
Die Unbroken-Serie Buch 1: Gelasia
Lacey Jones hat ihr Leben bis ins kleinste Detail durchgeplant – Vorlesungen, ihren Platz als Stammtorhüterin im Schulhockeyteam und absolut keine Zeit für Dates. Doch Pläne überleben die Realität nicht immer. Eine unüberlegte Beziehung mit ihrem Trainer endet schnell in Missbrauch, lässt sie verletzlich zurück und unsicher, wem sie noch vertrauen kann. Dann tritt unerwartet die letzte Person in ihr Leben, mit der sie je gerechnet hätte: ihr Kindheitsmobber. Er bietet an, ihr Bodyguard zu sein, entschlossen, sie vor dem Chaos zu beschützen, das sie zu verschlingen droht – und sein Interesse geht weit über bloßen Schutz hinaus.
Als die Funken fliegen und alte Wunden wieder aufbrechen, muss Lacey sich fragen: Ist der Junge, der sie einst quälte, vielleicht jetzt der Mann, den sie braucht? Doch ihr Herz zu öffnen könnte bedeuten, alles zu riskieren, wofür sie gekämpft hat – und sich selbst.
Kapitel 1
Tomaten sind wie schlechte Beziehungen. Sie sind knallrot, glänzen und sehen gut aus. Der erste Bissen schmeckt süß, wie man es sich erhofft hat, aber sobald man die Schale durchbohrt hat, setzt der saure Geschmack ein. Dann weiß man, dass die Tomate, die man sich ausgesucht hat, durch und durch schlecht ist.
Chet starrte seine Tacos mit wütendem Gesicht an und winkte anschließend die Bedienung heran.
„Gibt es ein Problem?“
„Ja“, schnauzte er sie ane. „Auf meinen Tacos sind Tomaten. Ich habe ganz klar gesagt: ‚Keine Tomaten.' Ist der Job zu hoch für Sie?“
„Es tut mir sehr leid. Ich bringe Ihnen einen neuen Teller.“
„Wie lange dauert das?“
„Ungefähr zehn Minuten.“
„Zehn Minuten?!“, brüllte er und zog damit die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich.
„In zehn Minuten ist meine Freundin mit ihrem beschissenen Salat fertig, und ich muss allein essen!“
Ich sah meinen Freund auf der anderen Seite des Tisches an, und mein Magen zog sich unangenehm zusammen. Der süße, nette Typ, der mir das Gefühl gab, besonders zu sein und mich wie eine Königin behandelte, war an diesem Abend nicht da.
„Ich kann mit meinem Salat warten, bis dein Essen kommt“, sagte ich und legte meine Gabel hin.
„Nein. Lass uns einfach abhauen. Ich habe keinen Hunger mehr.“
Ein Mann im Anzug kam zu unserem Tisch. „Entschuldigen Sie, gibt es ein Problem?“
„Sind Sie der Manager?“
„Ja.“
„Nun, ich habe ganz klar gesagt, dass ich keine Tomaten will. Und raten Sie mal, was auf meinen Tacos ist? Tomaten. Ich kann sie nicht einfach entfernen. Die haben schon überall ihren widerlichen Tomatenschleim hinterlassen!“
„Es tut mir sehr leid. Wir bringen Ihnen gern einen neuen Teller und übernehmen auch Ihre Rechnung für die entstandenen Unannehmlichkeiten.“
„Machen Sie sich keine Mühe. Wir gehen.“ Er stand auf, schnappte sich seine Jacke von der Stuhllehne und ging schnell hinaus.
Ich zog ebenfalls meine Jacke an. Mein Gesicht brannte, als ich mit gesenktem Kopf aus dem Restaurant ging.
Chet saß bereits im Auto und der Motor lief. „Was hat da denn so lange gedauert?!“, fragte er wütend.
Ich schnallte mich an und starrte geradeaus.
Er streckte die Hand aus und rieb über meinen Oberschenkel. „Was ist los?“
Ich strich über einen vermeintlichen Fussel auf meinem Rock und überlegte, ob ich etwas zu seinem Verhalten im Restaurant sagen sollte.
„Lacey?“
„Ja?“
„Bist du sauer auf mich?“
„Nein. Ich finde nur, dass du dich da drinnen im Restaurant zu sehr aufgeregt hast.“
„Ich finde, du bist diejenige, die sich zu sehr aufregt, Babe.“
„Wo fahren wir hin?“, fragte ich, als er in die entgegengesetzte Richtung meines Wohnheims fuhr.
„Ich dachte, du übernachtest heute bei mir.“ Daraufhin schob er seine Hand unter meinen Rock. „Ich bin geil und will ficken.“
Ich schlug seine Hand weg. „Ich will nicht in deiner Wohnung übernachten.“
Ich übernachtete nicht gern bei Chet. Seine Nerd-Mitbewohner starrten mich immer an, als wäre ich ein Stück Fleisch. Es würde mich nicht mal wundern, wenn sie vor Chets Schlafzimmertür standen und uns beim Sex zuhörten.
