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WARUM?-Reihe Band 1: WARUM?

Autor:in
Kleopetra
Gelesen
135K
Kapitel
40
Autor:in
Kleopetra
Gelesen
135K
Kapitel
40
🏈Sportgeschichten🏃🏿‍♂️Sportler🤨Fake-Dating🎭Drama🏙️Zeitgenössisch💕Romantik

Bellas Welt zerbricht an dem einen Tag, der eigentlich ihr gewidmet sein sollte. In einem Moment hat sie noch Stabilität, Liebe und eine Zukunft, die sich sicher anfühlt. Im nächsten entgleitet ihr alles. Ohne Zufluchtsort und mit einem tief verwundeten Herzen stolpert sie in eine Nacht, die sich wie der absolute Tiefpunkt anfühlt.

Dann verändert eine zufällige Begegnung mit einem aufstrebenden Hockey-Star den Rhythmus ihres Lebens. Er unterbreitet ihr ein kühnes Angebot: eine Scheinbeziehung mit sehr realen Vorzügen. Was als einfache Vereinbarung beginnt, wird bald komplizierter, wärmer und leise elektrisierend. Während Bella sich Stück für Stück wieder aufbaut, kehrt das Lachen dorthin zurück, wo einst der Herzschmerz wohnte. Doch als die Gefühle sich nicht mehr an die Regeln halten, muss sie entscheiden, wer sie sein will, wenn die Liebe sie um einen Neuanfang bittet.

