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Belle Island 2: Die liebste Flussnymphe

Autor:in
C. Swallow
Gelesen
17,3K
Kapitel
25
Autor:in
C. Swallow
Gelesen
17,3K
Kapitel
25
🔺Dreier🎭Drama🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy👑Königshaus & Aristokraten🧜🏼‍♀️Meerjungfrauen

Sophie, eine einsame Flussnymphe, beschützt das Waisenhaus, das tief in ihrem Sumpf verborgen liegt. Ihre Welt ist voller Moos, Krabben und stiller Gewässer – doch ihre Träume flüstern immer wieder von einer Dunkelheit, der sie nicht entkommen kann. Dann taucht Ezra auf, ein Meermann-Prinz auf der Suche nach einem Schatz, der stattdessen sie entdeckt. Hinter seinem Charme verbergen sich Geheimnisse, und sein Schwur, ihre zu entschlüsseln, könnte entweder etwas Mächtiges entfachen … oder genau jenen Fluch entfesseln, den sie so sehr fürchtet. Zwischen Herzschmerz und Schicksal muss Sophie entscheiden, ob es sie heilen oder zerstören wird, wenn sie ihm ihre wohlbehütete Welt öffnet. Kann man der Liebe im Aufeinandertreffen von Wasser und Gezeiten vertrauen – oder ist sie nur eine weitere Art von Sturm, der darauf wartet, loszubrechen?

Ein kostbarer Fund

SOPHIE

Feuchtigkeit. Moos. Und kleine Einsiedlerkrebse. Ich staple sie als Glücksbringer übereinander. Ich gebe ihnen immer Namen, wenn ich das tue.
„Juniper, für die Heilung.“ Ich setze den ersten Krebs ab. „Goop, für die Sicherheit. Keeper, zum Verbergen. Forest, als Deckung. Der kleine, zerbrochene und tote Nemphyus, ein Geschenk für den Gott des Todes.“ Fünf aufeinandergestapelte Einsiedlerkrebse – sie fallen alle herunter. Ich wende mich vom Rand des Sumpfes ab, hin zu den Seerosenblättern und dem kristallklaren Wasser, und halte dabei die Leiche eines aufgedunsenen Mannes.
Tot.
Ich ziehe ihn aus dem Wasser und bette ihn auf das Schilf, das ich für seine letzte Ruhestätte gesammelt habe. Ich bin zwar klein, aber meine Kraft ist groß.
Nun liegt er dort, damit die Käfer ihn fressen können. Ein Landtier, das jetzt auf dem Land ruht.
„Gute Nacht“, flüstere ich, während ich davontreibe, weiter in den Fluss hinein und zurück in die Sumpflandschaft.

