
Ich war mal deine Frau
Autor:in
Iandra Taylor
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Kapitel
27
McKenzie erfährt, dass ihr Ehemann sie mit einer Kollegin betrügt und er verlässt sie. Sie nimmt wieder Kontakt zu ihrem Kindheitsfreund Zane auf. Mit der Zeit werden sie und Zane ein Paar und sie lässt sich von ihrem Mann scheiden. Die Geliebte des Ehemanns versucht, Probleme für McKenzie und Zane zu verursachen, aber sie meistern es. Geld wird von der Bank gestohlen, in der der Ex arbeitet, und das Drama nimmt seinen Lauf.
Kapitel 1.
An jenem Freitag, als ich früher von der Arbeit ging, um die Lasagne zuzubereiten, die mein Mann so gerne mochte, erfuhr ich, dass er mich betrog.
Ich war auf dem Weg zum Feinkostladen, um Zutaten für unser Abendessen zu besorgen. Als ich über den Marktplatz schlenderte, hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Ich drehte mich um, um zu winken, und erblickte Chris in einem schicken Restaurant mit einer fremden Frau.
Sein Ehering fehlte.
Ich blinzelte mehrmals, in der Hoffnung aufzuwachen. Aber es war kein böser Traum.
Sie bemerkten mich nicht, als ich näher trat. Ihre Augen und Hände waren ineinander verschlungen. Ich konnte das Gesicht meines Mannes nicht sehen, aber die Frau strahlte vor Glück.
„Ich werde dich für immer und ewig lieben“ – das sagte er immer zu mir. Er war meine erste große Liebe. Also glaubte ich ihm blind.
Mit schwerem Herzen lehnte ich mich an eine Hauswand. Ich war nah genug, um ihr Gespräch zu belauschen, ohne gesehen zu werden. Also zückte ich mein Handy und rief ihn an.
Chris holte sein Handy heraus, sah darauf und nahm nicht ab. Seine Mailbox-Ansage ertönte in meinem Ohr.
„Alles in Ordnung?“, fragte die Frau.
„Ja“, sagte er, nahm ihre Hand und küsste sie. „Nichts Wichtiges. Nur Werbung.“
Ich machte ein Foto von ihnen und drehte mich um. Ich konnte nicht mehr hinsehen. Chris trug seinen Ring nicht und küsste die Hand einer anderen Frau. Ich war nichts Wichtiges; ich war nur Werbung.
Ich fuhr nicht zum Laden. Ich stieg in mein Auto und erinnerte mich daran, wie charmant Chris bei unserem ersten Date gewesen war. Es war unser letztes Schuljahr und ich wollte eigentlich nicht ausgehen, weil meine Freundinnen meinten, Jungs wollten immer nur das Eine. Aber ich kannte Chris schon eine Weile, also sagte ich ja, als er mich fragte.
Nach unserem ersten Date brachte er mich zur Tür und küsste meine Hand. „Das ist der einzige Gutenachtkuss, den ich heute Abend möchte“, sagte er.
In diesem Moment verliebte ich mich Hals über Kopf in ihn.
Lange Zeit war ich überglücklich. Chris und ich stritten kaum und schienen die gleichen Ziele im Leben zu haben. Nach der Schule fing er als Kreditsachbearbeiter in der Bank seiner Familie an, und ich begann in einer Chiropraktiker-Praxis zu arbeiten. Ein Jahr später heirateten wir.
Jetzt, fünf Jahre in unserer Ehe, war Chris zu Hause still geworden. Er war nie gemein, aber er wirkte abwesend.
Er sagte mir, es läge daran, dass er in der Bank sehr beschäftigt sei. Viele Leute würden neue Kredite aufnehmen und Häuser kaufen. Aber auf meiner Heimfahrt an diesem Tag fragte ich mich, wie viel von dem, was er mir erzählte, der Wahrheit entsprach.
Als Teenager dachte ich, ich hätte meine Traumliebe gefunden. Als Ehefrau dachte ich, ich könnte unsere Beziehung mit einem schönen Abendessen aufpeppen. Jetzt wusste ich, dass ich mich geirrt hatte.
***
Als ich zurück in das Haus kam, das meine Großeltern mir am Stadtrand hinterlassen hatten, legte ich meine Sachen auf die Theke und ließ mich aufs Sofa fallen, ohne das Licht anzumachen. Stunden später hatte ich mich immer noch nicht gerührt. Ich sah nur zu, wie Chris' Autoscheinwerfer durchs Wohnzimmerfenster leuchteten.
Die Tür öffnete sich und ich hörte die schweren Schritte meines Mannes. Eine Minute später schaltete er eine Lampe ein und erschrak.
„Verdammt!“, rief Chris und legte die Hand auf seine Brust. „Was machst du hier im Dunkeln, Kenzie?“
Ich war wie betäubt. In all der Zeit hatte ich weder geschrien noch Dinge herumgeworfen. Ich hatte nicht einmal geweint. Ich hatte einfach nur dagesessen und den Schmerz ertragen, während die Scherben meines Herzens in meiner Brust umherwanderten.
