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Luna de Verano Buch 1: Die Gefährtin des Alphas

Autor:in
VitaMia
Gelesen
17,8K
Kapitel
37
Autor:in
VitaMia
Gelesen
17,8K
Kapitel
37
💕Romantik🐺Werwölfe & Gestaltwandler💘Schicksalsgefährten👩‍❤️‍👨Wahrer Gefährte💪🏻Beschützer🧙‍♂️Übernatürlich & Fantasy💪🏻Alpha-Männchen💪Starke Frauen⚔️Action & Abenteuer🧛🏻Übernatürlich

Eleonora will eigentlich nur eine ruhige Auszeit in ihrem Strandhaus genießen – bis ein Autowrack auf dem Highway sie zu einem sterbenden Fremden führt. Nachdem sie ihn gerettet hat, wird sie in ein verborgenes Rudel in der Nähe von Salou gezogen, wo Amaro, ihr grimmiger Alpha, behauptet, sie sei seine Gefährtin ... und dass Werwölfe existieren. Während die Gefahr näher rückt und Geheimnisse des Rudels an die Oberfläche kommen, muss Eleonora entscheiden, ob sie in ihr altes Leben zurückkehrt – oder sich der wilden Wahrheit stellt, die ihren Namen ruft.

Kapitel 1

ELEONORA

„Eleonora, bist du sicher, dass du nach Salou fahren willst?“ Die Stimme meiner Mutter knisterte durch das Autotelefon. Sie klang besorgt und ein wenig dramatisch, wie so oft.
„Natürlich bin ich mir sicher, Mama. Ich fahre schon seit vier Stunden“, antwortete ich ruhig und rückte meine Sonnenbrille zurecht.
Die Sonne brannte durch die Windschutzscheibe. Die Straße vor mir war fast leer. Nur ab und zu fuhr ein Auto an mir vorbei, und manchmal summte ein Motorrad durch das goldene Licht.
Die Autobahn zog sich lang und kurvig durch die spanische Landschaft. Sie war wie ein silbergraues Band zwischen grünen Hügeln und trockenen Feldern. Der Himmel war wolkenlos, weit und tiefblau.
Meine Mutter seufzte. „Du hast dich nicht einmal richtig verabschiedet. Du hast einfach deine Sachen gepackt und bist gefahren, Eleonora.“
„Mama, ich brauchte einfach eine Pause“, sagte ich. „Nach all den Jahren in der Klinik, den Nachtschichten und den Notfällen. Ich brauche freie Zeit. Ich will ans Meer. Ganz allein.“
„Allein“, wiederholte sie fast vorwurfsvoll.
Ich lenkte in eine lange Kurve. Vor mir lag ein alter Rastplatz mit einem verbeulten Mülleimer und einem einzigen vertrockneten Baum. Die Wasserflasche auf dem Beifahrersitz rollte leicht zur Seite, als ich auf die Bremse tippte.
„Ich bin ja nicht für immer weg“, sagte ich. „Nur für zwei Monate. Keine Alarme, keine Klinik. Nur ich. Vielleicht ein Buch. Vielleicht auch Langeweile. Ich glaube, ich habe vergessen, wie sich das anfühlt.“
Stille am anderen Ende der Leitung. Nur ein leises Hintergrundgeräusch, vielleicht der Fernseher.
„Na gut“, murmelte sie. „Aber ruf mich an, wenn du ankommst.“
„Versprochen.“
Ich beendete den Anruf, legte das Handy zurück in die Halterung und atmete tief durch. Noch etwa zwei Stunden, dann wäre ich in Salou. Küste, Sonne, salzige Luft. Das Meer war noch nicht zu sehen. Aber ich spürte es schon an der Art, wie sich die Landschaft veränderte. Die Hügel wurden flacher und der Horizont weiter.
Weiter vorne flimmerte die Straße im Licht. Die Zeit dehnte sich aus. Und ich fuhr einfach weiter. Richtung Süden. Dem Sommer entgegen. Der Freiheit entgegen.
Die Fahrt zog sich in die Länge, aber das machte mir gar nichts aus. Es war das erste Mal seit Monaten, dass ich nicht von Piepen, Klingeln oder panischen Stimmen angetrieben wurde.
Zu meiner Linken zog die Landschaft in Wellen vorbei. Die Felder wurden trockener. Das satte Grün der Bäume wich langsam dem staubigen Gold der südlichen Provinzen. In der Ferne schimmerten Hügel in einem unwirklichen Dunst.
Selbst mit der Klimaanlage war es heiß. Der Sommer machte hier keine halben Sachen.