Der schlimmste Geburtstag aller Zeiten

BELLA

„Es tut mir sehr leid, dir das sagen zu müssen, Bella. Wir müssen dich entlassen.“
Das waren die allerersten Worte, die meine Chefin Susan heute zu mir sagte. Heute hatte ich eigentlich erwartet, dass man mir gratuliert. Immerhin hatte ich einen wichtigen Vertrag für meine Firma abgeschlossen. Es war ein Tag, an dem ich auf nichts als gute Nachrichten und freundliche Gesten hoffte. Der Tag, auf den sich jeder einmal im Jahr freut, mich eingeschlossen.
Mein Geburtstag.
„Wie bitte?“, fragte ich und traute meinen Ohren nicht. „Was?“
„Wir müssen dir kündigen“, sagte sie mitfühlend und bedauernd. „Es ist traurig, aber wir können es nicht vermeiden. Wir werden bis zum Ende des Tages die Hälfte unserer Belegschaft entlassen müssen.“
„Du kennst unsere finanzielle Lage auf dem Markt. Die Verluste türmen sich auf, und die Einnahmen sind so niedrig wie nie zuvor. Wir haben keine andere Wahl, als zu sparen und unsere Lohnkosten zu senken. Es tut mir so leid.“
Ich war fassungslos. Ich wurde gefeuert? An meinem Geburtstag? Einen Tag, nachdem ich das größte Geschäft des Jahres abgeschlossen hatte? Passierte das hier gerade wirklich?
„Aber … ich – ich habe doch gestern den Vertrag abgeschlossen …“ Vor lauter Schock und Unglauben konnte ich kaum ein paar Worte murmeln.
„Das wissen wir alle, Bella“, antwortete Susan, diesmal mit weniger Gefühl in der Stimme. „Wir sind alle stolz auf dich. Aber du weißt so gut wie ich, dass sich die Lage dieses Jahr wohl nicht verbessern wird. Auch nicht im nächsten Jahr.“
„Dieser Vertrag, den du mit 99 Cents unterschrieben hast, wird nicht genug Geld einbringen, um diese Firma über Wasser zu halten. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir müssen vielleicht schon im Herbst unsere Türen schließen.“
„Aber … ich darf diesen Job nicht verlieren. Ich brauche ihn“, flehte ich sie an. Ich versuchte krampfhaft, die Tränen in meinen Augen zurückzuhalten. „Kannst du mich in eine andere Abteilung versetzen? Oder zu einer anderen Firma in unserer Gruppe? Bitte!“
„Ich wünschte wirklich, ich könnte dir Hoffnung machen, Bella.“ Susan klang nun viel distanzierter. Ihre Augen verengten sich. Das anfängliche Mitgefühl war nun einer harten Professionalität gewichen.
„Aber das gesamte Unternehmen hat in diesem Frühjahr auf den Finanzmärkten schwere Verluste erlitten. Jemanden zu versetzen, ist im Moment einfach nicht möglich. Vielleicht in ein paar Monaten …“
Meine Schultern waren völlig verspannt, als sie mir für die Zukunft alles Gute wünschte. Ich wusste allerdings nicht, ob sie das auch wirklich ernst meinte. Mein Herz schlug mir schmerzhaft bis zum Hals, während ich sie ansah. Ich konnte die Situation, in der ich mich plötzlich befand, einfach nicht begreifen.
Ich verließ ihr Büro in völliger Bestürzung und konnte es nicht fassen. Es war schwer, diesen plötzlichen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Das war der einzige gut bezahlte Job, den ich in den letzten Monaten in Athena City finden konnte. Und nun hatte ich ihn verloren.
Meine Ersparnisse waren kaum der Rede wert. Es war sehr unwahrscheinlich, dass ich bald einen neuen Job finden würde. Vor allem keinen, der gut bezahlt war. Vor mir lagen nun wohl Monate der Arbeitslosigkeit.
Gott sei Dank hatte ich Simon.
Simon war mein einziger Lichtblick. Er war mein Freund und hatte ein festes Einkommen. Er könnte mich für eine Weile unterstützen. Ich könnte von seinem Geld leben, bis ich einen neuen Job gefunden hätte. Ich wusste, dass er mir gerne helfen würde. Er hatte immer behauptet, dass er für mich da sei, ganz egal, wie schwer die Zeiten auch waren.
Ich atmete erleichtert auf. Es war noch nicht alles verloren.
Ich versuchte zu lächeln. Immerhin war heute mein Geburtstag. Und ich konnte den Rest des Tages mit Simon verbringen.
Ich konnte diesen Tag immer noch zu etwas Besonderem machen.
Simon und ich hatten uns vor einem Jahr an einem Sommerabend kennengelernt. Ich war gerade mit sehr wenig Geld einkaufen. Dabei stieß ich auf diese hübsche kleine Boutique an der Ecke, und er hatte mich angesprochen.
Eins führte zum anderen, und schließlich landete ich in seinen Armen. Wir führten nun schon seit einem Jahr eine feste Beziehung. Vor sechs Monaten hatte er mich gebeten, bei ihm einzuziehen.
Ich kam an einer kleinen Bäckerei an der Ecke vorbei. Dort ging ich immer einkaufen, seit ich bei Simon eingezogen war. Also beschloss ich, mir selbst einen Geburtstagskuchen zu kaufen.
