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Die Millennium Wölfe

Autor:in
Sapir Englard
Gelesen
🔥219M
Kapitel
47
Autor:in
Sapir Englard
Gelesen
🔥219M
Kapitel
47
🐺Übernatürlich🌼Jungfrau🙅Widerwilliger Gefährte🎭Drama🐺Werwölfe & Gestaltwandler👩‍❤️‍👨Wahrer Gefährte💘Schicksalsgefährten💪🏻Beschützer🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy💪🏻Alpha-Männchen

Die Hitze – ist die Zeit des Jahres, in der jeder Werwolf von Lust übermannt wird und alle wie verrückt vögeln. Alle außer mir. Ich wartete. Wartete auf diesen Moment, diesen plötzlichen unbeschreiblichen Blick der Erkenntnis, wenn sich zwei Augenpaare finden. Egal, was passierte, ich war fest entschlossen, dieses Jahr die Hitze zu überstehen, ohne meinen primitiven Trieben nachzugeben.

Aber das war, bevor ich Alpha Aiden Norwood in all seiner Pracht traf. Ich war überwältigt. Wollte, bettelte, brauchte ihn, musste ihm näherkommen. Und er wollte mich auch. Kein Mädchen hatte ihm je widerstanden...

Der Alpha am Fluss

Sienna

Alles, was ich sehen konnte, war Sex.
Überall, wo ich hinsah, zitterten Körper. Gliedmaßen bewegten sich. Münder stöhnten.
Ich rannte keuchend durch einen Wald. Ich versuchte, den fleischlichen Geistern um mich herum zu entkommen. Sie schienen mich zu rufen. Sie sagten: Schließ dich uns an …
Aber je tiefer ich in die Wälder rannte, desto dunkler und lebendiger wurde der Wald.
Einige Bäume wiegten sich hin und her wie Liebende. Andere mit knorrigen Wurzeln und dünnen Ästen sahen aus wie Raubtiere. Sie kamen näher. Sie jagten mich.
Etwas da draußen im Dunkeln jagte mich. Etwas Unmenschliches.
Und jetzt stöhnten die Münder nicht mehr. Sie schrien.
Überall wurden groteske Orgien gewalttätig. Blutig. Lebensbedrohlich.
Jede Sekunde würde mich die Dunkelheit einholen.
Der Sex würde mich erwürgen.
Ich spürte, wie sich eine Wurzel um mein Bein schlang. Ich stolperte und fiel in ein tiefes Loch in der Mitte des Waldes. Aber es war kein Loch.
Es war ein Mund. Mit scharfen Zähnen und einer schwarzen Zunge. Er leckte sich die Lippen und wollte mich ganz verschlucken.
Ich versuchte zu schreien, aber ich hatte keine Stimme.
Ich fiel.
Weiter.
Tiefer.
Bis ich eins mit dem gewalttätigen, sexuellen Wahnsinn war … völlig verschlungen.
***
Ich blinzelte. Was zur Hölle zeichnete ich da?
Ich saß am Flussufer, das Skizzenbuch in der Hand. Fassungslos starrte ich auf mein eigenes Werk. Ich hatte eine sehr verstörende … und sexuelle Vision gezeichnet.
Das konnte nur eines bedeuten: Der Haze kam.
Aber bevor ich weiter über den Haze oder meine Zeichnung nachdenken konnte, lenkte mich ein Kichern in der Nähe ab. Ich drehte mich um und sah eine Gruppe Mädchen, die ihn umringten.
Aiden Norwood.
Ich hatte ihn hier noch nie gesehen. Nicht an dem Flussufer, wo ich hingehe, um zu zeichnen und den Kopf frei zu bekommen. Man findet hier nicht viele von unserer Art.
Warum? Ich weiß es nicht.
Vielleicht liegt es an der Ruhe, wenn von uns immer erwartet wird, wild zu sein. Vielleicht liegt es am Wasser, wenn jeder von uns innerlich brennt. Oder vielleicht ist es einfach ein Ort, den ich immer als meinen eigenen betrachtet habe.
Ein geheimer Ort, an dem ich nicht zum Rudel gehöre. Wo ich einfach nur ich bin, Sienna Mercer. Eine neunzehnjährige rothaarige, autodidaktische Künstlerin. Ein scheinbar normales Mädchen.
Der Alpha ging auf das Wasser zu. Er ignorierte die Schar von Mädchen, die ihm folgte. Er sah aus, als wollte er in Ruhe gelassen werden. Das machte mich neugierig. Es weckte in mir den Wunsch, ihn zu zeichnen.
Klar, ich wusste, dass es riskant war, den Alpha zu zeichnen. Aber wie konnte ich widerstehen?
Ich fing an, ihn zu skizzieren. Er war fast zwei Meter groß. Er hatte zerzaustes, pechschwarzes Haar und goldgrüne Augen, die ihre Farbe zu wechseln schienen, wenn er den Kopf drehte. Aiden war einfach zum Anbeißen.
