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Die unentdeckte Macht des Wolfes

Autor:in
Sarah Tribus
Gelesen
16,8K
Kapitel
36
Autor:in
Sarah Tribus
Gelesen
16,8K
Kapitel
36
💕Romantik👱🏽‍♀️Teenager💔Abgelehnter Gefährte🐺Werwölfe & Gestaltwandler👩‍❤️‍👨Wahrer Gefährte💘Schicksalsgefährten💪🏻Beschützer🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy🧙‍♀️Hexen & Zauberer🧛🏻Übernatürlich

Mit siebzehn Jahren versteckt sich Skara hinter dem Label eines schwachen Omegas und erträgt die täglichen Spötteleien und blauen Flecken an einer Wolfsschule, die vom Sohn des Alphas beherrscht wird. Doch Skara ist nicht die, für die sie alle halten. Hinter der Stille, den Verletzungen und dem gesenkten Blick summt die Macht – uralt, gefährlich und auf wunderbare Weise ihr eigen. Um zu überleben, ist sie gezwungen, unsichtbar zu bleiben, und muss die Wahrheit über ihr wahres Wesen maskieren: Sie ist eine seltene Hybride mit Magie im Blut und einem Schicksal, das sich nicht länger unterdrücken lässt. Als die Gemüter hochkochen und erste Risse in ihren Geheimnissen entstehen, könnte ein einziger Blick aus den falschen grünen Augen alles entzünden, was sie so mühsam zu verbergen versucht hat.

