
Nenn mich Sir Buch 1: Lev
Autor:in
Shala Mungroo
Gelesen
994K
Kapitel
50
Kapitel 1
JORDAN
„Deine Titten platzen gleich aus deinem Top, Jordan“, meinte Gina.
Ich schenkte meiner besten Freundin ein freches Grinsen und zupfte mein mit Pailletten besetztes Bandeau-Top über meiner üppigen Oberweite zurecht. Ich musste zugeben, manchmal sah ich mit meinen C-Körbchen und meinem zierlichen Körperbau so aus, als würde ich jeden Moment vornüberkippen, aber daran hatte ich mich inzwischen gewöhnt.
Es war der zwanzigste Geburtstag meiner besten Freundin Regina (kurz Gina). Wir verbrachten zusammen mit zwei unserer besten Freundinnen und Mitbewohnerinnen ein Wochenende im beliebten Cosmopolitan Hotel am Las Vegas Strip. Bevor nächste Woche die Uni wieder losging, wollten wir richtig feiern.
Wir waren alle im zweiten Studienjahr und wussten nur zu gut, dass dieses Jahr mehr von uns abverlangen würde als das erste.
Gina und ich machten uns gerade in unserem gemeinsamen Zimmer fertig, um in die Clubs zu gehen. Überall lagen Klamotten verstreut, während wir uns hastig anzogen.
„Ich behalte die Mädels im Auge und sorge dafür, dass sie da bleiben, wo sie hingehören“, erwiderte ich grinsend und setzte mich hin, um meine Riemchen-High-Heels zu schließen. Meine fast hüftlangen, dunkelbraunen Haare fielen mir wie ein Vorhang über die Schultern, als ich mich vorbeugte.
„Ich freu mich so auf dieses Wochenende“, meinte Gina, während ihre goldenen Locken wippten und sie sich eine Ledershorts über ihre langen Beine zog. „Wenn die Uni wieder anfängt, sind wir viel zu beschäftigt, um noch Spaß zu haben.“
Ich verzog das Gesicht.
„Erinner mich bloß nicht daran“, stöhnte ich und wandte mich dem Spiegel zu, um mein Make-up aufzufrischen. Ich trug einen nudefarbenen Lippenstift auf meine vollen Lippen auf und tuschte meine großen, haselnussbraunen Augen noch einmal mit Mascara.
Es klopfte an der Tür, gefolgt von einem Ruf.
„Los geht’s, ihr Schlampen!“
Gina verdrehte die Augen. Ich schnappte mir einfach meine Handtasche – in der mein gefälschter Ausweis steckte – und ging zur Tür.
„Lass uns ein paar schlechte Entscheidungen treffen“, grinste ich und zwinkerte ihr zu. Gemeinsam gingen wir hinaus, um Camille und Penny zu treffen.
In den Club reinzukommen war der schwierige Teil, da wir alle minderjährig waren, aber zufälligerweise kannte der beste Freund von Camilles Bruder den Türsteher und rief für uns an.
Er ließ uns ohne Probleme rein.
Kaum waren wir drin, bettelten die Jungs praktisch darum, uns Drinks auszugeben, sodass ich meinen gefälschten Ausweis gar nicht benutzen musste – was mich ehrlich gesagt erleichterte, denn ich war ziemlich nervös gewesen, da ich ihn noch nie benutzt hatte.
„Lasst eure Drinks nicht aus den Augen“, mahnte Penny, wie immer die verantwortungsbewusste Mutterfigur unter uns. Sie trug Skinny-Jeans und ein schlichtes schwarzes Neckholder-Top. Ihr erdbeerblondes Haar leuchtete wie Feuer, jedes Mal, wenn die Lichter darüber hinwegblitzten.
Camille nahm einen Schluck von dem Drink, der von einer Gruppe Männer in Anzügen an der Bar an unseren Tisch geschickt worden war, und hob ihn zum Dank in ihre Richtung.
Sie sah aus wie ein Victoria's-Secret-Model und bekam in der Gruppe immer die meiste Aufmerksamkeit, also überraschte uns das nicht.
„Du hast einen Freund“, bemerkte Penny in diesem missbilligenden Ton.
„Der nicht hier ist“, gab Camille zurück. „Außerdem ist es nur ein Drink, Penny. Ich schlafe ja nicht mit ihnen.“
„Du solltest sowieso keine Drinks von diesen Typen annehmen“, fuhr Penny fort, daran gewöhnt, dass ihre Ratschläge ignoriert wurden.
„Dann bleib du eben hier und pass auf unsere Drinks auf, wenn es dich beruhigt“, sagte Camille zu ihr. „Ich geh tanzen. Kommt, Jordan, Gina.“ Sie zog uns an den Händen mit auf die Tanzfläche, und kurz darauf tanzten wir zu Cardi B’s Musik.
Eine Stunde später spürte ich Blicke auf mir, fast wie ein Brennen. Ich hatte mit Gina getanzt, war zu sehr in der Musik und dem Alkohol in meinem Körper aufgegangen, um mir darüber Gedanken zu machen.
Als mir die Enge der Körper um mich herum plötzlich zu viel wurde, tippte ich Gina auf die Schulter und zeigte zur Bar. „Ich hol mir Wasser. Willst du auch?“, fragte ich.