EZRA

Sie ist das Süßeste, das ich je gesehen habe. Sie hat große, amethystfarbene Augen.
Aber sie stapelt auch kleine Krebse und flüstert dabei kindische Geschichten. Oder vielleicht ist es ihre Art von Fluch oder Zauberspruch.
Dann dreht sie sich um. Im nächsten Moment zieht sie meine tote Beute aus dem Wasser und wünscht ihm frech eine gute Nacht. Das ist heiß. Es macht meinen Schwanz steinhart.
Sie ist so seltsam.
Kleine Hörner wachsen aus ihrem Kopf, wie bei einem Geweih. Ihr hellgrünes Haar ist lang und voller Flussblumen. Aber sie hat keinen Schwanz. Hat sie etwa Schwimmhäute an den Füßen?
Was in der Tiefe…
Sie ist keine Meerjungfrau.
Sie ist etwas anderes.
Ich bin ein Erebos. Ich snacke gerne kleine Meerjungfrauen, aber ich weiß nicht, was sie ist. Daher zögere ich, sie zu töten.
Meine arme Mutter wäre enttäuscht von meinen Absichten. Doch mein Vater wäre stolz darauf, wie ich meinen Raubtierinstinkt annehme.
Mein Ohr zuckt, als ich hinter mir einen falschen Vogelruf höre. Mein Stamm ruft mich zurück.
Meine Erebos-Freunde und ich suchten nach einem Abenteuer abseits des Ozeans. Also haben wir uns schließlich hier in der Nähe niedergelassen. An einem verfluchten Sumpf im Landesinneren.
Ich gehe zurück, lautlos bei jedem Schritt.
Zuerst sehe ich Merwyn, der an einem Lagerfeuer entspannt, während seine Sirenen-Freundin ihm den Schwanz lutscht.
Ich rolle mit den Augen. Er prahlt regelrecht damit und lässt seinen durchdringenden Blick über mich wandern.
Coraline himmelt ihn ununterbrochen an. Anfangs war das ja noch süß, aber jetzt nervt es nur noch.
„Trocknest du eigentlich nie aus?“, zische ich und mache mich über beide lustig.
„Du bist eine verdammte Jungfrau und ein Prinz – versuch gar nicht erst, mir auf die Eier zu gehen.“ Merwyn rollt sich auf den Rücken. Er macht lauter seltsame Geräusche, damit die anderen sie hören und erwidern können.
„Jungfrau?“ Ich versuche, nicht zu schnauben. „Das sollen die Leute ja auch glauben, du Forellenschwanz. Cora leckt dir ja schon die Schuppen von den Eiern.“ Ich grinse selbstgefällig, als Merwyn sie von sich stößt und sich aufsetzt, um nachzusehen.
„Argh, DAS GIBT'S DOCH NICHT.“ Merwyn springt auf und geht davon, während er leise vor sich hin flucht.
„Habt ihr etwas zu essen gefunden?“, frage ich die anderen, als sie aus dem Nebel hervortreten. Sie sehen blass und hungrig aus.
„Nein.“ Titan führt sie durch das Schilf zurück. Er ist meine rechte Hand und mein bester Freund. „Aber wir haben ein paar Menschen aufgespürt, die in einem Sumpfhaus weiter oben am Fluss leben. Wir könnten sie essen.“
„Ich habe sterbliches Blut satt. Das reicht mir einfach nicht.“ Ula setzt sich neben mich. Sie ist meine andere beste Freundin, obwohl sie Sirenen lieber mag als Erebos.
„Ich habe etwas anderes gefunden.“ Ich lächle. „Eine Art Wasserfee.“
„Eine Flussnymphe?“ Merwyn kommt direkt wieder zurück und knurrt. „Die gibt es gar nicht, Ezra. Hast du jetzt Wahnvorstellungen? Wir müssen zurück in die Tiefe.“
„Sie hatte Schwimmhäute an den Füßen und ein kleines Geweih.“ Ich ignoriere ihn und erzähle den anderen, was ich gesehen habe. „Und sie hat für kleine Krebse gesungen.“ Wie amüsant.
„Hast du sie probiert?“, fragt Ula und sabbert dabei fast.
„Nein. Ich weiß nicht, ob sie giftig ist“, murmle ich, während ich mir denke, dass das durchaus möglich ist.
„Leg dich bloß nicht mit Flussnymphen an.“ Merwyn setzt sich wieder ans Feuer und beginnt, frisches Wasser für uns alle einzuschenken. „In den Märchen, die wir gelernt haben, haben sie einen stillen Jähzorn. Sie töten mit einem Lächeln.“
„Das tue ich auch“, werfe ich ein. „Worauf willst du hinaus?“
„Seltsam ist nicht das richtige Wort für sie“, fügt Titan hinzu, der deutlich reifer ist. „Korallen-Meerjungfrauen sind seltsam. Aber Nymphen sind nicht so. Sie sind noch einmal ganz anders.“
„Wo hast du das überhaupt gehört?“, zischt Ula Merwyn an.
„In der Fischschule, offensichtlich.“ Cora versucht, mit Merwyn zu kuscheln, aber er hat die Nase voll von Romantik und rückt auf ihrem Baumstamm von ihr weg.
Cora schaut besitzergreifend finster drein und ballt die Hände zu Fäusten, um ihre schnell aufkochende Wut zurückzuhalten.
„Schlaft alle mit einem offenen Auge“, wirft Titan ein. Er legt sich hin, und drei Sirenen kuscheln sich an seine Seiten. „Diese Sumpflandschaften bergen viele unvorhergesehene Gefahren. Ezra, vergiss die Nymphe. Es ist deine Pflicht, am Leben zu bleiben. Lily bringt mich um, wenn du giftiges Blut trinkst. Und Eros wird uns alle töten. Und hör auf, einfach ohne einen Freund loszuziehen.“ Titan ist zehn Jahre älter als ich und mein Mentor. Aber in solchen Momenten möchte ich den Stamm am liebsten einfach verlassen.
Er ist lustig, wenn wir Spaß haben, aber nicht, wenn er mir Vorträge über die verdammten Regeln hält.
Sie folgen mir immer.
Ich lege eigentlich gar keinen Wert auf ihre Gesellschaft.
Aber eine große Gruppe bedeutet Sicherheit für alle, die sonst meinem Appetit zum Opfer fallen würden, wenn sie mich nicht von meiner Natur ablenken.
Mein Hunger ist blutig, unersättlich und alles verzehrend. Das Verlangen nach dem Blut von Meerjungfrauen treibt die meisten Erebos mit zunehmendem Alter zu seltsamen Verhaltensweisen.
Man sagt mir, dass es vom jungen Erwachsenenalter bis zum vollen Erwachsensein noch schlimmer wird.
Es ist an der Zeit für mich, in meine Blütezeit hineinzuwachsen.
Die Geschichten meines eigenen Vaters über seine Gemetzel quer durch die Meere sind wahnsinnig amüsant.
Ich bin genau wie er. Nur mit der Geduld meiner Mutter.
Wahrscheinlich ist das das einzig Nette an mir.
Ich mag es nicht, mich bei meiner Beute zu beeilen.
Ich beschließe, dass morgen Nacht ein guter Zeitpunkt ist.
Ich werde das Flussmädchen jagen, wenn ich bereit bin.
Sie ist ganz offensichtlich auch erwachsen, verhält sich aber wie ein einfaches, unschuldiges Ding… Verbirgt sie vielleicht einen Killerinstinkt?
Das muss ich auch noch herausfinden. Bevor sie zwischen meinen rasiermesserscharfen Reißzähnen stirbt.

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