
Sumner kommt zuerst
Autor:in
Vivienne Wren
Gelesen
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Kapitel
39
Bereits drinnen
SUMNER
Das Geräusch von Körpern, die aufeinanderprallen, erfüllt den Raum, als Bryce in mich eindringt. Er gräbt seine Finger fest genug in meine Seiten, um Spuren zu hinterlassen, während er seinem Höhepunkt hinterherjagt. Sein Atem wird rau und seine Hände umklammern mich fester – dann zittert er und gibt einen tiefen Laut von sich, als er kommt. Er fällt schwer und erschöpft auf mich, zieht sich dann heraus und rollt sich auf den Rücken.
„Verdammt, das war gut“, sagt er, während er das Kondom abstreift und verknotet, bevor er es in den Mülleimer wirft. Dann greift er nach seinem Handy und tippt darauf herum.
„Ja“, lüge ich. „Unglaublich.“
Ich starre an die Decke. Ich will immer noch mehr – brauche mehr, brauche irgendetwas. Es dauert nur noch ein paar Minuten, bis er aus dem Bett steigt und ich mich endlich selbst darum kümmern kann.
Das Bett bewegt sich neben mir, als Bryce sich aufsetzt und seine Beine über die Bettkante schwingt. „Ich mach uns Frühstück“, sagt er leise. „Willst du was?“
Ich schüttele den Kopf und setze ein süßes Lächeln auf. „Alles gut, danke. Ich muss noch ein paar E-Mails beantworten und komme gleich raus.“
Bryce gibt ein leises Geräusch von sich, während er seine Shorts anzieht und den Raum verlässt. In der Sekunde, in der er die Tür schließt, sind meine Hände unter der Decke und wandern hinunter zu meiner pochenden Mitte und in dem Moment, in dem meine Finger die richtige Stelle berühren, hebt sich mein Rücken.
Es ist so einfach – und trotzdem bringt Bryce mich nie dorthin.
Ich reibe schnelle Kreise um meinen Kitzler, arbeite auf meinen Orgasmus hin, den ich verdiene und drücke mein Gesicht in ein Kissen, um meinen Laut zu dämpfen, als ich endlich komme. Anschließend warte ich, bis die Wellen abklingen, werfe dann das Kissen zur Seite und atme aus.
Mein Blick wandert zu den Koffern an der Schlafzimmertür. Wir fahren in einer Stunde los – vielleicht ist ein Urlaub genau das, was wir brauchen. Vielleicht hilft uns etwas Zeit zu zweit, aus diesem langweiligen Muster auszubrechen. In letzter Zeit fühlt es sich an, als würden wir nebeneinanderher leben statt zusammen. Wir müssen uns wieder einander annähern.
Ich stehe aus dem Bett auf und nehme eine lange, heiße Dusche. Als ich fertig bin – sauber, mit glatter Haut und voller Hoffnung –, ziehe ich mein neues Kleid an. Ich habe es extra für diese Reise gekauft. Es ist bunt und kurz, und vielleicht, nur vielleicht, wird es Bryces Interesse wecken.
Ich gehe in die Küche, wo Bryce gerade hastig die Eier verschlingt. Er schaut zu mir auf und neigt den Kopf zur Seite. „Neues Kleid?“
Ich nicke und drehe mich einmal im Kreis. „Gefällt es dir?“
Er verzieht den Mund, während er mich von oben bis unten mustert. „Schätze schon“, sagt er mit gelangweilter Stimme. „Ich weiß nicht – vielleicht mit einer Strickjacke oder so?“
Mein Lächeln verschwindet und ich schaue an dem Kleid hinunter. „Ja“, sage ich leise. „Vielleicht.“
Bryce greift nach meinem Handgelenk und zieht mich auf seinen Schoß. „Es wird besser an dir aussehen, wenn du etwas Sonne abbekommen hast“, sagt er, während er mit seinen Lippen meine nackte Schulter berührt „Wenn du etwas Farbe hast, siehst du nicht mehr so blass aus.“
Ich nicke und drücke einen Kuss auf seine Schläfe. „Du hast recht.“ Ich atme tief ein und strecke meine Schultern.
Das wird gut. Es wird genau das sein, was wir brauchen.
***
Bryce zieht unsere Koffer die Auffahrt hinunter, während ich in meiner Handtasche nach den Schlüsseln suche. Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal hier war. Meine Familie und ich haben jeden Sommer hier verbracht, als wir klein waren. Meine Eltern tun es immer noch, aber mein Bruder und ich hatten keine Lust mehr, den Sommer zusammen zu verbringen, seit ich vierzehn war.