Gina schüttelte den Kopf.
Ich drängte mich durch die Menschenmenge und wich dabei knapp tastenden Händen aus, um zur Bar zu gelangen.
„Ein Wasser, bitte“, sagte ich zum Barkeeper, als ich eine freie Lücke gefunden hatte, durch die ich mich quetschen konnte.
Während ich wartete, drehte ich mich um und starrte direkt in klare blaue Augen. Ich erstarrte wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Meine Gedanken überschlugen sich, dann blinzelte ich.
Verdammt, er war wahrscheinlich das schönste Exemplar der männlichen Spezies, das ich je gesehen hatte, und er starrte mich genauso an.
Sein Haar war sehr blond und fiel wie ein Rahmen um sein Gesicht mit diesem markanten Kinn und den hohen Wangenknochen. Er sah nordisch aus, wie ein Wikinger vom Cover dieser Liebesromane, die Penny ständig las.
Seine Lippen verzogen sich leicht nach oben, als fände er es amüsant, dass ich unverhohlen musterte.
„Hey“, grüßte er. Seine Stimme war kaum mehr als ein tiefes Grollen über dem Dröhnen der Musik, aber ich hörte ihn trotzdem deutlich. So sehr war ich auf ihn konzentriert.
Er hatte neben mir auf einem Barhocker gesessen sich zu mir umgedreht, als ich aufgetaucht war. Mir fiel auf, dass er versuchte, seinen Blick auf mein Gesicht und nicht auf meine Brust zu richten– und dabei kläglich scheiterte.
Jemand rempelte mich von hinten an und schubste mich gegen ihn.
Er fing mich an der Taille auf, unsere Lippen nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Tut mir leid“, brachte ich schließlich hervor, meine Stimme klang atemlos.
Er roch nach würzigem Cologne und Minze, und ich konnte nicht anders, als noch einmal tief seinen Duft einzuatmen.
„Schon gutt“, sagte er leise. Sein Atem streifte meine Wangen wie eine sanfte Berührung und brachte sie zum Brennen.
„Hier ist dein Wasser“, meinte der Barkeeper, der mit einer Flasche zurückgekehrt war, und ließ mich zusammenzucken.
Ich richtete mich schnell auf. Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich diesem Fremden einen ziemlich intimen Blick in meinen Ausschnitt gewährt hatte, aber mir fiel auf, dass seine Hände noch einen Augenblick an meiner Taille verweilten, bevor er mich ganz losließ.
„Ähm ... danke.“ Ich tauschte das Wasser gegen Bargeld, völlig aus dem Konzept gebracht, obwohl ich sonst immer vor Selbstbewusstsein strotzte.
Als ich gerade gehen wollte, da schloss sich eine große Hand um mein Handgelenk und hielt mich zurück. Ich drehte mich zu ihm um, mein Herz schlug schneller.
Ich runzelte die Stirn über die Wirkung, die dieser goldhaarige Gott auf mich zu haben schien. Normalerweise war ich diejenige, die Männer aus dem Konzept brachte, nicht andersherum.
Aber was mich am meisten verwirrte, war meine Reaktion auf diesen Fremden.
„Geh nicht.“ Er beugte sich vor und legte seine Lippen an mein Ohr, damit er über die laute Musik hinweg gehört werden konnte.
Ich sog scharf die Luft ein bei der Berührung. Wenn ich meinen Kopf nur einen Zentimeter drehte, würden sich unsere Lippen treffen.
„Ich bin mit meinen Freundinnen hier“, brachte ich heraus, als er keine Anstalten machte, zurückzutreten.
„Trink einen Kaffee mit mir.“ Seine Stimme klang wie ein Befehl. Ich versteifte mich sofort, und er musste es gespürt haben, seine Hand noch immer an meinem Arm. „Wir gehen nur zur Kaffeebar in der Lobby. Du kannst deinen Freundinnen Bescheid geben“, fügte er hinzu. Seine Stimme wurde sanfter, als würde er ein scheues Tier beruhigen, das kurz davor war zu fliehen.
Ich drehte mich um, um ihm in die Augen zu sehen.
Konnte ich das wirklich einfach ausschlagen? Vielleicht lag es am Alkohol, oder vielleicht war es einfach sein Duft, kombiniert mit dem Klang seiner Stimme, der meine Hemmungen senkte und mich nicken ließ.
„Ich schreibe ihnen kurz, damit sie wissen, wo ich bin.“ Wir hatten einen Gruppenchat, was die Sache einfacher machte.
Zufriedenheit blitzte einen Moment lang in seinen Augen auf, bevor er seinen Ausdruck verbarg und aufstand. Dabei warf er ein paar Scheine auf den Tresen.
Im Stehen war er deutlich über eins achtzig groß, und ich fühlte mich im Vergleich dazu winzig, obwohl ich selbst eins siebzig maß.
„Ich bin Lev“, meinte er und nahm meine Hand in seine.
Seltsamerweise hatte ich nicht das Gefühl, als würde ich gleich entführt werden. Ich fühlte mich sicher bei ihm.
„Jordan“, erwiderte ich und ließ mich fortführen.












































