Kachi Okwesa
Coral
Coral saß endlich im Flugzeug nach Amsterdam – damit sie ihr Leben neu beginnen konnte, damit sie Nikolai vergessen konnte, damit sie ihr Baby in Ruhe zur Welt bringen und ihm das luxuriöse Leben schenken konnte, das sie sich bald leisten wollte.
Sie schlief im Flugzeug ein. Als sie aufwachte, starrte sie in den dunklen Himmel und nahm sich fest vor, nicht zu weinen. Sie machten sich zur Landung bereit, also schnallte sie sich an und schaltete ihr Handy aus.
Sie schnappte sich ihren Koffer, sobald sie ihn sah, und machte sich dann auf die Suche nach ihrem neuen Mitbewohner. Er stand am Aufzug mit einem Schild, auf dem ihr Name fett gedruckt war.
Coral beschleunigte ihren Schritt und als sie bei ihm ankam, tippte sie ihn an. ‘Hey, ich bin Coral, die Freundin von Morris.’
Er drehte sich um und sah sie an. Mann, was für ein geiler Typ! Er hatte wunderschöne, tiefbraune Augen und eine schöne Gesichtsstruktur.
‘Bist du fertig damit, mich anzustarren?’, fragte er, nahm ihren Koffer und grinste von Ohr zu Ohr.
‘Nein.’
‘Ich bin schwul’, sagte er unverblümt.
‘Ok, jetzt bin ich fertig.’
‘Mein Cousin hat mich dir doch bestimmt beschrieben. Ich warte jetzt schon seit einer halben Stunde.’
‘Tut mir leid, ich habe meine Tasche gesucht.’
‘Okay, ich vergebe dir. Komm mal mit.’
‘Können wir vielleicht mit dem Bus fahren?’
‘Ich habe ein Auto.’
‘Na toll’, sagte sie und rollte mit den Augen.
‘Wow, du bist ja ganz schön aufgeregt’, sagte er sarkastisch und machte sich auf den Weg zum Parkplatz.
‘Ich muss dir noch sagen, dass ich schwanger bin.’
‘Echt? Warum hat Morris so eine wichtige Information auslassen? Es tut mir leid – du musst zurückgehen. Ich kann mich nicht um dich kümmern.’
‘Ist das dein Ernst?’
‘Natürlich nicht.’ Er öffnete die Autotür für sie.
Sie murmelte: ‘Idiot’.
***
'Willkommen in meiner bescheidenen Behausung', sagte der Mann, dessen Namen sie noch nicht kannte, als sie ein mittelgroßes, rotes Backsteinhaus erreichten.
'Danke. Wie ist dein Name?'
'Mein Name ist Landon. Zu Ihren Diensten, Ma'am.'
'Du bist komisch.'
'Das höre ich oft, weil mein Nachname komisch ist.'
'Wie meinst du das?', fragte sie.
'Weird, mein Name ist Landon Weird.'
'Okay …' Sie brach ab. 'Ich denke, dass du heiraten und deinen Nachnamen ändern solltest.'
'Was auch immer du sagst, Menschenfeind.'
Landon schloss die Tür auf und sie lächelte. Sie konnte sich vorstellen, dass sie in diesem schönen Haus eine wunderbare Familie gründen würde.
'Gefällt es dir?'
'Ich liebe es.'
'Komm rein.'
Coral betrat das Haus und die Tür schloss sich hinter ihr. Der Geruch von Rosen gemischt mit einem leichten Hauch von Brathähnchen stieg ihr in die Nase. Landon trug ihren Koffer die Treppe hinauf und kam dann wieder herunter.
'Setz dich, mach es dir gemütlich, mi casa es tu casa.'
'Gracias.'
'De nada. Bist du Spanierin?'
'Ja.'
'Du hast keinen Akzent.'
'Glaub mir, ich versuche nur mitzuhalten', sagte sie mit starkem spanischen Akzent.
