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Der Krieg der Götter Buch Eins: Endlose Meere

Autor:in
Morrigan Rivers
Gelesen
19,4K
Kapitel
94
Autor:in
Morrigan Rivers
Gelesen
19,4K
Kapitel
94
💕Romantik⚔️Feinde zu Liebenden💪🏻Beschützer🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy⚓Wikinger⚔️Action & Abenteuer🔒Erzwungene Nähe

"Denk mal darüber nach." Tyr lächelte. "Von all den Frauen in deinem alten Dorf hat unser Vater dich ausgewählt. Wie könnte das kein Schicksal sein?"

Enid wird an dem Tag entführt, der eigentlich der glücklichste ihres Lebens sein sollte, und in die wilde, verwirrende Welt von Ivar dem Unsterblichen und seiner wahnsinnig charmanten Familie gezerrt. Sie will ihr altes Leben zurück – einfach, vorhersehbar, sicher –, doch jeder Tag an diesem neuen Ort stößt sie auf Möglichkeiten, die sie sich nie auszumalen gewagt hätte. Tyr zieht sie mit dem Schicksal auf, die anderen nehmen sie mit einer hartnäckigen Herzlichkeit auf, und selbst Ivar, der so kalt wie Winterstahl ist, durchbricht immer wieder ihre Verteidigung auf eine Art und Weise, die sie sich nicht laut eingestehen will. Während Enid mit Loyalität, Schicksal und einer Anziehungskraft ringt, um die sie absolut nicht gebeten hat, muss sie entscheiden, was Heimat wirklich bedeutet... und für wen sie zu kämpfen bereit ist.

