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Das unmoralische Angebot Buch 6

Autor:in
S. S. Sahoo
Gelesen
17.7K
Kapitel
10
Autor:in
S. S. Sahoo
Gelesen
17.7K
Kapitel
10
👩🏻‍🍼Mütter🏙️Zeitgenössisch👯Zwillinge

Angelas und Xaviers scheinbar perfektes Leben gerät aus den Fugen, als ihre Kinder Leah und Ace während einer Feier verschwinden. Während sie sich durch das Chaos von Elternschaft, Geschäftsvorhaben und Familiendynamiken kämpfen, sehen sie sich unerwarteten Herausforderungen gegenüber, die ihre Widerstandskraft und Einigkeit auf die Probe stellen. Von einem Hausbrand über ein mögliches Sponsoring-Angebot in Europa bis hin zur plötzlichen Notwendigkeit, sich um Angelas kranken Vater zu kümmern – ihre Reise ist eine Achterbahn der Gefühle und Enthüllungen.

Eine neue Normalität

ANGELA

"Okay, versammelt euch Kinder!", krähte ich. "Es ist Zeit für ein Foto!"
Ich lächelte, als ein Chor aus aufgeregtem Gequietsche und genervtem Stöhnen ertönte. Die kleinen Mädchen fanden sich für das Foto zusammen, während die Jungen ihr Bestes taten, um zu entkommen.
Ich erinnerte mich daran, dass ich als Kind Angst davor hatte, Gruppenfotos zu machen.
Partys waren nicht für Fotos da, sondern für Spielzeit.
Und was für ein Ort zum Spielen das ist.
Ich schaute mich in der schönen Landschaft um.
Eine weitläufige Wiese mit saftigem Gras wurde von einem Labyrinth aus Blumenbeeten eingerahmt. Der Wald, der das Grundstück umgab, wiegte sich in der Sommerbrise. Ein großer Party-Pavillon spendete Schatten für Tische, die mit Essen und Erfrischungen gefüllt waren.
Es war schwer zu glauben, dass ich diesen Ort meinen Hinterhof nennen konnte.
Es sah aus wie eine Szene direkt aus einem Märchenbuch.
"Siehst du dir die Sehenswürdigkeiten an?"
Ich drehte mich um und fand Em, mit einer Eistüte in der einen und einer Kamera in der anderen Hand. Ich nahm ihr die Kamera mit einem Lächeln ab.
"Solltest du dich nicht inzwischen an diesen Ort gewöhnt haben?", fragte sie.
"Das heißt aber nicht, dass ich nicht aufhören kann, an den Rosen zu riechen", antwortete ich.
"Ja. Rosen." Em sah sich in den Blumengärten um. "Und Tulpen, und Gänseblümchen, und Lilien, und Orchideen, und Gardenien..."
Ich lachte und erinnerte mich an die Zeit, als ich Teilzeit in Em's Blumenladen gearbeitet habe.
Das schien eine Ewigkeit her zu sein.
Es war schwer zu glauben, dass sich mein Leben in nur wenigen Jahren so drastisch verändert hatte.
Selbst jetzt denke ich immer noch, dass ich plötzlich in Em's winziger New Yorker Wohnung aufwachen werde und all das ein verrückter Traum gewesen sein wird.
Aber es war alles echt.
Em und ich hatten beide Familien. Wir hatten Kinder. Und wir hatten so viele wunderbare Menschen auf unserem Weg getroffen.
Eine Menge Leute hatten sich zu diesem besonderen Tag bei mir und Xavier zu Hause versammelt.
Papa hatte hinter dem riesigen Grill seine Zelte aufgeschlagen und grillte voller Inbrunst. Er trug seine berüchtigte "Wag es nicht, den Chefkoch zu küssen"-Schürze und seine New York Giants-Mütze, um seine Augen vor der Sonne zu schützen.
Lucille stand pflichtbewusst an seiner Seite und verteilte Teller und Servietten an die ungeduldigen Leute, die eine Kostprobe von Dads Grillkünsten haben wollten. Sie half immer noch in unserem neuen Haus in Connecticut, aber nicht mehr auf Vollzeitbasis.
Ich erblickte Marlena Marlboro und Penny unter dem Schatten des Pavillons, in ein Gespräch vertieft. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass sie fachsimpelten. Der Kunstmogul war mit Brad gut befreundet gewesen, und es schien, als hätte sie Gefallen an seinem Nachfolger gefunden.
Wenn du nur hier sein könntest, Brad...
Ich lachte, als ich sah, wie Lucas und Danny versuchten, die Kinder für das Gruppenfoto zusammenzutreiben. Viele Freunde hatten ihre Familien mitgebracht, und der Tag war erfüllt von Gesang und Lachen.