„Kenzie?“, fragte Chris und setzte sich neben mich. „Tut mir leid, dass ich deinen Anruf vorhin nicht angenommen habe. Mein Handy war leer und ich konnte es erst im Auto aufladen. Ich habe mein Ladegerät hier vergessen.“
Ich antwortete immer noch nicht und bewegte mich nicht. Ich fragte mich, ob ich einen Nervenzusammenbruch hatte. Hätten die meisten Frauen nicht ihre Männer direkt am Tisch zur Rede gestellt? Oder sie zumindest angeschrien, wenn sie nach Hause kamen?
Aber ich konnte nichts tun. Es war, als dächte ich, die Situation würde sich in Luft auflösen, wenn ich nicht darüber sprach.
„Kenzie? Bist du wach?“
Chris nahm meine Hand und ich spürte, wie sein Ehering gegen meine Finger drückte.
„Nein!“, rief ich und zog meine Hand weg. Endlich drehte ich mich um und sah meinen lügenden Ehemann an.
„Hey. Hey, was ist los? Kenzie, geht es dir gut? Bist du verletzt?“
Für einen Moment täuschte ich mich fast selbst und dachte, es würde ihn kümmern. Fast. Aber ich konnte nichts mehr glauben. Ich hatte ihn schon lange falsch eingeschätzt.
„Sprich mit mir, Kenzie. Du machst mir langsam Angst.“
„Wie lange?“, brachte ich mit rauer Stimme heraus. Mein Hals und meine Brust fühlten sich an, als würden sie brennen.
„Wie lange was, Schatz?“, antwortete er und versuchte, mir eine Haarsträhne hinters Ohr zu streichen.
Ich wich zurück und setzte mich in den Sessel neben dem Sofa.
„Wie lange betrügst du mich schon?“, fragte ich.
Chris sah genauso überrascht aus wie ich, dass ich es so direkt sagte. Normalerweise drückte ich mich vorsichtiger aus, aber dieser Tag schien der richtige Zeitpunkt dafür zu sein. Es war ein Tag der Premieren.
Ich beobachtete, wie Chris blass wurde. Sein Mund öffnete und schloss sich, als wüsste er nicht, ob er sprechen sollte oder nicht. Der Blick in seinen Augen sagte mir alles, was ich wissen musste.
„Ich weiß nicht, was du meinst“, sagte er zitternd.
In diesem Moment wurde klar, dass Chris nicht besonders gut lügen konnte. Wie zum Teufel hat er dieses Geheimnis vor mir bewahrt?, fragte ich mich. Ach ja, er hat sich bei der Arbeit versteckt.
„Die Frau, mit der du heute im Restaurant warst“, sagte ich deutlich. „Wie lange geht das schon mit ihr?“
„Ich weiß nicht, was du zu wissen glaubst, aber da läuft nichts“, sagte Chris schnell.
Ich holte mein Handy heraus und zeigte ihm das Foto, das ich gemacht hatte, als er die Hand der Frau küsste. „Das sollte dir auf die Sprünge helfen“, sagte ich wütend. „Erinnerst du dich? Du sagtest, ich wäre nur Werbung?“
Chris rieb sich übers Gesicht und sah mich dann wieder an. Seine Augen waren voller Schuld und Scham.
„Ich wollte nie, dass es so endet“, sagte er. „Ich wollte bald mit dir darüber reden. Ich habe nur versucht, den Mut zu finden, es dir zu sagen.“
„Was zu sagen?“
Chris kratzte sich am Hinterkopf. „Ich verlasse dich. Ich habe mich in Opal verliebt und ich will mit ihr zusammen sein.“
Es war schlimmer als ich dachte. Er betrog mich nicht nur, sondern verließ mich auch, ohne zu versuchen, die Dinge in einer Therapie zu klären. Er hatte entschieden, dass wir vorbei waren, bevor ich überhaupt wusste, dass etwas nicht stimmte.
„Dann pack besser deine Sachen“, antwortete ich mit all dem Zorn, den ich aufbringen konnte. „Ich will, dass du aus dem Haus verschwindest. Ich nehme an, du versuchst nicht, mir das Haus meiner verstorbenen Großeltern wegzunehmen, oder?“
Chris seufzte, wahrscheinlich überrascht, dass ich ihn nicht anflehte zu bleiben. Aber ich würde mich nicht so erniedrigen.
„McKenzie, sei nicht so. Du weißt, dass ich dir das nie antun würde. Ich weiß, wie sehr du dieses Haus liebst. Ich bin kein Unmensch.“
Er stand auf und kam auf mich zu, aber ich hob die Hand, um ihn zu stoppen.
„Aber hinter meinem Rücken eine Affäre zu haben macht dich zum Heiligen?“, fragte ich. „Mach dir nichts vor, Chris. Du hast mich vielleicht nicht geschlagen oder mir mein Zuhause weggenommen, aber du hast mein Herz und meine Seele zerbrochen. Also ja, du bist ein Unmensch.“
Ich ging an ihm vorbei in Richtung Badezimmer. Ich ertrug den Gedanken nicht, ihn noch eine Minute länger anzusehen.
„Pack deine Sachen und verschwinde. Ich bin sicher, Opal würde sich freuen, dich bei sich aufzunehmen.“












































