
Eiskalter Alpha
Alpha Thomas Shadowborne hat sich seit dem Verlust seiner Gefährtin nicht mehr in die Öffentlichkeit gewagt – bis sein Rudel die Ridgewood Howlers übernimmt, ein skandalumwittertes Hockeyteam aus gemischten Gestaltwandlern. Eigentlich soll er nur zu einem Spiel erscheinen. Er mag nicht einmal Hockey. Doch als ein Starspieler Raven Stormwood zu Boden wirft, kann Thomas nicht wegsehen.
Raven ist eine Hybride – halb Mensch, halb Wolf – und noch nie hat jemand sie für wert befunden, für sie zu kämpfen. Nicht ihr Vater. Nicht ihr Gefährte. Doch Alpha Shadowborne erkennt etwas in ihr, das alle anderen übersehen. Und sein Wolf hat keine Lust mehr, still zu bleiben.
Die Dinge werden kompliziert … und verdammt verführerisch.
Kapitel 1
THOMAS
Wer zum Teufel ist nur auf so einen Namen gekommen?
Ich schaue zu meinem Beta hinüber, der neben mir sitzt. „Sag mir nochmal, Nathan: Warum tue ich mir das an?“
Seine Lippen verziehen sich zu einem kleinen Lächeln, da er diese ganze Sache lustig findet. Ich wünschte, ich könnte das Gleiche von mir behaupten.
„Weil du der erste Gestaltwandler sein wirst, der ein gemischtes Hockey-Team besitzt. Außerdem ist es gut fürs Geschäft. Weißt du, wie viel die Leute für eine Saisonkarte für diese Spiele bezahlen?“
Ich seufze. „Nein, Nathan, und es interessiert mich auch nicht besonders. Dem Rudel fehlt es dank unserer Geschäfte nicht an Geld.“
Nathan schüttelt den Kopf und lächelt. „Es wird sich auch gut auf das Rudel auswirken. Was schweißt besser zusammen, als Mitglieder verschiedener Rudel in einem Team zu haben?“
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Ich werde doch nicht der erste Hockey-Team-Besitzer sein, der eine blutige Schlägerei auf dem Eis miterlebt, oder?“
Nathan lacht. „Nein. Ihre Helme blockieren ihren Wolf. Alle Helme sind mit Silber ausgekleidet, damit sie mit den menschlichen Spielern mithalten können.“
Mein Wolf gibt bei diesem Gedanken ein unzufriedenes Geräusch von sich und ich stimme ihm zu. Von ihm abgeschnitten zu sein, wäre schwierig. Das bringt mich zu meiner nächsten Frage.
„Was ist, wenn sie verletzt werden?“
„Sie müssen nur den Helm abnehmen“, antwortet er. „Ihr Wolf wird sie heilen, und in fünf Minuten sind sie wieder auf dem Eis.“
Ich nicke und der Wagen hält an. Mein Fahrer, Ethan, steigt aus und öffnet die Tür. Dabei verbeugt er sich.
Ich bezweifle, dass die menschlichen Spieler so höflich sein werden, aber ich habe eh nur vor, während der Saison ein paar Mal herzukommen. Nur um mich blicken zu lassen.
Heute werde ich dem Team vorgestellt, damit sie wissen, wer der neue Besitzer ist. Anschließend muss ich anderthalb Stunden Hockey über mich ergehen lassen.
Ich steige aus dem Wagen und warte darauf, dass Nathan mir folgt. Als dem nicht so ist, schaue ich zurück ins Auto. Er sitzt da und grinst.
„Du kleiner Scheißer. Du kommst nicht mit, oder?“
Er lacht. Es ist gut, dass er nicht nur mein Beta, sondern auch mein bester Freund ist. Niemand sonst würde damit durchkommen, sich über seinen Alpha lustig zu machen.
„Jemand muss beim Rudel bleiben. Ich glaube, sie haben hier auch ein Hotelzimmer für dich reserviert. Ich habe ein paar unserer Krieger herübergeschickt, nur zur Sicherheit.“
Ich verdrehe die Augen. Das hier ist zwar neutrales Territorium, aber man kann nie vorsichtig genug sein. Nicht, dass ich nicht auf mich selbst aufpassen könnte, aber Gestaltwandler dürfen sich nicht mitten in einer menschlichen Stadt verwandeln.