Kapitel 1

Enid schnappte nach Luft und drückte sich fester an die Seite der Holzkiste.
Die Dorfbewohner, die draußen vor der Kirche auf dem schlammigen Boden lagen, waren tot, ganz sicher tot. Kein lebender Mensch konnte so lange so unnatürlich verdreht daliegen.
Warum hatte Enid hingesehen?
Sie hätte nicht hinsehen sollen.
Es war ein Fehler gewesen.
Nein, der wahre Fehler war es gewesen, ins Dorf zu rennen, als sie die Kirchenglocken hörte.
Da flogen die Kirchentüren mit einem lauten Knall auf. Enid sah unweigerlich hin, obwohl sich ihr Magen vor purer Angst zusammenzog.
Ein Mann trat heraus. Er war so riesig, dass er sich bücken musste, um durch die Tür zu passen. In der einen Hand hielt er das große goldene Kreuz vom Altar. In der anderen Hand hielt er ein scharfes, blutrotes Schwert.
Enid musste ein Schluchzen unterdrücken, als sie das Blut sah. Es spritzte über sein furchteinflößendes Gesicht und beschmutzte seine Kleidung. Jeder Gedanke an die warme Sonne oder Cormacs schützende Arme war sofort vergessen.
Cormac.
Enid hatte einen Fehler gemacht, als sie ins Dorf rannte, aber Cormac würde ihn wieder gutmachen.
Sie musste ihn nur finden. Er würde sie vor diesem Riesen mit dem Kirchenkreuz retten, und auch vor allen anderen Teufeln, die mit ihm gekommen waren.
Sie wagte einen weiteren Blick. Sie sah, wie dieses Ungeheuer mit erhobenem Schwert in einem Laden nebenan verschwand.
Warum tat er das? Warum tat er den Leuten weh, und wie viele Menschen würde er töten, bis er endlich genug hatte?
Enid konnte das nicht wissen. Sie wusste nur, dass sie kein weiterer blutroter Fleck auf seinem Gesicht werden wollte. Also raffte sie ihre Röcke und rannte los.
Solche schweren Zeiten waren eine Prüfung. Das predigte der Pfarrer jeden Sonntag. Sie sollten die Seelen der Menschen testen und die wahren Gläubigen von den Heuchlern trennen.
Enid bog um jede Ecke, und in Gedanken betete sie. Sie rannte durch jede einst vertraute und nun geplünderte Gasse, und in ihrem Herzen bat sie um Vergebung.
Und dann sah sie ihn.
Cormac stand vor seiner Schmiede. Seine Muskeln spannten sich an, als er sich anstrengte, seinen schweren Hammer gegen gleich zwei dieser riesigen Feinde zu schwingen.
Enid hatte das Richtige getan.
Er würde sie beschützen, er würde sie retten. Wenn dieser grausame Tag endlich vorbei war, wusste sie genau, welche Antwort ihr Vater ihm geben würde.
„Cormac.“ Sie lächelte, als sie sich tief bückte, um ihre Röcke wieder zu raffen. Doch als sie losrennen wollte, hörte sie das harte Klatschen von Leder. Sie stürzte schwer zu Boden, noch bevor sie das Brennen auf ihrem Gesicht spürte.
Ein Wesen, das wie ein Mann aussah, starrte auf sie herab. Seine Augen hatten ein unnatürliches Blau, das so hell leuchtete wie der Himmel.
Enid hatte noch nie einen Mann mit solchen Augen gesehen. Diese unmögliche Farbe brachte die beißende Kälte des Winters mit sich.
Ein dicker Zopf aus geflochtenen Haaren verlief über die Mitte seines Kopfes und fiel ihm über eine Schulter. Im Nacken war er mit einem dünnen Lederband zusammengebunden.
Seine Lippen öffneten sich zu einem wütenden Gesichtsausdruck hinter seinem dichten Bart. Aber Enid schaute schon nicht mehr hin. Stattdessen starrte sie auf die gewaltige Axt, die er in beiden Händen hielt.
Enid kannte keinen Mann, der so eine Axt brauchte.
Äxte waren zum Holzhacken oder zum Bäumefällen da.
Sie waren nicht für das gedacht, was dieser Mann ihr nun antun würde.
Als Enid sich diesen Tag vorgestellt hatte, sollte alles ganz anders ablaufen.
Es hatte Versprechungen gegeben.
Es hätte Wärme geben sollen.
Sie hatte sich auf eine strahlende Zukunft mit einem Mann gefreut, den sie lieben konnte. Doch nun gab es nur noch den Tod und den Teufel, der geschickt wurde, um ihn zu bringen.
„Cormac“, flüsterte sie. Sie hatte zu viel Angst, um die Augen offen zu halten. Doch dann spürte sie, wie große Hände ihre Taille packten. Eine harte Schulter bohrte sich in ihren Bauch, als sie hochgehoben und über seinen Rücken geworfen wurde.
Für einen Moment hing sie dort. Sie war starr vor Schreck und fast erleichtert, dass sie noch lebte. Aber dann dachte sie an den einzigen Grund, warum ein gefährlicher Mann eine Frau am Leben lassen würde, und ihr Blut gefror in den Adern.