"Nicht schlecht, Angie", rief eine vertraute Stimme, "aber wo sind die Marmorstatuen? Wo ist das Pièce de Résistance zu diesem besonderen Anlass?"
Ich rollte mit den Augen, als Dustin hinter mir auftauchte, ein strahlendes Lächeln im Gesicht.
"Spät wie immer", witzelte ich.
"Die Ehrengäste kommen immer zu spät", antwortete er lässig, umarmte mich und küsste mich auf beide Wangen. Dustin drehte sich um und tat dasselbe mit Em.
"Wo ist dein Ehemann?" fragte ich Dustin. Er und Jake waren seit ihrer Hochzeit praktisch unzertrennlich gewesen.
"Genau hier!" Jake kam mit einem kleinen Jungen auf dem Arm hinter ihm her. Er lächelte mich an, seine Augen funkelten. "Sag Hallo zu Tante Angie und Em", sagte Jake zu dem Kleinkind.
Der Junge sah zu uns auf, seine großen, braunen Augen weit und neugierig. Er lächelte und stieß ein kleines, glucksendes Lachen aus.
Em und ich schmolzen dahin und beugten uns zu ihm.
"Oh, hallo, kleines Baby", gurrte ich und formte meine Lippen zu einem Kuss in seine Richtung.
Dustin und Jake hatten einen Sohn adoptiert, und ich hatte dieses ganze Treffen geplant, um das zu feiern.
Der kleine DaVinci hat einen großen Empfang verdient.
Er ist so süß!
Als Dustin und Jake mir zum ersten Mal erzählt hatten, dass sie eine Adoption planen, schmolz mein Herz dahin. Der kleine DaVinci kam aus der Republik Kongo, und wenn Dustin und Jake nicht gewesen wären, hätte er ein sehr hartes Leben gehabt.
Die beiden wollten dem kleinen DaVinci die Welt schenken, und ich bewunderte sie dafür.
"DaVinci kommt gerade rechtzeitig für das Gruppenfoto", sagte ich. Lucas und Danny waren endlich damit fertig, die Kinder zusammenzutrommeln.
Der kleine Knirps lachte und klatschte in die Hände, und Dustin lächelte stolz. "Er sehnt sich nach dem Rampenlicht", sagte er melodramatisch.
"Ich frage mich, von wem er das hat", stichelte Em.
Jake ging los, um DaVinci zu den anderen Kindern zu bringen. Ich unterdrückte ein Gähnen. Ich hatte bis tief in die Nacht gearbeitet, um die perfekte Feier zu planen.
Ich wollte ihm mit der Kamera folgen, aber Dustin legte eine Hand auf meinen Arm.
"Geht es dir gut?", fragte er mich, seine Stimme plötzlich ernst.
Ich blinzelte, überrascht von seiner Frage. "Natürlich", sagte ich. "Warum sollte ich das nicht?"
"Du siehst... müde aus."
"Das alles zu planen ist harte Arbeit", scherzte ich. "Ich musste schließlich eine Veranstaltung für den Dustin Sterling organisieren. Dein neues Stück, das in der Met Collection ausgestellt ist, verdreht allen die Köpfe, habe ich gehört."
"Natürlich. Es ist ja schließlich von mir. " Dustin lächelte und ließ das Thema fallen. "Und wenn du das sagst. " Er sah Jake und DaVinci hinterher. "Ich weiß nicht, wie du das machst, Angie. Ich habe schon alle Hände voll zu tun mit meinem kleinen Jungen ... und du hast Zwillinge."
Ach, darum geht es also.
"Sie können ganz schön anstrengend sein", gab ich zu. "Aber ich würde sie für nichts auf der Welt eintauschen."
Ich liebe meine Kinder bis zum Mond und wieder zurück.
Die Lichter meines Lebens.
Die Äpfel meiner Augen…
"Hey, Angie." Ich drehte mich um und sah Lucas rüberkommen . "Ich kann Leah und Ace nicht finden. Siehst du sie irgendwo?"
Ich suchte schnell den Hinterhof ab und achtete darauf, die Lieblingsverstecke meiner Kinder zu überprüfen.
Sie waren nicht da.
Ein Anflug von Angst durchfuhr mich, aber ich schob ihn weg. Es waren nur meine mütterlichen Instinkte, die auf Hochtouren liefen. Sie waren nicht in Gefahr.
Ich reichte Dustin die Kamera. "Geh und mach Gebrauch von deinem künstlerischen Talent, ja?"
Ich wartete seine Antwort nicht einmal ab. Ich ging hinein, um meine Kinder zu suchen.
Die müssen doch hier irgendwo sein...

