
Schattenmilliardär
Autor:in
Rasheen Rebel
Gelesen
1,4M
Kapitel
52
Kapitel 1.
DANIEL
„Vereinbaren Sie einen Termin beim Arzt, um dieses Problem zu lösen“, sagte Daniel zu seiner Assistentin.
Zwei Wochen lang hatte er ungeschützten Verkehr mit Gloria gehabt, und nun hatte sie die zwei Worte gesagt, die er am meisten verabscheute: „Ich bin schwanger.“
Als sie anfingen, gelegentlich miteinander zu schlafen, hatte Daniel ihr unmissverständlich klargemacht, was er wollte. Er erklärte deutlich, dass er Kondome und die Vorstellung von schreienden, überall hin machenden Kindern hasste. Er konnte nicht verstehen, warum es so schwierig war, sich jeden Morgen an eine Pille zu erinnern oder alle paar Wochen eine Spritze zu bekommen.
Gloria lehnte sich an einen Stuhl vor Daniels Schreibtisch. Sie lächelte, als wäre sie überglücklich.
„Ich habe schon einen Arzttermin vereinbart. Verhütungsmittel haben mich beim letzten Mal aufgehen lassen wie einen Hefekloß. Ich würde die Schwangerschaft lieber beenden, als noch mehr Sport zu treiben als ohnehin schon.“
Es schien ihr genauso wenig auszumachen wie ihm.
Es war nicht das erste Mal, dass Daniel für eine Abtreibung zahlte, aber es war das erste Mal, dass es der Frau gleichgültig war, was passieren würde.
Die Frauen, mit denen Daniel ausging, besuchten teure Lokale – er wusste, wie man eine Frau verwöhnt, wenn es ihm nützte – aber er ließ sie alle eine „Keine-Kinder-Vereinbarung“ unterschreiben. Wenn eine Frau vor dem Sex keine Verhütung benutzen wollte, drängte er sie dazu, so schnell wie möglich abzutreiben.
Daniel ließ die Frauen auch eine „Keine-Krankheiten-Erklärung“ unterschreiben, in der stand, dass alle ihre Gesundheitsakten aktuell und vollständig waren, aber es war ihm egal, ob etwas geheim blieb. Keine Frau kam ihm je nahe genug, um etwas Echtes über ihn zu erfahren, also was konnten sie schon ausplaudern? Was war das Schlimmste, das sie sagen konnten?
„Daniel kuschelt nicht nach dem Sex?“ oder „Daniel hat sich nicht mehr gemeldet, nachdem er mit mir fertig war?“ oder „Daniel liebt niemanden außer sich selbst.“
Er würde über ihre Ehrlichkeit lachen. Die Leute sagten nie, er sei ein guter Mensch, und wenn jemand dumm genug wäre zu sagen, er hätte für ihre Abtreibung gezahlt, würden die Leute auch sie verurteilen. Schließlich war Sex etwas, für das sich beide entschieden; er zwang keine von ihnen zu irgendetwas. Sie wollten ihn, und sie wussten, was passieren würde, wenn sie schwanger würden.
Gefühle?
Ach bitte, das war etwas, das er nicht verstand. Er tat so, als wäre ihm alles schnuppe, als würde er zum Frühstück Es-ist-mir-wurscht-Müsli essen.
„Sag mir bis zum Ende des Tages, wie viel es kostet, und ich stelle dir einen Scheck aus“, sagte er emotionslos zu Gloria.
Ihr Lächeln wurde noch breiter, obwohl es unmöglich schien, ihre Wangen noch weiter auseinanderzuziehen. „Die Versicherung übernimmt das nicht, also bezahl einfach die Kosten und die Zeit, die ich brauche, um mich zu erholen, dann sind wir quitt“, sagte sie immer noch lächelnd.
„In Ordnung. Reichen zehntausend Euro?“
Das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand langsam.
„Zwanzig?“, bot er erneut an.
Wie auf Knopfdruck kehrte Glorias breites Lächeln zurück.
Daniel lächelte fast nie, zumindest nicht ohne Hintergedanken. Er verstand nicht, wie jemand einfach so ohne Grund lächeln konnte. Nach den harten Erfahrungen in seinem Leben hatte er gelernt, dass Lächeln Schwäche zeigte, und er wollte nur das Gegenteil zeigen.
Magazine nannten ihn Miamis Bad Boy, aber das war nicht stark genug. Mit seinen schönen, aber gefährlichen grauen Augen, markanten Gesichtszügen, sehr definierten Muskeln, breiten Schultern, tiefer Stimme und einem großen, sexy Körper konnte Daniel jedes Mädchen um den Finger wickeln. Die Schlagzeilen hätten stattdessen lauten sollen: „WARNUNG! Finger weg von diesem Kerl!“
Daniel fragte nicht; er sagte den Leuten, was sie tun sollten. Er bettelte nicht; er nahm sich, was er wollte, wann er es wollte, und niemand versuchte je, ihn aufzuhalten. Weder im Geschäft noch bei Frauen.