Kapitel 1

SKARA

„Das hast du dir selbst zuzuschreiben“, donnerte Bunnys Stimme, während sie auf mich einschlug.
Ich hasste es, aber ich hatte keine Wahl. Ich musste mich zurückhalten, so wie ich es meinem Vater versprochen hatte.
Ich lag bereits am Boden, Blut lief mir aus der Nase, während ihre Rudelmitglieder und ihr Alpha über mich lachten. Für sie war ich nichts weiter als Unterhaltung.
Sie waren allesamt Abschaum und Monster, die ihren Status und die Erlaubnis ihres Alphas ausnutzten, um mich ständig zu schikanieren. Es tat weh, wie sehr ich mich danach sehnte, mich zu wehren.
„Bunny, ich denke, das reicht fürs Erste“, sagte Alpha Keno zu der Schlampe, die ohne zu zögern weiter auf mich einschlug. Die Freude in ihrem Gesicht drehte mir den Magen um.
Seine Stimme löste ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch aus, etwas, das ich nie verstanden hatte. Etwas, das mich Dinge vermuten ließ, über die ich nicht nachdenken wollte.
Bunny sah von außen aus wie ein Engel – blonde Haare und perfekte Gesichtszüge. Aber in ihrem Inneren war sie der reinste Horror.
Sie trat mir noch einmal in die Rippen, bevor sie endlich von mir abließ. Dann ging sie davon, als wäre nichts geschehen.
Ich lag eine Weile auf dem Rasen des Schulhofs hinter der Turnhalle. Meine Wölfin Rixa kochte vor Wut in mir, und auch sie musste sich zurückhalten, was uns beide innerlich zerriss.
Oh Gott, womit hatte ich das verdient?
Bunny hatte mich vorhin zum Stolpern gebracht, sodass ich der Länge nach hingefallen war. Arrogant wie sie war, hatte sie mir befohlen, mich zu entschuldigen, doch das hatte ich nicht getan. Also hatten sie und ihr Rudel mich hinter die Turnhalle geschleift, und sie hatte mich grün und blau geschlagen.
Ich wischte mir das Blut von der Nase und setzte mich langsam auf. Meine letzte Unterrichtsstunde war ohnehin vorbei, also konnte ich genauso gut nach Hause gehen.
Ich ging zu meinem Fahrrad und fuhr Richtung Stadtrand. Aus Sicherheitsgründen war ich bei meiner Tante und meinem Onkel aufgewachsen und sah meinen Vater nur einmal im Jahr – an meinem Geburtstag.
Onkel Reggie war ein Wolf, und Tante Liliane war eine Hexe, genau wie meine Mutter es gewesen war, bevor sie bei meiner Geburt starb. Beide hatten mich wie ihr eigenes Kind großgezogen und mir alles gegeben, was ich je brauchen konnte.
Als ich unser Haus betrat, war ich überrascht, Geräusche aus der Küche zu hören. Eigentlich sollte noch niemand zu Hause sein.
Einen Moment später tauchte der Kopf meiner Tante auf, doch ihr Lächeln verwandelte sich schnell in Entsetzen. „Was ist passiert, mein Schatz? Sag mir nicht, dass es schon wieder Alpha Keno und seine Bande waren.“
„Du weißt davon?“ fragte ich mit weit aufgerissenen Augen. Bisher hatte ich es geschafft, meine Verletzungen vor ihr und Onkel Reggie komplett zu verbergen.
Sie kam auf mich zu und musterte mein Gesicht genau. „Auch wenn du versucht hast, es zu verstecken und deine Wunden sehr schnell heilen – ich kenne dich gut genug. Mir ist es in letzter Zeit aufgefallen, und ich bin dir sogar einmal zur Schule gefolgt.“
Sie nahm ein Tuch und wischte mir das Blut aus dem Gesicht. „Mein Schatz, ich glaube, es wäre am besten, wenn wir deinen Vater informieren. Er würde so etwas nicht dulden. Er sagt zwar, du sollst nicht auffallen, aber das heißt nicht, dass du dich ständig verprügeln lassen musst. Ich wusste schon, dass der Umzug hierher keine gute Idee war, aber das hier ist das Allerschlimmste.“
„Nein, wir erzählen meinem Vater gar nichts!“ schrie ich, und Panik durchflutete mich.
Ich wollte ihn nicht enttäuschen. Er würde denken, ich sei schwach, weil ich nicht allein damit klarkam.
Liliane sah mich erschrocken an wegen meines Ausbruchs. Dann wurde ihr Blick stolz, aber auch traurig. „Schatz, ich weiß, dass du deinen Vater nicht einbeziehen willst, aber wir müssen etwas tun. So kann es nicht weitergehen.“
Oh, meine Tante war wirklich die Beste.
Ich sah sie einen Moment lang einfach nur an. Liliane hatte schwarzes, schulterlanges Haar, braune Augen und eine sportliche Figur, die sie wie ein Model aussehen ließ. Sie war wunderschön, innen und außen.
„Es sind nur noch ein paar Wochen bis zum Abschluss und meinem achtzehnten Geburtstag“, sagte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten. „Danach bin ich endlich weg und kann zu meinem Vater und unserem Rudel. Ich schaff das.“
Sie lächelte mich stolz an und zog mich in eine Umarmung. Ich zuckte leicht zusammen, weil Bunny mich an so vielen Stellen geschlagen und getreten hatte.
In diesem Moment kam Onkel Reggie herein. Eigentlich sollte er noch bei der Arbeit sein. „Was ist los? Ist etwas passiert?“ fragte er, und sein Blick wanderte sofort zu meinem Gesicht.
Meine Tante löste unsere Umarmung und wandte sich mir zu. „Mach dich fertig, das Essen ist gleich soweit.“
Ich duschte in meinem Badezimmer und stellte erstaunt fest, dass alle meine Wunden bereits verheilt waren. Ja, ich heilte schnell, aber das war ein neuer Rekord.
„Du wirst bald volljährig, und je näher der Zeitpunkt rückt, desto stärker wirst du“, sagte meine Wölfin Rixa. „Bald wird deine Heilung nur noch einen Wimpernschlag dauern.“
