
Ich lehnte mich im Stuhl zurück, stellte meine Füße aufs Geländer und trank ein Bier. Es war schön. Am Wasser war es ruhig. Mehr brauchte ich nicht. Alles, was ich je wollte.
Eigentlich hätte ich jetzt schon auf dem Ozean sein sollen, auf dem Boot meines Großvaters lebend. Aber es kam anders. Jetzt musste ich noch zehn Jahre arbeiten, bevor ich mir ein neues Boot kaufen und aufhören könnte zu arbeiten.
Die Sonne ging unter und warf lange Schatten über den See, während die Nacht hereinbrach. Dallas duschte gerade. Und ich versuchte, nicht daran zu denken, wie sie nackt war, mit Seife, die über ihre schönen Brüste lief.
Das Letzte, was ich auf dieser Reise brauchte, war eine 21-Jährige mit vielen Problemen. Ich hätte sie in Amarillo zurücklassen sollen.
Wovor läuft sie weg?
Ich dachte an das Telefonat, das sie hatte, nachdem ich sie aufgelesen hatte. Sie sprach über ihren Großvater, den sie anscheinend nicht mochte.
Ich glaube, da war noch ein anderer Mann, den sie nicht ausstehen konnte, denn sie sagte etwas über einen schweren Herzinfarkt. Dann war da noch der Albtraum. Sie bat ihren Vater, sie gehen zu lassen.
Dallas lief eindeutig von zu Hause weg. Aber warum? Was hatte ihre Familie getan, dass sie frühmorgens per Anhalter abhauen wollte?
Ich trank mein Bier aus und stand auf. Dallas war noch unter der Dusche, als ich hineinging.
Unser schwimmendes Haus war ziemlich klein. Eigentlich sollte ich alleine darin wohnen. Aber immerhin hatte es zwei Betten.
Die Wände waren aus Kiefernholz und der Teppich dunkelgrün. Es sah aus wie eine Hütte, die man im Wald finden könnte. Es war perfekt. Ich legte mich auf das Bett nahe der Terrassentür und bemerkte einen Geruch.
"Was zum Teufel ist das für ein Geruch?", murmelte ich.
Der ganze Raum roch nach Pfefferminze und Lavendel. Eine seltsam aussehende Maschine stand auf dem kleinen Tisch zwischen den Betten und produzierte den Dampf, der den Raum parfümierte.
Die Badezimmertür öffnete sich und Dallas kam in einem leuchtend pinken, glänzenden Bademantel heraus, der ihr nur bis zur Mitte der Oberschenkel reichte.
Ich hoffe, sie ist nicht nackt darunter.
Mein bestes Stück wurde hart, obwohl ich mich sehr bemühte, keinen Sex mit der jungen Frau zu haben, die ich aufgelesen hatte.
"Was ist das?", fragte ich laut und zeigte auf die Dampfmaschine.
"Ein Diffusor", sagte sie. "Für ätherische Öle. Er hilft mir, an neuen Orten zu schlafen."
"Der frische Geruch draußen hilft mir beim Schlafen", murrte ich.
"Du kannst die Terrassentür öffnen", sagte sie.
"Darf ich?", fragte ich genervt.
"Klar", sagte sie, ohne meine Verärgerung zu bemerken.
Ich schnappte mir meine Tasche und ging ins Bad.
"Heiliger Strohsack", sagte ich leise und wischte das Wasser vom Spiegel.
Der kleine Raum war voller Dampf. Ein leuchtend pinker Spitzen-BH hing an der Tür. Die kleine Ablage war mit Frauenkram übersät.
Die einzige Frau, mit der ich je zusammengelebt hatte, war meine Mutter. Und sie war sehr ordentlich. Alles hatte seinen Platz. Unsere kleine Wohnung war immer blitzsauber. Man hätte vom Küchenboden essen können. So sauber war es.