Es ist wirklich praktisch, dass meine Eltern diesen Sommer in Griechenland verbringen, sodass sie uns das Haus am See zur Verfügung gestellt haben. Kaum stecke ich den Schlüssel ins Schloss und drehe ihn leicht, öffnet sich die Tür.
Das ist seltsam, sie war nicht abgeschlossen, vielleicht …
„Was zum Teufel machst du hier?“, dröhnt Adams Stimme durch das große, offene Wohnzimmer mit Blick auf den See.
Vor Schreck lasse ich fast meine Schlüssel fallen. „Ich?! Was machst du hier? Mom hat mir das Haus am See angeboten!“
Adam liegt quer auf der Couch mit einem Bier in der Hand und sieht aus, als würde er hierher gehören. Nach seiner Bräune zu urteilen, ist er schon eine Weile hier. „Tja, sie hat es mir auch angeboten, und wir waren zuerst hier. Also tschüss, Schwesterchen.“
Wütend verschränke ich die Arme vor der Brust. „Ich gehe nirgendwohin. Wir sind stundenlang unterwegs gewesen und Bryce hat nächste Woche eine Konferenz in Westport. Wir bleiben. Du hättest Mom sagen sollen, dass du herkommst, wenn du es vorhattest – was ich übrigens getan habe. Außerdem, wer ist wir?“
Adam deutet mit dem Kinn zur Glaswand auf der Rückseite des Hauses. Ich folge seinem Blick in Richtung See und mir wird schlecht.
Corbin fucking Montgomery und Tyler fucking Simpson befinden sich in der Nähe des Ufers
und werfen sich einen Football zu.
Natürlich hat er diese Arschlöcher mitgebracht – kann er eigentlich nichts ohne sie machen?
Ich atme aus, reibe mir über die Stirn und ziehe mein Handy aus der Handtasche. Hinter mir zieht Bryce unsere Koffer ins Haus und schließt die Tür.
„Gibson“, sagt Adam mit flacher Stimme, als er Bryce sieht.
„Marlowe“, erwidert Bryce und klingt genauso desinteressiert.
Ich schaue auf die Uhrzeit und komme zu dem Schluss, dass es in Griechenland wahrscheinlich schon Morgen ist, und rufe Mom an.
„Sumner, Schatz“, sagt sie, sobald sie abnimmt. „Ist etwas nicht in Ordnung?“
„Naja, irgendwie“, sage ich leise. „Wusstest du, dass Adam und die Jungs im Haus am See sein würden?“
Mom schweigt einen Moment, atmet daraufhin langsam auss und klingt müde. „Bitte sag mir nicht, dass du mich deswegen in Griechenland anrufst.“
„Du hast mir nicht gesagt, dass du ihm das Haus auch angeboten hast!“, sage ich. „Ich wäre nie gefahren, wenn ich gewusst hätte, dass sie hier sein würden!“
„Dann fahr halt wieder“, sagt Mom und atmet aus. „Oder bleib. Das Haus ist groß genug für euch alle. Oder, weißt du, ihr könntet die Gelegenheit nutzen, endlich wieder Freunde zu werden. Erspart mir die Mühe, mich mit meinen erwachsenen Kindern herumschlagen zu müssen, die sich wie bockige Teenager aufführen. Wenn das alles war … Ich muss zu einem Massagetermin.“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen, legt sie auf.
Ich beiße mir auf die Lippe, bin verärgert,und schaue wieder in den großen Wohnbereich. Es gibt drei Schlafzimmer auf jeder Seite des Hauses, jedes mit eigenem Bad. Die Schlafzimmertüren münden direkt ins Wohnzimmer – dem einzigen gemeinsamen Raum außer der Küche. Aber wenn wir uns absprechen, müssten wir uns nicht begegnen. Und am See gibt es genug Platz, um den Jungs aus dem Weg zu gehen.
Ich schaue Bryce an. „Was meinst du?“
Er verzieht das Gesicht. „Wir werden so kurzfristig nichts anderes mehr finden. Um diese Jahreszeit ist hier alles ausgebucht.“
Ich nicke, greife nach meinem Koffer und werfe meinem Bruder einen wütenden Blick zu. „Du bleibst auf deiner Seite, wir bleiben auf unserer.“
So viel zum ruhigen Urlaub mit Bryce.






