Ich antwortete mit Schweigen. Das war nichts Neues für mich.
Langsam stieg ich aus der Dusche und wickelte mir ein Handtuch um den Körper. Im Spiegel bewunderte ich mein langes, braunes, leicht welliges Haar, das mir über die Schultern fiel.
Ich stellte mir langsam vor, wie es trocknete, und tatsächlich tat es das. Mit jedem Tag wurden meine Hexenkräfte stärker – etwas, das ich streng für mich behielt.
Mit einem Fingerschnippen war ich vollständig angezogen.
Ich trug eine eng anliegende dunkelblaue Jeans und ein Top, das sich an meine Taille schmiegte und meine trainierte, schlanke Figur betonte. Meine braun-silbernen Augen funkelten vor Freude bei meinem Anblick, und meine innere Wölfin Rixa pfiff anerkennend.
Ich wusste, dass ich so etwas nicht in der Schule tragen konnte, aber in meiner Freizeit gönnte ich mir all die schönen Dinge, die meine Figur betonten und zur Geltung brachten. In der Schule hielten mich alle für eine schwache Omega, also den niedrigsten Rang in einem Rudel, und das war auch gut so.
Doch ich war keine Omega. Um meine wahre Herkunft und meine wahre Stärke zu verbergen, hatte meine Tante einen sehr mächtigen Zauber auf mich gelegt. Erst an meinem achtzehnten Geburtstag würde meine wahre Stärke freigesetzt werden, und erst dann konnte ich den Zauber meiner Tante aufheben.
Aber mein Vater hatte mich gebeten, damit bis zu unserem Treffen zu warten. Lustigerweise fiel mein Geburtstag genau auf den letzten Schultag, und der sollte in zwei Monaten sein.
Mein Wolfstraining mit Onkel Reggie hatte ich bereits erfolgreich abgeschlossen. In letzter Zeit hatte ich ihn jedes Mal besiegt, und er konnte mir nichts mehr beibringen. Nur das Hexentraining mit meiner Tante lief noch, und das auch nur, weil ich meine Magie absichtlich zurückhielt.
„Skara, Essen ist fertig!“ rief meine Tante, und ich rannte sofort in die Küche. Ich liebte Essen, und meine Tante war außerdem die beste Köchin der Welt.
Als ich in der Küche ankam und mich hinsetzte, sah mich mein Onkel Reggie mit einem vertrauten Gesichtsausdruck an und sagte: „Wie geht es dir? Liliane hat mir alles erzählt – vielleicht sollte ich mal beim Direktor vorbeischauen.“
Ich lächelte und antwortete: „Mir geht es gut. Alles in Ordnung. Wenn du dich einmischst, wird es nur schlimmer. Es sind ja nur noch ein paar Wochen – ich schaff das.“
Mein Onkel war einmal der Beta des aktuellen Alphas Rento gewesen, zumindest bis er und meine Tante mich aufgenommen hatten, als ich zwei war. Da sie keine eigenen Kinder bekommen konnten, weil meine Tante bei einem Kampf schwer verletzt worden war, lag die Idee nicht so fern. Der Alpha hatte seinem Wunsch, das Rudel zu verlassen, nur widerwillig zugestimmt.
„Na gut, aber wenn irgendetwas passiert, kommst du zu mir, und ich regle das für dich!“ sagte er schließlich. Natürlich würde ich das nicht tun, denn ich wollte ihn nicht in Gefahr bringen.
Der Alpha des Rudels, dem dieses Territorium gehörte, war immer noch wütend auf ihn. Onkel Reggie musste die niedrigsten Arbeiten im Rudel verrichten, nur damit wir bleiben durften, und das gab mir ständig ein schlechtes Gewissen.
Mittlerweile hasste ich dieses Rudel – sie waren alle eingebildet, arrogant und hielten sich für etwas Besseres. Na ja, bis auf einen: Timo.
Timo, der kurzes schwarzes Haar, braune Augen und einen für einen Beta sehr durchtrainierten Körper hatte, war der zukünftige auserwählte Beta des Alpha-Sohnes. Er hatte mich nie ausgelacht oder geschlagen, es sei denn, es wurde ihm befohlen. Er warf mir immer mitleidige und entschuldigende Blicke zu, während ich gequält wurde, solange die anderen nicht hinsahen.
Ich spürte, dass er nicht billigte, was die anderen mir antaten, aber er half mir nie. Naja, wenigstens war Wochenende, und ich musste sie ein paar Tage lang nicht sehen.
Außerdem hatten wir wunderschönes Sommerwetter, und ich freute mich wirklich darauf, im Bach zu schwimmen. Dieser Bach lag auf unserem Grundstück, also hatte ich dort wenigstens meine Ruhe und musste nicht befürchten, geschlagen oder getreten zu werden.
Allein in die Stadt zu gehen war dagegen undenkbar, denn Alpha Keno und seine Anhänger waren immer dort. Wenn sie mich dort sahen oder ein anderes Rudelmitglied mich entdeckte, dauerte es nie lange, bis sie auftauchten und mich quälten.
Nach dem Essen verwandelte ich mich in meine weiße Wölfin Rixa und streifte frei über unser abgelegenes Grundstück. Zu meinem Entsetzen bemerkte ich nach einer Weile, dass ich die Grenze überschritten hatte. Rixa hatte den Lauf so sehr genossen, dass sie nicht darauf geachtet hatte.
In dem Moment, als ich mich umdrehte, stand plötzlich ein sehr großer brauner Wolf vor mir und musterte mich gründlich. Scheiße.
Ich vermutete sofort, wem dieser Wolf gehörte – seiner Größe nach konnte es nur ein Alpha sein. Wäre es Alpha Rento gewesen, hätte er mich komplett ignoriert und wäre weitergegangen. Daher wusste ich, dass es nur Keno sein konnte.
Zu meiner Überraschung griff er mich nicht an. Stattdessen verwandelte er sich zurück und sagte: „Wunderschön.“
Was?! Nein, das konnte nicht sein! Doch Rixa bestätigte, was ich schon früher an diesem Tag vermutet hatte.

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