XAVIER

Ich schaute stirnrunzelnd auf meine Rolex.
"Wie weit ist es noch, Marco?"
"Nur ein paar Minuten", sagte er mir.
Ich seufzte, als ich aus dem Fenster schaute und die wunderschöne Landschaft von Connecticut verschwommen vorbeizog. Es war ein weiter Weg vom Betondschungel, der das Herz von New York darstellte.
Durch diesen Ort zu fahren, fühlte sich an wie durch den Central Park zu fahren.
Als wenn der Central Park ein ganzer Staat wäre.
Aber die schöne Landschaft konnte mich nicht von einer einfachen Tatsache ablenken:
Ich war zu spät.
Was bringt es, einen Privatjet zu besitzen, wenn es immer noch zu Verspätungen auf der Startbahn kommt?
Ich hatte keinen Zweifel daran, dass meine schöne Frau verärgert sein würde, dass ich zu spät kam, aber es ließ sich nicht ändern.
X-Label hob ab, und die Sterne waren mein Ziel.
Ich war in meinem Element. Ich hatte mir lukrative Deals mit Distributoren von LA bis Tokio gesichert. Im Laufe von fünf Jahren florierte meine Destillerie in Brooklyn. Wir hatten sogar Pläne, an neue Standorte auf allen Kontinenten zu expandieren.
Und das Beste von allem, es war meine Firma.
Es war mir nicht in die Hand gegeben worden.
Xavier Knight war zurück, und besser als je zuvor.
Aber all der Erfolg auf der Welt war nichts im Vergleich zu dem, was zu Hause auf mich wartete.
Kein Geschäftsabschluss konnte mich jemals mit vollem Herzen und einem dummen Grinsen auf dem Stuhl halten - zumindest nicht so wie Angela.
Marco fuhr endlich unsere lange, kurvige Auffahrt hoch. Ich sprang praktisch aus dem BMW, als er zum Stehen kam.
Ich ging herum, öffnete den Kofferraum und nahm ein paar Flaschen X-Label-Whiskey heraus. Ich konnte das Lachen und die Musik aus dem Hinterhof hören, und nahm mir einen Moment Zeit, um das alles zu genießen.
Das Leben war perfekt.
Und unser schönes Haus aus Stein und Glas war ein perfekter Ort, um unsere Familie großzuziehen.
Ich folgte dem hellen, marmorierten Weg, der um das Haus herum zu unserem Hinterhof führte.
"Verflixt nochmal !"
Wer ist das?
Ich fand Angelas Geschäftspartnerin Zoe, die sich abmühte, einen riesigen Wagen zu schieben, der fast doppelt so groß war wie sie. Eine Schutzhülle war darüber drapiert, um zu verbergen, was sich darunter befand.
"Brauchst du Hilfe?" rief ich.
Zoe drehte sich um, ihr Gesicht errötete.
"Bitte", sagte sie. "Das ist wahrscheinlich der schwerste Kuchen in der ganzen Galaxie."
"Hier drunter ist ein Kuchen?" fragte ich ungläubig. Ich klopfte an das Glasgehäuse unter dem Deckel. Das Ding war fast so groß wie ich selbst.
"Die Veranstaltung ist für den König und die Königin des gesamten Universums. Zumindest, wenn es nach den Sterlings selbst geht." sagte Zoe, als ob diese Erklärung die süße Monstrosität rechtfertigen würde.
Ich stellte mir den extravaganten Künstler und seinen Mode-Guru-Ehemann vor. Ehrlich gesagt tut es das schon irgendwie.
Gemeinsam schoben wir den Wagen in den Hinterhof. Ich schaute mich nach allen um, die sich für die Party versammelt hatten.
Kennen wir wirklich so viele Menschen?
Ich suchte nach meiner Familie, konnte sie aber nicht finden.
Ken schaute von einer Bank auf, als wir vorbeigingen.
"Na, sieh mal an, wer sich entschlossen hat, hier aufzutauchen", stieß er hervor.