Ich fing gerade an, diese Augen zu zeichnen, als er den Kopf drehte und schnupperte.
Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Wenn er mich jetzt sehen würde, wenn er sehen würde, was ich da zeichnete …
Aber dann sah er zu meiner Erleichterung wieder auf das Wasser hinaus. Er versank erneut in dunklen Gedanken. Selbst umgeben von anderen wirkte der Alpha einsam. Also zeichnete ich ihn allein.
Ich hatte ihn immer nur aus der Ferne beobachtet. Ich war ihm noch nie so nah gewesen. Aber jetzt konnte ich sehen, wie sich sein Bizeps unter dem Hemd abzeichnete. Wie sich seine Wirbelsäule krümmte, um sich seiner Verwandlung anzupassen.
Ich stellte mir vor, wie schnell er sich verwandeln könnte. Vornübergebeugt, mit suchenden Augen wie ein wildes Tier. In diesem Moment schien er schon fast verwandelt zu sein.
Ein Mann, ja. Aber noch viel mehr ein Werwolf.
Seine Schönheit erinnerte mich daran, dass der Haze kurz bevorstand. Es war die Zeit im Jahr, in der jeder Werwolf ab sechzehn Jahren vor Lust verrückt wird. Die Zeit, in der jeder – und ich meine wirklich jeder – wie verrückt fickt.
Ein- oder zweimal im Jahr befiel dieser unberechenbare Hunger, dieses körperliche Bedürfnis, uns alle im Rudel.
Wer keinen Gefährten hatte, suchte sich stattdessen einen Partner auf Zeit und tobte sich nach Herzenslust aus.
Mit anderen Worten: Niemand im Rudel über sechzehn war noch Jungfrau.
Als ich Aiden jetzt ansah, fragte ich mich, ob die Gerüchte über ihn stimmten.
Ob das einer der Gründe war, warum er hier war. Warum er die Mädchen ignorierte und am Flussufer grübelte.
Einige sagten, es sei Monate her, dass Aiden eine Frau mit ins Bett genommen hatte. Dass er auf Abstand zu allen ging.
Warum? Eine geheime Gefährtin? Nein, die Klatschmäuler im Rudel hätten sie längst aufgespürt.
Was war es dann? Was sollte aus unserem geliebten Alpha werden, wenn er beim Haze keine Partnerin hatte?
Das geht dich nichts an, schalt ich mich selbst. Was kümmerte es mich, wen Aiden vögelte?
Er war zehn Jahre älter. Wie die meisten Werwölfe interessierte er sich nur für jemanden in seinem eigenen Alter.
Für Aiden Norwood, den Alpha des zweitgrößten Rudels in den Vereinigten Staaten, existierte ich nicht. Wenn ich von meiner Schulmädchen-Schwärmerei absah, wusste ich, dass das auch besser so war.
Michelle, meine beste Freundin, wollte mir unbedingt einen Fickfreund suchen. Sie hatte sich bereits im Voraus einen Partner gesucht. Das war bei ungepaarten Wölfen vor dem Haze so üblich.
Sie hatte versucht, mich mit drei Freunden ihres Bruders zu verkuppeln. Sie schienen alle ganz anständig zu sein und hatten offen gesagt, dass sie mich gut für eine heiße Nummer im Bett fanden. Michelle konnte nicht verstehen, warum ich jedem von ihnen einen Korb gegeben hatte.
„Ugh.“ Ich konnte Michelles Stimme fast in meinem Kopf nachhallen hören.
„Warum bist du immer so verdammt wählerisch, Mädchen?“
Weil die Wahrheit war, dass ich ein Geheimnis hatte.
Mit meinen neunzehn Jahren war ich die einzige Wölfin in unserem ganzen Rudel, die noch Jungfrau war. Ich hatte schon drei Saisons durchgemacht. Egal wie sexbesessen ich auch wurde, ich hatte meinen fleischlichen Begierden nie nachgegeben.
Ich weiß. Es war sehr unwölfisch von mir, mich um „Gefühle“ und das „erste Mal“ zu scheren. Aber mir bedeutete das viel.
Es war nicht so, dass ich prüde war. In unserer Gesellschaft gab es so etwas nicht. Aber im Gegensatz zu den meisten Mädchen weigerte ich mich, mich mit irgendwem zufriedenzugeben. Ich wollte warten, bis ich meinen Gefährten gefunden hatte.
Ich würde ihn finden.
Ich hob mir meine Jungfräulichkeit für ihn auf.
Wer auch immer er sein mochte.
Ich zeichnete den Alpha weiter. Als ich aufblickte, sah ich zu meiner Überraschung und meinem plötzlichen Schrecken, dass er nicht mehr da war.
„Nicht schlecht“, hörte ich eine tiefe Stimme neben mir. „Aber an den Augen könntest du noch etwas arbeiten.“