„Cormac!“, schrie sie. Sie trommelte mit den Fäusten auf den Rücken des Riesen und strampelte mit den Beinen. „Cormac, hilf mir!“
„Enid?“
„Cormac, bitte!“, weinte sie.
Sie konnte ihn in der Ferne sehen. Er schwang noch immer seinen Hammer und versuchte nun, zu ihr zu gelangen. Aber er war noch immer in der Unterzahl, und der Mann, der sie trug, war schnell und leichtfüßig.
„Lass mich runter“, sagte sie zu ihm. „Lass mich sofort runter!“
Ein Arm legte sich über ihre Waden, damit sie nicht mehr treten konnte. Eine tiefe Stimme grollte in der Brust unter ihr.
Enid verstand kein einziges Wort von dem, was er sagte. Aber als eine andere Stimme antwortete, spürte sie tief in ihren Knochen, dass diese Männer sie unter sich aufteilen würden.
„Lass mich los!“ Sie schlug mit den Fäusten auf seine harte Lederweste und schrie.
Aus dem Chaos um sie herum hörte sie ein Lachen. Es klang hell und warm, doch es ließ sie bis ins Mark erschaudern.
Der Riese unter ihr gab ein kurzes Grunzen als Antwort. Dann bog er um eine Ecke und ging auf das Flussufer zu.
Dort flog Enid für einen kurzen Moment durch die Luft. Dann schlug sie hart auf Holz auf, das unter ihr bedrohlich schwankte.
Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie auf einem Boot. Der Boden war zwar flach, aber Enid merkte schnell, dass er bei weitem nicht so ruhig blieb wie fester Erdboden.
Aber sie war endlich frei.
Ohne zu zögern, rannte sie auf die gebogenen Wände zu. Dort standen Holzkisten, große Truhen und dicht gepackte Säcke.
Alles Diebesgut.
Gestohlen von guten, christlichen Menschen, von ihren Leuten.
Wenn der Kampf endlich vorbei war, würde Enid den Männern sagen, wo dieses Boot lag. Dann konnten die Dorfbewohner ihre Wertsachen zurückholen, für die sie so hart gearbeitet hatten.
Das war das einzig Richtige. Und Enid hätte es auch getan, wenn sie sich nicht über die Bootswand gelehnt und direkt in ein Paar eiskalte, himmelblaue Augen gestarrt hätte.
Beide erstarrten. Seine Hände ruhten über der riesigen Axt, die er an seinen Gürtel gehängt hatte, nachdem er sie auf das Boot geworfen hatte. Enid spürte dieses flaue Gefühl, als würde der Wind die letzte Fackel in der Nacht ausblasen.
Er starrte zu ihr hinauf, ganz still und ohne zu blinzeln. Es wirkte, als wäre er kein Mann mehr, sondern zu Stein erstarrt.
„Ich muss gehen“, sagte Enid zu ihm.
Er griff nach der Bootskante neben ihr. Obwohl das Boot stark schwankte, zog er sich scheinbar mühelos nach oben.
„Bitte.“ Enid machte zitternd ein paar Schritte rückwärts zur Vorderseite des Bootes und klammerte sich an ihr Kleid. „Ich muss gehen. Ich kann nicht hier sein.“
Langsam, fast wie eine Katze, erhob er sich zu seiner vollen Größe. Er bewegte sich, als würde er sich einem wilden Tier nähern und es nicht erschrecken wollen. Enid wusste, selbst wenn sie sich so groß machte, wie sie konnte, würde ihr Kopf höchstens bis zu seiner Schulter reichen.
Er war nicht normal.
Er war nicht menschlich.
Er musste ein Dämon sein, ein Teufel oder eine unheimliche Kreatur. Er war gekommen, um sie in eine Welt zu entführen, die nicht zu dieser Erde gehörte.
„Nein.“ Enid rannte zur Seite des Bootes. Eine Hand packte ihren Arm, damit sie nicht ins Wasser sprang, aber sie wehrte sich. „Nein, fass mich nicht an. Du darfst nicht, ich werde nicht, ich muss gehen.“
Das Boot neigte sich zur Seite wie ein steiler Hügel, als sie zur anderen Seite rannte. Es schwankte noch lange, nachdem sie sich an der Holzwand festgehalten hatte, um nicht umzufallen.
Er stand neben ihr. Er machte keinen Ton, als er auf sie herabsah. Er wartete ab und forderte sie stumm heraus, noch einmal zu springen.
Das Wasser rauschte am Boot vorbei. Es riss sinkende Kisten und verlorene Waren mit sich, immer weiter flussabwärts, wo der Fluss an der Küste ins Meer mündete.
Enid konnte nicht schwimmen. Aber sie wusste, dass sie nicht mit ihm auf diesem Boot bleiben konnte. Also raffte sie ihre Röcke und wollte fliehen.
Doch noch mehr Hände tauchten auf, und die Welt verschwand hinter rauem Stoff.

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