Und dann kaufte ich noch Lavendel. Einen ganzen Strauß davon. Das sind meine Lieblingsblumen. Normalerweise schenkt man Lavendel nicht zum Geburtstag. Aber solange ich mich erinnern konnte, hatte ich an jedem Geburtstag einen frischen Strauß davon bekommen.
Mit dem Kuchen und den Blumen in der Hand ging ich zügig zu der Wohnung, die ich mit Simon teilte. Ich fragte mich, wie überrascht er sein würde, wenn er sah, dass ich schon um diese Uhrzeit nach Hause kam.
Ich war mir sicher, dass er sich Sorgen machen würde, weil ich meinen Job verloren hatte. Aber da heute mein Geburtstag war, würde er bestimmt alles tun, um mich aufzumuntern.
So ein toller Typ war Simon einfach.
Als ich die Wohnung betrat, schien jedoch etwas nicht zu stimmen. Die Tür war nicht abgeschlossen, sondern nur angelehnt. Überall auf dem Boden im Wohnzimmer lagen Kleider verteilt. Simon war eigentlich nie so unordentlich. Er wusste genau, dass ich es hasste, wenn er seine Kleidung auf dem Boden liegen ließ.
Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Mein Blick wanderte durch den Raum, während ich versuchte, die Blumen und den Kuchen sicher zu halten. Mir stockte der Atem, als ich einen Rock sah, der zwischen den weggeworfenen Kleidungsstücken lag.
Ich machte einen Schritt nach vorn. Das ist nicht mein Rock …
Mein Puls pochte heftig an meinem Hals. Ich schlich lautlos auf Zehenspitzen zur Schlafzimmertür. Schockiert und voller Entsetzen blieb ich sprachlos stehen, als ich sah, was sich drinnen abspielte.
Zwei Paar Schuhe lagen wild verstreut vor der Schlafzimmertür, als wären sie in großer Eile ausgezogen worden. Ein Paar gehörte Simon. Das andere Paar waren hochhackige Stilettos.
Und dann hörte ich es. Ein Geräusch, das ich schon einmal gehört hatte. Ein Geräusch, bei dem mir ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Das Stöhnen wiederholte sich ununterbrochen. Es war die Stimme einer Frau, die in regelmäßigen Abständen aufstöhnte.
Was passierte hier gerade?
Mit zitternden Fingern riss ich die Schlafzimmertür auf.
Ich schnappte nach Luft.
Der Kuchen und die Blumen fielen vor meinen Füßen krachend auf den Boden, und mit ihnen brach mein Herz.
Ich konnte meinen Augen nicht trauen.
Simon und eine andere Frau lagen auf dem Bett. Beide waren splitternackt und schweißgebadet. Sie strahlten jene tiefe Befriedigung aus, die auf leidenschaftlichen Sex folgt. Beide schämten sich überhaupt nicht für ihre Nacktheit und zeigten völlig offen ihr schamloses Verhalten.
Sie machten sich nicht einmal die Mühe, sich zuzudecken, als ich ins Zimmer trat.
Ich erkannte die Frau. Es war Lily. Sie und Simon arbeiteten zusammen und standen sich immer sehr nah. Ständig flüsterten sie miteinander und suchten oft Körperkontakt.
Ich fand das nie angemessen. Aber er tat es immer mit einem abwinkenden Lächeln ab und sagte: „Du musst dir keine Sorgen machen, Babe. Wir sind nur Kollegen und gute Freunde.“
Und jetzt hatte ich diese beiden „guten Freunde“ gerade dabei erwischt, wie sie miteinander schliefen. Auf dem Bett, das wir gemeinsam ausgesucht und in dem wir das letzte halbe Jahr geschlafen hatten. In dem Zimmer, das wir zusammen eingerichtet hatten. Und in der Wohnung, für die wir beide den Mietvertrag unterschrieben hatten.
Mein Blick sprang verzweifelt zwischen den beiden hin und her. Ich suchte nach Antworten, doch ich konnte auf keinem ihrer Gesichter auch nur eine kleine Spur von Reue entdecken.
„Was zum Teufel geht hier vor?“ Meine schrille Stimme klang in meinen eigenen Ohren völlig fremd. „Simon, was zum Fick!“
Simon starrte an die Decke und dann auf den Boden. Er sah überall hin, nur nicht in meine Augen. Als wäre es eine große Anstrengung für ihn, mich anzusehen. Und Lily machte gar keine Anstalten, überhaupt aufzustehen.
„Simon, ich verlange eine Antwort“, schrie ich und ballte meine Hände fest zu Fäusten.
„Eine Antwort worauf?“, feuerte er zurück und fuhr sich mit der Hand durch sein kastanienbraunes Haar. „Ich weiß nicht, was du von mir willst.“
„Willst du mich verarschen?“, rief ich, und meine Stimme war ganz rau, weil ich die Tränen zurückhielt. „Du hast an meinem Geburtstag mit einer anderen Frau geschlafen! Wie konntest du nur?“
Lily kicherte neben ihm, und ein hämisches Grinsen zuckte in ihren Mundwinkeln. Sie wickelte weiterhin eine rote Haarsträhne um ihren Finger. Es war ihr völlig egal, dass meine Welt gerade in Stücke brach.
„Warum bist du nicht bei der Arbeit?“, fragte er mich schamlos. In seinen tiefblauen Augen lag kein bisschen Bedauern.
„Ist das der Grund, warum du mit ihr ins Bett gegangen bist? Weil ich jetzt eigentlich bei der Arbeit sein sollte? Schäm dich, du Sohn einer …“
Ich konnte Simon nicht länger in die Augen sehen. Ohne meinen Satz zu beenden, rannte ich aus dem Zimmer.