"Ich habe Kuchen mitgebracht", sagte ich und tippte auf den versteckten Wagen. Ken sah erschöpft aus, ein leichter Schweißschimmer stand ihm auf der Stirn. "Bist du okay?"
"Schon ", grunzte er. "Du wärst auch müde, wenn du den ganzen Tag Fleisch geschnippelt hättest."
Er sah ein wenig mehr als nur "müde" aus, aber ich ließ es durchgehen. Ken war ein stolzer Mann. Das Letzte, was er wollte, war, dass sich sein Schwiegersohn Sorgen um ihn machte.
"Hast du Angela und die Kinder gesehen?" fragte ich.
"Sie sind wahrscheinlich irgendwo drinnen", sagte er. "Viel Glück, sie in dieser Villa zu finden. Ich habe mich verlaufen, als ich versuchte, zum Badezimmer zu gelangen."
"Normalerweise stellen wir auf Partys Schilder auf..."
Ken bellte ein Lachen heraus. "Du weißt, dass etwas nicht stimmt, wenn du eine Karte brauchst, um pinkeln zu gehen."
Zoe und ich trudelten ein. Sie führte mich zum Pavillon und sorgte dafür, dass die Torte im Mittelpunkt der Party stand.
"Alles klar, Leute!" rief Zoe. "Wer will Kuchen?"
Alle begannen sich zu versammeln, begierig darauf, einen Blick auf das zu werfen, was sich unter dem Gehäuse befand. Ich sah, wie Dustin und sein Ehemann nach vorne gingen, ihr Kind zwischen sich wiegend.
"Er ist ein süßer Junge, nicht wahr?"
Ich drehte mich um und fand Penny neben mir stehen.
Es gab eine Zeit, da wäre ich vor ihr zurückgeschreckt. Sie von der Party verdammt. Aber das war eine alte Geschichte.
Trotz unserer... komplizierten Vergangenheit, waren wir enge Freunde geworden.
Ich drehte mich wieder zu Dustin und seiner Familie um.
"Sie nannten ihn DaVinci, richtig?"
Penny nickte.
"Du lieber Himmel. Hoffentlich entwickelt er sich gut und behält beide Ohren."
"Das war Van Gogh, Xavier."
"Wie auch immer."
Penny lachte, und ich konnte nicht anders, als auch zu lächeln.
"Hey, hast du..." Aber bevor ich meinen Satz beenden konnte, sah ich sie. Es war erst ein paar Tage her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten, aber ich fühlte mich, als würde ich mich wieder neu verlieben.
Ihr blondes Haar brannte golden in der Sonne; ihre Augen leuchteten blauer als der wolkenlose Himmel über uns. Ich spürte, wie sich meine Lippen zu einem Lächeln verzogen, aber mein Herz sank plötzlich.
Irgendetwas stimmte nicht.
Angela sah erschrocken aus.
Ich ging sofort auf sie zu und schloss sie in meine Arme.
"Was ist los?" fragte ich eindringlich.
"Ich kann Leah und Ace nicht finden", sagte sie, ihre Augen weit vor Angst. "Ich glaube, wir sollten die..."
"Tah-daahhhhhh!" rief Zoe aus. Sie zog den Deckel zurück und enthüllte die Torte...
Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch die Partygäste. Denn im Inneren der Glasvitrine befand sich keine Torte.
Stattdessen kam ein junges Mädchen und ein Junge zum Vorschein. Beide waren mit Kuchenteilen bedeckt, Zuckerguss war in ihre Haare geschmiert.
Leah und Ace.
Leah grinste von einem Ohr zum anderen, während Ace einfach nur da saß, seine großrandige Brille mit Puderzucker beschlagen.
Ich musste lachen; Angela sah mit einem Ausdruck von Erleichterung und Entsetzen zu.
Ein weiterer Tag im Paradies.

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