Ich drehte mich um und sah, wer direkt neben mir stand und auf meine Skizze hinabsah …
Aiden.
Fucking.
Norwood.
Bevor ich Luft holen konnte, sah er auf und unsere Blicke trafen sich. Ich spannte mich an, als mir klar wurde, dass ich ihm direkt in die Augen sah. Ich schaute sofort weg.
Niemand, der bei klarem Verstand war, wagte es, dem Alpha in die Augen zu sehen.
Das konnte nur eins von zwei Dingen bedeuten: Entweder stellte man die Dominanz des Alphas infrage – also ein Todeswunsch. Oder man lud den Alpha zum Sex ein.
Da ich keins von beiden vorhatte, war meine einzige Möglichkeit, wegzusehen, bevor es zu spät war. Ich betete, dass er meinen Blick nicht falsch verstehen würde.
„Verzeihung“, sagte ich leise, nur um sicherzugehen. „Du hast mich überrascht.“
„Ich bitte um Entschuldigung“, sagte er. „Ich wollte dich nicht erschrecken.“
Diese Stimme. Selbst wenn er die höflichsten Worte sagte, die man sich vorstellen konnte, klangen sie voller Bedrohung. Als könnte er einem jeden Moment mit seinen bloßen menschlichen Zähnen die Kehle herausreißen.
„Alles gut“, sagte er. „Wirklich. Ich beiße nicht … meistens zumindest.“
Ich war so nah, dass ich die Hand ausstrecken und seine sich abzeichnenden Muskeln und seine goldene Haut berühren konnte. Ich hob den Blick und riskierte, ihn anzusehen.
Ein brutales, kantiges Gesicht, das eigentlich nicht gut aussehen sollte, es aber tat. Dichte Augenbrauen, die sich bestimmt rau anfühlten. Wie eine Andeutung seiner Werwolfgestalt.
Und eine Nase, die zwar leicht schief war – zweifellos in einer vergangenen Schlägerei gebrochen –, was aber seinem Aussehen, das so sexy war, dass es fast wehtat, keinen Abbruch tat.
Der Alpha trat einen Schritt näher, als wollte er mich testen. Ich spürte, wie sich jedes Haar auf meinem Körper vor Angst aufstellte. Oder … war es Versuchung?
„Wenn du mich das nächste Mal zeichnest“, sagte Aiden, „dann komm näher.“
„Oh … okay“, stammelte ich wie eine Idiotin.
Und dann, genauso schnell, wie er aufgetaucht war, drehte sich Aiden Norwood um und ging. Er ließ mich allein am Fluss zurück. Ich seufzte und spürte, wie sich jeder Muskel in meinem Körper entspannte.
Es passierte nicht alle Tage, dass man den Alpha außerhalb des Rudelhauses sah, dem Hauptquartier für alle Rudelangelegenheiten. Meistens sahen wir den Alpha bei Versammlungen oder Bällen. Immer bei formellen Anlässen.
Was heute hier passiert war, war etwas Seltenes.
Ich konnte an den eifersüchtigen Blicken von Aidens verehrenden Fans, die ihm hierher gefolgt waren und ignoriert wurden, schon erkennen, dass dies schnell außer Kontrolle geraten könnte.
Schon ein Hauch von Interaktion mit einer Frau, besonders mit einer jungen, gewöhnlichen Wölfin wie mir, würde reichen. Es würde die geilsten Schlampen in einen Rausch versetzen, sodass sie die Wände des Rudelhauses einreißen würden, nur um ihn zu probieren.
Ein Ereignis von solchem Ausmaß würde den Alpha mit Sicherheit stressen. Und ein gestresster Alpha bedeutete einen gestörten Alpha. Was wiederum ein gestörtes Rudel bedeutete … ihr versteht schon.
Niemand wollte das.
Ich beschloss, bei dem wenigen Tageslicht, das noch übrig war, meine Zeichnung zu beenden, um den Kopf frei zu bekommen. Nur der Fluss und ich, ganz in Ruhe.
Aber alles, was ich sehen konnte, waren Aiden Norwoods Augen.
Und wie falsch ich sie gezeichnet hatte. Der Alpha hatte recht. Ich konnte es besser machen.
Wenn ich nur … näher herankommen könnte. Aber wann würde ich ihm jemals wieder so nah sein?
Damals wusste ich noch nicht, was ich heute weiß. Dass in wenigen Stunden der Haze beginnen würde.
Dass ich mich in ein sexbesessenes Biest verwandeln würde. Und dass Aiden Norwood, der Alpha des East-Coast-Rudels, eine sehr herausragende Rolle bei meinem sexuellen Erwachen spielen würde …
Es war genug, um ein Mädchen zum Heulen zu bringen.

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