Chet wiederum mochte es nicht, in meinem Wohnheim zu übernachten. Ich hatte ein Einzelbett, und darin wurde es schnell eng.
„Nun, jetzt ist es zu spät. Wir sind fast da. Du hättest früher was sagen sollen.“
„Ich nehme einfach ein Taxi zurück zu meinem Wohnheim.“
„Lacey, du benimmst dich lächerlich. Hast du deine Tage oder was? Du kannst mir auch einfach einen blasen, wenn das das Problem ist.“
Ich biss fest die Zähne zusammen, als er auf den Parkplatz seines Zuhauses fuhr. „Ich habe nicht meine Tage. Ich will nur nicht hier übernachten. Ich bin sauer auf dich.“
Chets Gegend war nicht gerade eine der besseren in Cambridge. Ein paar zwielichtige Gestalten standen auf dem Parkplatz herum, also stieg ich aus dem Auto und folgte ihm in seine Wohnung.
Dort angekommen, nahm er mir die Jacke ab und zog mich in seine Arme. Er rieb sein Gesicht an meinem Hals, während er mit der Hand über meinen Oberschenkel fuhr und in mein Höschen glitt. „Oh, Babe. Da unten ist es ja wie in der Mojave-Wüste. Keine Sorge. Ich habe jede Menge Gleitgel.“
Ich versuchte, mich loszureißen, aber er hielt mich fest. „Wehr dich nicht, Babe. Entspann dich, vielleicht gefällt es dir sogar.“
Einer seiner Mitbewohner kam aus dem Badezimmer. Er trug nur ein Paar Superhelden-Boxershorts. Seine Brust war mit dichtem, schwarzem Haar bedeckt. „Hi, Lacey“, sagte er. „Übernachtest du hier?“
„Anscheinend“, sagte ich unglücklich und warf Chet einen wütenden Blick zu.
„Cool“, meinte er lachendr und ging in die Küche.
„Komm, Babe.“ Chet packte meinen Arm, zog mich in sein Schlafzimmer und knallte die Tür hinter uns zu. Dann drückte er mich aufs Bett und kletterte auf mich.
„Chet, ich bin heute Abend nicht in Stimmung.“ Ich wand mich und versuchte mich, unter ihm hervorzuwinden. „Runter von mir.“
Er rollte sich auf den Rücken und atmete frustriert aus. „Was ist denn los, Lacey?“
„Nichts. Ich habe einfach keine Lust auf Sex.“
„Hast du jemand anderen?“
„Nein, Chet.“
„Gut. Du gehörst nämlich mir. Ich weiß nicht, was für Beziehungen du in der Vergangenheit geführt hast, aber wenn du zustimmst, die Freundin eines Typen zu sein, musst du auch mit ihm schlafen. Das wird von dir erwartet, Babe.“
„Es ist nicht so, dass ich nicht mit dir schlafen will“, erklärte ich. „Ich wünschte nur, du würdest mit mir Liebe machen, wie in unserer ersten Nacht. Ich stehe nicht wirklich auf dieses harte Zeug, und manchmal wäre es schön, wenn du mich fragen würdest, was ich mag.“
„Lacey, du musst erwachsen werden und aufhören, diese Liebesromane zu lesen. So ist Sex in der echten Welt nicht. Ich bin müde und habe keine Lust auf irgendein Vorspiel. Ich will dich einfach nur ficken und schlafen gehen.“
Als er wieder auf mich kletterte, wehrte ich mich nicht dagegen. Vielleicht hatte er recht, schließlich hatte ich nicht viel Erfahrung mit Männern.
Ich hatte in meinem letzten Highschool-Jahr einen Freund gehabt. Daniel war ein netter Typ, der mich gut behandelte. Wir hatten unsere Jungfräulichkeit aneinander verloren.
Als die Highschool endete, beschlossen wir, getrennte Wege zu gehen. Er ging nach Kalifornien zur UCLA, während ich an der Ostküste blieb. Wir waren uns beide einig, dass eine Fernbeziehung für uns nicht infrage kam.
Während meiner ersten beiden Jahre am MIT hatte ich ein paar Dates, aber ich schlief mit keinem von ihnen und verabredete mich auch nie mit jemandem, mit dem ich mir eine Beziehung hätte vorstellen können.
Chet war so nett und süß, als wir uns kennenlernten. Er war älter und hatte mehr Erfahrung und ich dachte, das wäre genau das, was ich gebrauchen könnte. Vielleicht regte ich mich zu sehr über das auf, was im Restaurant passiert war. Jeder durfte mal wütend werden.