Warum, Simon? Warum ich? Warum ausgerechnet heute?
Simon und Lily sahen mit leeren Gesichtern zu, wie ich unter Tränen meine Sachen zusammensuchte. Ich packte alles, was ging, in einen großen Koffer und lief hinaus. Nicht ein einziges Mal hat er sich für seinen Betrug entschuldigt oder versucht, mich aufzuhalten.
Zur Hölle mit ihm und seinem Flittchen. Ich will ihre Gesichter nie wieder sehen.
Aber das änderte natürlich nichts an der Tatsache, dass ich mit einem gebrochenen Herzen davonging.
Eine Stunde lang zog ich meinen Koffer ziellos durch die Straßen von Athena City. Es gab zwei Dinge, die mich in meinem Leben glücklich machten: mein Job und mein Freund. Und beide hatte ich heute verloren.
An meinem zwanzigsten Geburtstag.
Innerhalb von nur wenigen Stunden war ich pleite, arbeitslos, ungeliebt und obdachlos geworden.
Wie konnte nur alles so schnell schiefgehen?
Ich setzte mich auf den Bürgersteig am Straßenrand, legte die Hände an den Hinterkopf und beugte mich nach vorn, um mein Gesicht auf meinen Knien zu verbergen.
Eine Träne entwich meinen Augen und rollte ungewollt meine Wange hinunter.
Innerhalb von Sekunden brachen alle Dämme. Die Tränen strömten über meine Wangen und tropften auf den Boden. Vor lauter Frust und Verzweiflung weinte ich mir die Seele aus dem Leib.
Und dann hörte ich diese Worte: „Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut. Gib einfach nicht auf.“
Das waren die einzigen tröstenden Worte, die ich am ganzen Tag gehört hatte. Ich wagte es in meinem Zustand nicht, aufzuschauen. Ich wollte das Gesicht des Mannes nicht ansehen, der stehen geblieben war und nun direkt vor mir stand. Ein Mann, der offensichtlich ein gutes Herz und eine sanfte Seele hatte. Er streckte seine Hand nach mir aus und hielt mir ein Papiertaschentuch hin.
„Danke.“ Ich nahm das Taschentuch, ohne aufzublicken. Die Tränen schossen wie ein Wasserfall aus meinen Augen. Es war sicher kein schöner Anblick, deshalb hielt ich meinen Kopf weiter gesenkt.
Aber mir fiel etwas auf: ein Tattoo auf seinem Handgelenk. Ein fliegender Adler, der gerade majestätisch in den Himmel steigen wollte. Es war genau in der Mitte des Handgelenks, das er mir entgegengestreckt hatte.
„Es ist wirklich sehr nett von Ihnen, dass –“ Bevor ich meinen Satz beenden konnte, ging er weiter. Er ließ mich einfach allein und entmutigt zurück.
Ich sah seinen Füßen nach, wie sie auf die belebte Kreuzung zugingen. Bald gingen sie in der Masse der vorbeieilenden Menschen unter und verschwanden aus meinem Blickfeld.
Ich schaute auf meine Uhr. Es war sechs Uhr.
Plötzlich hatte ich das dringende Bedürfnis, mich in Alkohol und Einsamkeit zu ertränken. Ich wollte einfach, dass der Alkohol den stechenden Schmerz in meiner Brust betäubt. Ich wollte alles vergessen, was heute passiert war, und wenn auch nur für diese eine Nacht.
Ich wollte mich einfach nur abschießen.
Mit diesem Entschluss machte ich mich auf den Weg zu Billy’s Tavern, einer schäbigen Bar in der Innenstadt. Der alte Billy schenkte den billigsten Alkohol zum niedrigsten Preis aus. Ich war jetzt pleite und obdachlos. Welcher Ort wäre also besser geeignet, um meine Sorgen zu ertränken?
In kürzester Zeit trank ich mehr Alkohol als je zuvor in meinem ganzen Leben. Und gerade als ich dachte, mein Ziel erreicht zu haben und völlig betrunken zu sein, fiel mir ein paar Tische weiter etwas Verdächtiges auf.
Zwei kräftig gebaute Kerle schienen gerade etwas Weißes, Pulverartiges in das Getränk eines dritten Mannes zu kippen. Der dritte Mann war nicht am Tisch. Die beiden mischten ihm ganz offen und völlig ungeniert etwas ins Getränk.
Neugierig geworden, beobachtete ich schweigend, wie der dritte Mann kurz darauf aus der Toilette kam. Er griff nach seinem Drink und setzte sich wieder zu seinen Kumpels. Er kippte das Getränk wie ein Verdurstender hinunter, als hinge sein Leben davon ab.
Sollte ich einschreiten und ihm sagen, dass seine Freunde ihm etwas ins Glas gemischt hatten? Ein Teil von mir sagte, dass ich das tun sollte. Ein anderer Teil riet mir, auf meine Uhr zu schauen. Ich sollte mich daran erinnern, dass dieser furchtbare Tag noch ein paar Stunden hatte. Ich war hier, um mich zu betrinken und die Ereignisse des Tages zu vergessen. Mehr nicht.
Und dann fiel es mir auf. Schon wieder.
Als der dritte Mann die Hand hob, um aus seinem Glas zu trinken, sah ich es. Es war ganz leicht zu erkennen. Schließlich hatte ich es am frühen Abend schon einmal gesehen.
Das Tattoo eines fliegenden Adlers, genau in der Mitte seines Handgelenks.

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