Ich drehte das Radio leiser. Es lief ein spanischer Popsong, etwas Fröhliches über Liebe oder Sonnenschein. Ich hörte nicht wirklich zu. Stattdessen glitt mein Blick über die Schilder am Straßenrand. Tarragona: 110 Kilometer. Salou war nicht mehr weit.
Meine Tankanzeige blinkte auf. Gelb. Ich runzelte die Stirn und seufzte. Typisch. Als ich Madrid verlassen hatte, hatte ich an alles gedacht, nur nicht ans Tanken.
Ein paar Minuten später kam eine Raststätte in Sicht. Sie war nicht sehr groß, hatte aber eine Tankstelle und ein Café. Zwei staubige Palmen bewegten sich kaum im heißen Wind. Ich fuhr von der Autobahn ab, rollte auf den Platz und hielt an der letzten freien Zapfsäule. Inzwischen stand die Sonne tief und blendete mich durch den Spiegel.
Ich stieg aus. Das heiße Metall der Tür brannte kurz an meiner Handfläche. Ein süßlicher Geruch nach warmem Benzin und Asphalt lag in der Luft. Hinter mir summte eine Wespe um die Mülleimer, die jemand lieblos neben die Zapfsäule gestellt hatte.
Ich schob die Zapfpistole in den Tank und lehnte mich kurz gegen das Auto. Mein T-Shirt klebte leicht an meinem Rücken. Keine Ahnung, ob es an der Sonne oder der Erschöpfung lag. Wahrscheinlich beides. Der Tank füllte sich langsam. Die zählende Anzeige war das einzige Geräusch in der Stille.
Als es klickte, zog ich die Zapfpistole heraus. Ich schraubte den Deckel wieder auf und ging hinein, um zu bezahlen. Das kleine Kassenhäuschen war klimatisiert, roch aber trotzdem nach billigem Kaffee und Autoreifen. Eine junge Frau mit dunklen Haaren stand hinter dem Tresen. Sie kaute Kaugummi und schenkte mir ein kurzes, müdes Lächeln.
„Número cuatro“, sagte ich.
Ich bezahlte bar, nickte kurz und trat wieder hinaus in die Hitze. Zurück im Auto schloss ich für einen Moment die Augen, bevor ich den Motor wieder startete. Die Klimaanlage begann langsam, kühlere Luft in den Innenraum zu blasen.
Ich nahm einen Schluck Wasser, schaltete das Radio aus und fuhr zurück auf die Autobahn. Noch zwei Stunden. Dann das Meer. Dann nichts mehr.
Die Straße vor mir lag wieder ruhig da. Ich war zurück auf der Autobahn. Das gleichmäßige Summen des Motors wurde zu einem vertrauten Hintergrundgeräusch. Die Felder links und rechts begannen langsam dunkler zu werden. Die Sonne sank tiefer. Sie malte den Horizont in warmen Orange- und Rosatönen, die nach und nach in ein Violett übergingen.
Ich fuhr weiter. Mein Blick war ruhig und starr nach vorn gerichtet. Meine Gedanken schweiften ab, irgendwo zwischen Madrid und dem Meer. Die ersten Lichter gingen an. In der Ferne glitzerte eine kleine Stadt auf einem Hügel.
Ich beobachtete, wie die Schatten länger wurden. Sie streckten sich und verschmolzen miteinander. Die Abenddämmerung brach leise, aber deutlich herein. Der Tag war fast vorbei. Dann bemerkte ich es.
Ein Stück abseits der Straße, gleich nach einer langen Kurve, stand ein Auto im Schatten der Böschung. Es wirkte fehl am Platz, fast verlassen. Doch je näher ich kam, desto klarer wurde es: Das war kein normal geparktes Auto. Es war von der Straße abgekommen.
Die Vorderseite war schwer beschädigt. Das Auto stand schief am Hang, leicht verdreht. Die Motorhaube war eingedrückt. Eine Seite war gegen einen Baum geprallt, dessen Rinde abgesplittert war.
Ein Teil der Stoßstange lag auf dem Boden, verbogen und schief. Der rechte Scheinwerfer flackerte schwach. Die Warnblinkanlage blinkte noch in unregelmäßigen Abständen.
Ich wurde langsamer, fuhr schließlich rechts ran und lenkte vorsichtig auf den Seitenstreifen. Als ich den Motor abstellte, wurde alles still. Kein Hupen, keine Bewegung. Nur die letzten Strahlen der Dämmerung lagen über den Feldern.
Ich blieb noch einen Moment im Auto sitzen und starrte auf das Wrack am Straßenrand. Mein Herz schlug schneller, aber ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Dann griff ich nach dem Türgriff und stieg aus.
Die Luft war warm und schwer. Ein leichter Wind wehte und brachte den Geruch von trockenem Gras und Staub mit sich. Meine Schritte waren leise, fast automatisch, als ich mich dem Unfallwagen näherte. Die Fahrertür stand offen. Ich trat näher. Dann stockte mir der Atem.
