Kelsie Tate
JACKSON
"Gefährtin!", rief mein Wolf Blaize beinahe aus.
"Das kann doch nicht wahr sein!", schrie ich in meinem Kopf.
"Unsere Gefährtin ist so hübsch! Und sie duftet so gut!" Blaize verwandelte sich im Nu von einem starken Alpha in einen glücklichen Welpen.
"Sie ist eine Streunerin. Wir können sie nicht akzeptieren ...", murmelte ich, während ich in meinem Büro saß. Nachdem das Mädchen und Jim gegangen waren, brauchte ich einen Moment für mich.
Ich hatte die Suche nach einer Gefährtin aufgegeben. Ich war fast sechsundzwanzig. Jetzt wusste ich warum. Offenbar war meine Gefährtin irgendein seltsames Streunermädchen, das einen Job in meiner Firma ergattert hatte.
"Ich traue ihr nicht über den Weg", knurrte ich.
"Können wir sie wiedersehen?"
"Nein!", fauchte ich. Ich hatte ihnen meine Meinung gesagt. Ich würde ihr noch nicht absagen.
Ich würde ein paar Tage abwarten oder ihr zumindest ein paar Tage geben. Sie würde ohnehin nicht lange durchhalten. Meine Assistenten hielten nie lange durch.
Ich war mir sicher, sie würde innerhalb einer Woche kündigen, und dann müsste ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, ihr abzusagen; sie würde einfach aufgeben und gehen.
Ich seufzte und stand auf. Ich griff nach dem Telefon auf meinem Schreibtisch, während ich um den Tisch herumging.
„Miss Lovett, kommen Sie in mein Büro."
„Jawohl, Sir."
Einen Augenblick später trat sie ein, und wieder umhüllte mich der Duft von Geißblatt und Vanille. Ihr Geruch machte mich ganz benebelt. Am liebsten hätte ich sie überall beschnuppert.
„Was kann ich für Sie tun, Herr Thorpe?", fragte sie. Ihre Stimme klang kühl, als wäre sie sauer auf mich.
„Nehmen Sie diese Akten und bringen Sie sie an den richtigen Platz im Archiv. Machen Sie dann zwölf Kopien von jeder dieser Akten für ein Meeting morgen."
„Jawohl, Sir", antwortete sie.
„Jawohl, Alpha."
Sie sah mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. „Wie bitte?"
„Für Sie heißt es ‚Alpha'."
Ich konnte sehen, dass sie vor Wut kochte. „Jawohl, Alpha", sagte sie mit einem aufgesetzten Lächeln, bevor sie sich umdrehte und mein Büro verließ.
„Beeindruckend", murmelte ich. Als ich sah, wie wütend sie war, dachte ich, sie würde gleich explodieren, aber das tat sie nicht.
Ein paar Stunden später fiel mir ein, dass ich keine Erinnerung für das Rudeltreffen verschickt hatte. „Mist", fluchte ich leise.
Miss Lovett,
Senden Sie eine E-Mail bezüglich des morgigen Rudeltreffens am Abend.
19 Uhr im Rudelhaus. Anschließend Abendessen.
Jackson Thorpe
Ich arbeitete weiter, als ich einen Ton von meinem Computer hörte.
E-Mail gesendet.
Ich warf einen Blick auf die Uhr und bemerkte, dass es fast fünf war. Ich packte meine Sachen und verließ das Büro.
„Guten Abend, Miss Lovett."
„Guten Abend, Herr Thorpe", sagte sie. Ihre Stimme war wieder kühl, was mir missfiel. Aber ich würde es ihr nicht auf die Nase binden.
Ich eilte fast zum Auto. Ich musste weg von diesem Mädchen. Ich fuhr aus der Garage und brauchte dreißig Minuten nach Hause.
Unser Rudelhaus lag auf etwa zwanzig Hektar Land, das uns gehörte, aber dahinter erstreckte sich ein großer Wald. Es war ein guter und sicherer Ort für unser Rudel.
Seit vielen Jahren war nichts Großes passiert, und wir lebten sicher und zufrieden.
Als ich zu Hause ankam, fühlte ich mich entspannter. Ich wusste, was mich aufmuntern würde. Kaum war ich aus dem Auto gestiegen, verwandelte ich mich in einen Wolf, ohne mich um den zerrissenen Anzug zu scheren, den ich zurückließ.
"Ich verstehe nicht, warum du dich so dagegen wehrst", sagte Blaize leise, während wir liefen. "~Sie scheint perfekt zu sein ...~"
"Ich versuche, nicht an heute zu denken. Können wir nicht einfach laufen?", knurrte ich zurück.
Blaize gab ein missmutiges Geräusch von sich, bevor er wie der Blitz durch den hinteren Wald rannte.
Als ich zum Rudelhaus zurückkam, zog ich eine Ersatzshorts an und ging durch die Hintertür. Es war spät am Abend und das Abendessen war vorbei.
Ich durchsuchte die Küche auf der Suche nach etwas Leckerem zum Essen, bevor ich nach oben ging. Fehlanzeige.
„Dann eben Müsli", murmelte ich vor mich hin, als ich eine Schüssel und einen Löffel holte. Nachdem ich eine halbe Packung Cocoa Puffs verdrückt hatte, ging ich in mein Zimmer, um zu duschen und mich umzuziehen.
„Alpha." Eine verführerische Stimme erfüllte mein Zimmer, als ich eintrat.
„Ich habe heute Abend keine Lust darauf. Verschwinde", sagte ich genervt und ging an der nackten Wölfin in meinem Bett vorbei ins Badezimmer.
Ich wusste nicht, warum jede Frau in diesem Rudel dachte, es wäre in Ordnung, in mein Zimmer zu kommen, aber es hatte noch nie funktioniert und würde auch heute Abend nicht klappen.
Es gab immer irgendeine Wölfin, die versuchte, mich um den Finger zu wickeln, damit ich sie zur Luna mache. Aber so ticke ich nicht. Ich duschte den Schmutz von meinem Lauf ab, nur um festzustellen, dass sie immer noch in meinem Bett lag.
„Raus hier. Ich werde es nicht noch einmal sagen", knurrte ich, bevor ich in den Kleiderschrank ging, um mich umzuziehen.
Ich brauchte ein paar Minuten länger in der Hoffnung, dass sie weg sein würde, wenn ich herauskäme. Glücklicherweise war sie es, und ich konnte mich schlafen legen, bevor der Morgen zu früh anbrach.
***
„Guten Morgen, Alpha!", riefen alle, als ich die Rudelküche betrat.
„Guten Morgen." Ich lächelte. Am liebsten würde ich einfach den ganzen Tag, jeden Tag hier bleiben. Aber ich muss meine Zeit zwischen dem Rudelgebiet und dem Rudelgeschäft in der Stadt aufteilen.
"Apropos Rudelgeschäft ... Wann werden wir unsere Gefährtin wiedersehen?!"
Ich verdrehte in Gedanken die Augen. Mein Wolf benahm sich wie ein kleiner verliebter Welpe wegen dieser Streunerin. Ich fuhr mir mit den Händen durch die Haare. "Ich weiß nicht einmal, was ich mit ihr anfangen soll."
Selbst wenn ich nur an diese Frau dachte, drehte sich mir der Kopf. Obwohl sie eine Streunerin war, war sie wirklich hübsch. Ich schüttelte den Gedanken ab.
Ich musste aufhören, so viel an sie zu denken.
Glücklicherweise blieb ich heute beim Rudel und müsste sie erst morgen wiedersehen.