Dieser Mann hatte schamlos Sex mit vielen Frauen, aber obwohl er alles tat, hatte er ein paar Regeln:
Niemals Sex mit einer verheirateten Frau.
Niemals mit jemandem ausgehen, der noch keinen Sex hatte.
Niemals Sex ohne vorherigen Gesundheitscheck der Frau.
Niemals länger als sechs Wochen mit einer Frau schlafen – es könnten Gefühle entstehen, und dafür hatte er keine Zeit.
Niemals als Erster nach dem Sex anrufen, es sei denn, es ging um etwas, das nichts mit Sex zu tun hatte.
Und die wichtigste Regel von allen...
Keine verdammten Babys!
Der Mann war ein Arschloch, und es war ihm egal. Er wusste, dass er sich nie ändern würde, und er genoss es, sich um nichts zu scheren.
Daniel hatte nicht viele Freunde. Nur wenige Menschen konnten behaupten, ihn überhaupt zu kennen, und die meisten von ihnen mochten es auch, Sex ohne Beziehungen zu haben.
Als seine Therapeutin ihm sagte, er würde ernsthafte Beziehungen vermeiden, um sicherzugehen, dass er nie verletzt würde, lachte Daniel sie aus. Er musste keine Beziehungen vermeiden; er sagte jeder Frau von Anfang an: „Ich will nur Sex mit dir.“ Es gab nie und würde nie eine Frau geben, in die er sich verlieben würde.
Dessen war er sich sicher.
Daniels Therapeutin fragte ihn dann nach seiner Kindheit, aber er sah keinen Zusammenhang mit seinem Sexleben. Sein Vater, Herr Carlos Jackson, gründete Jackson Corp (oder J'Corp), als Daniel erst zwei Jahre alt war. Er nutzte seine Forschung, um Software für einfache Kommunikation in Flugzeugen zu entwickeln.
Anfangs verkaufte J'Corp nur an private Militärkunden, aber innerhalb eines Jahres war das Unternehmen zu einem Multimilliarden-Euro-Geschäft gewachsen. Wo es einst nur Software für Kriegsflugzeuge herstellte, arbeitete J'Corp nun auch an anderen Arten von Technologie für private und geschäftliche Kunden. Daniel übernahm vor drei Jahren die Leitung von seinem Vater.
Daniels Mutter starb an Krebs, kurz bevor er mit der Oberstufe begann. Sie hatte die meiste Zeit seiner Kindheit gegen die Krankheit gekämpft, aber schließlich konnte sie nicht mehr weiterkämpfen. Es gab einige Teile, an die er sich nicht erinnern konnte, wenn er an seine Mutter dachte, aber die Art, wie sie starb, war immer noch sehr klar.
Sie gab auf.
Oder zumindest sah er es so.
Okay, vielleicht machte der Verlust seiner Mutter ihn misstrauisch gegenüber Frauen und ließ ihn das L-Wort hassen. Es war verrückt – nein, wahnsinnig –, dass er so wütend auf die Frau war, die ihn zur Welt gebracht hatte, aber der Mann, der er jetzt war, würde lieber sterben, als dieses Wort je wieder zu einer Frau zu sagen.
Daniel hatte seine Mutter angefleht, nicht zu gehen, hatte versprochen, ein guter Sohn zu sein und bessere Noten zu bekommen. Er hatte versprochen, sie immer zu lieben und ihr nie wieder ungehorsam zu sein.
Aber hatte das sie gerettet?
All die Versprechen, die er gegeben und gemeint hatte, hielten sie nicht in seinem Leben. Sie entschied sich trotzdem zu gehen. Egal wie sehr er bettelte und sich wünschte, dass sie bliebe, sie verließ sein Leben für immer, und er vergab ihr nie.
Seitdem hatte Daniel viele Frauen getroffen, die er schlecht behandelte. Nachdem er bekommen hatte, was er von ihnen wollte, natürlich. Nachdem er das Gefühl hatte, sie genug bestraft zu haben.
Daniel behandelte manche Frauen beim ersten Date schrecklich, und trotzdem kamen sie immer wieder zurück. Sie wollten ihn ändern, ihn kontrollieren – aber niemand schaffte es je.
Ein normaler Mensch würde den Tod seiner Mutter als Teil des Lebens sehen. Aber er sah es nicht so. Und niemand konnte ihn dazu bringen, anders zu denken.
„Frauen werden dich verlassen, egal was du tust. Also vertraue ihnen nie, öffne ihnen nie dein Herz, glaube nie etwas, was sie sagen.“
Diese Worte halfen ihm durch die Beerdigung, die Oberstufe und das Studium, und auch jetzt, in seinen Zwanzigern, sagte Daniel sie sich jeden Morgen im Geiste vor.













