Ein Mann saß auf dem Fahrersitz. Sein Oberkörper war zur Seite gesunken. Der Gurt hielt ihn noch aufrecht, aber sein Kopf hing tief herab. Sein Kinn drückte fast gegen seine Brust. Blut klebte an seiner Stirn und seiner Schläfe. Dunkle Flecken breiteten sich auf seinem Hemd aus. Seine Haare waren verklebt und seine Haut war viel zu blass.
Ich lehnte mich vorsichtig näher heran. Im Inneren roch es nach Metall, Hitze und noch etwas, das ich nicht erkennen konnte. Mein Blick glitt schnell über mögliche Verletzungen. Dann streckte ich mit zitternden Fingern die Hand aus und suchte sanft nach einem Puls an seinem Hals. Ein Moment der Stille. Dann spürte ich ihn. Langsam. Schwach. Aber er war da. Er lebte.
Ich atmete flach ein, zog meine Hand zurück und sah mich instinktiv um. Keine anderen Autos. Nirgendwo war jemand zu sehen. Nur ich. Und dieser Mann.
Für ein paar Sekunden stand ich wie erstarrt da und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Dann trat ich wieder näher an das Auto heran und beugte mich vorsichtig hinein. Meine Augen wanderten über seinen Körper.
Erste Einschätzung: Bewusstlos. Atmung vorhanden. Puls schwach, aber spürbar. Deutlicher Blutverlust. Platzwunde an der Stirn, Blutergüsse an Schulter und Brust. Kein sichtbarer Knochenbruch. Keine offensichtliche Verletzung der Wirbelsäule.
Ich überprüfte noch einmal seinen Hals. Ich fühlte erneut nach dem Puls und achtete dieses Mal bewusst auf Atemfrequenz und Rhythmus. Unregelmäßig, aber nicht gefährlich flach. Seine Brust hob sich in langsamen Abständen.
„Hey“, sagte ich, ohne zu wissen, ob er mich hören konnte.
Keine Reaktion.
Das Lenkrad drückte gegen seinen Oberkörper. Von der Fahrerseite aus konnte ich ihn kaum erreichen. Also lief ich um das Auto herum und zog vorsichtig die Beifahrertür auf. Sie klemmte ein wenig, bevor sie schließlich nachgab.
Der Innenraum war verbeult, die Front zerstört. Aber der Mann war noch angeschnallt, und das hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.
Ich kniete mich neben ihn, nahm seinen Arm und suchte mit geübten Handgriffen nach seiner Pulsader. Wieder ein Puls. Ruhig, aber langsam. Mein Blick prüfte seine Pupillen, so gut es im schwachen Licht ging. Keine sichtbaren Anzeichen für eine schwere Hirnverletzung, aber ich konnte nichts ausschließen.
Ich musste Hilfe holen. Verdammt.
Ich griff nach meinem Handy und schaute auf den Bildschirm. Zwei Balken. Kaum Empfang. Der Notruf wählte kurz, brach dann aber sofort ab.
Ich biss die Zähne zusammen. Ich konnte ihn nicht einfach hier lassen. Gleichzeitig wusste ich, dass ich ohne Ausrüstung, ohne Team und ohne Notarzt nur wenig tun konnte. Aber wenn ich ihn bewegte, ohne zu wissen, ob er innere Verletzungen hatte, riskierte ich, alles nur noch schlimmer zu machen.
Ich sah wieder auf ihn herab. Groß. Bestimmt über einen Meter neunzig. Schwarze Haare, vom Schweiß nass, aber dicht. Seine Wimpern lagen wie Schatten auf seinen Wangen. Sein Bart war ein paar Tage alt, gleichmäßig und fast perfekt. Trotz des Blutes, der Verletzungen und dem Ernst der Lage. Er war wunderschön. Unfair wunderschön.
Seine Arme zeigten dort, wo das Hemd zerrissen war, deutliche Muskeln. Keine Bodybuilder-Muskeln, aber trainiert.
Was zur Hölle, Eleonora. Ich schluckte und schüttelte innerlich den Kopf. Er war bewusstlos. Verletzt. Voller Blut. Und ich hatte gerade daran gedacht, wie attraktiv er war. Ich spürte, wie mir die Hitze in den Nacken stieg. Und das lag nicht an der Sonne.
Ich zwang mich, von seinem Gesicht wegzuschauen und mich wieder zu konzentrieren. Seine Atmung wurde flacher. Sein Kopf sackte immer weiter nach vorne, das Kinn fast auf die Brust gedrückt. So würden seine Atemwege nicht frei bleiben.
