
You – Buch 2
Autor:in
Chaotic Soul
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Kapitel
11
Kapitel Eins
ASHLEY
„Aufwachen, Schätzchen!“, rief Jake, aber ich kuschelte mich nur tiefer in die Decke und an seine warme Brust.
„Du hast heute Prüfungen und musst in einer Stunde in der Schule sein“, sagte er und zog an meiner Bettdecke. Ich war sofort hellwach. Ach du meine Güte! Ich hatte bis in die Puppen gelernt. Das war seine Schuld.
„Jake, du bist schuld!“, rief ich und sprang aus dem Bett ins Bad.
„Wieso ich? Du hast mich die ganze Nacht begrapscht“, lachte er, und ich stöhnte genervt. Er hatte Recht. Ich hatte den Tag mit ihm vertrödelt, statt zu lernen. Ich duschte im Eiltempo und kam im Bademantel zurück. Er blickte von seinem Handy auf und grinste breit.
„Du siehst einfach zu gut aus, Jake. Ich kann nicht von dir lassen.“ Ich boxte ihn leicht, bevor ich mich anzog, und hörte ihn lachen.
„Das gefällt mir.“
Na klar gefiel ihm das. Ich zog eine schwarze Hose und einen Hoodie an, ohne groß auf mein Aussehen zu achten.
„Ich komme viel zu spät“, sagte ich, band mir hastig die Haare zusammen und schnappte meine Tasche.
„Tschüss.“ Ich beugte mich für einen schnellen Kuss vor, aber er zog mich näher und küsste mich so leidenschaftlich, dass mir die Knie weich wurden. Ich seufzte wohlig, als seine Zunge meinen Mund erkundete, riss mich aber los.
„Jake, ich bin spät dran. Was soll das? Ich bring dich um.“ Ich funkelte ihn böse an, aber er lächelte nur.
„Ich hab doch gar nichts gemacht.“ Er klimperte unschuldig mit den Wimpern.
„Heute Nacht kriegst du nichts“, sagte ich und deutete auf mich.
Er verdrehte nur die Augen. „Klar, das hast du gestern auch gesagt“, erwiderte er und hob eine Augenbraue.
Da hatte er mich erwischt. Ich konnte ihm nie widerstehen. „Was auch immer, tschüss.“ Ich rannte ohne Frühstück los, obwohl mein Magen knurrte.
Bald war ich auf dem Weg zur Schule, Adam, Jakes Fahrer, steuerte den Wagen.
Heute war mein letzter Schultag. Seit Jake und ich verlobt waren, hatte ich darauf hingefiebert. Wir wollten den Hochzeitstermin festlegen, sobald ich mit der Schule fertig wäre, und jetzt war es endlich so weit. Ich war überglücklich.
Wir planten schon eine Weile, wie die Hochzeit aussehen sollte. Ich musste lächeln, als ich daran dachte, wie Jake meinen Vater um Erlaubnis gebeten hatte, bevor er mir einen Antrag machte. Er war wirklich etwas Besonderes. Meine Eltern freuten sich riesig für uns.
Emma tüftelte bereits an den Kleidern für die Brautjungfern. Ich arbeitete seit einem Jahr in einem Buchverlag und sie hatten mir eine Vollzeitstelle nach der Schule angeboten. Es lief richtig gut.
„Wir sind da, Frau Albright.“
Adams Stimme holte mich aus meinen Gedanken und ich lächelte ihn an. „Zum hundertsten Mal, Adam, nenn mich Ashley“, sagte ich wieder.
Er lachte und fuhr davon.
Ich hatte noch zehn Minuten bis zur Prüfung, also holte ich mir schnell einen Kaffee. Während ich trank, piepte mein Handy mit einer Nachricht von Jake.
Jake
Viel Glück, Schatz. Ich liebe dich!
Ich lächelte über seine Nachricht und schrieb schnell zurück, bevor ich meinen Kaffee austrank.
***
Zwei Stunden später verließ ich den Prüfungsraum mit einem guten Gefühl. Die Prüfung war ein Klacks gewesen. Ich nahm mein Handy heraus und sah einen verpassten Anruf von Emma. Ich rief sie zurück, während ich zum Schuleingang ging.
„Zeit zum Feiern, Mädel! Du bist endlich mit der Schule durch!“, jubelte Emma am Telefon und ich lachte. Sie war immer noch die Alte.
„Gerne, aber ich verhungere gleich. Mach mir was zu essen und dann können wir feiern. Ich bin in einer Viertelstunde bei dir.“
„Bis gleich!“ Sie legte auf und ich nahm ein Taxi, statt Adam anzurufen. Unterwegs versuchte ich Jake zu erreichen, aber er ging nicht ran. Ich schrieb ihm, dass ich mit Emma abhängen würde, und steckte mein Handy weg. Bei Emma klingelte ich an der Tür.
„Ich komme!“, rief Emma und öffnete. Sie sah umwerfend aus in einem schwarzen Top und Shorts, ihre blonden Haare waren sehr lang geworden.
„Deine Haare sind länger. Steht dir gut, Em“, sagte ich anerkennend, als ich eintrat.
