
Erlösung
Autor:in
Robert R Sytnick
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Kapitel
47
Kapitel 1.
. . Die Straßenlaterne an der Ecke Higgins und Vierunddreißigste Straße flackert auf, als die Nacht über die Stadt in Arizona hereinbricht.
Der Himmel grollt bedrohlich. Dunkle Wolken türmen sich auf wie eine Armee vor der Schlacht. Dann prasselt der Regen los.
Die Augusthitze weicht rasch der Abkühlung durch den heftigen Regenguss. Von den nassen Straßen steigt ein seltsamer Dunst auf, als hätten sie Angst oder fühlten sich verpflichtet.
Um Viertel vor Mitternacht hält ein Stadtbus an der Ecke. Ein Mann mit einer großen Tasche steigt aus.
Er trägt einen langen, dünnen grauen Armeemantel, der um die Taille gebunden ist. Dazu braune Hosen und blank geputzte Schuhe.
Er stellt seine Tasche ab und nickt dem Busfahrer zu, während er seine Camel Zigaretten hervorkramt. Der Fahrer erwidert das Nicken und schließt die Tür.
Der Geruch von Dieselabgasen mischt sich mit der Nachtluft, als der Bus die Vierunddreißigste Straße entlangfährt.
Der Mann zündet seine Zigarette mit einem Streichholz an, das er an seiner Tasche anreißt. Er zieht den Rauch tief ein und spürt, wie die Anspannung der langen Reise von ihm abfällt.
Er rückt seine Armeemütze zurecht, schultert seine Tasche und tritt auf die gepflasterte Straße.
Mit beiden Händen klemmt er sich die Zigarette zwischen die Lippen und schlägt den Mantelkragen hoch, um den Regen abzuhalten. Diese schnelle Bewegung lässt ihn frösteln - ein Gefühl, das ihn die letzten vier Kriegsjahre begleitet hat.
Das Licht der Straßenlaterne wird im prasselnden Regen schwächer, als er die Zigarette wegschnippt. Sie fällt auf das Kopfsteinpflaster. Wasserpfützen vereinen sich zu einem Rinnsal, das die Kippe lautlos in den Gully spült.
Er überquert die Straße und stellt sich unter das Vordach von Chow's Chinarestaurant, einem Lokal, in dem er früher oft gegessen hat.
Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, und schöne Erinnerungen steigen in ihm auf, als er zum alten Hydranten an der Ecke geht. Die Farbe mag verblasst sein, aber seine Gefühle sind noch immer lebendig.
Er fährt mit dem Finger über die Herzform, die noch immer in den Hydranten geritzt ist. Sein Herz schlägt schneller und eine tiefe Sehnsucht erfasst ihn, während sich seine Tränen mit dem Regen vermischen.
Die Finger des Mannes tasten weiter über die Namen, die er vor langer Zeit in die Herzform geritzt hat. Bald würde er zu Hause sein, endlich zu Hause bei seiner Frau und Jugendliebe Barbara.
***
Ich bin der Mann in dieser Geschichte. Der Mann, der an jenem regnerischen Augustabend 1945 um Viertel vor Mitternacht an der Ecke Higgins und Vierunddreißigste Straße aus dem Bus stieg. Ein Soldat, der nach vier Jahren Krieg heimkehrte.
Ich fühle mich, als würde mich jemand von oben beobachten und verurteilen. Bei jedem Atemzug ist es, als würden rostige Nägel in mein Herz getrieben.
Ich bin viele Nächte schweißgebadet und verängstigt aufgewacht, gequält von Albträumen über den Krieg und meine Heimkehr.
Ich habe unzählige Zigaretten geraucht und Flaschen geleert, um meine Schuldgefühle zu betäuben. Diese Dinge haben mich auf meiner schweren Reise begleitet.
Ich weiß, dass die schrecklichen Nächte bald zu Reue am Tag werden. Die quälenden Erinnerungen werden mich weiter heimsuchen, wie eine schleichende Krankheit.
Ich kann weder meine Vergangenheit ändern noch mein Schicksal. Ich muss meine Geschichte erzählen, bevor die Schuld übermächtig wird und ich den letzten Rest Verstand verliere, der mir noch geblieben ist. Ich bin Richard Noble, Private First Class, und dies ist meine Geschichte.














