Ich versuchte, ihn ein wenig im Sitz abzustützen. Aber der Sicherheitsgurt hielt ihn in einer Position, die alles nur noch schlimmer machte. Ich atmete aus.
„Okay“, murmelte ich. „Dann muss ich es wohl machen.“ Ich drückte die Beifahrertür weiter auf und lehnte mich vorsichtig hinein. Seine Beine waren im Fußraum angewinkelt, aber nicht sichtbar eingeklemmt. Kein Glas. Keine Trümmerteile auf seinem Schoß. Ich stützte ihn mit einer Hand an der Brust und löste mit der anderen langsam den Gurt.
Sein Körper fiel schwer nach vorn, aber ich fing ihn so gut es ging auf. Er war schwer. Verdammt schwer. So stark, wie er aussah, spürte ich jetzt jedes einzelne Kilo. Ich schob meinen Arm unter seine Schulter. Ich versuchte, seinen Kopf so still wie möglich zu halten, und drückte ihn sanft ein wenig zurück.
„Du musst mir hier etwas helfen, Großer“, murmelte ich. „Ich kann dich nicht alleine tragen.“
Keine Antwort. Keine Bewegung. Nur seine schwache, langsame Atmung.
Ich zog ihn langsam ein Stück aus dem Sitz. Nur so weit, dass sein Oberkörper nicht mehr nach vorne sackte. Seine Atmung klang rau, aber freier als zuvor.
Erst dann rannte ich zurück zu meinem Auto, schnappte mir meine Wasserflasche und riss hastig meinen Rucksack auf. Taschentücher. Irgendetwas Nützliches. Dann fand ich ein altes Geschirrtuch, das ich wohl irgendwann unachtsam eingepackt hatte.
Ich machte es mit Wasser feucht, beugte mich wieder über ihn und wischte vorsichtig das Blut von seiner Stirn. Die Wunde war tief, klaffte aber nicht. Sie hatte aufgehört zu bluten. Er sah friedlich aus. Viel zu friedlich für jemanden, der aussah, als hätte er gerade mit dem Tod gerungen.
Ich sah ihn einen Moment zu lang an. Dann räusperte ich mich leise, fast schon schuldbewusst.
„Du siehst viel zu gut aus für so ein Chaos.“
Er bewegte sich nicht. Aber mein Herz schlug trotzdem schneller.
Ich hatte keine andere Wahl. Ich stützte ihn wieder ab, zog den Gurt ganz weg und schob beide Arme unter seine Schultern. Schritt für Schritt, Zentimeter für Zentimeter, zog ich ihn weiter aus dem Auto. Sein Gewicht drückte auf meine Schultern, mein Rücken spannte sich an, aber ich ließ nicht los.
Sein Oberkörper sackte schwer gegen mich. Ich zog ihn rückwärts aus dem Fahrzeug und legte ihn langsam auf den warmen Asphalt. Seine Beine rutschten aus dem Fußraum. Sein Kopf fiel zur Seite gegen meine Brust.
„Fast geschafft“, murmelte ich. „Nur raus hier.“ Ich legte ihn auf den Boden und richtete ihn so gerade wie möglich aus. Dann überprüfte ich noch einmal seine Haltung. Seine Brust. Sie bewegte sich nicht mehr.
Ich starrte auf seinen Brustkorb. Kein Heben. Kein Senken.
„Nein, nein, nein.“
Sofort kniete ich mich neben ihn, beugte mich vor und prüfte wieder seinen Puls. Nichts.
„Verdammt!“ Ich legte zwei Finger unter sein Kinn. Ich kippte seinen Kopf leicht nach hinten, öffnete seinen Mund und prüfte, ob ich Atemgeräusche hörte. Nichts. Keine Bewegung, kein Geräusch, keine Luft.
Mein Herz raste, aber meine Hände zitterten nicht. Noch nicht.
„Okay. Konzentrier dich.“ Ich überprüfte schnell noch einmal seinen Mund. Nichts war blockiert. Dann begann ich mit der Herzdruckmassage. Dreißig schnelle, kräftige Stöße, genau in der Mitte seiner Brust. Gerade genug Druck, um das Blut ins Gehirn zu pumpen.
„Eins, zwei, drei …“, zählte ich in meinem Kopf. Ich weigerte mich, die Konzentration zu verlieren. Dann kippte ich seinen Kopf nach hinten, drückte ihm mit zwei Fingern die Nase zu und atmete zweimal in seinen Mund. Ich prüfte es erneut. Immer noch keine Reaktion.
Zurück zur Herzdruckmassage.
„Komm schon. Du stirbst mir hier nicht weg, hörst du?“ Ich wusste nicht, wer er war. Ich wusste nur, dass ich ihn retten musste. Um jeden Preis.

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