Das hält die Einzelgänger nicht auf, aber nicht einmal die wären so dumm, sich mit einem Alpha anzulegen.
„Wir sehen uns morgen, Nathan. Das wirst du mir büßen.“
Ich höre ihn lachen, als Ethan die Tür schließt.
„Ich erwarte dich hier nach dem Spiel“, erinnere ich ihn.
„Natürlich, Alpha.“ Ethan verbeugt sich, dann steigt er wieder ins Auto. Er wird Nathan zurück zum Flughafen fahren. Der Flug dauert nur ein paar Stunden. Während Nathan heute Nacht in seinem eigenen Bett schlafen wird, muss ich in irgendeinem schäbigen Hotel übernachten.
Ich gehe über den offenen Platz auf das große Stadion zu. Ein Mann kommt mir entgegen und ichschnuppere in die Luft. Ein Mensch.
Als er näher kommt, weiß ich, wer er ist. Der Cheftrainer des Teams, das ich gerade gekauft habe.
„Mr. Shadowborne, es ist mir eine Freude, Sie kennenzulernen“, sagt er.
Ich seufze. „Das ist Alpha Shadowborne.“
Er zwingt sich ein Lächeln aufzusetzen. „Natürlich, Entschuldigung, Alpha Shadowborne. Ich bin Gerry Watson, Cheftrainer der Howlers.“ Er deutet auf das riesige Gebäude vor uns. „Lassen Sie mich Ihnen alles zeigen und Sie den Spielern vorstellen.“
Ich habe kaum ein paar Schritte gemacht, als ich Lärm vom Seiteneingang des Gebäudes vernehme. Ich schnuppere wieder in die Luft. Zwei Gestaltwandler, eine Frau und ein Mann. Die Frau weint und den Mann scheint es nicht zu kümmern.
„Bitte, Wyatt. Ich verstehe nur nicht, warum!“
Er schlägt ihr mit solcher Wucht ins Gesicht, sodass sie zu Boden fällt. Dann geht er weg und verschwindet im Gebäude.
Mein Wolf gibt ein wütendes Geräusch in meiner Brust von sich. Das gefällt ihm nicht. Der Trainer zuckt währenddessen nur mit den Schultern, als wäre es normal, dass einer seiner Spieler ein Mädchen verprügelt.
„Ignorieren Sie das, Alpha. Das passiert ständig. Mädchen, die sich an die Hockey-Spieler heranschmeißen. Besonders an den jungen Wyatt Trueman. Er ist unser Star-Spieler. Manchmal wissen sie nicht, wann Schluss ist.“
Er scheint sich nicht im Geringsten Sorgen zu machen über das, was gerade passiert ist. Das stört mich mehr als nur ein bisschen. Vielleicht muss ich mir einen neuen Trainer suchen.
Ich ignoriere ihn und gehe zu dem Mädchen hinüber. Als ich näher komme, kann ich riechen, dass sie keine vollständige Gestaltwandlerin ist.
Sie schaut auf, aber sobald sie sieht, wer ich bin, senkt sie den Kopf. „Entschuldigung, Alpha. Ich wollte nicht …“—
Ich lege meine Finger unter ihr Kinn und hebe ihren Kopf langsam an, damit ich mir ihr Gesicht besser ansehen kann.
Natürlich weiß ich sofort, wer sie ist. Jeder hochrangige Gestaltwandler würde es wissen. Sie sieht aus wie ihr Vater. Schwarze Haare und strahlend blaue Augen. Genau wie Alpha Miles Stormwood.
Was zum Teufel macht seine Tochter hier? Das Stormwood-Rudel ist meilenweit entfernt.
Blut läuft aus einer Platzwunde an ihrer Lippe und ich wische es sanft mit meinem Daumen weg. So ein hübsches Gesicht sollte keine aufgeplatzte Lippe haben, und kein Mann – weder Werwolf noch Mensch – sollte dafür verantwortlich sein.
Dann wird mir klar, warum sie hier ist.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Hauptsache, Alpha Stormwoods schmutziges kleines Geheimnis wird vor seiner Gefährtin und Luna geheim gehalten. Nur dass das, was Miles Stormwood getan hat, kein Geheimnis ist, und Raven Stormwood ist der lebende Beweis dafür.






