Wie sollte ich die nächsten Tage mit diesem chaotischen Mädchen klarkommen? Sie würde mich noch in den Wahnsinn treiben.
Ich putzte mir die Zähne und wusch mein Gesicht. Dann zog ich mich bis auf die Unterwäsche aus. Normalerweise schlafe ich gerne nackt, aber das schien heute Abend keine gute Idee zu sein.
Als ich zurück ins Zimmer kam, lag Dallas in ihrem Bett, die Decke bis zum Kinn hochgezogen.
Ihre Augen wanderten interessiert über meinen nackten Oberkörper. Sie konnte froh sein, dass ich ein Gentleman war. Viele Typen hätten das als Einladung in ihr Bett verstanden.
Ich sah ihren Bademantel neben dem Bett auf dem Boden liegen. Was hatte sie an? Ich betrachtete ihre nackten Schultern. War sie etwa nackt unter der Decke?
"Ähm, Dallas?"
"Ja?"
"Bist du nackt?"
"Ja."
"Damit bin ich nicht wirklich einverstanden."
"Ich muss nackt schlafen, Axel. Das ist wichtig für meine Gesundheit. Nacktes Schlafen hilft, meinen Körper und meine Energie auszugleichen."
"Ich schlafe auch gerne nackt. Um meine verschwitzten Eier zu lüften. Aber das mache ich nicht, wenn ich mir ein Zimmer mit einem jungen Mädchen teile. Das nennt man Respekt. Also, könntest du bitte etwas anziehen?"
Sie setzte sich auf und hielt das dünne Laken an ihre Brust. "Wovor hast du Angst, Axel Kramer?", fragte sie leise.
"Ich habe vor gar nichts Angst. Ich würde es nur vorziehen, wenn du nicht nackt wärst."
"Du kannst auch nackt schlafen", sagte sie langsam und streckte ein nacktes Bein unter der Decke hervor. "Wir könnten zusammen nackt sein."
"Auf keinen Fall." Ich schnappte mir mein Shirt und zog es an. "Ich gehe raus, um frische Luft zu schnappen. Wenn ich zurückkomme, erwarte ich, dass du etwas anhast."
"Spielverderber."
Ich wachte auf, als ich leises Weinen vom anderen Bett hörte.
Verdammte Scheiße.
Dieses Mädchen war anstrengend mit all ihrem spirituellen Kram und ihren chaotischen Angewohnheiten. Ganz zu schweigen davon, dass sie mich in ihr Bett eingeladen hatte.
Und jetzt heulte sie um drei Uhr morgens wie ein Schlosshund.
Bringt mich um.
Ich drehte mich um und versuchte, ihr Schluchzen zu ignorieren. Warum musste ich nur so nett sein? Ich sehe nicht nett aus. Ich sehe aus wie ein miesepetriger Arsch. Ich bin ein miesepetriger Arsch.
Aber aus irgendeinem Grund, über den ich nicht zu viel nachdenken wollte, tat mir dieses Mädchen leid.
"Dallas, alles okay bei dir?"
"J-ja", sagte sie stockend.
"Du klingst nicht okay."
"Mir g-geht's gut."
"Du klingst nicht g-gut, Schätzchen."
"Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe. Ich versuche, leise zu sein."
Sie sagt, es geht ihr gut. Dreh dich um und schlaf weiter.
"Willst du darüber reden?", fragte ich.
"Okay."
Jetzt hast du den Salat, du Idiot.
"Hattest du wieder einen Albtraum?"
"Nein."
"Warum weinst du dann?"
"Ich vermisse meine Familie."
"Okay", sagte ich langsam. "Du kannst jederzeit nach Hause zurückgehen."
"Nein. Ich kann nie wieder zurück."
"Nie?"
"Nein."
"Warum?"
"Es ist kompliziert." Sie seufzte schwer. "Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll."
"Lass dir Zeit, Schätzchen."
"Ich hätte gestern heiraten sollen."