„Danke, ich weiß. Ich mache dein Lieblingsessen, Lasagne.“ Sie strahlte und ich umarmte sie. Ich hatte sie sehr vermisst. In letzter Zeit kam sie kaum noch zu uns, wahrscheinlich um Austin aus dem Weg zu gehen.
Ich wusste nicht, was zwischen ihnen vorgefallen war, aber ich wollte nicht nachbohren. Sie hatte noch ein halbes Jahr Schule vor sich und jobbte in einer Anwaltskanzlei.
„Ich vermisse dich, Em. Du lässt dich kaum noch blicken“, sagte ich traurig und setzte mich auf die Küchentheke. Alles sah noch genauso aus wie vor meinem Auszug. Nach der Trennung von Justin war sie wieder zu ihrer Oma gezogen.
„Ich vermisse dich auch, Ash. Das Jurastudium und der Job halten mich auf Trab.“ Sie verzog das Gesicht und stellte einen Teller Lasagne vor mich hin. Sie schmeckte wie immer himmlisch.
„Iss langsamer, Tiger.“ Sie lachte und ich verdrehte die Augen.
„Ich esse in letzter Zeit wie ein Scheunendrescher und habe ständig Kohldampf, Em. Hoffentlich werde ich nicht dick.“ Sie sah mich seltsam an und ich war verwirrt.
„Was?“, fragte ich mit vollem Mund.
„Wann hattest du deine letzte Periode?“ Ihre Frage traf mich wie ein Schlag und mir fiel alles aus dem Gesicht, als ich verstand, worauf sie hinauswollte.
Meine Periode war überfällig. Oh Gott, könnte ich schwanger sein? Der Gedanke jagte mir eine Heidenangst ein.
„Ich bin überfällig, Em. Denkst du, ich könnte schwanger sein? Was, wenn ich es bin? Ich nehme doch die Pille. Das geht doch gar nicht. Ich muss noch die Schule beenden und wir wollen heiraten. Ich habe einen Job in Aussicht. Ich kann nicht schwanger sein. Ich weiß nicht mal, ob ich eine gute Mutter wäre. Ich habe keinen blassen Schimmer davon“, sprudelte es aus mir heraus, während die Panik in mir hochkochte.
Emma kam zu mir und legte ihre Hände auf meine Schultern. „Schätzchen, Verhütung ist nicht hundertprozentig sicher. Wir können uns nicht sicher sein, und selbst wenn du schwanger bist, hast du einen tollen Freund. Du stehst nicht alleine da. Du schaffst das, schwanger oder nicht. Ich weiß, was für ein starkes Mädchen du bist. Also hör auf, so in Panik zu geraten.“
Ihre Worte sollten mich beruhigen und ich versuchte tief durchzuatmen und nickte, obwohl mein Kopf schwirrte. Was würde Jake denken, wenn ich schwanger wäre? Würde er sich freuen oder Bammel kriegen und sagen, ich solle das Baby nicht behalten?
Ich schüttelte den Kopf, um die negativen Gedanken zu vertreiben und beschloss, einen Schritt nach dem anderen zu machen. „Also müssen wir einen Test besorgen, um sicher zu gehen“, sagte ich, meine Hände waren schweißnass. Ich wischte sie ständig an meiner Hose ab.
„Ich bin schon dabei, ich flitze in den Laden. Bin in zehn Minuten zurück.“
Sie rannte zur Tür hinaus und ließ mich auf dem Stuhl sitzen, den Kopf in den Händen. Das war nicht geplant. Ich wollte nicht schwanger sein.
Ich war nicht bereit dafür. Ich war verdammt nochmal erst dreiundzwanzig. Ich aß still weiter, immer noch hungrig.
Sie kam wie versprochen nach zehn Minuten zurück und wir gingen zusammen ins Bad. Ich öffnete die Testpackung mit zitternden Händen und atmete tief durch, um mich zu beruhigen.
„Okay, jetzt setz dich hin und pinkle auf den Stab. In zwei Minuten wissen wir, ob du schwanger bist. Ich bin so aufgeregt“, sagte sie mit einem breiten Lächeln.
„Soll ich es Jake sagen?“
„Was, wenn es nicht stimmt? Lass uns ihn nicht beunruhigen. Außerdem reicht ein Test nicht aus, um sicher zu sein. Wenn dieser positiv ist, kannst du mit ihm zusammen noch einen machen.“
Ich stimmte zu und sie ging nach draußen. Nachdem ich auf den Stab gepinkelt hatte, kam ich heraus und sie stellte einen Timer auf zwei Minuten. Ich lief auf und ab, die längsten zwei Minuten meines Lebens verstrichen.
„Es wird alles gut, Ash. Ich bin für dich da. Wer soll denn sonst die Patentante deines Babys werden?“, sagte sie lächelnd und hielt meine Hand.
Der Timer piepte und wir sahen beide auf den Stab. Ich nahm ihn mit zitternden Händen und blickte darauf. Alles, was ich sehen konnte, waren zwei rote Linien, die mich anstarrten.
„Ich bin schwanger“, flüsterte ich, die Worte kamen kaum über meine Lippen.















