Ich wollte mit Chet zusammen sein und wir hatten viel gemeinsam. Wir hatten ähnliche Lebensziele und Pläne. Ich mochte es, einen Freund zu haben, anstatt allein zu sein. Die meiste Zeit war er in Ordnung. Ich musste einfach einen Weg finden, den Sex mit ihm zu genießen.
Er schob meinen Rock hoch und zog mein Höschen runter. Nachdem er etwas Gleitgel auf seine Finger geträufelt hatte, stieß er sie in mich hinein. Er drückte meine Oberschenkel auseinander und positionierte seinen Schwanz. Dann drang er mit einem harten Stoß in mich ein.
Ich schloss die Augen und hoffte, dass er schnell fertig sein würde. Meine Beine fühlten sich schwer an, und ich wollte sie ablegen, aber er hielt mich an den Oberschenkeln fest, während er hart in mich eindrang und wieder herausglitt. Schließlich gab er ein grunzendes Geräusch von sich, kam und ließ mich los.
Ich hatte keinen Schlafanzug dabei, fühlte mich aber nicht wohl dabei, nackt zu schlafen. Also rollte ich mich in meinen Klamotten zusammen und schlief irgendwann ein.
Der Geruch von Speck stieg mir in die Nase und ich öffnete die Augen. Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war.
Wie konnte ich nur vergessen, dass ich bei Chet übernachtet hatte?
Der Schmerz zwischen meinen Beinen war eine unangenehme Erinnerung an den harten Sex von letzter Nacht.
Die Tür ging aufh, und Chet kam mit einem Tablett in den Händen herein. Er trat die Tür hinter sich zu und lächelte breit.
„Guten Morgen, Babe. Ich dachte, du hast vielleicht Hunger.“ Er stellte das Tablett vor mir auf dem Bett ab und kletterte neben mich.
Ich warf einen Blickh auf den Teller. Er hatte Rührei, Speck und Toast gemacht, mit etwas Obst an der Seite. Die heiße Tasse Kaffee roch herrlich.
„Danke. Es sieht köstlich aus.“
„Gern geschehen. Tut mir übrigens leid wegen gestern Abend. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Es wird nicht wieder vorkommen. Versprochen.“
Ich war mir nicht sicher, ob er über das sprach, was im Restaurant passiert war, oder über den Sex.
Aber was brachte es schon, zu fragen? Er würde wahrscheinlich nur wütend werden, daher ließ ich es auf sich beruhen.
Er beugte sich vor und küsste mich sanft auf die Lippen. „Iss, Babe.“
„Sag Leon, dass ich danke sage.“
„Woran merkst du, dass er es zubereitet hat?“
„Weil du Veganer bist und es dir keinen Spaß machen würde, Speck und Eier zu machen.“
Er nickte und ein schuldbewusstes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Erwischt.“
Das war der Chet, in den ich mich verliebt hatte. Süß, nett und lustig.
Ich verputzte mein Frühstück und ignorierte die kleine Stimme in meinem Kopf, die sehr hartnäckig versuchte, mich an ihm zweifeln zu lassen.
„Also, Babe, ich muss mit dir über etwas Wichtiges reden, bevor ich dich nach Hause bringe.“ Er schnappte sich das leere Tablett und stellte es auf den Boden. Dann nahm er meine Hand und küsste meine Knöchel.
„Was ist es?“
„Ich möchte, dass du mit mir zu Thanksgiving nach Hause kommst.“
„Zu deinen Eltern nach Rhode Island?“
„Ja.“
Er wollte mich mit zu sich nach Hause nehmen, damit ich seine Eltern kennenlernte. Unsere Beziehung wurde langsam ernst.
Ich war einundzwanzig Jahre alt und es war an der Zeit, erwachsen zu werden. Meine besten Freundinnen waren ebenfalls in festen Beziehungen. Whitney und Mitch waren seit sechs Jahren zusammen und meine andere Freundin, Carla, war sogar verlobt.
„Okay. Ich komme mit.“
„Wirklich? Großartig. Meine Mutter wird begeistert sein.“ Er drückte seine Lippen kurz auf meine. „Wir sollten aufstehen. Mein Unterricht beginnt um neun und ich muss dich noch nach Hause fahren.“
Er zog seine Boxershorts aus und wickelte sich ein Handtuch um die Hüfte. Dann ging er duschen.
Ich betrachtete mich im Spiegel, während ich meine Haare bürstete. Ich hatte einen festen Freund, der mich mit zu sich nach Hause nehmen wollte, um seine Eltern kennenzulernen. Eigentlich hätte ich sehr glücklich sein sollen. Aber ich konnte das Warnsignal in meinem Kopf einfach nicht ignorieren.





































