisten sie wie Wölfe, die eine bereits flackernde Flamme bewachten. Ich strich mit der Hand über den Felsen und verschmierte den Ruß an meinen Fingern. Es störte mich sofort. Der Schmutz war ungleichmäßig, links verschmiert, rechts heller. Falsch.
Ich rieb mit dem Daumen über die andere Seite, um es anzugleichen. Zu viel. Ich wischte noch einmal, etwas sanfter. Nicht genug. Mein Atem stockte.
Ich ballte meine Hand so fest zur Faust, dass meine Knöchel knackten. Das Verlangen, es in Ordnung zu bringen, es auszubalancieren, kratzte hinten in meiner Kehle wie ein Schrei. Aber bevor ich daran zerbrach, bevor ich nachgab, drehte sich der Wind. Und da sah ich es.
Ein Wort, tief in den Stein geritzt: MEINS. Die Buchstaben waren ungleichmäßig, zackig, mit etwas Scharfem hineingeschnitten. Ruß füllte die Rillen, und als ich meine Finger in eine der Linien drückte, war sie noch warm. Warm.
Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Dann hämmerte es los. Zu schnell. Zu heftig. Vier Schläge hintereinander, die aus dem Takt waren. Ich knirschte mit den Zähnen und tippte mit dem Daumen gegen meinen Oberschenkel. Eins. Zwei. Drei. Vier. Nochmal. Eins. Zwei. Drei. Vier. Es brachte nichts. Die Panik blieb.
Teague trat hinter mich. „Was ist los?“, fragte er.
Ich antwortete nicht. Ich konnte nicht. Meine Kehle war wie zugeschnürt, meine Brust viel zu eng. Ich zeigte nur darauf.
Er starrte auf die Markierung, seine Augen verengten sich, seine Schultern wurden steif. „Nein“, murmelte er. „Nein, das… Er ist…“
„Tot?“, beendete ich seinen Satz. Meine Stimme klang fremd, als würde sie über Schotter kratzen. „Sag mir das noch einmal. Sag mir, dass er tot ist.“
Teague schwieg. Wir beide wussten, was die Wärme bedeutete. Jemand war hier gewesen. Vor Kurzem. Das Wort lag zwischen uns wie ein Herzschlag. MEINS. Fünf Buchstaben, die nichts hätten bedeuten sollen und sich doch tiefer in uns schnitten als jede Klinge.
Meine Finger hörten nicht auf zu zucken. Ich versteckte sie in meinen Taschen, bevor Teague es bemerkte.
Ich zwang mich aufzustehen. Meine Knie knackten. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich nicht sagen konnte, ob es aus Angst oder Wut war. Oder wegen des drängenden, aufdringlichen Bedürfnisses, zurückzugehen und jeden Buchstaben nachzufahren, um meinen Daumen gleichmäßig in jede Rille zu drücken.
Ich drehte mich zu den Ruinen des Gebäudes um und starrte auf die geschwärzte Hülle, die einst die Blackwood Academy gewesen war. Eine Möwe schrie über uns und ihr Schrei verzerrte sich im Wind zu etwas beinahe Menschlichem.
„Er spielt mit uns“, sagte ich. „Er will, dass wir wissen, dass er noch am Leben ist.“
Teague fluchte leise, wich ein paar Schritte zurück und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Das wird Keane gar nicht gefallen“, sagte er.
„Nein“, murmelte ich. „Er wird es lieben.“
Denn Keane hatte nur auf einen Grund gewartet. Das hatten wir alle. Ich strich mir mit den Händen über die Jeans, aber der Ruß verteilte sich, auf dem rechten Bein dunkler als auf dem linken. Ungleichmäßig. Falsch. Ich rubbelte fester, bis beide Beine gleich aussahen. Erst als die Flecken übereinstimmten, hielt ich inne.
Grants Botschaft brannte sich wie ein Brandmal hinter meine Augen. MEINS.
Wenn er am Leben war, dann bedeutete alles, was wir getan hatten, alles, was wir seit jener Nacht aufgebaut hatten, gar nichts. Es war nur eine Pause vor dem nächsten Schlag.
„Geh“, sagte ich leise zu Teague. „Geh zurück, bevor jemand merkt, dass wir weg sind.“
„Und du?“
„Ich komme nach.“
Er zögerte, nickte einmal und verschwand im Nebel. Als ich wieder allein war, hockte ich mich neben das Wort. Mein Spiegelbild schimmerte auf dem feuchten Stein, die Augen zu hohl, das Gesicht zu alt.
Ich streckte die Hand aus und fuhr mit der Kante meines Daumens über den letzten Buchstaben, bis er sich in meine Haut schnitt. Der Schnitt blühte rot vor dem schwarzen Ruß auf, ein perfektes Spiegelbild dessen, was dieser Bastard hinterlassen hatte.
„Es war ein Fehler von dir, zurückzukommen“, flüsterte ich.
Der Wind antwortete und trug den Geruch von Rauch und Salz mit sich, von etwas Uraltem und Zornigem. Der Rhythmus des Ozeans veränderte sich. Schon wieder falsch. Um einen Takt verschoben. Mein Puls stolperte, um sich daran anzupassen. Ich schloss die Augen und atmete durch das Chaos hindurch.
Als ich sie wieder öffnete, war der Nebel dichter geworden. Aber durch ihn hindurch sah ich ein Flackern, eine Bewegung an der Baumgrenze oberhalb der Klippe.
Eine Gestalt. Groß. Reglos. Beobachtend.
Noch bevor ich blinzeln konnte, war sie verschwunden. Ich blieb, bis meine Finger taub wurden und die Flut näher kroch, um die Felsen zu verschlucken.
Dann drehte ich mich um und ging den Weg zurück nach Blackwood, wobei meine Stiefel schwarze Fußspuren in der Asche hinterließen.
Die Akademie ragte vor mir auf, bedrohlich wie ein Geist, die Fenster vernagelt, die Wände vernarbt. Sie roch immer noch nach Rauch und Medizin. Irgendwo drinnen schlief Eve und träumte von einem Frieden, den sie nicht hatte. Sie würde diese Markierung niemals zu Gesicht bekommen. Dafür würde ich sorgen.
Denn wenn Grant sie noch einmal beanspruchen wollte, wenn er es wagte, das zu berühren, was unser war, musste er zuerst an mir vorbei. Und dieses Mal würde ich nicht bei Blut haltmachen.

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