'Jetzt kann ich es hören. Nun zu meinen Regeln: Mach meine Sachen nicht kaputt, es sei denn, du bist wütend auf mich. Halte dich mindestens neun Monate lang von meinen Proteinriegeln, meinen Energieriegeln, fettarmen Riegeln und meiner Hausbar fern.
'Stürme nicht in mein Zimmer, denn ich könnte etwas tun, das dich für immer entstellt.
'Frag mich, bevor du meine Sachen benutzt und iss jede Mahlzeit, die ich dir anbiete, damit dein Baby sicher ist, ist das klar?'
'Kristallklar.'
'Wie weit bist du denn schon?'
'Im zweiten Monat.'
'Okay, dann gehen wir morgen mit dir zur Untersuchung.'
'Du meinst einen Ultraschall, richtig?'
'Ja, genau. Geh dich frisch machen. Dein Zimmer ist das, das ich offen gelassen habe. Tu mir einen Gefallen und komm um neun Uhr zum Abendessen.'
'Okay.'
Coral ging die Treppe hinauf und zog sich bis auf die Unterwäsche aus. Sie duschte schnell und zog sich dann bequeme Kleidung an.
***
'Ich bin nervös', sagte Landon, zitterte in seinem Sitz, bewegte nervös seine Finger und kaute auf seiner Unterlippe.
'Warum bist du denn nervös? Es ist doch mein Ultraschall.'
'Ich weiß. Es ist nur so unwirklich, weißt du – ich hätte nie gedacht, dass ich mal in so einem Wartezimmer im Krankenhaus sitzen würde.'
Coral klopfte ihm auf die Schultern. 'Das schaffst du bestimmt.'
'Nein, ich habe Aichmophobie, das heißt Angst vor scharfen Gegenständen, also werde ich bei dem bloßen Anblick der Nadel in einer Hand ohnmächtig.’
'Landon entspann dich. Ich bin bald dran.'
Und genau wie sie es vorausgesagt hatte, wurde ihr Name als nächstes aufgerufen. Sie und Landon betraten den Raum; er hatte weiße Wände, einen Monitor, ein Bett, und es war ein bisschen kühl
'Okay, Ihr Name ist Coral Carter, richtig?'
'Das bin ich.'
'Gut. Jetzt legen Sie sich aufs Bett und machen Sie bitte den Bauch frei, damit wir mit dem Ultraschall beginnen können. Coral tat, was man von ihr verlangte, dann wartete sie geduldig.
'Wie weit sind Sie schon?'
'Zwei Monate.'
'Das ist gut. Sie tastete mit ihren behandschuhten Händen Corals Bauch ab.
'Machen Sie Sport, Coral?'
'Nein.'
'Okay, was ist mit der Ernährung – halten Sie eine bestimmte Diät ein? Essen Sie vegetarisch?'
'Nein, ich esse alles.'
Die Krankenschwester verteilte ein kaltes, klares Gel auf Corals Bauch, was sie zusammenzucken ließ.
'Ist es kalt?'
'Ja, ein bisschen.'
Sie begann, das Baby abzutasten. 'Sehen Sie den kleinen Fleck da drüben?'
'Aha.'
'Also, das ist Ihr Baby'.
'Wow, es ist so winzig.'
'Ich weiß. Möchten Sie ein Foto?'
'Ja, bitte.'
Die Krankenschwester reichte ihr ein Papiertuch, um das Gel abzuwischen, dann ging sie hinaus.
Als sie das kleine Leben sah, das in ihr heranwuchs, wollte sie um Nikolai weinen – er würde das Leben seines Kindes verpassen.
Sicher, es war seine Schuld, aber es würde ihr wirklich das Herz brechen. Vielleicht sollte sie ihn anrufen und es ihm sagen. Dann würde er sie zurücknehmen.
'Coral, ich hab’ das Foto schon, Babe. Lass uns nach Hause gehen.'